Termin zur Derufung der Kammern vorschreibt, so stünde von heute an eigentlich die Regierung in Erhe- - bnng der Steuern auf ungesetzlichem Boden. Jedoch kann ich mit Bestimmtheit berichten, daß bereits gestern die Ausschreibungen hiuausgingen, welche auf den 15. Jan. den Landtag einberufen. Das Gerücht, als be- absichtige die Regierung sogleich die zweite Kammer aufzulösen, schreibe ich Ihnen nur als Zeichen des obwaltenden Mißtrauens, biS jetzt entbehrt es allen Grundes. (O.-P.-A.-Z.)
Wien, 28. Dez. Die „Wiener Zeitung' spricht sich heute über den Zweck der Anwesenheit des Hrn. V. Schmerling in Wien folgendermaßen aus: „Hrn. v. Schmerlings Erschei en in Wien hat in diesem Augenblicke eine hohe Bedeutung. Nach unserer Ansicht ist es seine Aufgabe, im österreichischen und im allge- l meinen deutschen Interesse Vermittlung und Verständi- I gung nach beiden Seiten binzubiet-n. Die Nationalversammlung hat in der Beschlußfassung der §§, 2 und 3 und der darin ausgesprochenen Personalunion, Oesterreich gegenüber, einen Mißgriff gethan, der, nachdem Hr. v. Mühlfeld in seinem Minorktsgulachten, und die
40 österr. Abgeordneten in ihrer Ansprache an ihre । Wähler zuerst dagegen Protest erhoben, nnd nachdem ; seither ganz Oesterreich diesem Proteste auf das entschie- i denste beigestimmt hat, nunmehr so ziemlich allgemein I als solcher anerkannt wird. Das österreichische Ministerium bat bald darauf in seinem Programme den Grundsatz j der Real-Union aller Theile Oesterreichs ausgesprochen : und hat lücksichtlich der künftigen Gestaltung Deutsch- lands den Grundsatz der Vereinbarung mit den Regierungen wenigstens für Oesterreich in Anspruch genommen. Sonderbarerweise hat man in Frankfurt diesen Theil des Ministerprogramms für einen Absagebrief gegen Deutschland hingenommen, was jedenfalls eine Mißdeutung, ein arges Mißverstandniß ist. Der Austritt des H^n. v. Schmerling aus dem deutschen ReichS- mimstenum und der Eintritt des hochverdienten Hrn. v. Gagern sollte dieses Ausscheiden vervollständigen und das preußische Primat, das Aufgehen Klein-Deutsch- landS in Preußen befördern und beschleunigen. Doch ; im Augenblick, als dies geschehen sollte, hat es sich | herausgestellt, daß auch hierin ein Vertrauen kessen ob- , gewaltet, was bei der Rekonstituirung D utschlands im ! Reiche der Möglichkeit, des Bedürfnisses und der allseitigen Wohlfahrt liegen kann. Eine neue Bahn, ab- i weichend von der deS völligen Aufgehens aller Einzel- !
theile iu ein, ganz Deutschland nivellirendes Ganzes, muß bet eten werden, und wir wollen hoffen, daß Hrn. v. Schmerlings Wirksamkeit, als Abgeordneter und als Bevollmächtigter bei der Centralgewalt in Frankfurt, hierin die Interessen Oesterreichs mit Deutschland in Einklang zu bringen verstehen wird." (Fr. 3.)
Berlin, 30. Dez. Gestern erschien der berüchtigte Polizeiinspektor Gesellius bei dem Abgeordneten G. Jung um ihn zu fragen ob er der Verfasser der Brochu re „der Magistrat von Berlin" sei. Es müsse dies nämlich amtlich festgestellt werden, weil der Staatsanwalt auf dieselbe eine Anklage wegen Majestätsbeleidt- guug begründen wolle. Der Satz der Brochüre, in welchem die Majestätsbeleidigung liegen soll lautet wie folgt: „Wie nach einem Hagelwetter der Landmann aus seine zerstörte Saaten, so schaut jetzt jeder Vaterlandsfreund voll Trauer auf die ze»störte Freiheit, nur der Magistrat von Berlin fühlt sich wohl und küßt dem Uuterdrücker^die mörderische Hand."
In diesem Satz und namentlich in den letzten Worten eine Majestätsbeleidiguog herauszuriechen, während in der ganzen Brochüre der Krone nur ein einziges Mal und zwar am Eingang gedacht ist, während überhaupt der ganze Zusammenhang unwiderleglich darthut, daß höchstens vom Ministerium die Rede" ist — dazu gehört eine mehr als hündische Nase beim Staatsanwalt. Jung gestand natürlich die Verfasserschaft der Brochüre zu, lehnte jedoch jede weitere Auskunft über Verleger und Drucker entfärben ab. Die Brochüre selbst wird nun doch auf Befehl des StaatSanwaltS in allen hiesigen Buchhand'unaen, gegen Vorzeigung eines richterlichen Schreibens konsiszirt. —
Wir können mit Bestimmtheit versichern, daß die von mehreren hiesigen Journalen verbreitete Nachricht von einer Waldeck durch einen KammergerichtSaffessor auf der Straße angethanen persönlichen Beleidigung durchaus erlogen ist.
Seit einigen Tagen figurtrt Herr Polizei-Direktor und Ober-Spion Dunker in voller Uniform wieder auf den Eisenbahnhöfen, um selbst die ankommenden Fremden zu überwachen. (Mannh. Abdztg.)
Paris, 31. Dez. Uebermorgen sollen drei neue Journale erscheinen. „Le Paps", „La France Democra- tique", und ein drittes socialistisches Journal. Auch
heißt eS, Herr Thiers habe sich mit Herrn Vernon gänzlich überwölkn und seine Allianz mit dem „Con- stitutionnel" sei zerrissen. Hr. Thiers werde darum ein neues Blatt von Neujahr an gründen. — Der Cardinal Gizzi ist, wie verlautet, mit einem besondern Auftrage Pius IX. hier angelangt. Es ist sofort durch den Telegraphen der Befehl abgegangen, ein Dampf- schiff in Bereitschaft zu halten. (O.-P.-A.-Z.)
Eben eingehenden Berichten aus Belgrad vom 21. zufolge, hatte der Fürst Cara Georgewitsch und der serbische Senat nach Eingang der Nachricht, daß der Kai. ser von Oesterreich die serbische Woiwodschaft mit einem Patriarchat anerkannt habe, beschlossen, ein reguläre- HilfscoPs nebst einem bedeutenden Subsidienbeitrag zur Verfügung dieser Woiwodschaft zu stellen. Außerdem wurde die Erlaubniß ertheilt, daß Fieischaaren über die Donau setzen dürfen, um zu den serbischen Truppen in Ungarn zu stoßen. Jung und Alt greift jetzt in Ser- blen zu den Waffen. Der Pascha von Belgrad hat alle diese Verfügungen der serbischen Regierung anerkannt. (O.-P.-A.-Z.)
Für die Hinterbliebenen Robert BlumS sind bei der Redaktion der Freien Zeitung weiter ein- gkgangen: fl. fr.
62) von mehreren Einwohnern des OrlcS Kristel, gesammelt durch Schultheiß Weinbach daselbst.....8
63) von Phil. Kremenz in Hofheim . 1 —
Summa 9 —
Uebertrag 593 45%
Summa 602 45%
Verantwortlicher Redakteur: I Oppermann.
Bekanntmachungen.
(1652) An die
Wähler der Stadt Wiesbaden.
Diejenigen hiesigen Bürger, welche bei der demnächst stattfindenden Bürgermeister-Wahl dem Buchhändler Fischer ihre Stimmen zu geben gesonnen sind, werden gebeten, auf die Stimmzettel deutlich „Buchhändler Fischer" zu schreiben, indem sonst, wenn blos „Fischer" oder „Heinrich Fischer" geschrieben wird, die Zettel als ungültig nicht berücksichtigt werden.
Mehrere Bürger Wiesbadens.
(12) Bekanntmachung.
Die Bürgermeister - Wahl betreffend.
Nachdem der Gehalt des künftigen Bürgermeisters durch den Bürger. Ausschuß festgesetzt worden ist und ein weiteres Hinderniß nicht mehr vorliegt, hat das Herzogliche Stadt-Polizeiamt in Gemäßheit des Gemeindegesetzes vom 12. v. Mts., §. 1 der Wahlordnung, zur Wahl de« Bürgermeisters Termin auf
a) fürs
b) „
c) .
d) „
Montag den 8. d. Mts.
1. Viertel auf Vormittags 9 Uhr im Kursaale,
H. „ „ Vormittag 11 Uhr im Schulhause am Markt,
Ul. „ „ Nachmittag 1 Uhr im Schützeuhofe,
IV. „ „ Nachmittag 3 Uhr im Nathhaussaale.
(11)
Bekanntmachung
Nach Nro. 37 deö Verordnungsblattes vom 24. v. Mts. soll an die Stelle deS aus der Ständeversaminlung ausgetretenen Deputirten Weilbacher von Weilbach in dem Wahlbezirk Wiesbaden und Hochheim ein anderer Abgeordneter für die Dauer der dreijährigen Wahlperiode gewählt werden und zu diesem Zwecke die Ürwahl
nächsten Sonntag den 7. d. MtS.
in den Gemeinden, die Dcpntirten-Wahl aber am 22. d. MtS. in Hochheim stattfinden.
Die in Gemäßheit des Gesetzes vom 5. April v. J. wahlberechtigten Urwähler der hiesigen Stadt werden daher eingeladen, sich
nächsten Sonntag den 7. d. Mts., Vormittags 11 Uhr,
und zwar:
a) b) c) d)
die aus dem ersten Viertel: im Kursaale,
a) für# b) „ c) „
V. VI. VII.
Viertel
d) „ VIII.
a) für» b) „ c) „ d) „ bestimmt.
Die Herren acte einladen.
Dienstag den 9. d. Mts.
auf Morgens 9 Uhr im Gymnasium,
„ Vormittags 11 Uhr in den vier Jahreszeiten.
„ Mittags 1 Uhr im Adler, „ Mittags 3 Uhr in der Nose.
Mittwoch den 10. d. MtS.
IX. Viertel aus Morgens 9 Uhr im Alleesaale,
X. „ „ Vormittags 11 Uhr in der neuen Schule,
XL „ „ Mittags I Uhr im Nerothale,
XII. „ ., Mittags 3 Uhr in der neuen Schule
Gemeinderäthe werden die Wähler ihrer Viertel noch besonder« zu dem Wahl-
Die Eröffnung des Scrutinums soll sodann
6) h) i) k)
1) m)
jur Vornahme der Urwahlen
zweiten dritten vierten fünften sechsten siebenten achten neunten zehnten eilften zwölften einzufinden.
in der Schule, im Lchützenhofe, im Nathhause, im Pädagogium, in den vier Jahreszeiten, im Adler, im Nassauer Hofe, im Alleesaale, in der neuen Schule, im Nerothale und in der neuen Schule,
Donnerstag den 11. d. Mts., Morgens 8 Uhr
im Saale deS Nathhauscs beginnen.
Man hegt das Vertrauen zu allen wahlberechtigten Bürgern, daß sie idie Wichtigkeit der Bürgermeisterwahl in ihrem ganzen Umfange erfassen und sich ohne genügende Entschuldigung der Betheiligung an derselben nicht entziehen werden.
Wiesbaden, den 3. Januar 1848.
Der Stadtschulth eiferet-Vermalter
Christmann.
Die Herren Gemeinderäche werden die Urwähler ihrer resp. Viertel noch persönlich zu dieser Wahlhandlung einladen, und erwartet man, daß Niemand ohne genügende Gründe auö-
bleiben werde.
Wiesbaden, den 8. Januar 1849.
Der Stadtschultheiserci-Verwalter Christmann.
(1530) In den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden sind einzeln oder buchweise um billigen Preis zu haben:
Formulare
zur Erklärung über
den Betrag des nach rem Gesetz vom 11. November 1848 der wachsenden Einkommensteuer unterworfenen Einkommens.
(2) Der Laden und Logis, bisher von Herrn Buchhändler Friedrich bewohnt, ist vom 1. April d. J. anderweit zu vermiethen.
Wiesbaden, den 2. Januar 1849.
J. P. Altstätter
in der Unterwebergasse.
(1606) Das Haus Nro. 3 auf dein Loutsenplatz neben Herrn Nägler ist zu veruuethen und kann vom 1. Januar 1849 bezogen werden; solches besteht in 10 Zimmern nebst Dachkammern, Küche, Keller, einer Waschküche, einem Hinter- bau nebst allen Bequemlichkeiten. Auf Verlangen kaun es auch möblirt werden.
Auskunft ertheilt
J. Strauß,
Michelsberg Nr. 16.
(8) Es sucht Jemand gegen billige Vergütung einige Stunden des Tags Beschäftigung im Abschreiben. Näheres in der Expedilion d. Bl.
(10) Bei Schlosser Beer am Gcisbergweg ist der obere Stock auf den 1. April ganz oder getheilt zu vermiethen.
Offene Stellen.
(1635) Eine perfekte Köchin kann so. gleich oder auf Neujahr unter sehr vortheilhaften Bedingungen eine Stelle erhalten durch das Geschästsbureau von
Carl JseyeatlecKer.
Ein Hausmädchen mit guten Zeug. Nissen versehen und der englischen Sprache etwas kundig kann eine sehr vortbeilhafte Stelle erhalten durch das Geschäsisbureau von Carl Ceyentlrciicr.
(1648) Bei Bäcker Herrmann, Kirchgasse Nro. 11 ist ein Keller zu vermiethen.
(1650) Zweimal 600 und 400 Gulden liegen zu verleihen bereit. Näheres in der Expedition.
(0 In Nro. 12 der Schwalbacherstraßc ist der Obere Stock vom 1. April anderweit zu vermiethen. Das Nähere bei
A. R. Schmidt, Buchbinder.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerri,