Einzelbild herunterladen
 

11 ber die greife Folge der September ereignisse, die Entwaffnung, soll hinsichtlich der Nothwendigkeit, Ausdehnung und Dauer derselben nur das erwähnt werden, was ge.ade aus der Hand liegt.

Daß in sehr aufgeregten Zeiten Zeine Entwaffnung im Interesse des Staates vorgenommen werden dürfe, wird Niemand widerstreiten, daß a^er dies-, die Ehre und daS Recht eines Staatsbürgers tief verletzende Maßregel ihre Grenzen in Ausdehnung, <lrt und Z it haben um6, ist ebenso unbestreitbar. Ein allgemeiner Aussta-d gegen ges tzliche Ordnung rechtfertigt wohl eine solche Maßregel auch in Beschlagnahme von Pri­vatwaffen. Daß aber dies r in Höchst nicht bestan­den hat,Ist gewiß, und es haben daher selbst Offiziere der hierher geschickten Truppen die. Meinung ausge- sprochen, daß man nur die vom Staate abgegebenen Waffen, nicht die Privatwaffen hatte abltefern lassen sollen, wie dies selbst in-Berlin nur geschehen ist. Die Abnahme der Privatwaffen, die soweit ausgedehnt wird, daß sie sogar Gegenstände betrifft, die gar nicht zu einem Widerstand gegen Militär bestimmt sind, fällt aber ins Lächerliche, und die Wegnahme von Privat- Schieß waffen entweder zur Nothwehr 'auf einzln gele­genen Behausungen, oder zum Gebrauche derer, welche eine Jagd gepachtet und dafüreinen Jagpaß mit richt unbedeutenden Kosten gelöst haben, und diese dem Ver­derbe l wegen nicht möglicher gehöriger Verwahrung od r tir* sorglose Aufbewah-u 'g preisgegeben sehen, ist durchaus ungerecht. Der Einwurf, daß damit gegm ausgestellte Posten Mißbrauch gemacht werden föne, zerfällt in Nichts, weil Derj-nige, welcher ein solches Verbrechen begehen will, sich von andern Orten her mit neuer Waffe versehen kann, und fürwahr nur ein V i- rückter oder ein ausgemachter Bösewicht so etwas wagen wird. Wenn aus dieser Vorsorge die Waffen zurück- gehalten werden, so durften Niemand mehr Waffen ge­lassen werden, dam't keines Staatsbürgers Leben ge­fährd t sei. Wie aber, wenn nun Militär selbst, wie dies schon so oft geschehen, von seinen Wffen Miß­brauch macht?

Die Zeit der Waffenbeschlagrahme aber dürste sich nur auf die deö Belagerungszustandes beschränken, wo nach Ablieferung der Waffen sorgsam darüber gewacht wird, daß keine neue eingeöracht werden. Wenn aber dieser aufgehoben ist, und selbst die Einwohner d-s O tes, wo die Veranlassung dazu stattsand, und andere der Umgegend ihre Waffen wieder haben, und geliehene oder gekaufte in Menge cingebracht werden können, und Niemand bi Ablieferung seiner Waffen verbindlich ge­macht worden ist, sich keine neuen anzuschaffen; so ist es doch mehr als sonderbar, wenn andern Orten ihre Waffen vorenthalten werden.

Aus dein Gesagten wird sich zur Genüge ergeben, daß es ein U -recht ist, daß der größte Theil der Ein­wohner von Höchst bis heute noch nicht wieder im Besitze seiner so bereitwillig abgelieferten Waffen ist, während daselbst die größte Ordnung herrscht.

Die Zurück ,abe derselben war zwar auf Vorstellun­gen des seit jder vcrhängnißsollen Z it um die Stadt sehr verdienten Herzog!. Amtmannes durch ein Reskript des ReichsministeriumS und unserer Regierung an Jagdbesitzer und sonst unbescholtene Bürger vor länge­rer Zeit erlaubt worden; aber nachdem dazu von der Militärbehörde gegen Vorzeigung eines Scheins der städtischen Behörde eine Anzahl Scheine ausgestellt wor­den waren, wurde plötzlich mit der Ertheilung dersel­ben in Höchst eingehalten, und beim Eintreten der Wiener Ereignisse wurden die Waffen schnell nach Mainz gebracht, wahrscheinlich weil man sie trotz der vielen Vayouette und Kanonen in Frankfurt nicht sicher genug glaubte! Hierdurch wurde die Schwierigkeit der Rück­gabe erschwert. Kurz vor der Abführung bei selben gelang es noch Einigen, besonders d n sogenannten Gutgesinnten in sonderbündlicher Weise ihre Waffen vollständig wiederzu-uhalten, wodurch die übrigen Ent­waffneten wieder tief gekränkt wurden. Wer nach die-

ser Zeit einen Schein für Berichtigung mm Wissen- tragen verlangte, m ißte sich nach Frankfurt begeben , und dort keuz und quer nach ve schiede neu Comman­dantaren laufen, indem sich die, an weich? man ßciri» srn wurde, meistens für inkompetent in dieser Angele- genheit erklärten. So gelangten nur noch Wenige zum Besitze eines zweiten Waffenpasses; aber die Waffen wurden dennoch nicht gegeben, und die Jagdpächter haben mit Ausnahme der oben genannten: Pacht und

Paß umsonst bezah't.

Wir fragen nun, wie ein solcher Widerspruch und solches Verfahren, für welches der gebührende Name leicht zu fhbeu ist, gerechtfertigt werden könne, und unter welchem nichtigen Vorwande man einer ruhigen Einwohnerschaft und was als besonders auffallend roch zu erwähnen ist, darunter sogar den ersten Beamten in der Stadt ihre Waffen länger zurückhält.

Solches geschah selbst unter der alten Ordnung nicht. Wie kann Zutrauen zu der neuen entstehen?! Möge das Reichsministerium mit Kraft gegen andere Staaten aufireten, aber richt im Drucke einer kleinen Stadt, von der es fünvahr Nichts zu fürchten bat; möge aber au h un cre Landes-Regierung ihm gegenüber nicht länger anstehen, darauf zu dringen, daß auf eine wohlbekannte Verläumdung aus Rachsucht nicht ferner unsere Stadt unnötbig belastet und in Recht und Ehre b e e i n t r ä ch t i g t werde;!

st- Wicker, bei Hochheim, 4. Januar. (Gemein­derathswahlen.) Die Wahlen in Folge der freien Gemeindeverwaltung sind hierorts beendigt; so eben komm? ich vom Rathhanse und beeile mich, Ihnen das Ergebniß derselben mitzutheilen.

Die Demokraten ahnten anfangs nichts von dem im Finstern schleichenden Treiben der Aristokraten, und so gelang es diesen, bei der Gemeinderathswahl einige ihrer Candidaten durchzuscßeu.

Ermuthigt durch das thei'weise Gelingen ihrer ver- LOrten Pläne frohlockten die Reaktionäre schon im Vor­aus, daß sie ihren Candidaten, Schwager des Er-Schul- th-.ißen, bei der Büngermeisterwahl durchsetzen würden; allein zu früh, denn trotz aller Wahl-Agitationen fiel ihr Candidat dennoch durch, und sie erlitten durch einen glänzenden Sieg des demokratischen Turnvereins ein: empfindliche Niederlage. Auf den 2Lm Sprecher d-s demokratischen Turnvereins, auf den nach den Märztagen zum Schultheissen erwählten Lorenz Kopp fiel mit überwiegender Majorität die Wahl zum Bür­ge. m 'ister.

Es war ein Tag der Freude, und selbst die sonst Theklnahmlosen sah man in einen ungeheuchelten Jubel ausbrechen, der erst am späten Abend endete.

O Diethardt, Amts Nastätten, 2. Jan. (Bür­germeister wähl.) Mit Jubel begrüßte man auch hier das neue Gemeindeges tz, welches den Gemeinden die Wahl seiner Ortsvorgesetzten überläßt, und diese dadurch in den Stand setzt, die besten und würdigsten der Bürger zur Verwaltung und Wahrung seiner In­teressen zu berufen. Auch die heute dahier vorgenom­mene Wahl des Bürgermeisters hat gezeigt, daß nicht gerade die von der Regierung eingesetzten Schultheißen das meiste Vertrauen besitzen.

Unser früherer Schultheiß erhielt bei der heutigen Wahl keine einzige Stimme, ein Beweis, daß bei die­sem Mangel an Vertrauen die Stellung eine schiefe war, welche jetzt aufgehört hat. E in e' Versprechung des 4. März ist damit so ziemlich zur Zufriedenheit des Publikums erfüllt.

Frankfurt, 5. Jan. Die A. Z. meldet, daß der Reichèverweser ein eigenhändiges Schreiben vom Papste erhielt, in welchem Se. Heiligkeit demselben die Abreise von Rom und seinen einstweiligen Aufenthalt in Gaeta anzeigt, und zugleich die Ueberzeugung ausjpricht, daß der Reichsverweser Alles, was in seinen Kräften stche, beitragen werde um den Papst in dem B-sitz seiner Staaten zu erhalten.

Köln, 6. Jan. (N. RH. Z.) Die Rücksendungen des im März aus Preußen fortgeschafften Silbers dauert fort. Täglich kommen Kisten mit Silber an, die theils via Frankfurt a. M., theils via Deutz von der hiesi­gen Post aus erpedirt werden. Die Fässer, worin das kön. preußische Silber bei seiner Heimkehr verpackt ist, haben 2 Fuß Länge und 1 Fuß Höhe. Sie ftub mit einem Flechtwerk von Stricken umgeben und alle von der nämlichen Beschaffenheit. Der Absender ist nicht in Erfahrung zu billigen, da in unserer Stabt neue Fracht­briefe gegeben werden. Bei der im preußischen Staats­schatz herrschenden Ebbe, bei den Kosten für die bevor­stehenden Wahlen in Preußen, und brr im Gange be­findlichen Kaiserfabiikation in Frankfurt werden diese Kistchen gerade zur rechten Zeit eintnffen. DieN. Nh. Ztg." machte im Juni darauf aufmerksam, daß Die Ende März begonnene köaigl. preuß. Golv- und Sil- berauswanderung noch in gedachtem Monat fortdauerte. Wir waren auch diesmal bi; ersten, welche von ber Lösung des Zaubers Kunde gaben.

Berlin, 4. Jan. Ueber die Zustände in Schlesien hört man nicht viel Erfreuliches. Die Noch in bin unteren Klaffen ist sehr groß, dazu kommt eine fortge­setzte politische Agitation des Landvolks, welche in keiner Provinz so groß ist, und sich auf die bäuerlichen und glnsherrlichen Verhältnisse, Abschaffung und Aushebung der Laudeinien, Urbarien, Zehnten u. s. w. stützt. Die 1 nkuliche Verordnung der Regierung wegen Vereinba­rung durch schiedsrichterlichen Vergleich hat die Sache

würde noch lange geduldig auf das Erwachen derselben gewartet haben, wäre nicht Fürchtegott hereingekommen, Der, wie er häufig pflegte, sich nach Moser's Befinden erkundigen wollte. Vor dem igellenden Aufschrei dieses Maunes kam Gertrud zu sich.

Was habt Ihr?" fragte sie ruhig, ihr bleiches, run- zcluollcs Antlitz langsam dem Emtretenden zukchrend und nochmals die Spindel drehend.

Fürcbtegott dachte im ersten Schreck nicht daran, der alten Fran das entsetzliche zu verschweigen. Bewäl­tigt von dem grauenvollen Anblick die fromme alte Mutter, ihre Füße im Blut der Ihrigen badend, ruhig spinnend warf er dies Bild mit wenig Worten in Den Spiegel ihrer Seele! Da entsank Gertrud die Spin­del, sic selbst neigte sich vorwärts und wäre auf Die blutige Diele nieder-gestürzt, hätte sie Fürchtegott nicht in seine Arme aufgefangen. Als er sie wieder aufrich- retc, umschlang er eine Leiche. Mitleidig hatte der Tod ihr Herz gebrochen.

Eine Stunde später fand man Moser's Leiche im Weiher. Niemand konnte zweifeln, daß er die gräßliche Wahnsinnsthat vollbracht habe. Die blutigen Futztapftu vvP Hause bis zum Teiche mitsammt dem gefundenen Messer sprachen zu deutlich.

Unter großem Zulauf desVolkes wurden am dritten Tage nach der That die Opfer der Armuth ehrlich bc- r graben, in später Abendstunde wühlte der Henker dem Mörder eine Grube auf ödem Anger.

weit eher schlimmer, als besser gemacht, denn f^t be­fürchten die Landleute erst recht, daß sie übervortheilt werden, und erbittern sich um die Auflösung der Natio­nalversammlung, von der sie eine unentgeltliche Abschaf­fung aller Feudallaste i erwarten durften. In Schlesien werden daher die meisten Abgeoidneten der linken Seite in den ländlichen Kreisen wieder gewählt werden, in den Städten jedoch hat sich die Stinunung merklich ab­gekühlt, und in Breslau soll sogar der Erminister, Hr. Milde, Aussicht haben, gewählt zu werden.

Heute war vor dem Gouv"riiemcntshause ein Ge­wühl von Arbeitern, die Beschäftigung suchten, da dies Haus zum S tzungsloka! für die erste Kammer uinge- fchaffen und ein S-tzungssaal aus Holz auch hier auf- gebaut werden soll. Der ungeheure Zudrang der Ar­beiter giet Zeugniß für Deren Roth, und wie könnte es auch anders sein, da der streng eingetretene Winter alle Arbeit im Freien unmöglich macht, in Berlin aber allein 10,000 Maurer und Zimmerleute siud, die allerdings zum Theil während des Winters in ihre ve schicdenen ländlichen Wohnorte zurückkehren. (Z.f.N.-Dsch'.)

(IroßbritÄNèsreZr.

London, 2. Jan. D'e Curse gingen heute wieder in die Höhe. Es wurden v.ele Geschäfte gemach'-. Die Belichte aus den Manufacturbezi ken lauten immer befriedigender. Man vernimmt, daß die französische Regierung sehr viele Pferde in England auskaufen lasse. Lord Aukland starb gestern an den Folgen eines Schlages, der ihn Sonnabend auf der Jpgd getroffen. Durch seinen Tod ist die Stellung eines ersten Lords der Admiralität erledigt. Lord Aukland war ein aus­gezeichneter Staatsmann und Administrator. Seine Rechtlichkeit und sein Character werden seinen Namen unvergeßlich machen. Lola Montez befindet fich jetzt in unserer Stadt. So inabeud traf ss? von Doulogne hier ein. Im Zollhause unterjeii^nete sie sich als Gräfin v. Landsfeld!!

Italien.

Rom, 29. Dez. Die legislative Sektion hat die Auflösung ber Kammern also beschlossen und Armellini hat dieselbe bereits gestern schon vollzogen. Von 40 Deputaten, die noch zurückgeblieben waren, hatte kaum ein Drittheil für die Cosiituente gestimmt. Diese soll nun im Laufe des heutigen Tags oder spätestens mor­gen promulgirt und durch 101 Kanonenschüsse von dem Kastel S. Angelo verkündet werden; letzteres dem Be­fehl des Circolo Popolare gemäß. Der Circolo Re- mano, welcher gegen das MinifteriumPartei ergreifen zu wollen schien, ist in der Minorität geblieben und muß nun dem allgemeinen Impuls folgen. Auch die Giunta hatte sich aufzulösen gedroht. Corsini soll gestern soll Morgen von der Flucht nach Florenz abge­halten wo.den sein. Jetzt hat er sich wieder bereden lassen, die Würde und Bürde der übernommenen Ge­walt aufs Neue auf die Schultern zu nehmen. Von Gaeta war Fürst Ba'.berini eingrtroffen und hatte mit dem Kardinal Castivcon eine längere Conferenz gehabt, nach welcher eine Staffelte an den Papst abgesandt war.

Während die Franzosen in Erwartung deS Papstes fortwährend auf dem qui vive find, sagt die neapoli­tanische amtliche Zeitung vom 23. Dez. noch kein Wort von beabsichtigter Abreise Sr. Heiligkeit, meloet viel­mehr aus Gaeta vom 22., daß PiuS IX. Anstalten traf das Weihnachtöfest feierlich zu begehen (jedoch, wie es scheint, nicht tu Neapel, sondern in der Kathedrale von Gaeta). Die neapolitanssche Königsfamilie weilte wieder in Gaeta.

N n g a v n.

Agram, 27. Dezbr. (C. Bl. a. B.) In Peter- wardein sitzt einer der erbittersten Serbenfeinde, Com­mandant Moritz Perczel, der jetzt sehr häufig das Kar- lovicer Lager beunruhigt und angreift. Karlovic ist je­doch zu gut vertheidigt, als daß die Magparen dagegen zu reüssireu im Stande wären. Perczel hat das ser­bische Dorf Donovbc plündern und einige Häuser darin ve,brennen lassen. Die Cajkisten zündeten als Revange 18 Häuser in dem Peteiwardkiner Bo:städ!cheu Marov (Maye, Höfen) an. Generalmajor Stenzi, der frühe-e Festuugscommandant, ist von den Magyaren als Ge­fangener nach Szegkdiii gebracht worden. Perczel und i seine Offiziere tragen die Abzeichen der rothen Republik: rothe Fede.n aus den Hüten und rothe Schärpen. Bei den Serben hingegen bedienen sich selbst die Jnsurrcc- tiouSoffiziere der goldenen, fasse, l eben Port dEpée, die Bu'jnrassa's und die Mannschaft der Freiw.Uigen- corpS tragen Metallblättchen mit der Inschrift:Za sloboslu i zaslavjanstvo (Für die Freiheit und das Slawenthum) auf ber Brust.

y vßtübet â.

Paris, 5. Januar. (M. Z.) Die Nationalver­sammlung, in deren Räumen si it dem 4. Mai schon so manche unblutige Priuzipicnfchlacht geliefert wurde, scheint abermals wieder der Schauplatz eines neuen Kampfes zu werden. Die Kämpfer sind die O-thv- doren und Jesuiten mit Fallour an der Spitze einerseits und die Voltairianer, mit dem Eklektiker Barthelemy Saint-Hilaire an der Spitze andererseits. Beide Lager stehen kampfgerüstet einander gegenüber, und obgleich Vie Eklektiker keine guten Lanzeuführer sind, so wäre es doch möglich, daß Herr Fallour mit seinen Loyalisten geschla­gen würde und wir einen neuen Ministerwechs.l anzu- zeigen hätten. Jedensaliö bleiben Todte auf dem Schlacht-