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zu Schulden kommen lassen; dann werbet Ihr, die , Hand aus's Herz, die Frage entschieden mitNein" beantworten müssen.

Wer cs mithin wohl meint mit dem deutschen Volke, der wache ans seiner Gleichgültigkeit und Thcilnahms- losigkcit auf. An Männer, die aufrichtig zu Euch hal­ten'und Euch nicht blos mit gleisnerischen Mienen und heuchlerischem Händedrücken abspeiscn wollen, an diese schießt Euch an und gründet in jeder Stadt und in jedem Dorfe Vereine, an deren Stirne die Wachsamkeit und Volkssouveränität siebt!

Ein solcher Verein ist der Märzverein, welchen Männer aus dem Parlament zu Frankfurt gestiftet ha­ben, und dessen Name Euch schon sagt, daß seine Fun­damente die Errungenschaften des Märzes sind, für deren Erhaltung und vollständige Ausführung jeder brave deutsche Mann mit Gut und Blut einstehen muß.

Mitbürger! Dies ist unser Glaubensbekenntniß; es ist das Glaubensbekenntniß eines jeden aufrichtigen Vaterlandsfreundes, und darum gewiß auch das Eurige!

So reicht uns denn die Hand und strebt vereinigt mit uns nach dem erhabenen Ziele, von dessen Errei­chung das Wohl jedes Einzelnen und die Wohlfahrt Aller zusammen abhängt!

y Höchst, 5 Januar. (Bürgermeisterwahl. Die Re ichs truppen.) Bei der Bürgermeister­wahl ist es denGutgesinnten", vereint mit der Bu­reaukratie, welche die Unreife ins Schlepptau nahm, nach namenlosen Bemühungen gelungen, ihren Candi- daten durchzusetzen. Weit entfernt, dem gewählten Bür­germeister die zu dieser Stelle nöthigen Fähigkeiten ab­sprechen zu wollen, so ist doch mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß derselbe, wenn auch nur aus Dank­barkeit, cs mit feinen Wählern, der Rückschrittspartei, halten wird; aber deßhalb läßt sich die Fortschrittspar­tei (Demokraten), welches Wort die Spießbürger mit aufgeblasenen Backen spottend und höhnend bei jeder Gelegenheit im Munde führen, mit dem festen Bewußt­sein, daß ihre gute Sache früh oder spät doch siegen muß, nicht irre machen. Ist es doch etwas Schönes, für Freiheit und Bildung ohne Eigennutz sein Scherf­lein bcizutragen.

Wie weit die Schrankenlosigkeit der Vorgesetzten bei Reichstruppen sich noch erstreckt, können Sie daraus entnehmen, daß, obgleich es verboten ist, bei einer Kälte von über 5° Frost im Freien zu ererbten, unsere Ein­quartierung vorgestern und gestern bei 15° Feldübungen machen mußte, was auch seine natürliche Folgen hatte, da heute schon an 30 Mann darnieder liegen.

Nürnberg. Der von der provisorischen Zentral- gcwalt als Gesandter nach Paris geschickte Abgeordnete Fr. v. Raumer ist vor einigen Tagen nach Frankfurt zurückgekehrt. Man hatte ihn, wie ein Privatschreiben aus Frankfurt meldet, wegen seiner Anerkennung bis nach der Präsidentwahl vertröstet; sein Warten war jedoch vergeblich. (N. K.)

Aus München, 3. Jan., schreibt dieAugsb. Abdz.": Mit großer Gewißheit wird hier allgemein behauptet, dem Professor Edel sei die Leitung der Sektion des Staatsmtnisteriums des Innern,für den Cultus" (das früher gesondert bestandene Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten) anvertraut und ihm der Titel eines Unterstaatssekretärs (wurde auch nach demNürnb. Corr." bereits mitgetheilt) verliehen worden; auch soll dem dermaligen Appellationspräsi­denten von Schwaben und Neuburg, Frhn. von Sten­gel, einem glaubhaften Gerüchte zufolge, die Stelle als Miuister des Handels und der öffentlichen Arbeiten übertragen werden; die Namen Beider und ihre Bei­stimmung finden allgemeinen Anklang.

München, 4. Jan. Man erfährt mit vieler Be­stimmtheit, daß die bayerische Regierung die Grund­rechte des deutschen Volkes vorerst nicht publiziren werde, dieselben jedoch dem Landtage sogleich bei seinem Zusammentritte zur Zustimmung vorlegen wolle.

Berlin, 2. Jan. Eine auffallende Erscheinung sind heute die vielen Truppenbewegungen innerhalb der Stadt. Dieselben haben ihren Grund wohl in dem Einmarsch neuer Militärabtbeilungen, die an Stelle der in letzter Zeit hier ausgerückten Mannschaften in Ber­lin garnisoniren werden.

Die Einrichtungen für das Berathungslokal der zweiten Kammer im Hardenberg'schen Palais am Dön- Hofsplatz werden mit außerordentlichem Eifer und Auf­wand von Arbeitskräften betrieben. Um die Vollen­dung bis Mitte Februars zu ermöglichen, sind die bei den Baulichkeiten beschäftigten Arbetter in drei Klassen getheilt, die jedesmal innerhalb 24 Stunden wechseln. Die Arbeiten werden mithin während der ganzen Tages- und Nachtzeit ununterbrochen fortgesetzt. Die inneren Räume des Gebäudes sollen nur theilweise und zwar zu den Bureaux benutzt werden. Ein besonderer Sit­zungssaal wird in dem Hofraume neu gebaut.

Herr Jung, der früher längere Zeit bei rheinische:: Gerichtshöfen als richterliches Mitglied beschäftigt war und sich nach Berlin zur Ausbildung für die altländi­sche Rechtspflege hatte versetzen lassen, beabsichtigt jetzt sich als Advokat-Anwalt bei dem rheinischen Revisions­und Cassationshofe niederzulassen. Aus der Feder des bei diesem Gerichtshöfe als Mitglied fungirenden früheren Abgeordneten Professor von Daniels ist so eben ein die Grundsätze des rheinischen und französischen Strafverfahrens mit Schärfr und Klarheit entwickelndes Werk erschienen. (A. O.-Z.)

Berlin, 2. Jan. Die Armee soll laut dem Budjet nicht allein die^schon an und für sich ungeheure Summe von 25,811,00/ Rtblr. als ordentliche Ausgabe, son- dein auch noch 1,498,933 Rtblr. an außerordentlichen, zusammen also 27,309,940 Rthlr. verschlingen, also beinahe ein Drittel der gesummten Staatseinnahme. Und das ist nur erst das Friedensbudget und das Budget ans dem Papier. Welcher Unterschied aber zwischen den Voranschlägen und den wirklichen Aus­gaben, namentlich betreffs der Armee herrscht, davon wird Preußens Volk die traurigen Belege erst dann erhalten, wenn ihm freiere Institutionen' den Einblick in die Staats- und speciell in die Militär-Rechnungen der letzten vier Monate dieses Jahres gestatten werden. Soviel aber läßt sich schon jetzt beweisen, daß allein die außerordentlichen militärischen Krastentwickelungen in den Monaten November und Dezember die Kleinig­keit von ca. 10 Mill. Thlr. mehr gekostet haben, als im Budget veranschlagt war. Den Beweis dafür liefert folgende sehr einfache Rechnung. Laut dem bekannten Bericht der F'nanzkommission der Nationalversammlung hatten die General-Staatskasse und die zu derselben gehörigen Nebenfonds am 30. November 1848 einen Geldbestand von 12,588.753 Rthlr. Anderseits ist, wie der Minister selbst in seinem Finanzbericht eingesteht die freiwillige Anleihe von 15 Millionen, wovon laut offiziellen Bekanntmachen am 30. Okt. erst 10,436,000 Rthlr. eingezahlt waren, jetzt bereits zum größten Theile eingezahlt und ein Blick auf die Notirung der freiwilligen ^Anleihe an unserer «Börse reicht hin um darzuthun, daß die Behauptung, daß seit Ende Okt. wenigstens 3 Millionen "als freiwillige Anleihe in den Staatsschatz geschlossen sind, eine durchaus müßige ist. Es find also wenigstens 15% Mill. seit dem 1. Nov. im Staatsschatz gewesen.

Wenn also der Minister an außerordentlichen Hülfs­mitteln für 1849 aus dem Jahr 1848 nur die Summe von 5,708,000 Rthlr. herüberbringt, so gesteht er da­mit ein, daß er von der obenerwähnten 15% Mill, nur noch diese circa 5% Mill. übrig hat. Die feh­lenden 10 Millionen aber müssen um so mehr zur Deckung außerordentlicher Ausgaben für die Armee ge­dient haben, als nicht allein zur Deckung der lausenden Ausgaben, die laufenden Einnahmen angewiesen waren, sondern auch der Bericht der Finanzkoinmission der Nationalversammlung noch den größeren Theil von 13,583,987 Rthlr., als rückständige Gefälle bezeichnet, welche im vierten Quartal von 1848 eingezahlt werden durften, also die laufenden Einnahmen um so viel ver­größerten.

Ob diese Uebersteigung des Voranschlags der Aus­gaben für die Armee um wenigstens 10 Millionen in 2 Monaten wirklich beim Lande einerEntschuldigung kaum bedülsen wird"; ob esiwirklich nicht möglich war, die Frage über Verminderung der stehenden Armee und dadurch zn bewirkende Ersparnisseunter den dermali­gen politischen Conjuncturen zur schließlichen Erledigung" zu bringen, darauf überlassen wir dem Volke, den Wählern die Antwort. Die Resultate der Wahlurnen können am besten dem Ministerium sagen, ob das Volk ihre eben angeführten Ansichten theilt oder nicht.

(M. A.-Z.)

Berlin, 3. Jan. Der Neujahrswunsch des Königs an die Armee hat einen peinlichen Eindruck gemacht. Man muß es bedauern, daß dieser heißblütige Glück­wunsch, der den Ruhm der Armee feiert, so ftnfhre Worte über Alles ausspricht, was im Jahre 1848 ge­schehen ist. Nicht ohne Befremden bemerkte man da­rin Worte, wie:Die Armee hielt ihre Treue, als Empörung die friedliche Entwickelung der freisinnigen Institutionen störte, denen ich mein Volk entgegenführen wollte." Die offene Verdammung der Märzrevolvtion als Empörung stimmt in der That schlecht zu den lob­preisenden Verössentlichungen vom 20. und 22. März, in welchen das großmüthige Volk von Berlin den wärmsten Dank empfing für den Edelmuth, den es überall gezeigt hatte. So ändern sich die Zeiten! Das Schlimmste aber ist, daß dieser Neujahrswunfch so leicht mißverstanden und von den Parteien verschie­den auSgebeutet werden kann, woran es auch nicht feh­len wird. (3. f. N)

Berlin, 4. Jan. (Ztg. f. Norddtschlnd ) Während man bisher in Betreff der Wahlagitationen nur zwei wesentlich von einander getrennte Parteien erblickt-, ent­faltet jetzt noch eine dritte, unstreitig gut organisirte und mit allen Mitteln zu Wahlagitationen reichlich versehene Paitei ihre Thätigkeit und zwar mit einer Lebhaftigkeit und einer Geschicklichkeit, die die der andern Parteien weit überragt. Es ist dies die hohe Aristokratie und der reiche Grundbesitz, welche man in neuester Zeit mit der Partei Harkort - Meusebach verbunden wähnte. Eine scheinbare Vereinigung hat nun wirklich eristirt, aber man hat sich mit der konservativen BourgviSpartei doch nicht lange vertragen können und hat im Stillen sich eine besondere Einwirkung auf die bevorstehenden Wah­len vorzubehalteu gewußt. Der Centralverein dieser Partei ist der Verein zum Schutz des Grundbesitzes, das sogenannteJunkerparlament" aus dem ein Wahl- comi'te hervorgegangen ist, in welchem die Herren- low-Cummerow, Prinz Hohenlohe und Ob.istlieuteuant V. Griesheim. Mit diesem Vereine in Verbindung steht ein neu gegründeterkatholischer Central-Verein" der an 100 Zweigvereine meist unter beiu NamenPrie­ster-Verein", in der Provinz zählt. Es wird versichert, daß dieser katholische Verein bereits mehr als 800 Mit­glieder zähle. Das erwähnte Wahlcomite versucht durch

Absendung von Emissären nach der Provinz und durch Verbreitung von Drucksachen, als deren Verfasser der frühere Redakteur der fast radikalen Arbeiterzeitung H. Dr. E. Schmidt genannt wird, auf die Wahlen zu in- fluiren. Man geht damit um, eine neue Zeitung im Interesse des großen Grundbesitzes zu stiften, die noch im Laufe dieses Monats erscheinen soll. Ein Versuch, sich m't der von den Herren Lehfeld und Jonas heraus- gegebenenconithitioneden Zeitung" zu vereinigen, soll fehlgeschlagcu sein.

Wien, 2. Januar. (Fr. I.) In Kremsier haben die Reichstagsdeputirten 5 Clubbs gebildet. Dieselben heißen: Der linke Clubb, der politische Central-Clubb der deutsch-österreichische Clubb, der polnische Clubb und der slavische Clubb.

Wien, 3. Januar. Obschon nicht geglaubt, ist es dennoch wahr, daß unlängst ein geheimer Klub in der Vorstadt Wieden, der seine Sitzungen in einem Keller hielt, aufgehoben ward. Ein bereits 60jähriger prac- tischer Arzt soll an der Spitze gestanden haben. Der durch seine jüngste Kontroverse mit F öbel noch bekann­ter gewordene Padovani, welcher zu 12j ihriger Festungs­strafe vcrurtheiit worden war, erschien gestern ganz un- vermuthet in einem besuchten Kaffeehause. Als Beweg­grund der erfolgten Freilassung wird das lobenswerte Benehmen desselben bei der Entweichung eines andern Verurteilten und weiterhi: angegeben, daß derselbe während der Oktobertage die Plünderung eines Waf- fenladenS verhindert habe. Raveaur (Bruder des Deputaten) und der Schriftsteller v. Alvensieben, beide zum Tode verurteilt, wurden, der Erstere mit 3', der Letztere mit ijährigem Festungsarrest begnadigt. - Heute wird der Reichstag in Kremsier wieder er­öffnet. Man erwartet wichtige Vorlagen und macht sich auf die entschiedene Verwerfung des §. 1. der Grundrechte gefaßt. Es wird versichert, daß das Mi­nisterium seinerseits einen Grundrechtsentwurf in petto habe, der zum Theil aus noch liberaleren Grundlagen beruhe. D r Reichstagdeputirte Löhner hat einen Paß für das Ausland auf mehrere Jahre erhalten. Dem Gemeinderath wurde ein Proj kt unterlegt, zur Verminderung des Proletariats Armenkolonien zu grün­den. Man versichert, die gegenwärtigen Machthaber in Ungarn würden sich nach Szegedin zurückzieben, falls sie Puda-Pesth räumen müßten. (N. K.)

Ungarn.

Das neunte A meebüllltin, welches am 1. Januar in Wien anlangte, gibt einen Bericht Jellachich's an Wlndischgrätz über eine Schlacht bei Moor:

Gestern," schreibt der Banus,brachte ich in Kis-Ber in Erfahrung, daß ein feindliches Korps unter Percz-l, 8- bis 10,000 Mann stark, vor mir abmarschirt sei, in der R ch ung nach Moor.

Hierdurch fand ich mich bewogen, mit meinen sämmtlichen Truppen früh um 5 Uhr aufzubrechen, um den Feind zu verfolgen."

Eine Stunde von Moor fand ich ihn in einer vorteilhaften Stellung; ich hielt mich in der De­fensive, um die Div sion Hartlieb abzuwarten, welche 1% Stunde hinter mir marschirte. Allein der Feind fing an, sich zurückzuziehen, worauf ich mich genöthigt sah, denselben mit der Brigade Grammont und meiner Kavallerie anzugreifen."

Dieser Angriff erfolgte sehr herzhaft, vorzüglich durch beide Kürassierregimenter Hardegg und Wallmoden. In Zeit von einer halben Stunde hatten wie das feind­liche Zentrum gespr ngt, 6 Kanonen erobert, einige Tausend Gefangene gemacht, worunter viele Offiziere; auch soll ein feindlicher General erschossen sein. Das Schlachtfeld ist mit Todten bedeckt."

Der Rest des Perczel'schen Korps hat sich, unge­fähr 8000 Mann, gegen Stuhlweißenburg zurück­gezogen." (M. A.-Z.)

Frankre ich.

Paris, 4. Jan. Man muß in jetziger Zeit die Dinge auf den Kopf stellen, um sie mit ihrem wahren Namen nennen zu kennen. Die Sprache ist eine Lüge geworden. Konfusion, Konfussion in allen Parteien! schreit man von allen Seiten, und nie stellt die Sachen klarer als jetzt. Die Konfusion war da, als 5 Mill, in einem Namen, in einem Herzen zusammengeschmol­zen. Aber nein, hieß es damals, seht, welche Einigkeit, welch' wunderliches Zusammentreffen. Die französische Nation ist eine große Nation und Napoleon ihr Pro­phet. Itzt, wo dieses @emif$ sich start, wo die durch- einandergeworfenen Stoffe sich sondern, klagt man we­gen Konfusion. Die Rue Port ers zerfällt innerlich, das Ministerium zerfällt mit der Rue Poitiers, und Napoleon war noch keine Stunde, ohne mit bem Mi­nisterium zerfallen zu sein. Der Einzige, der unerschüt­terlich bleibt in biepr allgemeinen Erschütterung, ist Odilon-Barrot. Er stiert die Parteien mit seinen star­ren Thiers -Augen an, und glaubt dermaßen an die Macht dieses Blickes, daß er in seiner theatralischen Stellung so lange beharrt, bis ihm ergeht, wie am 24. Februar. Damals noch saß er so majestätisch in den Reforinbanquets, rechts und links mit vertrauungsvol- lem Lächeln um sich werfend, daß er die Revolution, die hinter ihm sich erhob, nicht eher merkte, bis sie mit einem Fußtritte ihn von seinem Sitze geworfen.

Jetzt, wo der majestätische Barrot, nachdem er in aller «Stile Hut und Rock abgebüistet, wieder da steht, als hätte er nie auf dem Boden gelegen, teuft er gar­nicht, daß er je wieder fallen sann. (N. Nh. Z )