ten feierten beim Angriff nicht einmal ihre Gewehre ab, sondern stürzten mit den Kolben auf den Feind und schlugen ihn nieder. „Ein Schlachten war's und keine Schlacht zu nennen." (N. K.)
Wien. Das neunte Armeebülletin vom Kriegsschau, platz in Ungarn lautet:
Bericht des F.-M.-L. Jellachich an den Feldmar« schall Fürsten Windischgrätz. Moor, den 30. Dezember 1848. Gestern erfuhr ich in Kis-Ber, daß ein feindliches Corps unter Perczel, 8 — 10,000 Mann stark, vor mir abmarschirt sei in der Richtung nach Moor. Hierdurch fand ich mich bewogen, mit meinen sammt' lichen Truppen früh um 5 Uhr aufzubrechen, um den Feind zu verfolgen. Eine Stunde vor Moor fand ich ihn in einer vortheilhaften Stellung; ich hilt mich in der Defensive, um die Division Hartlieb abzuwarten, welche 1 % Stunden hinter mir marschirte. Allein der Feind fing an, sich zurückzuzichen, worauf ich mich ge- nöthigt sah, denselben mit der Brigade Grammont und meiner Kavallerie anzugreifen. Dieser Angriff erfolgte sehr herzhaft, vorzüglich durch beide Kürassierregimenter Hardegg und Wallmoden. In Zeit von einer halben Stunde hatten wir das feindliche Centrum gesprengt, 6 Kanonen erobert, einige tausend Gefangene gemacht, worunter viele Offiziere; auch soll ein feindlicher Ge, neral erschossen sein. Das Schlachtfeld ist mit Todten bedeckt. Obristlieutnant Graf Sternberg und Hauptm. Graf Pimotan nahmen an der Spitze einer Divission Wallmoden die erste feindliche Kanone. Die Truppen haben den Feind mit solcher Bravour angegriffen, wie es der k. k. Armee geziemt. Die Generäle Ottinger und Grammont haben mit vieler Umsicht und Tapferkeit die Truppen gefüh t und der Chef meines Generalstabs G.-M. Zeisberg entwickelte, wie bei jeder Gelegenheit, so auch hier, sein militärisches Talent. So eben bringt eine Abtheilung vom 5. Jägrrbataillon eine eroberte Haubitze. Der Rest des PerczU' chen CorpS — ungefähr 8000 Mann — hat sich gegen Stuhl- w tßenbiirg zurückgezogen' Jellachich, FeldmarschaU- lieutena.it. (O.-P.-A -Z.)
Großbritannien.
London, 1. Jan. (O.P.A.-Ztg.) Es hat sich eine League für die Reform der Finanzen der drei Königreiche gebildet, welche früher oder später tiefgreifende Veränderungen nicht blos in den socialen, sondern auch in den kirchlichen Einrichtungen Hervorrufen dürfte, da sie namentlich auch die gegenwärtig unverhälnißmaßigen Einkünfte nicht nur der Aristokratie, sondern ebensowohl der stabilitirten (und stabilen!) Kirche bedeutend zu verwind rn trachtet. Aus den zu diesem Endzweck kürzlich von ihr veröffentlichten Aktenstücken werden die nachfolgenden Angaben auch auf dem Continent ein allgemei- ncres Interesse darbieten. Die Gesammte nnahme der vereinigten Königreiche mit Einschluß der Erhebungöko- fien beträgt 68,862,000 Pfd. St. Hierzu liefern die
indirekten Auflagen (asso Industrie und Handel) nicht weniger als 56,743,003 Pf. St., während alle Liegenschaften nur mit 9,551,000 Pfd. St. belastet sind. Run ist aber noch überdies berechnet worden, daß die großen Eigenthümer mittelst der ihnen zufallenden Aemter, Pensionen, G kalte u. s. w. bei weitem mehr wieder aus dem S'aatöschatz beziehen, als sie an ihn zahlen. Aus dem Nachweis der Pensionen, deren Tilgung die League bezweckt, ist zu ersten, daß der König von Belgien noch jährlich eine Million Franken, ein deutsche (!!) König — der von Hannover, 525,000, de Herzog von Grafton, als Abkömmling eines natürlichen Sohnes Karls II. 265,000, ein Nachkomme des Herzogs von Marlborough 100,000 Fr. und ebensoviel ein Urenkel dcö berühmten Quäkers Penn jährlich bezieht! Die von Georg IV. und William IV ihren Günstlingen und Dienstleuten bewilligten Pensionen belaufen sich noch jährlich auf 1,700,000 Fr. Eine Mühe wäre der League erspart worden, wenn die deutsche Nationalversammlung, wie sie den deutschen die Annahme fremder Orden verboten, auch deutschen Fürsten untersagt hätte, Pensionen von fremden Machten zu beziehen.
Frankreich.
Paris, 1. Janua-. Die Journale sind heute durchgängig inhaltsleer; fie bringen als wichtige Neuigkeiten, daß der Handel und die Industrie in ungeheuerem Aufschwünge begriffen sind und die Neujahrsgeschäfte brillant gehen, was sonst Niemand bemerkt hat, und daß Herr und Madame Girardin, so wie die Redakteure des „Evenement" bei dem Präsidenten der Republik gespeist haben, was Niemand interefsüt.
Der in Marseile am 28. Dezember eingelaufene Dampfer „Virgilie", der Neapel am 22. verlassen hat, bringt die Nachricht, daß der Pabst sich noch immer in Gaeta befindet. Die französische Flotte lag am 22. noch in den Gewässern von Neapel. Die Gerüchte, daß der Pabst gegen die Mitte des Januars auf dem Linienschiffe „Friedland" in Marseille ankommen wird, dauerten fort. (T. Z.)
Paris, 2. Jan. Der Ministerwechsel, der beiläufig gesagt, noch nicht zu Ende ist, (denn man will Dufaure in's Ministerium hineinziehen) wird der Gegenstand von Interpellationen in der Kammer werden. Die Sitzung wird eine dir wichtigsten und kann eine der skandalösesten w rden, wenn die Deputieren sich nicht beständig zuz>i- rufen schienen: Leist, leise, nur keinen Skandal gemacht; das Juni-Gespenst möchte auswachen! Von der andern Seite hat die Kammer Furcht, man möchte sie foit- ' schick n; denn immer stellt es sich deutlicher heraus, daß die Konst tuante mit ihi en 900 Mitgliedern, die 8 Minister in ihrem beständigen Wechsel, und der Präsident mit seinem roch nicht ernannten Appendix, dem Vice- präsidenten, nicht über 24 Stunden in Frieden neben einander leben können. Von diesen drei Gewalten wird
wenigstens Eine, möglicher Weise aber zwei verabschiedet w'rden: und wenn es gut geht, werden sie binnen Kurzem alle drei den Abschied erhalten. Indessen freut sich der neue Präsident seines neuen Amtes: er hat gestern das diplomatische Korps von allen Mächten der Erde empfangen, mit dein Nuncias an der Spitze; der russische Gesa wie hat allein gefehlt. Napoleon hat jedem der Gesandten in seiner Landessprache geantwortet, und es soll ihm gelungen sein, auf deutsch, französisch, italienisch und eng'isch sich zu kompromittiren: in keiner von diesen vier Sprachen ist es ihm gelungen, ein einziges kluges Wort zum Vorschein zu bringen.
(N. RH. Z.)
Paris, 3. Jan. Die „Patrie" meldet in ihrer gestrigen Nummer, daß der Congreß in Brüssel wahrscheinlich nicht stattsiaden werde. — Die conservativen Blätter heben ganz besonders hervor, daß Lonis Napoleon Bonaparte in dem Augenblicke, wo das diplomatische Corps vorbeidifilirte, an den Nuntius heranging und ihm sagte: Er hoffe den Papst bald wieder auf seinen weltlichen Thron zurückgeführt zu sehen. — Der Gesetzgebungs- und der Justizausschuß beschäftigte sich heute mU Prüfung des Rateau- scheu Antrags auf Auflösung der Nationalversammlung und Ausschreibung der Wahlen für die neue Kammer am 4. März. Er wurde in beiden Ausschüssen, und zwar im ersten mit 19 gegen 18, im zweiten mit 15 gegen 15 Stimmen verworfen. — Marrast hat ein Schreiben an das Journal „Eoenement" gerichtet, worin er gegen die voudi sim aus gespi och ne Behauptung, daß er sich nicht mehr um den Präsioentenstuhl der Nationalversammlung bewerbe, protestirt. (O. P.-A.-Z.)
Paris, 3. Jan. (Tr. Zig.) Nach Berichten auS Civitavechia vom 20. ist der französisch? Dampfer „Tenare" tu Begleitung eines englischen Schiffes daselbst eingklaufen und hält sich in geheinrnißooUer Absonderung im Hafen, so daß man vermuthet, der Papst befinde sich auf demselben unterwegs nach Frankreich. — Wie von Frankreich und Spanien, so hat der Papst nun auch von Portugal das Anerbieten eines Asyls erhalten, die Königin hat zu biefem Zwecke einen Kam- merherrn an ihn abgesandt und der P last von Mofra wird bereits für den Papst hergerichtet. Auch ist schon der portugiksitsche Dampfer „Minchelho" nach Neapel abgegangen. In dem geheimen Consistorium, welches der Papst am 11. Dezember in Gaeta abhielt, wurden mehrere Ernennungen zu Bischofssitzen vorgenommen, worunter wir die Ernennung des Hrn. Christian Florent Koelt, Pfarrers im E saß, zum Bischof von Fulda bemerken.
— In innreren G-'genden F ankreichs fangen die Bauern b.reiis an, ihre 45 Centimes zmückzuverlang"n, und man hat an mehreren O.ten zum Schutz der Stuereianahme Militärabthellungen absenden müssen.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
ekanntmachunqen.
(1652) An die
Wähler der Stadt Wiesbaden.
Diejenigen hiesigen Bürger, welche bei der demnächst stattfindenden B ür g er m ei ster- W ah l dem Buchhändler Fischer ihre Stimmen zu geben gesonnen sind, werden gebeten, auf die Stimmzettel deutlich „Buchhändler Fischer" zu schreiben, indem sonst, wenn blos „Fischer" oder „Heinrich Fischer" geschrieben wird, die Zettel als ungültig nicht berücksichtigt werden.
Mehrere Bürger Wiesbadens.
Allgemeine Burger Versammlung.
(20) Nächsten Sonntag, den 7. Januar findet in dem Lokale des Herrn Georg Hahn im Nerothale eine
Allgemeine Bürger - Versammlung
Statt. Das Nähere wird durch Placate bekannt gemacht.
c») Holzversteigerang.
Montag, den 29. d. M., Vormittags 10 Uhr anfangend, werden in dem hiesigen Gcmeindewald:
1) Distrikt Schanzeberg:
28 eichene Baustämme von 1828 Cubikschuh,
1 buchener Staunn , 147 Cubikschub,
33 Kl. Buchenholz,
24% Kl. Eichenholz.
40% Kl. Erbstücke.
2) Distrikt Roth:
1733 Stück kieferne Welle meistbietend versteigert.
Der Anfang wird im Schanzeberg gemacht.
Wambach, den 4. Januar 1849.
D er Bürgermeister
_______________________________________Höhn.
(26) Die auf den 8. d. M. anberaumte Möbel-Versteigerung im Gast- und Badhause zur Rose findet wegen den bevorstehenden Wahlen bis auf weitere Bekanntmachung nicht statt. ' F. Bauer.
(iS) Bekanntmachung.
Der Unterzeichnete bezeuget hiermit, daß Herr Louis Linden, der seitherige Director der Englisch-Deutschen Bergwerks-Gesellschaft dahier, vor seinem Austritte aus deren Diensten, seine Rechnungen mit der Gesellschaft auf eine befriedigende Weise geschlossen hat, und daß deren gute Wünsche für seinen fernern Erfolg ihn begleiten.
Dillenburg, den 1. Januar 1849,
Thomas Hacket,
_________________________________________Sekretär der Gesellschaft in London.______
(24) Seit beinahe zwei Monaten ist unser Kollege Wollrabe ohne Engagement und dadurch in tue traurigste Lage gebracht. Die Unterzeichneten sehen sich daher veranlaßt für denselben ein großes Vokal- und Instrumental-Concert im Gasthause zum Adler zu veranstalten, in welchem alle ersten Kräfte der hiesigen Oper mitwirken werden. Zu diesem Zwecke wird in diesen Tagen eine Subscription eröffnet, und Tag der Aufführung, sowie Programm mitgetheilt werden. Um recht zahlreiche Theilnahme bitten ergebens!
Wiesbaden, den 6. Januar 1849.
Eberius. Peez. Stepan.
Steinkohlen # Holzwaaren re.
(27) Steinkohlen bester Qualität, tannenes Bauholz, ra- und I6schnhige Bord, Latten, Diele und Schalter, besonders ganz kürzlich erst augekommcue Parthie sehr schöne Back- ofensteine, rothe und weiße Sandplatten, achter Stockholmer Oeltheer und Steinkoh- lentheer empfehlen zu außergewöhnlich billigen Preißen
Jroee Ktees -j CoMtp. in Biebrich.
Bestellungen auf Steinkoblcn selbst bis zu t Malter sonnen auch bei der (fspebition der Freien Zeitung gemacht werden.
(1615) Bei Unterzeichnetem sind zwei fehlerfreie braune Zugpferde ans der Haud zu verkaufen. Liebhaber wollen sich mit demselben benehmen.
Winkel, den 18. Dezember 1848.
Nikolaus Beringer senior.
(1631) Gesucht wird ein großer wachsamer Hund. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes.
(25) Ein Hausmädchen, welches mit guten Zeugntsien versehen ist, wird bis zum 1. Februar gesucht. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes.
(1623) Ein Einstehcr wird gesucht. Näheres in der Expedition dieses Blattes oder bei Hrn. Joh. Ant. Menges in Limburg zu erfragen.
(17) Bei Wittwe Trauu in der Taunus- straße Nro. 9 ist der dritte Stock, bestehend in 3 Zimmern nach der Straße und 3 nach dem Hof mit allem sonstigen Zugehör, mit Gebrauch der Waschküche, des Trockeuspeichers, Bleichplatzes und des Brunnens bis den l. April zu vermiethen.
(21) Masken - Garderoben sind billig zu verkaufen. Zu erfragen Nerostraße Nro. 1 in Wiesbaden.
(1568) Ein Capital von 9000 fl. gegen gerichtliche Sicherheit, wird zu leihen gesucht. Wo? sagt die Erpedition dieses Blattes.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
(Hierzu eine Beilage.)