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âeiheit und Neckt!"

Jg ll, Wiesbaden. Samstag, 13. Januar MLG.

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y Die Grundrechte und ihre Anerkennung Seitens der einzelnen Regierungen.

Das ist ein Beweis, daß die Deutschen trotz all ihrer Gründlichkeit nicht zu ihrem Recht kommen können.

Motto:

Keine Hoffnung ist Wahrheit geworden."

Deutsch-polnisches Orgellied.

AlS vor länger als einem Vierteljahr die National­versammlung aus Veranlassung einer kleinen Emeute, welche die Stadt Frankfurt bedrohete, und die, wenn man sie nicht erst hätte ungrhind-rt groß werden lassen, mit leichtester Mühe im Keim hatte erstickt weiden können, es licht nur zuließ, sondern sogar anelkannte und mit Dank vergalt, daß das Reichsministkrium alle militärischen Kräfte der Einzelstaaten, und namentlich auch solcher Einzelstaaten, deren Truppen die Huldignngs- feier vom 6. August nicht vollzogen und deren Regie­rungen sich der Centralgewalt nicht unbedingt unter­worfen hatten, in compakten Massen aufbot und ihnen den TitelReichst, uppeu" beilegte, welcher doch ganz und gar sinnlos war, so lange die einzelnen Staaten sich noch nicht unter dasReich" begeben hatten, und einReich" überhaupt erst noch zu schaffen war, daß daS Reichsministerium den Sitz des Reichstags in ein Heerlager, das deutsche Land in eine Fouragekammer und die deutschen Städte in Garnisonen verwandelte, da riefen wir in diesen Blättern der ReichSversamm- hing zu, sie möge sich hüten, daß sie durch die Vor­kehrungen gegen ihre vermeintlichen Mörder nicht einen Selbstmord begehe.

Wovor wir warnten, das ist eingetroffen. Die deutsche Nationalversammlung, welche nicht den Muth hatte, die deutschen Regimenter zum Entscheidungskampf gegen das kleine Dänenvolk zu führen, sie hatte den traurigen Muth, das deutsche Heer ohne Veranlassung in Gegensatz, somit in Kampf treten lassen gegen die große deutsche Nation. Der 16. und der 18. Sep­tember, das sind die Wendepunkte des Krebses, an welchem der Rückschritt seine rasch durchlaufene Siegeö- bahn antrat. Der 16. September, an welchem die Ehre deS deutschen Volks einer Gefälligkeit gegen das HauS Hohenzollern nachgesetzt und unsere dem äußern Feind voll Kampfsertigkeit und Siegesgewißheit gegen- überstehende bewaffnete Macht kleinmüthig verleugnet und zurückgezogen wurde, und der 18. September, au welchem dieselbe blwaffnete Macht, unter dem Vorwand der Bekämpfung einer Emeute, zuerst ansing, in Gegen­satz zu treten gegen das Volk, diese beiden Tage bilden die Stützen des Joches, unter welchem die deut­sche Nation nun durchkriechen muß. Auf diesen Frank­furter September mußte nothwendig der Wiener Okto­ber und der Berliner November folgen. Unmittelbar

nach dem 18. September schrieb der bekannte ^Cor- respondent der Oberpostamts-Zeitung, hinter welchem man den leider auch sehr bekannten Frei Herrn von Blittersdorf traurigen Andenkens vermluhet, man müsse den Aufstand vom 18. September in gleicher Weise ausbeuten, wie man in den Dreißiger Jahren das Frankfurter Attentat vom 3. April 1833 ausge­beutet habe. Diese Aeußerung hätte als ein gellender SchreiGefahr für das Vaterland " in den Ohren aller Freunde des Freiheit gellen und sie zum gemcin- samen Widerstand anspornen müssen. Aber leider sind nicht alle Freunde der Freiheit, die sich dafür ausgeben. Der Kammerliberalismus von Ehedem, welchen Deutsch­lands böser Geist an das Ruder geführt, schwelgte im Gefühl seiner neuen EhrensteUeu und in der Anerken­nungsiaatsmännilcher Klugheit und Besonnenheit", welche ihm die Rückschrittöpartei mit teuflisch-lächelnden Lippen zollte. Er hörte keine Warnung, er sah keine Reaktion. Er hatte Ohren, aber er wollte nicht hören; er hatte Augen, aber er wollte nicht sehen. Aber was hier als Warnung nicht beachtet wurde, das fand bei der Partei der Unterdrücker als Rath die beifälligste Aufnahme, die schnellste Befolgung.

Wir wollen die Bilder der seitdem eingelretenen Ereignisse nicht aus's neue heraufbeschwören. Wir den­ken unseren Lesern ein Aufzucken des ohnmächtigen Schmerzes, ein Erröthen machtloser Scham zu ersparen, wenn wir nicht ausführlich darauf zurückgehen, wie Wien qewkndischgräßt und Berlin gewrangelt worden ist. Nur soviel wollen wir sagen: Man hat den 18. Sepetember umfangreicher, nachhaltiger, blutiger und grausamer ausgebeutet, als den 3. April 1833; man hat mehr gethan, als selbst ein Blittersdorf verlangte.

Und zu allem Dem that die Nationalversammlung in Frankfurt Nichts. Wie konnte sie es auch? Hatte sie nicht das, was Windischgrätz im Oktober und was Wrangel im November that, im Voraus gut geheißen durch das, waS sie selbst im September that und durch ihr mit Dank urh Anerkennung über­häuftes Ministerium thun ließ.

Aber der Absolutismus stimmt mit der Demokratie in dem einzigen Punkt überein, daß er fest, konsequent und unerbittlich ist. Nachdem der Absolutismus ein­mal Conzessionen von der Nationalversammlung erlangt hat, wird er nun auch die äußerste und letzte Conzession verlangen, nämlich die, daß die Nationalversammlung nach HauS gehe.

Die Preussische Nationalversammlung in Berlin war zuerst eine konstituirende d. h. verfassungschaffende und souveräne, darauf ward sie zur vereinbarenden und dann zu einer aufgelösten. Die Verfassung, welche Anfangs von der Versammlung gemacht, dann von ihr mit der Krone vereinbart werden sollte, ward zuletzt von dem König dem Volk einseitig anfgezwungen.

DaS ist das schicksalsvolle Bild, welches auch über der konstituirenden Nationalversammlung in Frankfurt schwebt. Anfangs sollte sie einzig und allein, u.PNie-

mand, als sie, die Verfassung geben; ihr Präsident pro- klamirte, unter endlosem Jubel des Hausss, die Volks- souveräuität. J^ßt schon drängt man sie auf das schwanke Brett derVereinbarung", und wenn nicht eine Fügung des Himmels oder eine Auferstehung deS VolksgklsteS dazwischen tritt, dann wird dies Brett bald umschlagen, und ein Fürstenkongreß oder gar das alle deutschen Lichtchen beherrschende Nordlicht von St. Petersburg oktroyirt die deutsche Verfassung, welche im günstigsten Fall eine Wiederbelebung des alten deut­schen Bundes sein wird, des alten, tausendmal alsLeiche" ausgeschrieenen, verachteten und gehässigen Bundes!

Wer noch daran zweifelt, der überblicke die Geschichte der deutschen Grundrechte. Was hat das Parlament während der 7 Monate seines Zujamm mseins im We­sentlichen anders gethan, als Grundrechte berathen? In Schleswig-Holstein ward unsere Nationalehre in die Schanze geschlagen, in Preußen und Oesterreich wi­dersetzet man sich der deutschen Centralgewalt, in den kleinern deutschen Staaten nahm man eine schwankende Stellung ein; in Ungarn wurden die beschworenen Volksrechte gekränkt; in Italien boten die Wechselfälle des Kriegs vielfache Veranlassung zur Wahrung der demschen (nicht der österreichischen) Sache; Rußland thürmte Walle von Soldaten an unserer Gränze auf und brach in die Donauländer ein; in Wien wird ein unverletzlicher deutscher National-N präsentant standrecht­lich füsilirt; aber in Frankfurt? nun in Frank­furt berieth man mit gründlichster Gründlichkeit die Gründung der deutschen Grundrechte.

Aus lauter Gründl.chkeit hatte man sich, um sich ja nicht zu übereilen, vorgenommen, dieselben zweimal zu berathen. Schon bei der ersten Berathung fielen die meisten Anträge der Fortschrittspartei durch, auS ängstlichen Rücksichten auf die Wünsche der Eiuzelstaa- ten und die Vorurtheile und Privilegien der Dyuastlk». Zwischen der ersten und zweiten Berathung aber lagen zwei wichtige Ereign ss-, die man mit Windischgrätz und Wrangel bezeichnen kann. Kein Wunder, daß schon der neu redigirte Tert, den man der zweiten Be­rathung zu Grunde legte, ein so corrumpirtcr war, daß ihn selbst Venedey (der doch bekanntlich durchaus kein rother Republikaner, sondern ein blonder Monarchist voll Vertrauens- und Hoffnungsseligkelt ist) einen im Poli­zeistyl umgewai'.delieu nannte. Und die zweite Bera­thung änderte hieran nicht viel. Die Grundrechte, wie sie endlich aus der Schlußberathung heivo gingen, diese Grundrechte Mit ihren immer wiede, k hi enden Berti Ostun­gen auf später zu erlassende ReichSgesitze und aus die gesetzgeberische Thätigkeit der Einzelstaaten, inan kann sie noch nicht einmal eine Abschlagszahlung auf die dem deutschen Volke zukommenden Rechte und Freiheiten nennen, sondern höchstens einen, statt einer Abschlags­zahlung ausgestellten, unsicher» und fernsichtigen Wechjel. Das also ist das Ei, das nach so vielem Gackern die Nationalversammlung legte.

Ueber die Turnkunst.

Don Alois Henninger,

(Schluß.)

3 Politische Bildung.

Wir Alle haben eine schlechte Meinung von einem Familienvater, der von der Haushaltung, Vermögens­verwaltung, Kinderzucht, überhaupt von dem Hauswesen nichts versteht. Solche Hausväter waren wir aber bis­her Alle, mehr oder minder, in Beziehung auf die große Familie des Staates. Ja, wir waren noch weniger; wir haben uns um die StaatShaushaltung gar nicht be­kümmert und glichen willenlosen Maschienen oder Werk­zeugen, die man nur zur Hand nimmt, wenn man sie braucht, wie der Landmann nur seine Stiere einjocht, wenn er pflügen und fahren will. Aber wir sind keine Maschienen und keine Zugthiere, und darum ist das Volk aufgestanden und hat seinen Antheil an der gescßgcbcnden, richterlichen und vollziehenden Staatsgewalt gefordert.

Es ist ein altes Sprichwort:Zwei wissen immer mehr, als Einer!* Ein Haus ist also besser berathen, wo die sorgsame Mutter (und der verständige Sohn oder die sanfte Tochter) milspricht, wenn der Vater einen wich­tigen Entschluß zu fassen hat. So sollen auch wir mit; sprechen und mitrathen in den heiligen Angelegenheiten

unscrer Gemeinde und unseres StaateS, um daS Beste herauszufinden, daß jeder Stand glücklich und zufrieden in der großen Familie wirken und leben kann. Damit wir aber da nicht, wie der Blinde von der Farbe, reden, müssen wir uns politische, d. h. staatswissentschaftliche Bildung erwerben; denn daS ist gewiß, daß, wer in Zu­kunft nichts von Politik versteht, nicht einmal mehr Nacht­wächter in einm Dorfe werden kann.

Die Turnvereine haben eS sich daher zur Aufgabe gemacht, die politische Bildung unter ihren Mitgliedern zu fordern, und kein Vernünftiger wird ihnen dies ferner zum Vorwurse machen; die Geschichte wird ihnen viel­mehr das ehrenvolle Denkmal setzen, daß sie deS Volkes und seines Wohles schon gedachten, als daS Volk selbst noch nicht zum Bewußtsein seiner Würde und zur Er­kenntniß seiner Erniedrigung gekommen war. Höchst lächerlich aber steht die Beschuldigung da, als hätten die Turner die jüngste Nahrnngslosigkeit und Stockung der Geschäfte verursacht. Ihre Zahl ist viel zu gering, um über das Schicksal eines Staates entscheiden zu können, ebensowenig, als die Turner einer Stadt die Geschicke derselben zu führen vermögen. Auch in Ländern, wo keine Turner sind, herrscht schon seit Jahren, und noch größere, Noll) und Armuth. Diese drückende Lage ist nicht die Folge vor Revolution, sondern sie war die Ur­sache derselben. Sie zwang daS Volk, eine Verbesserung seines Zustandes zu fordern. Zu dieser Verbesserung

aber ist jetzt erst das Feld erkämpftj nun müssen wir urbar machen und bauen, müssen eS mit Samen bestreuen und wachen, daß kein böser Feind Unkraut unter den Waizeu säet, und dann erst können wir einer segensreichen Ernte eutgenseheu. D. h. mit andern Worten, wir müssen wachen uni) streben, daß die Foderungen, welche das ge- sammte deutsche Volk in den denkwürdigen Märztagen stellte, aud) wirklich und vollkommen erfüllt werden, und dazu wollen auch die Turner ihr Scherflcin beitragen, wie jeder Andere, dem daS Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt.

WaS nun den Vorwurf demokratischer und repu­blikanischer Gesinnung betrifft, so dürfen wohl auch die Turner so gut ihre politische Ansicht haben, als die Wo» narchischgesiunten; denn waS Ihr für Euch in Anspruch nehmt, müßt Ihr auch Andern zugestehen vollkommene Freiheit der Meinung und der Weiterung derselben. WaS die Turner verhandeln, geschieht öffentlich; darum kaun hören, wer Ohren hat, und wird fiudcii, daß sie sich nicht mit Ungesetzlichem befassen. Wohl halten sie zum großen Ti>eil die demokratische oder republikanische StaatS- verfafflmg für die beste oder musterhafteste; daS ist eine Ansicht, aber eS fällt keinem Turner ein, dieselbe einem Aiivercu mit Gewalt aufzudringen oder sie gar mit Gewalt in'S Leben einzuführen. Wollte aber Emer die Turner wegtil dieser Ansicht aiifcindcn, dann möchte ich ihm zurufen: Halt ein, Verwegener!