Einzelbild herunterladen
 
  

J|£ 7» Wiesbaden. Dienstag, 9, Januar I8â9.

Die^reie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltrge Pelitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

^ J - 1 - ' - ' " ----------- ' ' ^ ' ........ ' " " ^"-------------------- -----....... *! ~ ^*^^---'x*" ' ^==J-^ZJHm^!gJ!bd,.,u^ . /a^gjFF'MiiEaiai

Wiesbaden, 5. Januar.

* Der Griff Oesterreichs

nach der vermeinst chen deutschen Kaisei keone muß be­greiflich jedem Deutschen, dem die Einheit und Freiheit seines Vaterlands warm am Herzen liegt, ebenso un­willkommen sein, als der des Hauses Hohenzollern.

Da jedoch nunmehr neben Preußen sich auch unzweifelhaft Oesterreich als Candidat zur deutschen Kaiserwürde ausstellt, so kann jeder von nur einigem gesunden Menschenverstände jetzt abnehmen, in welch? grenzenlose Verwicklungen und in welch unsägliches Elend Deutschland gestürzt weiden würde, wenn über­haupt die Frankfurter Professoren und Rhetoren ernst­lich daran denken sollten, einen Kaisermantel zusammen­zuflicken.

Doch wir vergessen ja fast, daß jene Versammlung, welche ein neues dauerhaftes Kleid dec deutschen Größe hätte zuschneiden können, jetzt überhaupt nicht mehr die Macht hat, auf das alte beschmutzte Gewand deutscher Armseli keit und Ohnmacht auch nur einige neue Flick­lappen zu setzen.

Alsokein Preußen und kein Oestreich mehr, ein einiges Deutschland nur" daran wollen wir fest- halten, und dieser Worte deS ReichSverweserS Johann stets eingedenk sein.

Diedeutsche Reichstagszeitung", das Organ der Linken in Frankfurt, welche sich bisher energisch gegen die Candidatur der Hohenzollern aussprach, verwirft mit Recht auch nunmehr mit aller Entschiedenheit die ganz unverhoffte Candidatur der Habsburger.

Wenn man schreibt sie die Aufgabe in Er- Wägung zieht, die die deutsche Nationalversammlung ursprünglich zur Ihrigen zu machen berufen^ war, so muß man sich klar werden, daß sie nicht die war, die deutsche Freiheit in die Hände ihrer ärgsten Feinde zu liefern. Dieß thut sie aber, wenn sie einem der beiden von ihr ausgestellten Kandidaten (Hohenzollern oder Habs­burg) die von ihr zu schaffende Kaisers-one auf's Haupt setzt. Sie schafft ein Ehrendiplom für die vermeintlich gelungene Contrerevolutwn, und gibt das deutsche Vater­land eben drein als Bercke einer absoluten Macht.

Blicken wir auf Oesterreich, so haben wir dort die Reaktion in barbarischer, mörderischer Weise auftreten sehen. Das alte Knechtssystem Metternichs leitet nach Wie vor die Regierung. Aller Civilisation wird Hohn gesprochen, alles Völkerrecht wird in den Koth getreten und aU& Menschenrecht wird, zum Trotz seiner Allge­walt, verspottet und verhöhnt. Die Klagen und Wehen der Völker sind Lobgesänge in den Ohren der Macht­haber, und wo eine Nation ihr Recht verlangt, da wird sie erst recht erdrückt und geknechtet. DaS nennt man dortgleichberechtigt".

Oesterreichs Regierer hat sein Volk, weil es wagte, im März und Mai des entschlafenen Jahres auSzu- sprechtn:Ich bin ein Volk", schrecklich heimgesucht,

wie die Geschichte kein Beispiel aufzuweisen hat. Oester­reichs Regierer hat die he-rlichen Länder der Donau, Moldau und Drau mit Brand und Mord durchziehen lassen, und hat es einer zügellosen Horde raubsüchtiger Ges,UkN zur Plünderung und Verheerung preisgegeben, er hat morden, rauben, plündern, er hat schänden lassen; und dafür soll ihm die deutsche Kaiserkrone ge­reicht werden!! Er hat die größte, herrlichste deutsche Stadt auf kroalische Weise zerstören lassen, und hat für Bombardiren der großen Städte, wie Lemberg, Prag, Krakau, die g' ößte Liebhaberei bewiesen; und dafür soll ihm die deutsche Kaiserkrone gereicht werden!!

Bedenke, deutsche Nationalversammlung, was du thust!!

Die Perfidie der èst rreichischen Politik hat seit Jahrhunderten den freien Nacken dcs deutschen Volks gedrückt, und die österreichische Politik war fortwährend der Hemmschuh, daß die Freiheit in Deutschland sich weder entwickeln noch begründen konnte, und wo in Deutschland eine freie Institution zur Geltung kommen sollte, da war sie es, die ihr den Todesstoß gab, da war sie eS, die, pochend auf ihren Vorsitz im Bundes­tag, die erwachten Gefühle der Freiheit einzuschlummern sich berufen fühlte.

Oesterreich war der Tyrann der Freiheitseniwicklung in Deutschland. Und dafür soll man dieser Regierung j-tzt die deutsche Kaiserkrone reichen, die sie, in Erwä­gung ihrer weisen GleichbercchtigungSpolülk, gewiß nur dazu verwenden wird, auch bad übrige Deutschland un­ter die Ruthen ihrer Helren Stadion-Windijchgrätz zu stecken.

In Oesterreich ist die Kontrerevolution mit einer Anmaßung und Empörung zum Hohne der deutschen Cultur und Civilisation ausgetreten, wie sie nirgends auszutreten gewagt. Sie hat einen deutschen Reichs- tagsabgeordneten erschießen lassen, mb hat der Reklamation der Nationalversammlung mit Hohn ge­antwortet. Sie hat die edelsten deutschen Männer hin- geschlachtct, weil sie deutsch waren, und dieser Regierung will diese Versammlung die deutsche Kassel kröne aufsetzen? Aber nein, cs ist nicht möglich, soweit ist die Ver­sammlung in der reformirten Kirche nicht gesunken, daß sie mit der Einheit auch die Freiheit Deutschlands (wenn auch nur für den Augenblick) den absolutistischen Gelü­sten! eines Danaidenfüistcn opfern werde.

Eben so viel Gründe lassen sich st eilt d) auch gegen eine Hegemonie Preußens Vorbringen, sowie überhaupt gegen die Hegemonie bcr meisten deutschen Könige, aber das sind eben die Consequenzen der Partei, die um jeden Preis Deutschland bekaisern will. Man sagt, man müsse die deutsch-österreichischen Provinzen zu Deutschland bringen, da aber kein anderes Mittel voc- liegt, müsse man den vorliegenden Fakten zufolge han­deln; wir erwidern euch aber, gerade dieses ist der Weg, eher Deutschland unter das Joch einer absoluten

Regierung zu bringen, als Deutsch-Oesterreich frei zu machen. Man hat in der reformirten Kirche die besten Gelegenheiten vorübergehen lassen, um die Siege des Volkes zu Gunsten desselben zu benützen, ja man hat geradezu die freie Entwicklung des Volkes gehindert, und jetzt, als die Contrerevolution kaum ihr Haupt zu erheben beginnt, beeilt man sich, es ihr mit den Lor­beeren einer deutschen Kaiserkrone zu schmücken. Muß sie da nicht übermüthig werden, und das deutsche Volk mit Füßen treten? Wahrlich, das ist weder der Weg, die deutsche Einheit, noch Freiheit zu begründen, ja auch nur anzubahnen."

V Die Wühler

Was ehemals die Spuckgestalten, daß sind jetzt die Wühler", nämlich ein Schreckbild für das gutmüthige Vock und tressiches Schutzmittel für Erhaltung des VorurtheilS und des Vorrechts. Meint irgendwo nur ein schlichter Mann, es müsse besser werden, so schreiet sogleich die Reaktion:ein Wühler!" und das gute Volk erschrickt und glaubt, die ganze wilde Jagd komme jetzt aus den Wäldern in die friedlichen Dörfer. Man fürchtet, es ginge dem Volke, wie dem Manne im Evangelium ; es wmde, nachdem der böse Geist der Ge­waltherrschaft im Märze aus,getrieben, nun in den Wühlern die führn schlimmeren Ge strr aufnehmen müs- s?n. Aber die sieben schlimmeren Geister sind ja gleich nach den Märztagen als Reaktion oder Rückschritt in den alten Zustand, in das Leben gefahren und die Wühler wollen sie bannen, die sieben bösen Geister der Reaktion.

AlS die Kunde von der gräßlichen Ermordung Ro­bert Blum's und die dadurch ausgesprochene Ver­höhnung deS deutschen Volkes durch Deutschland drang, da waren alle Heizen empört. Aber da rief die Reak­tion:Blum war ein Wühler!" Das Vock rief an vielen Orten entsetzt:ein Wühler"! und ver­wünschte seinen edeln Kampftr, den Märtyrer für seine Freiheit; denn die Männer der Reaktion, sagt das Volk mit Antonius, sind ehrenwerthe Männer.

Auch ich sage, wie jene ehrenwerthe Reaktionäre, Blum war ein Wühler. Aber was ist das, ein Wüh­ler? Blickt um euch, in der ganzen Natur Hansel der Urgeist der Wühlerei, und sein Wühlen erzeugt das Le­ben. Da wühlt es in den Adern und Muskeln des Menschen, zerreißt die abgestorbenen Fäden, zertrennt und verbrennt die Kügelchen des Blutes, bildet neue Fäden und stößt die erstorbenen aus.

Befreiet euch von dem Wühler; athmet keine Luft mehr ein; denn die Lust ist wühlerisch! Bliebe diese euch fern, würdet ihr wie die getrockneten Leichen oder Mumien Egyptens in ewiger Ruhe beharren.

Wenn d.r Winter mit Eis und Schnee die Eide bedecket, dann ist der wühlerische Geist der Natur ge­bannt, dann solltet ihr frohlocken; aber ihr beschwört

3B3OE3i

FK Wie ffch dieNassauische Allgemeine" aller Balgereien und aller Schimpfreden enthält!

Eine Geschichte, die werth ist, .in demEulenspiegel" der Allgemeinen" gedruckt zu werden.

DieNassauische Allgemeine Zeitung," welche sich, nach unserer Meinung wenigstens, offizieller Mittheilungen des nassauischen Ministeriums erfreut, ( sie brachte z. B. das vielbesprochene Ministerial- rescript vom 13. Juli, Vorschriften über das Auftreten der Staatsangestellten als Privatpersonen in politischen Angelegenheiten enthaltend, früher in ihren Spalten, als eS vielen der einzelnen Behörden zuging -- ) und sich selbst alsministeriell" bezeichnet, pflegt sich als Vor­kämpferin edler Gcsittnng und als die Gegnerin der Roh­heit und Barbarei, (die sie der Demokratie zur Last legt!), hinzustellen.

Damit nun unsere Leser, von welchen wir vorauS- setzen müssen, daß sie wohl größten Theils nicht auch Leser der gedachtenNassauischen Allgemeinen" sind, er­fahren, was es für ein Bewandtnis; mit den feinen Sitten und dem edeln Anstand dieses ministeriellen Organs habe, wollen wir ihnen hier ein Beispielchen davon anführen.

In dem Probeblatt, daS dieNassauische Allgemeine" zum neuen Jahr ausgegeben hat, hält sie, wie sie daS

jedes Vierteljahr zu thun pflegt, sich zuerst ein salbungs­volles Eigenlob. Daun aber thut sie folgendes Geständ­nis; :

Unserem Gclöbniß, rein stets die Sache walten zu lassen, und uns von allen Persönlichkeiten, aller Animo­sität fern zu halten, sind wir leider nicht immer treu geblieben."

Nach diesem reuevollen Bekenntniß verspricht sie für die Zukunft ernsthafte Besserung.

In demselben Athem aber gebraucht sie in Bezug auf die übrige nassauische Tagesprosse folgende Ausdrücke, welche wir wörtlich Punkt für Punkt anführen:

1)S ch m n tz j o u rnalisti k"

2)tr ü bster S ch l a m m"

3)büb isehe Verd ä cht ig unge nu nd Verlâum- d iingcn"

4)breiter und eckelhafter Quarck"

3)böses Maul"

6)böse Buben"

und das Alles in zwei Sätzen von 12 Zeilen, sv daß also auf je zwei Zeilen ein Schimpfwort kommt, das in Sachsenhausen seines Gleichen sucht.

Wer kennt nicht die Geschichte von jenem Sackträger, welcher sich bei dem Geistlichen beklagte, seine Kinder hätten sich so an das Fluchen geivvhnt, und dann fort- fuhr:Ich habe sie doch als frommer Vater in der Gottesfurcht erzogen, und nun weiß der Teufel, wo, zum Kreuz und Donnerwetter, die schwernothse Himmelsackckcr-

menter das sackckcrblö'sche fluchen herhaben; wenn sie sich aber nicht ändern, dann soll das schwere Leid in sie fahren, so wahr ich ein gottesfürchtiger Mann bin und niemals geflucht habe."

Fürwahr dieAllgemeine" scheint, was edlen Au­stand, feine Sitten, Consequenz, aufrichtige Reue lind wahre Besserung anlangt, bei diesem Sackträger in die Schule gegangen zn sein.

Indem wir noch an ihre früheren maßlosen und rein persönlichen Angriffe gegen die einzelnen Abgeordneten ron der Linken, wie gegen Lang, Heh ner, Müller II., Wcnkcnbach I., namentlich aber gegen Raht, (Der in jeder Nummer herhalten mußte,) erinnern, fragen wir, woher nimmt ein solches Blatt die Stirne, unablässig überPreßunsug" zu schreien lind alle Mächte dos Him­mels und der Erbe gegen denselben in die Schranken zu rufen ?

Daß es ein solches Blatt gibt, hat indessen für die gute Sache ohne Zweifel sehr viel Gutes.

Die freien Spartaner pflegten ihre Sclaven betrunken zu machen und in diesem Zustande öffentlich erscheinen zu lassen, damit dadurch die freie spartanische Jugend einen abschreckenden Wicderwilleu gegen dieses Laster fasse.

Wir hoffen, daß die maßlose Servilität derAll­gemeinen" gegen das Ministerium und ihre eben so maß­lose Leidenschaftlichkeit gegen die Opposition einen eben so günstigen Eindruck auf alle Uubcsaugcueu macht, wie