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H Vom Taunus, 4. Jan. Durch den am 14. Dezem­ber , erfolgten Tod des Schulraths Schellenberg am Seminarium zu Idstein ist die dasige Direktorstelle er­ledigt worden und alle wahren Freunde des Nass. Elementarschulwesens richten j ßt ihre Blicke auf die Candidaten dieser wichtigen Stelle. Ja, wichtig ist dieselbe gewiß; denn von dem neuen Direktor hängt es hauptsächlich ab, was das Seminar in Zukunft aus seinen Zöglingen machen wird. Eine andre Zeit verlangt andre Bildung, und der Bildung der Elemen- tarlehrer muß mehr, als irgend welcher der Zeitgeist auf- und kingeprägt sein. Daß dieses nun nicht allein durch den Direktor geschehen kann, sondern daß das gksaminte Lehrerpersonal hierzu kräftig mitzuwirken hat, versteht sich ganz von selbst. Soll aber in diesem Sinne k ästig gewirkt werden, so ist doch mehr als klar, daß auch Kraft dazu vorhanden sein muß. Dem Lehrer- personal möchte indeß diese Kraft in Folge seiner gegen­wärtigen Zusammensetzung nicht so ganz zu Gebote st hen; daher wird des neuen Direktors erstes und obristes Geschäft darin bestehen müssen, die nutzbaren Elemente mit den entsprechenden Lehrobjekten za ver­binden und so den letztern die angemessene St l- lung anzuweisen.' Zur Erläuterung des eben allgemein bingcstllten Satzes will ich nur einfach be- merken, daß Lebrer, die besser geeignet wären, die a't- testamentlichen biblischen Geschichten zu behandeln, leider in die Nothwendigkeit versetzt sind, die Weltgeschichte vortraaen zu müssen. Die Weltgeschichte ist wohl das Weltgericht, insofern, als durch den ganzen Gräuel von Thatsachen, Ent- und Verwickelungen nur Eine große Idee, die Gottesidee sich hindurchzieht und hindurchblkckt und Ordnung, Causalität und Zusammen­hang in jenes Chaos bringt; aber nicht insofern, als auf übernatürliche, mithin unnatürliche und unvernünf­tige Weise die Sprache verwirrt und die gesammte arme Menschheit ersäuft wurde. Möchten sich dieß die jedesmaligen Geschichtslehrer doch merken und zu­gleich bedenken, daß schon die einfache Dorfschule den jetzt en Zöglingen des Seininars als Knaben andre Ansichten von jenen hebräischen Mythen verschafft hat!

Die Leser wollen diese Abschweifung entschuldigen; sie sollte bloß dazu dienen, die Nothwendigkeit einer gründlichen Reform des Seminarlehrerpersonals nach- ,zuweisen und mittelbar die wichtige Stellung des neuen Direktors zu bezeichnen.

Und zu dieser Stelle schlägt nun eins unsrer Nass. B'ätter 2 Candidaten vor, die so w nig dahin passm! Die Vorgeschlagenen sind hört! hört! der Pro­fessor Bellinger und Joseph Kehrein von Hadamar. Hat denn Derjmige, welcher diesen Vorschlag gemacht, nicht bedacht, daß diese beiden Herren als Direktoren an einer gemischten Anstalt rein unmöglich sind? Sind sie als Direktoren an einem gemischten Seminar möglich, sie, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben scheinen, in Kammer, Volk und periodischen Blättern die konfessionelle Trennung desselben herbeizuarbeiten? Oder soll das Schullehrerseminar in Idstein vielleicht in ein Groß-Knaben-Convikt umgewandelt werden? Wär' der Gedanke nicht verflucht gescheut, ich wär' versucht, ihn herzlich dumm zu neu, nen."

Oldenburg, 7. Jan.. Ein Schlag ist geschehen, worauf im ganz-n oldenburger Lande wohl nur Wenige außer die Urheber gefaßt waren. In Betreff der Ci- Viliste ist gestern vom Großherzog den Landständen eine Erklärung zugegangen, in einem nur vom Groß­herzog unterzeichneten Reskripte. Das Ministerium stimmt also nicht mit ein. Wir sehen dadurch, daß in unserem- Ministerium Männer sind, die es treu und redlich mit dem Volke meinen. Die.Machricht von dem Reskript durchlief wie ein Lauffeuer die Stadt, kder Ausdruck des tiefsten Erstaunens, und wir müssen es sagen, der Entrüstung gab sich überall kund. Was'das Land dazu sagt, werden wir hören und zwar sehr bald, da viele Landleute schon vorgestern zur Stadt gekom­men waren, um die so sehnsuchtsvoll erwartete Erklä­rung zu hören, und bloß deßhalb noch bis gestern hier verwalten. Der Landtag ist natürlich noch nicht weiter auf die Erklärung eingegangen, sondern hat dieselbe an den Ausschuß und eine besondere Commission ver­wiesen, die mit dem Ministerium in Verbindung treten wird.

Schleswig, 3. Januar. (D.-H.) Wie man hört, findet bei den Staatsmännern., die mutmaßlich von überwiegendem Einfluß auf die Unterhandlungen sein wwoen, mehr und mehr die Irre einer sogenannten selbstständigen oder neutralen Stellung Schleswigs Ein­gang. Schleswig soll danach, gesondert von Holstein und von Dänemark, zwischen Beiden in der Mitte als e-n lelbststandlger Staat hingestellt werden. Kein un- glücklicher Gedanke konnte je in dieser Angelegenheit ge­faßt werden. 59 tv fragen jeden Unbefangenen, der nur einigermaßen sich mit H Verhältnissen bekannt gemacht hat, wie lange cm friste wahren kann, durch den Schleswig in eine solche unnatürliche Stellung gebracht wird. In der Wirklichkeit einen souve> änen europäischen Staat Schleswig constituiren zu wollen, ist ein unaus­führbarer Unsinn. Es wird praktisch vollkommen un­möglich sein, alle Verhältnisse Schleswigs so zu isoliren, daß dasselbe keine staatlichen Institutionen weder mit Holstein noch mit Dänemark gemein habe.

Berlin, 3. Jan. (F.-P.-Z.) Als Candidaten für die wiederzubesetzende Oberbürgermeister-stelle der Resi­

denz werden Herr von Unruh, Grabow und der dessauische Staatsminister von Habicht genannt.

Heute wurde hier die Probe-Nummer einer neuen Wochenschrift,Die sociale Reform", Redakteur Dr. Rauh ausgegeben. Dr. Rauh ist als Comitemitglied des Centralclubs und einer der Hauptredner desselben bekannt.

Berlin, 4. Jan. Vor einiger Zeit wurde in einem hiesigen renommirten Caffeehause der Staatsanzeiger vorgklesen. In einer Adresse an das Staats- in inistcriu m wurde die Nationalversammlung in den unwürdigsten Ausdrücken auf eine Ekel erregende Weise heravgewürdigt. Einer der Gäste erlaubte sich, die betreffende Stelle als gemein zu bezeichnen, worauf ein Mitglied aus einer gerade hier anwesenden Stet­tiner Deputation die Bemerkung fallen lietz, daß dieß nicht befremden könne, denn die Gemeinheiit sei jetzt ja geheiligt. Diese Bemerkung war hinreichend, um die anwesende, aus Geldmännern zu geheimen Räthen emporgeschossenen Subalternbeamten, pensionirten Offi­zieren und einige Hofbeamten bestehende Gesellschaft zu einem Sturm auf den harmlosen jungen Mann zu veranlassen. Jetzt erfahren wir aus Stettin, daß das Deputationsmitglied von dem dortigen Gericht verant­wortlich vernommmen ist, und^zwar auf eine Denun­ciation, welche ihre Urheber zunächst an den General Wrangel gelangen zu lassen für gut befundeu haben sollen.

Zuverlässige Briefe aus Schlesien berichten, daß dort unter dem Landvolke eine große Erbitterung über das ect^opirte Ablösungs-Gesetz herrscht, und daß die demokratische Partei die gegründetsten Aussichten hat, den bet weitem größten Theil der Wahlen dieser Pro­vinz in ihrem Sinne ausfallen zu sehen. (M. Abdz.)

Berlin, 6. Jan. Die bekannt gemachte Verord­nung wegen Einführung von Schwurgerichten enthält folgende wesentliche Bestimmungen. Zum Ge­schworenen kann jeder Preuße gewählt werden, der über 30 und unter 70 Jahre alt ist, im Vollgenuß des bür­gerlichen Rechtes sich befindet, lesen und schreiben kann, wenigstens ein Jahr in der Gemeinde, in welcher er sich aufhält, seinen Wohnsitz hat und jährlich wenig­stens 18 Thlr. Classensteuer oder 20 Thlr. Grundsteuer oder 24 Thlr. Gewerbesteuer zahlt. Doch können Rechts­anwälte, Notarien, Professoren, approbirte Aerzte und Beamte mit 500 Thlr. Gebalt auch dann gewählt wer­den, wenn sie jene Steuersätze fnicht zahlen. Nicht wähl­bar sind die Minister, die Vorsteher der Provinzialbe­hörden, die richterlichen Beamten, die Staatsanwälte, die in activem Dienste befindlichen Militärpersonen, die Geistlichen jeder Konfession, die Elemeutar-Schul- lehrer und die Dienstboten. Im September jeden Jah­res stellt in jedem landräthlichen Kreise der Landrath und in den Städten der Magistrat oder der Gemeinde­vorstand eine Urliste der Geschworenen zusammen, aus welcher dann der Präsident des Regierungsbezirks die Geschwornenliste für das nächste Jahr für jeden Ge­richtsbezirk feststellt. Bei der Fällung des Urtheils durch die Geschwornen entscheidet im Allgemeinen die Stim­menmehrheit. Ist jedoch ein Angeklagter mit 7 gegen 5 Stimmen schuldig befunden worden, so hat das Ur­theil nur dann Gültigkeit, wenn auch das Gericht sich mit Stimmenmehrheit dafür entscheidet. Eine Anerken­nung mildernder Umstände ist dagegen schon giltig, wenn sie auch nur 6 gegen 6 Stimmen erfolgt. Eine Nich­tigkeitsbeschwerde gegen den Ausspruch der Geschwornen kann erhoben werden: 1) wegen Verletzung von Förm­lichkeiten im Verfahren, deren Beachtung bei Strafe der Nichtigkeit vorgeschrieben ist, und 2) wegen Verletzung eines Strafgesetzes.

Dem Vernehmen nach werden sich die beiden G- Herzogtbümer Mecklenburg vom. 1. April d. J. dem deut­schen Zollverbande anschließen. (B. N.)

Berlin, 7. Jan. Eine Verhaftung der früheren Abgeordneten Waldeck, Jung u. s. w., der man in d'e- sen Tagen entgegensah, ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Gegen Waldeck wird eine solche wenigstens wegen sei­ner Thätigkeit zur Ausführung des SteuerverweigerungS- beschlusses nicht erfolgen können, da derselbe außer der Theilnahme an der Beschlußfassung selbst keinen Schritt gethan hat, um denselben zur Geltung zu bringen. Der Zufall hat gewollt, daß Hr. W. von da ab auch nicht einmal zn anderen Zwecken einen Brief zu schreiben veranlaßt war. (F.J)

Wien, 4. Jan. Ein Courier des Präsidenten Louis Napoleon hat dem österreichischem Hof den Ausdruck der friedlichsten Gesinnungen der französischen Regierung überbracht. Wie man vernimmt, sind die Erzherzoge Victor und Wilhelm von dem jungen Kaiser mit beson­deren Missionen nach Deutschland und Rußland be­traut worden. (O.-P.-A.-Ztg)

Kremsier, 3. Jan. Der Reichstag hat heu'e nach den Ferien seine erste Sitzung gehalten. Präsident: Dr. Strobach. Das wichtigste Ergebniß war die dritte Lesung des ministeriellen Antrags ans einen Credit von 80 Mill. Obschon die Herrn Si rakowski und Wildner gegen den modificirteu Antrag der Finanzcom- mision und Hr. Klaudi für denselben sprechen wollten, so wurde derselbe doch ohne Debatte angenommen, da sämmtliche Redner auf das Wort verzichteten.

(O.-P.-A.-Ztg.)

Italien.

Florenz. Die Kammern sind für den 10. Januar einberufen.

Rom, 29. Dez. Die Kammern find aufgelöst. Junta und Ministerium sind vollständig einig

Nach dein vorgestern der Deputirtenkammer vorge­legten Gesetzentwurf für die Berufung der Constituante werden die Wahl-Kollegien in sämmtlichen römischen Staaten auf den 2L Januar zusammenberufen. Die Wahl wird zur Grundlage die Bevölkerung haben. __ Die Zahl der Abgeordneten wird 200 sein. Das Stimmrecht ist direkt und allgemein. Wählbar ist jeder Wähler, der 25 Jahre alt ist. Niemand kann zum Abgeordneten ernannt werden, wenn er nicht wenigstens 500 Stimmen erhält. Die Abgeordneten erhalten eine Vergütung von 2 Scudi pro Tag. Die Versammlung soll am 5. Februar zu Rom eröffnet werden. (N.N.Z.)

Mailand, 28. Dez. Eine außerordentlich?Kriegs­steuer von 4,338,293 Lire ist der Provinz Mailand auferlegt wo den, sie muß bis End? Februars entrichtet sein, und ist theils zum Unterhalt der Truppen, theils zur Entschädigung der Offiziere und Beamten der frü­hern Garnison bestimmt, welche während der Nevolu- Hon ihre Effekten verloren hatten. Die Eröffnung der Skala fand am 26. Dez-nnber statt, das herrliche Theater bot jedoch einen traurigen Anblick dar, indem die Logen Per, ja sogar ganz verhängt waren; dieser Anblick wurde noch düsterer, als sogar Fledermäuse in den weiten Räumen umherschwirrten. Die Nachricht, daß der Belagerungszustand der Stadt aufgehoben sei, ist unrichtig, vielm hr mürben die Bewohner, da wieder politische Demonstrationen hätten stattsinden sollen (ein Corso mit Calabrefer Hüten und rothen Halsbinden, dann Wegwerfung von Zigarren), wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß nicht die Stadt Mailand allein, sondern die ganze Provinz im Belagerungszustand sich befinde. (A. Z.) '

Krank reich.

Paris, 6. Jan. Die Gerüchte von einem bevor­stehenden Ministe, wechsel gewinnen immer mehr an Glaubhaftigkeit. Man hegt die feste Ueberzeugung, daß das gegenwärtige Ministerium zurücktreten wird, um einem andern Platz zu machen, welches die Sympathien der Nationalversammlung in höherem Grade besitzt. Auf andere Weise dürften sich die obwaltenden Schwie. riftfeiten schwerlich beseitigen lassen. Als Nachfolger Odilon Barrot's in der Conseilpräsidentschaft nennt man Mole, welcher nebst Thiers, mit dem er seit dem 24. Februar im besten Einvernehmen steht, gestern. Abend von Bonaparte zur Tafel gezogen wurde.

Die Ankunft eines Cardinals in Olmütz hat die Befürchtung hervorgerufen, eS möchte der Papst durch diesen eine Intervention beantragt haben. In Folge dessen sah sich das hiesige Cabinet veranlaßt, an die betreffenden Höfe Comiere abzusenden, um jeder Inter- vention, die nicht in Uebereinstimmung mit der franzö­sischen Regierung geschähe, vorzubeugen. (O.-P.-A.-Z)

Paris, 6. Januar. Sarrut hat heute das Mini­sterium wegen Malleville's Austritt aus dem Ministe# rium zur Rede gestellt. Tumultuarische Sitzung.

Die Ankunft eines Cardinals in Olmütz beun­ruhigt das hiesige Kabinet. Man will wissen, daß dec Papst heimlich durch ihn um Intervention a »tragen lasse. In Folge dieser Eröffnungen hat das hiesige Kabinet an die b. treff nden Höfe Kuriere gesandt, um jede Intervention zu hintertreiben, die nicht im Verein mit der französischen Republik geschähe.

Auch die Marschgelüste des Hrn. Wrangel nach den Rheingegenden geben hier zu allerlei für Preußen eben nicht günstigen Betrachtungen Veranlassung.

Die Herren Thiers und Mole, seit dem 24. Februar die besten Freunde, speisten gestern Abend an der Tafel des Präsioenten Bonaparte. Nach der Ta­fel hatten die hiesigen Engländer (Zeitungskoriesponden- teu und sonstige Gentlemen) die Ehre, Sr. kaiserl. Majestät vorgesteUt zu werden.

Barrot wird sein Justizportefeuille und seine Conseil -Vl'zeprasiventschast niederlegen und wahrschein­lich durch Mole ersetzt werden.

Sonderbares Zusammentreffen! ruft Ledru Rol- liu'sRevolution" zu dieser Nachricht aus. So wä­ren wir denn verdammt, die Stufenleiter der Februar­revolution noch einmal rückwärts durchzumachen? Bar­rot war der letzte Mann, den Louis Philipp rufen ließ und in dem Augenbl ck, wo er sein Kabinet bifbete, proklamirte man die Republik in den Straßen. Man begreift, daß dieser todtgeborne Februarminister doch zu abgelebt sei und man wendet sich jetzt zu jenem Manne, den Louis Philipp benutzte, ehe er den Barrot rufen ließ. Mole war der nächste Erbe d s Guizot« scheu NachlaffeS. Wir sind heute wieder am 24. Feb­ruar ; morgen rücken wir in den 23. Februar und eS wird nicht lange dauer», so sehen wir den Verräther von Gent wieder am Ruder. Die Reaktion marschirt so geschwind, daß sich die Männer der N'volution eines Tages unvermuthet wieder gezwungen sehen werden, die Zügel der Regierung zu übernehmen."

Im Justizausschuß gab Janin's Abschaffung der Gesetze vom 10. April 1832 und 26. Mai 1848 (rück­sichtlich der Verbannung der ehemaligen Herrscher Frank­reichs) zu stürmischer Debatte Veranlassung. Emil Lerour, Cremieur, Debruel rc. vertheidigten den Antrag,