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München. DieNeue Münchener Zeitung" schreibt unterm 29. D?z.:Mehrere Blätter bringen Korrespon­denzen aus Frankfurt, in denen ans dem Umstande, daß der bayerische Bevollmächtigte bei der deutschen Centralgewalt auf die an alle Bevollmächtigten der deutschen Staaten gestellte Frage des Ministerpräsidenten v. Gagern: ob die Grundrechte sofort von ihren be­treffenden Regierungen verkündet und eingeführt wür­den? die Antwort gab, daß er keine Antwort über die­sen Punkt habe, gegen Bayern Schlußfolgerungen ge­zogen werden, die wir nicht anders denn als gehässig bezeichnen können. Der zeitweilige Bevollmächtigte Bayerns hatte, wie wir aus zuverlässiger Quelle er­fahren , in der That keine deßfallsigen Instructionen. Daraus schon wieder Sonderbündclei auf Seite Bayerns wittern zu wollen, heißt denn doch die Tendenzsucherei allzuweit treiben. Wir sehen wahrhaftig nicht ab, wel­chen ernstlichen Schwierigkeiten in Bayern die Verkün­dung und Einführung der deutschen Grundrechte begeg­nen soll, nachdem, was dieselben aufstellen, thatsächlich größtentheils schon bei uns besteht. Daß aber für die etwa noch neu einzuführenden Punkte bei uns so wenig als in Hannover oder anderwärts die demnächst zusam­menkommenden Kammern von der Regierung umgangen werden können, scheint uns denn doch auch unzweifelhaft."

Koblenz, 29. Dez. Aus zuverlässiger Quelle er­fahren wir, daß gleich nach Neujahr neben sonstigen Veränderungen in der preußischen Armee auch eine Dis- locirung sämmtlicher am Rheine stehender Truppentheile statt haben wird. Dazu wird der Oberbefehlshaber der Marken, General Wrangel, das Kommanbo am Rheine, welches ihm schon längst bestimmt, antreten.

(RH. u. M.-Z.)

11 Preußen. Nach den Nachrichten aus den Provin­zen wird es jetzt wahrscheinlich, daß die Provinz Sach­sen die meisten Oppositionsmitglieder in die neuen Kam­mern senden wird. Die Provinz Preußen dagegen dürfte wahrscheinlich am konservativsten wählen. Namentlich zeigt sich dort unter den Landleuten nach wie vor die seltsame Sucht, die Prinzen zu wählen. (N. C)

Berlin, 27. Dez. Lebhafte Verhandlungen sind mit Dessau geführt worden, weil Preußen unter An- derm die Ausweisung der Demokraten verlangte. Die Anwesenheit des dessauischen Ministers bezog sich außer­dem auf die Verfassungsveränderungen, welche man her­beiführen will, und auf Uebernahme des dessauischen Contingents gegen Geldentschädigung. Dr. Habicht soll jedoch in keinem Punkte sich nachgiebig gezeigt Ha­berz, sondern nur der Gewalt, d. h. dem Einrücken preußischer Truppen weichen wollen. Allerdings ist Köthen ein Mittelpunkt der Demokratie für Berlin ge­worden und cs findet ein häufiger Verkehr mit der Nachbarschaft statt, so daß auch öfters größere Ver­sammlungen durch Deputirte aus der ganzen Umgegend dort abgehalten werden. (B. H.)

Berlin, 28. Dez. In militärischen Kreisen spricht man hier sehr staik davon, daß Seitens der preußischen Regierung auf Befehl der Reichs-Central-Gendarmerie, Vorbereitungen getroffen werden, um preußische Trup­pen als Reichs-Erecution nach dem Königreich Sachsen zu senden, da es sicher scheint, daß die demokratische Partei eine bedeutende Majorität in der neuen sächsischen Kammer haben werde.

Hr. Leonhardt, Jnquisitonats-Diiektor, eifriger De- magogen-Riecher und Richter in den 30er Jahren, da­mals schon voll royalistischen Wetteifers mit Dambach, Kamptz und ähnlichenen Creaturen, hat die Vorunter­suchung gegen die steuerverweigernden Mitglieder der National-Versammlung überkommen. (Tr. 3 )

Berlin, 31. Dez. Auch das hannoversche Kabinct hat sich nun, wie es heißt, bestimmt gegen die Hege­monie Preußens in Deutschland erklärt. Der Prä­sident der französischen Republik soll in einer an die Kabinett gerichteten Anzeige von dem Antritte der Re- gierungsgeschäfte sich unbedingt zu Grundsätzen einer friedlichen Politik bekannt haben. (Berl. N.)

Der Hannoverschen Zeitung wird aus Berlin ge­schrieben: Der Prinz von Preußen will noch weniger als der König hören von einer einseitigen Kaiser- schöpfung.

Leipzig, 31. Dez. Einen für seine Zeit unersetz­lich zu bezeichnenden Verlust erlitt die Hochschule Leip­zig und die gesammte Wissenschaft noch in dem scheiden­den Jahre durch den Tod deS als Philolog und Ver- Vertreter des Humanismus weltberühmten, als Mensch in der höchsten Achtung stehenden Professor Dr. Gott­fried Jakob Herrmann, geboren 1772 zu Leipzig, der feilte Morgen nach längerem Krankenlager ei folgt 'st-. (D. A. Z.)

K. Sachsen. Die neuen Kammern sind auf den 10. Januar unberufen. Aus den 75 Wahlbeziiken für die 11. Kammer sind bis f^t 45 Wahlen bekannt. Da- vou fallen auf die von den (konstitutionellen) deutschen Vereinen vorgeschlagenca Kandidaten 11, auf die didaten der (demokratischen) Vaterlandsvereine 28; gar nicht vo^ den Vereinen empfohlen waren 6. Die Hannov. Ztg. läßt sich aus Leipzig von bevorstehendem Rücktritt des Ministeriums schreiben; der Justizminister soll fest entschlossen sein, nicht länger im Amte zu blei­ben, und werde durch Herrn v. Carlowitz ersetzt; ob Letzterer überhaupt den Auftrag zur Bildung eines neuen Kabinets erhalten habe, sei noch nicht entschieden, werde jedoch als wahrscheinlich angesehen. Dagegen meldet die Deutsche Ztg. und diese Nachricht foulet wahr­

scheinlich ?r man erwarte baldige Auflösung der Kam- mern und eine Appellation der Minister an das Volk durch neue Wahlen.

Schleswig, 28. Dez. In der heutigen Sitzung der Landesversammlung wurde von Seiten des Finanz- departements darauf eingetragen, daß die gemeinsame Regierung zur Forterhebung der bestehenden Steuern pro 1849 ermächtigt werden möge. Die Landesver­sammlung genehmigte diesen Antrag mit der Abände­rung, daß es stattgemeinsame Regierung" heiße: jetzige gemeinsame Regierung". Dagegen wurde der von einem Abgeordneten gestellte Antrag, daß die Ermächtigung auf die Zeit bis zum 1. Mai 1849 beschränkt werde, mit sehr großer Stimmenmehr­heit verworfen. Hierauf beschloß man die Niedersetzung eines aus sieben Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Begutachtung des Budgets für 1849. Wie man vernimmt, sind die bis Ende Januar Beurlaubten un­serer Armee bereits zu Anfänge Januar wieder einbe­rufen. Man bringt dies in Zusammenhang mit der Verstärkung der dänischen Truppen auf Alsen, die, wie es heißt, dort gegenwärtig bereits in einer Stärke von 12,000 Mann concentrirt sein sollen. (B.-H.)

Prag, 29. Decbr. Heute ist die erste Sitzung des Kongresses aller Slowanska-Lipa-Vereine im Königreich Böhmen. Bis gestern Abend waren 28 Vereine durch 36 Vertrauensmänner vertreten hier anwesend. Es waren auch zwei mährische Vereine dabei vertreten. Gestern Abend wurden die Deputaten in dem festlich geschmückten Vereinslokal empfangen. Seltsam war die Ausschmückung des Saales: das Bild des Kaisers hing neben den Portraits von Huß uns Ziska.

Wien, 29. Decbr. Die bereits gemeldete Nach­richt von der Einnahme Raabs durch den Feldmarschall Fürsten Windischgrätz wird durch das heute veröffent­lichte siebente Armeebülletin bestätigt. Unsere Truppen rücken aus allen Punkten vor, wogegen die Eutmuthi- gung der feindlichen immer mehr um sich greift.

(O.-P.-A.-Z.)

Frankreich.

Paris, 29. Dezember. Ueber 20 Präfekten haben seit der Proklamation Louis Napoleons bereits ihre Entlassung kingeschickt.

Paris, 30. Dez. Die Debats und der Constitu- tionnel geben über die Gründe des. Ministenvechsels keine Sylbe Auskunft. Die Gazette des Hrn. Genoude meint, Napoleon habe einen Theil seiner Versprechun­gen erfüllen und gewisse Wahlagitatoren zu Präfekten ernennen wollen, wogegen sich jedoch das Nechtsgewiffen der Herren Maleville und Birio empört habe: Napo­leon sei grob geworden und so sei der Bruch entstan­den. Cavaignac'sCredit" sagt, Napoleon habe die Kriminalakten über seine Streiche in Straßburg und Boulogne herausgefordert, um sie zu vernichten. Einem solchen Ansinnen hätten sich aber die beiden Demissio­näre Maleville und Birio widersetzt u. s. w. So viel ist Jedermann klar, daß der Salzhandel nicht mehr als Grund der gestrigen plötzlichen Ministerialänderung er­scheint.

Die Regierung hat eine Depesche erhal­ten, laut welcher in Neapel am 21. eine Re­volution zu Gunsten der Römer losgebro­chen ist. (M. Z.)

Paris, 30. Dez. Was die Reise des Papstes nach Toulon angeht, so wollen wir sie zwar nicht ga- rantiren; die Briefe von dort melden sie aber immer apodiktischer. Der Commandant der Nationalgarde hat bereits einen offiziellen Befehl über die dem Papste zu erweisenden Ehrenbezeugungen veröffentlicht. Se. Hei­ligkeit soll sich 4 Wochen in der Provence aufhalten und dann sich in die balearischen Inseln und vielleicht auch in einen spanischen Seehafen begeben. So hätte keine der katholischen Hauptmächte Grund über die an­dere eifersüchtig zu sein, und während dieser Zeit, hofft man, werden die römischen Verhältnisse so geordnet sein, daß der Rückkehr des Papstes tu den Kirchenstaat kein Hinderniß mehr im Wege steht.

Die von einigen Journalen gegebene Nachricht über den Ausbruch von Unruhen in Amiens wird durch eine telegraphische Depesche des Präfekten der Somme für ein Mährchen erklärt. (D. Ztg.)

Paris, 31. Dezbr. Die Nationalversamm­lung beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung, nachdem sie zuvor mehrere unwichtige Gegenstände er­ledigt hatte, mit der Berathung über die Gründung eines ossiciellen Journals zum Behufe des schnelleren Drucks der Parlamentsverhandlungen, welche gestern von Leremboure beantragt worden war. Der Ent­wurf wurde nicht angenommen. Hierauf folgte eine Debatte über mehrere vom 1. Mai bis 11. Nov. d. J. in der Armee stattgehabten Beförderungen, welche als aus besonderen Begünstigungen hervorgegângene ange­griffen wurden. Nach einer kürzeren Diskussion wur­den die Ernennungen genehmigt. Theodor Bac stellte sodann einen Antrag auf Amnestie für die Mai- und Jnnigefangenen. Odilon Barrot erklärte, diesen Gegenstand dem Ermessen des Präsidenten überlassen zu wollen. Das Ministerium, welches beide Elemente der Gesellschaft zu berücksichtigen habe, könne diese Maß­regel nicht befürworten. Die Versammlung schritt darauf über diesen Gegenstand zur Tagesordnung.

Als Candidaten für die durch den Tod der HH. Chateaubriand und Vatout erledigten Sitze in ter Aka­

demie werben der Dichter Beranger und die HH. von Noailles, St. Priest und von Balzac genannt. Wie verlautet, soll im Ministerrath beschlossen worden sein, im Einverständniß mit England 6000 Mann nach dem Platastrom zu senden. (O.P A.-Ztg.)

Paris, 31. Dez. Louis Napoleon beabsichtigt, gleich nach der Ernennung dcs Vizepräsidenten der Re­publik eine Rundreise durch die Departemente zu machen.

Das französische Ministerium soll nunmehr zu dem Beschlusse gekommen sein, daß es nicht mit Waffenge­walt interveniren werde, um den Papst in seine welt­liche Gewalt im Kirchenstaate wieder ciuznsetzen, da die römische Frage nur als eine rein italienische angesehen werde könne. (Fr.J.)

Großbritannien.

London, 27. Dezbr. Ein medizinisches Journal, The Lancet", berichtet in einer neueren Nummer über das gräßliche Umsichgreifen des Opiumessens unter den arbeitenden Klassen Großbritanniens. Die Paupers in Lincolnshire geben von einem Wochenlohn von 3 Schil­linge» durchschnittlich 2% Schilling für Opium aus, ein Grad von Hingebung an dies unselige Laster, der selbst Coleridge oder de Quincey (Verfasser derBe­kenntnisse eines Opiumeffers") mit Grausen erfüllt würde. In Irland ist die Konsumtion ebenfalls auf schauder­erregende Weise im Zunehmen begriffen. Ein einziger Droguist, ein Bekannter des Herausgebers derLancet", hat in diesem Jahre für 400 Pfund Sterling mehr Opium nach JUand verkauft, als in früheren Jahren. Nach den in voriger Woche veröffentlichten Berichten desBoard of Trade" sind blos im letzten Monat October 8000 Pfund Opium ein geführt worden, waS verhältnißmäßig noch kein großes Quantum ist, da es Monate gibt, in welchen bis zu 32,000 Pfund dieses Lethe's der Armuth importirt werden.

London, 29. Dec. Die Eisenwerkbesitzer von Süd Staffordshire und den anstoßenden Bezirken beschlossen gestern in einer sehr zahlreichen Versammlung zu Wol­verhampton, in der nächsten Quartalversammlung die in der letzten Vierteljahrsversammlung festgesetzten Eiien- Preise, sowie auch den Lohn der Arbeiter, unverändert beizubehalten, obgleich die Eisenwerksbesitzer in Wales jetzt wohlfeiler verkaufen, als die von Staffordshire.

London, 30. Dez. Dör Gouverneur von Gibraltar, Sir Robert Gardiner, hat gestern mit Lord Grey im Bureau der Colonien eine Zusammenkunft gehabt. DieMorning-Post" läßt sich aus Lissabon schreiben, daß man dort allgemein glaubt, die portugiesische Re­gierung würde, um sich" Lord Palmerston dienstwillig zu erweisen, den Tarif herabsetzen. Am leßtvergan- ßcnen Sonntag war der Hafen von Hull der Schau­platz einer frechen Beleidigung, welche die dänischen Matrosen der deutschen Flagge anthate». Diese bega­ben sich nämlich in großer Anzahl an den Bord des SchoonerOkkitma", eines Emduer Schiffes, und rissen, trotz des lebhaften Widerstandes der Mannschaft, die Flagge herunter. Die Polizei ist sogleich thätig einge­schritten und hat in dieses Schiff eine Bewachung ge­legt, nm der Wiederholung dieser Scene vorzubeiige».

(O.P.A.-Ztg.)

Italien.

Nom, 23. Dezbr. (Allg. Ztg.) Das modificirte Ministerium ist auf folgende Weise gestaltet worden: an Galleti's Stelle tritt der Advokat Armelini ein, ein Mann, der iingetheiltes Zutrauen besitzt. Das Justiz­ministerium übernimmt der Advokat Galleotti, nach dem Zeugniß der öffentlichen Meinung auch ein Ehrenmann. Die Finanzen erhielt Mariani. Serbini und Campello bleiben, und Mamiani würde wahrscheinlich auch geblie­ben sein, wenn er nicht erkrankt wäre. An seiner Statt übernimmt interimistisch die Verwaltung des Aeußer» Mons. Mutzbrelli, der Ministerpräsident bleibt. Lord Napier ist vorgestern nach Neapel zurückgereist. Daß sein Kommen und Gehen den Charakter einer diplo­matischen Mission gehabt hat, unterliegt keinem Zweifel; über das Ergebniß derselben verlautet nichts.

Spanien.

Briefe aus Bayonne vom 26. d. Mts. schildern die Lage Catglomens mit sehr trüben Farben. Städte und Dörfer werden mit Gewalt gezwungen, die von den Montemolinisten ausgeschriebenen ContributioN"» zu bezahlen, Postwagen und Couriere werden überall ange­hakten, und begüterte Personen finde» säum ein sicheres Asyl in starkbefestigten Städten. (Er. Z.)

Nachschrift.

München, 1. Januar. Was ich schon sogleich mit dem Rücktritte Lerchenfelds vom Ministerium aussprach, daß als Minister wohl nur Beiöler übrig bleiben werde, hat sich bestätigt, und Beiöler hat das Portefeuille des Innern übernommen. Der Cultus und Unterricht bleibt mit dem Innern vorerst verbunden, denn Beiöler konnte sich nach den Vorgängen in Frankfurt bei der Schul- frggkdebatte unmöglich zu dem Dementi verstehen, daS darin gewesen wäre, wenn man ihm das Cultus- und Unterrichtswesen entzogen hätte. Da mit dem letzten September 1849 das letzte Etatsjahr d.r Fina' zven'ode abläust und unsere Verfassung einen neunmo atlichen