wirb, da nach den angeführten Thatsachen, eine dauernde Einwirkung durchaus unentbehrlich wird.
(I?) Aus der Provinz, 15. Jan. (Stellung des Beamten thu ms.) Wir haben keinen besseren Barometer für unsere öffentlichen Zustande, als das Beamtenthum. Wir sehen uns jetzt vergeblich um nach jenen volksfreundlichen Hkrren, welche in dem Monat März des vorigen Jahres, schon 10 Schritte von uns entfernt, den Hut abzogen, mit entblößtein Haupte gar freundlich grüßten und nickten und, wenn man es verlangte, sogar auch Hände austheilten. Wo sind sie auf einmal denn alle hingekommen, jene lieben Herrn, die sich in Bier- und Aepfelweinhäusern zu uns setzten, cordiale Gespräche führten, und, wenn's Noth that, auch einen SchmolliS nicht scheuten? Sie sind verschwunden, wie der Schnee vom vorigen Jahr. Sind sie gestorben? O nein, nicht doch, sie leben noch, aber ,'fte haben sich der „anstößigen Sitten der sinnlosen Märzbewegung" wieder entschlagen, sie haben zwischen sich und das „Volk" wieder jene heilsame chinesische Mauer aus Aktenstößen und gelben Knöpfen aufgebaut, welche auch früher bestanden hat; sie haben jene alten Paragraphen ihres Gesetzbuches wieder aufgefrischt, wonach Niemand umgangsfähig ist, als wer ein Anstel- lungspatent oder viel Geld besitzt. Ausnahmen gibt'S natürlich überall, und Gottlob auch bei unserem Beamtenstand; es gibt Angestellte, welche vor dem März volksfreundlich waren und es bis jetzt auch geblieben sind, aber auch im Frühjahr jene lächerlichen Uebertreibungen nicht mitgemacht haben.
Es war vor dem März, als ein nassauischer Schulmeister seine Schulkinder eraminirte, wer das vornehmste Geschöpf sei? Die Kinder wußten es nicht; endlich rief ein schnippisches Mädchen: „Ich weiß es, die Frau Justizräthin!" Diesen Anspruch, das „vornehmste Geschöpf" vorstellen zu wollen, der im März von Trümmern überschüttet wo den war, scheint man wieder ausgeben zu wollen; und die Ehegatten der „vornehmsten Geschöpfe" möchten gerne einen Schleier ewiger Vergessenheit decken über die Blößen, die sie sich in den Tagen der „Bewegung" gegeben, und wenn auch das alte Paschalik nicht wieder ganz hergestellt werden kann, doch wenigstens „konstitutionelle Pascha's" weiden, so gut wie Brandenburg, Manteuffel und Con- sorten konstitutionelle Minister sind.
Merkwürdig ist, wie konstitutionell überhaupt die Leute sind. Der Herzogliche Amtmann behändigt dem Herzoglichen Amtsdiener einen dicken Pack Probe-Nummern der konstitutionellen Herzoglichen „Nassauischen Allgemeinen' Zeitung", um sie durch die Amtsboten in dem ganzen Amtsb -zirk verbreiten zu lassen. Die Bauern begucken sich neugierig diese Gratis-Blätter, welche von Wiesbaden kommen, aber merkwürdiger Weise gefallen ihnen dieselben bei Weitem nicht so gut, wie jene Gratis-Blätter, die im Anfang des März 1848 von Wiesbaden kamen. Sie transit gloria mundi! Merken die Bauern aber, daß es eine Zeitung ist, die sie halten und bezahlen sollen, dann schütteln sie den Kopf und auf weiteres Zureden antworten sie Nichts, als! Wir haben die „Freie"! Trauriges Schicksal eifriger konstitutioneller Bestrebungen!
Auffallend ist es, daß die meisten oder wenigstens viele unserer Amtleute in lebhafter Privatkorrespondenz mit dem Herrn Ministerialprâstdenten stehen. Da das Briefgeheimniß durch die Grundrechte gewährleistet ist, so dürfen wir natürlich nach dem Inhalt nicht fragen. Privatangelegenheiten werden es schwerlich sein, und deßhalb dünkt uns die Sache sonderbar. Soviel wir wissen, ist dieser Geschäftsgang ein neuer. Wenn der Lokalbeamte dem Ministerium etwas mitzutheilen hat, so hat er einen Bericht an die Negierung zu machen, und diese legt es dem Ministerium vor. Das ist der gesetzliche Weg, und es ist nicht zu begreifen, warum man ihn verläßt.
Der Abgeordnete Siebert hat im Frühjahr einen Antrag gestellt auf Abschaffung der Konduitenlisten. Es wäre schlimm, wenn man, statt der auf gesetzlichem und geschäftsordnungsmäßigem Wege eingezogeuen früheren Konduitenlisten, solche einführtè, welche neben dem Charakter der Heimlichkeit noch den der Puvatkorrespondenz tragen, dennoch aber offiziell benutzt werden.
Man klag überhaupt unter der Klasse der Staatsangestellten furchtbar über ein sich immer mehr aus- dehnendes System heimlicher Ausforschung und Anbringerei mißliebiger politischer Ansichten. Es geht soweit, daß man sogar das alte System höher stellt, als das gegenwärtige „konstitutionelle". Das alte System habe seine polizeiliche Ueberwachung doch bloß auf das Gebiet der Standesehre, den äußeren Lebenswandel, die sogenannte „Solidität" ausgedehnt urd nur Diätfehler in Spirituosen und sonstige Erzesse geahndet, dagegen sich um politische Ansichten u. dergl. gar nicht gekümmert, wenn Lur der Beamte tüchtig gearbeitet und seine Schuldigkeit gethan habe. Das imie System dagegen habe ein politisches Ketzergericht erricht t, erforsche und verfolge politische Gesinnungen und lasse den Beamten von miß iebigem politischem Glaub n in der „Nassauischen Allgemeinen" mit Absetzung drohen.
Wir sind nicht tief genug in die Geheimnisse der Bürokratie eingedrungen, um beurtheilen zu können, ob diese Klagen vollständig begründet sind. Sind sie es, dann werden die Folgen eines solchen Verfahrens, nämlich schrankenlose Korruption und tiefgreifende Verderbtheit, schwer auf das Haupt der Staatsgewalt zurück
fallen, und das Negieren mittelst solcher Beamte.» auS einer fo'chen Schule zu einem Ding der Unmöglichkeit machen.
/X Weilburg, 16. Januar. Die Hochverrathsver- suchsprozeffe werden schon wieder zur respektabel,» Firma einer Verfolgung im Dienste der gesetzlichen Ordnung vom 10. November. — Bleibt halt Alles beim Alten. — So war vor einigen Tagen Dr. Gerau vor das Kriminalgericht zu Dillenburg zum Verhöre vorgeladen: „In der Untersuchungssache gegen Johannes Grün von Obershausen und Genossen, wegen politischer Verbrechen" wie es im Volladungsbefehl hieß, wurde aber trotz aller Protestation gegen ein solches Verfahren über ganz andere Dinge vernommen, über eine vom Weilburger Volksvereine an die Bürger Nassaus erlassene Ansprache, die den Bestrebungen des hiesigen Vereins für Freiheit, Gesetz und Ordnung entgegen zu wirken beabsichtigt, und a's deren Verfasser er sich bekannte. Und so stellte es sich denn am Ende des Protokolls heraus, daß er „wegen Versuchs zum Hochverrathe" in Un- suchung sey, wenigstens setzte ihm der Herr Untersuchungsrichter die Geschichte so auseinander.
München, 11. Jan. Diesen Mittag wußte man noch immer nicht, wer erster Präsident der Kammer der NeichSräthe wird, es heißt, es sei nochmals an Graf Giech nach Frankfurt geschrieben, von wo stündlich eine Antwort erwartet werde. Man glaubt, daß Graf Giech sich bewegen lassen wird, wenigstens für die ersten Wochen das Präsidium zu übernehmen. Diesen Mittag sind schon viele Mitglieder beider Kammern hier. Wenn die Constituirung beider Kammern auf keine besondern Hindernisse stößt, dürste Freitag oder Samstag die Eröffnung durch S. M. den König stattsinden können. Indessen hört man, daß viele Abgeordnete unter den obwaltenden Verhältnissen die unbedingte Beeidigung auf die Verfassung beanstanden werden, wie dies auch von der würtembergischen Kammer geschah. (N. C.)
Stuttgart. Die Staatsschuld für unser kleines Land beträgt 42,978,831 fl. 20 fr. und hierfür müssen jährlich 2,085,971 fl. 13 fr. Zinsen bezahlt Werder. Das muß eine schöne Wirthschaft sein, wo jährlich so unendlich viel Geld eingeht und dennoch 42,978,831 fl. Schulden gemacht werden!
Berlin, 13. Jan. Herr Camphausen ist hier und wie man hört, ist heute auch Herr Bunsen eingetroffeu. Es hängt viel, wenn nicht Alles, von den j tzt zu fassenden Beschlüssen ab. Gelingt es den König zu bestimmen , die Centralgewalt nur anzunehmen, wenn sämmtliche deutsche Fürsten ihre Zustimmung geben, so scheint uns damit auch die Frage: ob Bundesstaat ob Bundestag? entschieden und die Frankfurter National- versammlung kann nichts weiter thun , als nach Haus gehen und die Lorbeerkränze in Empfang nehmen.
(Ztg. f. Norddeutsch.)
Berlin, 14. Jan. Von allen Seiten und auS den verschiedensten Bereichen der Beamtenwelt gehen uns Mittheilungen über politische Jnquisitionsversuche Seitens der Ministerien und höhern Beamten zu. Diese Maßregelung der politischen Handlungen und sogar der Denkweise der Unterbeamten ist förmlich durch Instruktionen aus den verschiedenen ministeriellen Departements organisirt worden und macht sich sowohl hier als in den Provinzen auf die gehässigste Weise geltend. So versichert man uns namentlich und liefert uns auch die thatsächlichen Belege dazu, daß die Präsidenten und Directoren der verschiedenen Gerichtshöfe vom Justizministerium aus die strengste Anweisung erhalten haben, die politischen Gesinnungen und Handlungen der Mitglieder und Unterbeamten ihrer Collegien sorgfältig zu überwachen, dabei ihre Aufmerksamkeit namentlich auf diejenigen zu lenken, welche republikanischen Gesinnungen huldigten oder in der octroyirten Verfassung weder eine Erfüllung der Wünsche des Volkes noch der Versprechung des Königs sehen. Einzelne Chefs von Gerichtshöfen entfalten denn auch schon einen löblichen Eifer in Verfolgung demokratisch gesinnter Subalternen. Unter diesen Jnguisi'oren zeichnet sich der hiesige Stadtge- richtsdirektor Schröder rühmlich aus, welcher seinen Untergebenen nicht einmal gestatten will, in'Privatgesprächen „sich so zu äußern, daß ein schwankendes politisch's Gemüth der Regierung abwendig gemacht iv r- den könne." — In gleicher Weise wirkt auf einem andern Felde die Elberfelder Celebrität, der neue Direktor unseres Gewerbe-Instituts Dr. Egen.
Obgleich schon am 14. Dezember datirt, bieten doch die nachfolgenden Auszüge aus einer Just uction Bü- low-Cummerows an die Agenten, Vertrauete und Mitglieder des Junker-Parlaments auch heute noch Interesse genug um hier mitgetheilt zu werden. „Die hier versammelten Ausschuß-Mitglieder haben die neue ee- troyirte Verfassung und das Wahlgesetz einer genauen Kritik unterworfen, und dadurch die Ueberzeugung g'- wonnen, daß wenn beide nicht für die Zukunft wesentliche Abänderungeu'erfahren sollten, das Land unaufhaltsam der rothen Republik entgegen geht." Nachdem aber dann über die Nothwendigkeit, auf die Wahlen einzuwirken, gesprochen worden, heißt es weiter: „Das jetzige Ministerium hat seit dem Eintritt des Justiz- Ministers Niutelen das Pâtow'sche Promemoria und die Gruiidsteue,fache wieder aufgcr.oinmen und scheint dasselbe Plünderungssystem verfolgen zu wollen, als alle früheren,......„Eine Interessenvertretung allein verspricht uns eine konservative Nationalversammlung." — Man ersieht hieraus abermals aufs Klarste, welche materiellen Zwecke der beschränktesten Kastenart die
Her.n vorn Jukerparlament verfolgen und wessen sich namentlich das Landvolk zu versehen hat, wenn es nicht bet Zeiten dafür sorgt, daß seine Interessen im zukünf- trgen Parlament gewahrt werden. (Mannh. A.)
Berlin. 16 Jan. Außer der deutschen Frage unh den Wahlkämpfen gibt jetzt wieder mehr als je ba. Gerücht von der Aufhebung des Belagerung^ Zustandes den Stoff zu Diskussionen. Man erzählt" daß bereits ein Gesetz in Betreff der Volköversamms lungert und Clubs; ein anderes, die Presse betreffend," und endlich ein Tumultgesetz ausgeavbeitet seien und in den nächsten Tagen publizirt weider sollten.
Der Redacteur der „Zeitungshalle", Gustav Iulius, der, obschon der Steckbrief gegen ihn ausdrücklich zurückgenommen war, es dennoch für zweckmäßig hielt, nicht nach- Berlin znrückzukehren, ist heute von neuem wegen Majestätsbeleidigung steckbrieflich verfolgt. Wie uns mitgetheilt wird, ist die Wiederaufnahme dieser Maßregel im Zusammenhänge mit Bestrebungen, bie dahin gehen, Hrn. Julius im Kreise Merseburg für eine der Kammern zu wählen.
Bremen, 12. Jan. Die Bürgerschaft hat gestern bei der fortgesetzter» Debatte über den Verfaffungsent- wurf in Betreff der Organisation des Staats mit 158 gegen 71 Stimmen beschlossen, daß der Senat aus 16 Mitgliedern bestehen soll. Von diesen müssen acht aus dem Gelehrtenstande, darunter wenigstens fünf Rechts- gelehrte, und unter den übrigen acht wenigstens fünf Kaufleute sein.
Schleswig, 12. Jan. Das vorgestern verbreitete Gerücht, als sei der König von Dänemark auf Pilsen angekommen, hat sich nicht bestätigt. Die geringfügige Kavallerie, welche auf dieser Insel sich befindet, soll dieselbe verlassen haben; dagegen befinden sich sieben Bataillone Infanterie (zu 200 Mann) daselbst, wäh- rend die übrigen acht zwischen Veile, Kolding und Fridericia stehen. Daß der Antrag des fanatisirten Pastor Grunbtwig in der dänischen Nationalversammlung auf sofortige Erhebung der Waffen, . um Schleswig zu unterwerfen, ein so klägliches Ende erfahren, dürfte eine Folge davon sein, daß Alsen durch das Eis jetzt landfest geworden, mithin von der schleswig-holsteinischen Armee täglich betreten werden kann. Die Furcht der dänischen Soldaten daselbst wirb, wie briefliche Nachrichten besagen, dadurch beschwichtigt, daß man das Gerücht aussprengt, es sei dem H.'rrn v. d. Tann verboten, wieder hierher zu kommen und daß sich nur fünf preußische Offiziere im schleswig-Holsteinischen Heere befänden. Andererseits soll indeß — und das mag vorzugsweise eingewirkt haben — von Preußen, Namens der Centralgewalt, an den dänischen Hof die Note ergangen sein, daß unter gewissen Bedingungen ber Waffenstillstand als gekündigt zu betrachten sei. Diese Nachricht scheint nicht unwahrscheinlich, weil es, so ungerne man auch zu den Waffen schreiten dürfte, um die Interessen des Handels- und Seeverkehrs nicht aufs Neue zu gefährden, da unbegreiflich sein würde, wie das deutsche Volk sich diesen Bruch des Malmöer Vertrages, diese Proklamation vom 15. Dez., ohne die tiefste Beeinträchtigung seiner Ehre, gefallen lassen konnte. Diese Proklamation, so wie die noch ausregen- dere an das schleswig-holsteinische Heer, hat der bekannte Graf Arthur v. Reventlow, als er neulich die Kasse von Sandberg abgeholt, dort anschlagen lassen.
(H. C )
Wim, 13. Jan. Den vielen Siegesuachrichlen aus Ungarn folgen jetzt einige beunruhigende Mittheilungen. Aus zuverlässigen Privatbriefen ersehen wir, daß ein Detachement unter Noban's Befehlen von General Bem geschlagen und g'ößtentheils aufgerieben wurde. Aehnliche, minder erheblich? Falle von Niederlagen österrreichischer Truppenkörper werden gemeldet. Dazu kommt noch der traurige Umstand, daß in verschiedenen bereits unterworfenen Theilen Ungarns trotz — oder vielleicht in Folge — der überstrengen Maßregeln des Fürsten Windischgrätz Bauernunruhen ausgebrochen sind.
Wien, 13. Jan. Man spricht allgemein von einem nahen Ministerwechsel; Briefe aus Kremsier sprechen in demselben Ton'. Dort mehr noch als hier, wo wir die Sitzungen bloß im Auszug? zu lesen bekommen — die stenographischen Berichte hinken erst oft um Wochen lang nach — dort will man es am allerwenigsten begreifen , wie es das Ministerium vor seiner Ehre verantworten könnte, zu bleiben, nachdem es die Majorität der Kammer gegen ft^ hat, nachdem seit dem 8. mit einer so ungestümen Heftigkeit geg-n das Ministerium g- sprachen wurde, wie früher nie der Fall vvrge- kommen, nachdem jeder Angriff auf die Regierung von dem Jubel der Rechten und Linken begleitet wird.
(Köl. Ztg.)
Olmtttz, 11. Jan. Graf Moritz Esterhazy hat vor einigen Tagen von Wien aus die Reise nach Gaeta angetretei', wohin er sich in außerordentlicher Mission begibt, um den diplomatischen Verkehr mit dem kirchlichen Oberhaupte wieder herzustellen. — Graf Bernsdorf, k. preuß. Gesandter, weilt gegenwärtig am kaiserlichen Hoflager. (Oest. C.)
Italien.
Die Berichte aus ^Nom deuten auf eine dumpfe Stille in der ewigen Stadt, feitbem die Junta und der ganze Munizipalkörper ihre Entlassung genommen haben. In Bologna war man beunruhigt durch die V -