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Mt Zeitung.

âeiheit «nb Recht!"

Wiesbaden. Sonntag, 21. Januar

1849.

Kreie ^eituna" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts hu»* ^ Boll bewaen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. ~

M Reden und Handeln.

Langenschwalbach, 14. Januar.Eimgkeit macht stark" Dieser Satz ist nirgends richtiger als in ferner Anwendung auf politische Parteien. Die Erfahrung lehrt dies jeden Tag. Einer ganz kleinen Parier ist der Sieg gewiß, sobald es ihr gelingt, die ihr gegen- überstehende große Partei zu spalten; sie wirft dann ihre Normen der einen Fraktion zu und die Majorität ist da.

Kein freier Staat, kein gesundes Staatsleben kann eristiren ohne freie, der Freiheit fähige und würdige Staatsbürger. Für jeden, der ein freies Staatsleben anstrebt, ist es also Pflicht, sich Einlaß in politische Dinge und dadurch eine politische Meinung zu ver­schaffen. Ist dies geschehen, so ist man dadurch natür­lich in einen mehr oder weniger schroffen Gegensatz zu den Anhängern anderer politischen Meinungen getreten, selbst bei der allgemeinsten Verschiedenheit der Ansichten. Man wird entweder einen Staat wollen, in dem Alles durch das Volk und für das Volk geschieht, oder einen solchen in dein Alles durch privilegirte Klassen und für dieselben geschieht. Im ersten Falle, wenn man also den demokratischen Staat will, ist man in Gegensatz getreten zu allen im dermaligen Staat privilegirten Ständen, die auf Beibehaltung ihrer Privilegien be, dacht sind, man ist zu einer Partei getreten. Und

Partei! Partei! wer sollte sie nicht nehmen,

Die noch die Mutter aller Größe war."

Aber ein vernünftiger Mensch wird natürlich sich nicht eine Ansicht bilden, um eine Ansicht zu haben, und eine Parteistellung einnehmen, um einer Partei an» zugehören; nein er wird wirken wollen für die von ihm als richtig erkannte Ansicht, er wird dieselbe praktisch durchgeführt wissen wollen, kurz, er wird den Sieg der mit ihm Gleichgesinnten, seiner Partei wollen. Wer nicht zugleich darauf bedacht ist, dessen Ansichten sind hohle, leere Redensarten, der ist zu vergleichen mit jenen alten Weibern, die jammern über die schlechten Zeiten, zur Beseitigung derselben aber nicht daS Ge­ringste thun, oder mit jenem Faullenzer, der über Durst klagte, aber zu bequem war, sich Wasser aus dem nahe­gelegenen Brunnen heraufzuziehen.

Und doch ist gerade dieser Fehler derjenige, den man am häufigsten findet. Da gibt eS eine Menge Leute, die sich Demokraten nennen und zur Fortschrittspartei gehören wollen. Wenn es sich aber darum handelt, einmal zu zeigen, was Wahres daran ist, dann bestehen sie die Proben nicht. Ja! heißt eS dann , ich mag eS doch mit dem und dem nicht verderben; ich könnte mir Unannehmlichkeiten zuziehen, meine Kundschaft verlieren; auf mich wird es ja nicht ankommen; ihr könnt auf mich rechnen, aber ich mag mich nicht öffentlich erklären; oder das Volk ist noch gar zu ungebildet; die Leute wissen nicht worauf ankommt; ich werde von ge­wisser Seite her darauf angesehen, wenn ich in diese

Gesellschaft gehe, und wie die Redensarten alle heißen mögen.

Es ist das der Mangel an Aufopferungsfähigkeit, wo­ran so viele Menschen laborlren, und der der Grund ist von den manchen Niederlagen, die die demokratische Partei erleidet. Der Eine will seiner Ueberzeugung kein materielles Opfer bringen, der Andere will seine Bequemlichkeit nicht ofern, er will in gesellschaftlicher Beziehung Nichts entbehren, er will sich amüsiren, ab­gesehen von politischen Ansichten; der Dritte mag nicht von diesem oder jenem hohen Herrn seiner Ansichten wegen angesehen werden u. s. f. Und gerade die Ver­mögenderen und Gebildeteren leiden am meisten an Mangel an Aufopferungsfähigkeit.

Wenn es besser werden soll, so müßt ihr selbst mehr dazu thun. Die Gleichgesinnten müssen zusammenhal­ten, sich durch gegenseitige Belehrung in ihren An- und Absichten bestärken und auf diese Weise der Reaktion imponiren.

So lange die Fortschrittspartei sich an die Reaktion anlehnt und mit ihr liebäugelt, statt ihr einig und fest entgegenzutreten, so lange nicht jeder Einzelne die Sache der Partei als seine eigne betrachtet und für dieselbe einsteht mit Hintansetzung aller Nebenrücksichten , so lange kein Heil!

Und wenn Jemand, der der guten Sache kein Opfer bringt, oder zu bringen bereit ist, sich über unsere fau­len Zustände beschwert und Redensarten macht, so fragt ihn, ob er, was in seinen Kräften steht, in seinem Kreise zur Beseitigung derselben gethan habe, und wenn er sich nicht ausweisen kann, so erklärt ihn als Mitschul­digen! Es ist ein halber Verrath, sich zu einer Partei zu rechnen, für die man nichts thut und nichts thun will. Damit ist Nichts gethan, daß man Redensarten macht und mit freisinnigen Ansichten coquetirt, man muß die gute Sache nach Kräften fördern helfen.

Der Gesetzgeber kann wohl freisinnige Gesetze und Einrichtungen schaffen. Freisinnige Bürger 'aber kann er nicht schaffen und ohne diese ist die beste Gesetzge­bung ohne Werth.

Der ächte, freie Sinn aber wird im Volke geweckt und genährt, wenn Jeder in seinem Kreise die gute Sache fördert und die Gleichgesinnten eine einige, starke und dadurch imponirende Partei bilden.

Mein politisches Glaube nsbekenntniß.

Aufgefordert von den demokratischen Wahlmännern Wiesbadens, welche mir die Ehre erwiesen haben, mich als ihren Wahlkandidaten für die Abgeordnetenkammer aufzustellen, gebe ich kn dem Nachstehenden die Grund- züge meiner politischen Ueberzeugung. *

Ich will die Demokiatie, die Volksherrschaft, weil nur durch die Herrschaft des Volkes, d. i. der allge­meinen Vernunft, das allgemeine Glück, welches der

Zweck aller Staaten und Staatseinrichtungen ist, ge­gründet werden kann. 0 "

Die demokratischen Grundsätze können unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur allmälig, einer nach dem andern, ins Leben eingejührt werden.

Die Freiheit (die Demokrat, sirung) Deutschlands kann nur von der Freiheit der Einzelstaaten aus auf­gebaut werden, weßhalb gegenwärtig den einzelnen deutschen Landesversammlungen eine größere Wichtigkeit beizulegen ist, als der Frankfurter deutschen National­versammlung.

Die einzelnen Staaten haben das Recht, sich frei ihre Verfassung zu geben.

DieGrundrechte des deutschen Volkes" sprechen nur das geringste Maß der Freiheit and.j

Die gegenwärtig versammelte Kammer unsere- Landes muß als eine verfassunggebende ange­sehen werden, da die frühere Verfassung faktisch und zufolge der Märzrevolution nicht mehr besteht. Die Kammer kann also nicht aufgelöst werden.

Bei der Organisation der Verwaltung des Lan­des sind die Rücksichten der größtmöglichen Verein­fachung und Sparsamkeit im Auge zu behalten.

Die ärmeren Volksklaffen bedürfen einer wirksamen Erleichterung, damit der immer mehr um sich greifen­den Verarmung Einhalt gethan werde.

Die Industrie, für welche bisher in unserm Lande Nichts geschehen ist, muß gehoben werden.

Wie die einheimische Industrie gegen die Uebermacht des Auslands (Englands), so muß hinwiederum der Handwerkerstand gegen die Uebermacht der einheimischen Industrie geschützt werden.

Durch politische Maßregeln allein kann jedoch dem Handwerker- und Arbeiterstand nicht geholfen werden; eS muß die Macht der Association (der In­nung), welche jedoch nicht mit dem mittelalterlichen Zunftwesen zu verwechseln ist, hinzukommen.

Um diese Macht zu erlangen, bedarf der Hand­werker eines höheren Grades der Bildung (Handwerker­schulen, Prüfungen rc)

Dies sind die Grundzüge meines politischen Glau­bensbekenntnisses, wobei ich besonders auch solche Punkte berücksichtigt habe, über weichlich mich bisher öffentlich auszusprechen noch weniger Gelegenheit hatte. Im Uebrigen sind meine Ansichten, mit welchen ich niemals zurückhaltend gewesen, allbekannt, vielleicht in^ gewisser Beziehung allzu bekannt.

Langenbach, 18. Jan. 1849.

F. H. Snell, Pfarrer.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

154. Sitzung.

(Schluß.)

Welcker stellt den Antrag: Die RegkerungSgewalt den Ober­häuptern der zwei größten Staaten abwechselnd auf je 6 Jahre zu übertragen. Er geht dabei vvn der Ansicht aus, daß weder

Machinationen gegen die Wahl des Herrn

Pfarrer Snell.

Soeben ist der Redaction folgender Brief zugekommen: Hochgeehrtester Herr Oppermann!

Soeben kommt mir durch die Post beiliegendes Blatt der Allgemeinen Zeitung zu, worin wie Sie ersehen wer­den, man nur die Absicht hat Pfarrer Snell von Langen­bach, welchen wir uns zu unserem Deputirten auserse- hen; zu verdächtigen?) Als Leser Ihrer freien Zei­tung Ihre Gesinnung ehrend und achtend bin ich so frei Ihnen dieses Blatt, welches mir in Umschlag ohne Na­men u. s. w. zukam, zu übersenden mit dem Ersuchen, wenn es Ihnen möglich ist den Machinationen einer im Finster schleichenden Parthei j« begegnen: es ja bald thun zu wollen.

Mit besonderen Achtung zeichnet sich Ihr ergebenster .....Bürgermeister. *)

*) Es ist die Nr. 237 vom 16. December vorigen Jahres und sie enthält Angriffe auf Dr. Gerau und Pfarrer Snell und hat schon bei ihrem Erscheinen viele Männer, welche aus der Politik die Schmähsucht verbannt sehen möchten, mit gerechter Indignation erfüllt.

**) Den Namen des Briefstellers verschweigen wir aus ge­wissen Rücksichten, Die Redaktion.

C n t w u r f des engern Ausschusses (Müller II., Justi, Wenkenbach 1.) über die Organisation^ der Centr^Herroaltung.

(Fortsetzung.)

H. 49. Zu dem Geschäftskreise der Abtheilung für Handel, Landwirthschaft, Gewerbe, Statistik rc. gehören die Ueberwachung der Gesetze über Gewerbe, Arbeit und Landwirthschaft, die Recurse gegen Entscheidungen der Kreisbeamten und Kreisausschüsse wegen der ju ihrem Geschäftskreis gehörenden Gewerbsconcessionen, Er­forschung der Nahrungsquelleu des Volkes, Vorschläge zur Hebung der Industrie und Arbeit, statistische Nach­weise über die Bevölkerung und über alle Theile des ge­summten Volkslebens.

§. 50. Das Collegium besteht aus drei ordentlichen Mitgliedern, nämlich: 1) einem Rath, der dem Collegium vorsteht und ein Cameralist sein muß; 2) einem Refe­renten für die Landwirthschaft, welcher zugleich Professor des landwirthschaftlichen Institutes sein kann; 3) aus einem Referenten für Handel, Gewerbe und Arbeit, wel­cher zugleich im Bergcollegium angestellt sein kann; 4) aus einem Rath der ersten Abtheilung. Zum Personal gehört ferner ein Secretär, der hauptsächlich die statistischen

§. 51. Dem Collegium steht ein Beirath zur Seite, welcher aus 16 Mitgliedern, nämlich 4 Mitgliedern für den Handel, 4 Mitgliedern für die Landwirthschaft, 4 Mitgliedern für Gewerbe und 4 Mitgliedern für Arbeit besteht. Die Beiräthe werden von den betreffenden Ver­einen auf drei Jahre gewählt

Dieser Beirath versammelt sich alljährlich wenigstens einmal; er macht Vorschläge über die in den einzelnen Zweigen nothwendigen Verbesserungen und allgemeinen Anordnungen. Es sind demselben auf Verlangen alle Verhandlungen mitzutheilen und muß in allen wich­tigen Gegenständen sein Rath eingeholt werden.

§ 52. Das Colleg für die Abtheilung des Unter­richts besteht auS: einem Oberschulrath, der zugleich Diri­gent ist, aus einem Referenten für daS höhere Schul­wesen, einem Referenten für daS Rcalschnlwesen, einem Referenten für daS Volksschulwesen und einem auS der ersten Abtheilung damit beauftragten Juristen.

Die drei technischen Referenten sind zugleich an der Lehranstalt zu Wiesbaden angestellt.

§. 53. Diesem Collegium zur Seite steht ein all­jährlich zu versammelnder Beirath, welcher von den Lehreru der einzelnen Branchen frei gewählt und auS 12 Mit­gliedern zusammengesetzt wird, nämlich auS drei Real­lehrern, drei Gymnasiallehrern und sechs Vvlksschullchrcrn.

§. 54. Das Schulcollegium hat alle drei Jahre eine Synode zu berufen, welche über wichtige Schulangelegcn-