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âeiheit und Recht!"

JgM.

Wiesbaden. Mittwoch, 17. Januar

1849»

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Zur Jndustriefrage.

III. Artikel.

' 7 5 Von der Weil, Anfangs Januar. Das End­resultat unsers vorigen Artikels war das, daß Macht, große Macht erforderlich ist, um ein vernünftiges Zoll­system für das gestimmte Vaterland ins Leben zu rufen. Die Macht eines Volkes ist aber die Freiheit und die aus derselben hervorgehende Einheit des Volkes. Nur freie und einheitliche Staaten sind, wie die Ge­schichte lehrt, im Stande, eine blühende Industrie und einen großartigen Handel Hervorzurusen. Nur Staaten, in welchen die demokratischen Grundsätze durchgedrungen waren, Karthago, Griechenland, die italienischen Repu­bliken, der Städtebund der Hanse, die Niederlande, England, Frankreich, Nordamerika, kurz, nur solche Staaten, welche durch radikale Revolutionen hindurch­gegangen sind, nur Staaten, welche bis zur dauernden oder zeitweisen Einführung der demokratsichen Institu­tionen fortschritten, vermochten sich in der genannten Beziehung einen weltgeschichtlichen Namen zu erwerben. Zu glauben, in Deutschland könne der gewünschte Auf­schwung der Industrie und des Handels, könne ein vernünftiges, umfassendes Zollsystem, könne eine Flotte, die diesen Namen verdient, zu Stande kommen, ohne daß die Partei, welche die Consequenzen unserer Revo­lution ziehen will, ohne daß die Demokratie vorher den Sieg errungen habe, daS ist dieselbe Täuichrrng, als wenn man meint, die deutsche Einheit könne ohne die deutsche Freiheit aufgebaut werden. Und dennoch sind noch immer so viele unserer Schutzzöllner in diesem Wahne befangen. Aber bedenkt doch einmal, was ihr verlangt, und in welchem Verhältniß die gegenwärtig zu Gebot stehenden Mittel der Macht zu diesem euerm Verlangen stehen! Oder glaubt ihr wirklich, die pun> dertfachen partikularistischen Interessen, welche durch Einführung eines einheitlichen Schuyzoll'ystems verletzt werden, würden zum Verstummen gebracht werden können durch den Absolutismus, durch einendeutschen Kaiser", durch die Bajonette derReichstruppen", durch eine bloß nominelle Centralgewalt, durch eine Gewalt, die nicht die Freiheit als Gegenleistung bringt? Glaubt ihr, daß es auch nur im Sinne und Vortheil einer solchen Gewalt liege, der ganzen Nation einen und denselben Zug und Schwung zu geben? Der Absolu­tismus lebt ja gerade von dem Widerstreit der ver­schiedenen Partikularinteressen (und der verschiedenen Nationalitäten)! Er würde einen Selbstmord begehen, wenn er diese Unterschiede in einer Höbern Einheit wahr­haft aufhübe! Blickt doch einmal auf England und sein Verhalten der deutschen Bewegung gegenüber! Warum hatte dieTimes" von Anfang an einen so wüthenden Zorn über jede demokratische Bewegung in Deutschland, über Alles, was nur entfernt auf das Zustandekommen der deutschen Freiheit und Einheit hin­deutete? Aus keinem andern Grunde, als weil dieses

acht englische Krämerblatt, welches auf seinem Felde eine so seine Spürnase hat, sogleich herauswitterte, daß die Freiheit und Einheit unseres Vaterlandes die Grund, bedingung für den Aufschwung unserer Industrie und unseres Handels sei. Und ihr, die ihr England mit Recht als euren Todfeind ansehet, die ihr solche An­strengungen macht, um die englischen Fabrikate aus Deutschland zu verdrängen, ihr stimmt ein in die Schmähungen der englischen Presse gegen die preußische Nationalversammlung (ja grade ihr deutschen Fabrikan­ten und großen Kapitalisten thut dies vorzugsweise!); ihr stimmt ein in ihren Jubel über die Auflösung die­ser ruhmgekrönten Versammlung, ihr stimmt ein in daS Geheul gegen dieWühler", die die Wiederherstellung derfeigen Ruhe und alten Ordnung" verhinderten, ihr stimmt ein in das Beifallsgejauchze zu den Bran­denburg-Wrangel'schen Gewaltmaßregeln, durch welche die sogenannte Ordnung, d. h. die alte absolute Herr­schaft, wieder hergestellt worden ist? Welch ein Wider­spruch! Oder denkt ihr vielleicht, indem ihr euch einbildet, an politischer Weisheit und Voraussicht die englische Krämerpresse zu übertreffen, denkt ihr viel­leicht an daS gelobte russische Reich, wo doch unter der Herrschaft des Absolutismus die Industrie blühe? Aber abgesehen davon, daß die russische Industrie nicht so weit her ist, als es den Anschein hat und als es in die Welt ausposaunt wird, ist Rußland von Anfang an ein einheitlicher absoluter Staat gewesen. '^Dagegen Deutschland ist seitlJahrhunderten zerrissen, Deutsch­land muß die Einheit erst erringen, Deutschland ist noch gar kcin^Staat, sondern muß erst ein solcher werden. Deutschland kann aber kein Staat werden, kann die Einheit nicht erringen, ohne zugleich die Freiheit zu erringen. Da" wissen die Engländer, die^. praktischen, sehr wohl. In Deutschland, wo die Verhältnisse ganz verschieden sind, auf russische Zustände zu hoffen, daS ist, um weiter nichts zu sagen, zum Mindesten unendlich lächerlich!

Nein, ihr Industriellen, foJLwgeTbie Demokratie nicht siegt, kommt die Freiheit nicht zu Stande, so lange die Freiheit^icht zu Stande^kommt, wird die Einheit nicht errungen, so lange die Sinkest; nicht errungen ist, kann kein einheitliches Zoll- und Handelssystem einge­führt, könnt ihr nicht befriedigt werden. Ihr müßt also zuletzt doch in den sauern Apfel beißen, ihr müßt euch, ihr möget wollen oder nicht, an die Partei, die ihr bisher bekämpft hat, anschließen. Ihr werdet von der unerbittlichen Logik der Ereignisse und Verhältnisse so in die Enge getrieben, daß ihr keinen andern Aus­weg mehr nehmen könnt, als direkt in das Lager der Demokratie! So säumet denn nicht länger! Machet gute Miene zum bösen Spiel und thut lieber sogleich, was ihr doch zuletzt notgedrungen thun müßt. Kommt herüber, zieht mit gesummter Hand in unser Lager ein! Wir vergessen alles Frühere, wenn ihr nun eure Kräfte und eure reichen Mittel in den Dienst der Freiheit stellet. Das Herz der Demokratie ist groß, wie das

Herz dec Liebe: wir ziehen euch mit klingendem Spiel und mit flatternden Fahnen entgegen.

Nationalversammlung zu Frankfurt. 1

152. Sitzung.

Nach Verlesung und Genehmigung des «Protokolls von vor­gestern zeigt Martens ' im Namen des Untersuchunzsausschuffes an, daß dieser in Betreff der verlangten Genehmigung einer gegen Minkus einzuleitenden Untersuchung wegen Hochverraths den Beschluß gefaßt habe, die Genehmigung nicht zu ertheilen.

Unterstaatssekretâr Bassermann erkärt im Auftrage des Mi­nisteriums des Innern auf Zachariäâ Anfrage in Betreff^deS länger» Verweilens eines ReichScommiffârs in Bernburg, daß die­ser wegen der Verhandlungen über eine Vereinigung sâmnitllcher Anhaltischer Länder dort verweile.

Reichsminister v. Gagern bittet um Entschuldigung, daß er heute nicht auf die Interpellation LeerS aus Groß antwor­ten könne und verspricht Antwort auf Donnerstag.

Man geht zur TageSodnung, der Berathung des VerfaffungS- abschnitteSdaS Reichsoberhaupt", über.

Königsberg beantragt, einen neuen Ausschuß zu wählen, um durch denselben die sämmtlichen Vorlagen deS BecfaffuiigSauS- schuffeS revidiren zu lassen, und bis dahin die weitere Berathung über die Verfassung auszusetzen. Wird nicht unterstützt.

Man beschließt, zu diScutiren; lehnt jedoch den Antrag über eine allgemeine Discussion ab.

ES beginnt sonach die Discussion über §. 1:

Die Würde deS Reichsoberhauptes wird einem der re­gierenden deutschen Fürsten übertragen.

Minoritätserachten I. Die Ausübung inr Regierungsge­walt wird einem ReichSoberhaupte übertragen. Wählbar ist jeder Deutsche.

Minoritätserachten II. An der Spitze deS deutschen Reiches steht ein Reichsdirektorium von 5 Gliedern, deren eines der Kaiser von Oesterreich, das zweite der König von Preußen, das dritte der König von Bayern ernennt. DaS Ernennungsrecht des vierte» Mitgliedes steht dem König von Hannover, Sachsen und Würtemberg und dem Groß­herzog von Baden zu. DaS fünfte Glied wird von den übrigen regierenden Fürsten und den freien Städt» ernannt. Der Vorsitz im Ministerium wechselt zwischen Oester­reich und Preußen alle zwei Jahre.

Die Beschlüsse deS Reichsdirektoriums werden durch Stimmenmehrheit gefaßt. Bei Stimmengleichheit entschei­det die Stimme des Präsidenten. Weder die Abwesenheit eines Mitgliedes, noch die Berufung auf den Mangel an einer Instruction hindert die Beschlnßnahme.

Das Directorium ist für seine RegiernngShandlungen unverantwortlich und übt die RegierungSrechte durch ver­antwortliche Minister aus.

Schüler von Jena findet im zweiten Minoritätsgutachten ein Hinderniß für die Einheit; welche aus einer Zufammenstoßung verschiedener Dynastien nicht entstehen könne. ES würde daS eine Anarchie von oben und zwar eine Anarchie der Dynast en nach einander hervorbringen , und die einzelnen Dynastien veranlassen ihre Stellung zu ihrem Vortheil auSzubeuten. Es wird eine Ver­wirrung der Particularbestrebungen, aber nimmermehr eine Ein­heit aus diesem Direktorium hervorgehen. Ebenso würde der Vorschlag, einen Kaiser zu schaffen, der Einheit förderlich sein. Soff eS ein Wahlkaiser sein, so würde wieder daS dynastische In­teresse, dem Interesse des Volkes zuwider, bei der Wahl einwirken, ja sogar das Ausland intriguiren. Ein erblicher Kaiser aber wäre mit den demokratischen Prinzipien nicht vereinbar. Wir haben ja schon 31 erbliche Fürsten in Deutschland, ich dächte, daS wäre einstweilen genug. Weiter hebt der Redner die Kostspielig­keit des Kaisers, das Gehässige einer neuen Civilliste neben den 34 alten hervor. Man spreche viel von der Harmonie in der der Kaiser mit dem monarchischen Prinzip stehe, es handle sich aber

© Der gallische Hahn.

Schon dreimal krähte der gallische Hahn, Den Morgen der Freiheit zu künden;

Doch herrschet noch immer die Willkühr, der Wahn, Die Freiheit ist nirgends zu finden!

Und die sie verleugnet mit keckem Gesicht, Bereuen noch immer die Frevelthat nicht.

II nb weil in den Thälern noch lagert der Duft, Das nächtliche Dunkel nicht weichet, So witterns sie nimmer die Morgenluft, Die über die Berge schon streichet Und wähuen, cs künde der gallische Hahn Die richtige Stunde der Zeit wohl nicht an.

Doch hörte just pünktlich nach Mitternacht

Den Hahn man das Erstemal krähen;

Das Volk, das erschrocken vom Schlafe erwacht, Doch wähnte den Morgen zu sehen, Und schmähte den Hahn, sein Krähen sei Trug, Weil jetzt erst es eins auf der Weltenuhr schlug.

Das Volk legt sich nieder, die alte Gewalt Erhebt sich mit nächtlichem Schrecken, Bis plötzlich der zweite Hahuenruf schallt, Die Bürger auf's Reue zu wecken;

Doch weil man Gespenster und Schatten nur schaut, Das Volk nicht bemerkt, wie der Morgen schon grant.

Und nochmals die Hälfte'der vorigen Zeit

Das Volk in der Finsterniß zaget, Da endlich der Hahn zum Drittenmal schreit: Steht auf jetzt, ihr Völker, es taget!" Auch kündet sein mächtiger Flügelschlag, DaS wirklich gekommen der junge Tag.

Drum schmähet mir nimmer den gallischen Hahn, Der richtig die Stunden gemessen

Und wachsam den Völkern gekündet sie an, Der niemals das Krähen vergessen! Der Morgen der Freiheit naht leuchtend und schön, Drum wied er bald lustig entgegen ihm kräh'n.

Trangott Lichtfreund.

Die Braut des Rekruten.

(Aus demdeutschen Bauernbuch" von $. A. Schloenbach).

(Schluß.)

Der Gertrud wurde es glich klarer zu Sinn, so daß sie soggr practische Gründe vorbringen sonnte, denn sie meinte:Wenn Du ihm was anthust, bist Dn ganz ver­löre» und meine Schande wird Allen bekannt;" das sah der Iacob ein; er kam langsam zurück, sah einige Angen­blicke still vor sich nieder und die Gertrud an und sagte dann mit tiefwemüthigem Ton:Arm's Kind! Du hast ein bös Ding gethan, doch mir's zur Lieb, darum will ich Dir's verzeihen; aber Dein Bursch kann ich nun nit mehr sein, Dein Mann nit werden, und nit mehr hier sein; ich geh fort; Morgen früh geh ich mit den Soldaten; Gott behüt Dich mein armes Kind!"

Er drückte ihr die Hand und sprang zum Fenster hinaus. Gertrud stürzte mit einem entschlichen Schrei zu Boden.

Der Schrei führte die, schon durch das vorhergegangene Geräusch aufmerksam gewordene, Mutter herbei: da lag ihr Kind fieberkrank und phautasirte und rief:Jacob! Jacob! mein! mein!"

Dieser Zustand des unglücklichen Mädchens dauerte acht Tage; man bangte für ihr Leben und es fiel jetzt den Eltern schwer auf's Herz, daß sie selbst eigentlich