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JE 2 Wiesbaden. Mittwoch, 3. Januar ISIS.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 ft., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig aufgenom nen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum, 3 Kreuzer.

Die Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1849 beginneude neue Vierteljahr bitten wir gefälligst recht bald zu machen, hier in Wiesbaden bei den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter, answärts bei den zunächst gelegenen Postanstalten.

* Des Bölkes höchstes Kleinod ist verloren!

Wiesbaden, 1. Januar.

Das Jahr 1848 hat uns viele, viele Hoffnungen gebracht. Nichts weiter. Gestehen wir es nur und j treiben uns nicht länger in phantastischen Träumereien i herum. Die deutsche Nation bat nichts gewagt und auch nichts errungen. Freilich haben wir Preßfreiheit. Aber wir müssen uns vielmehr schämen, wir Deutschen, die wir uus die Gebildetsten des ganzen Erdballs nen­nen, daß wir dieß herrliche Gut erst im Jahr 1848 erhalten haben. Sagt doch schon ein Dichter der alteU, aber Freiheit-begeisterten Griechen Euripides Nicht reden dürfen, wie mans meint, ist eines Skla­ven Loos."

Aber die Deutschen sind bei der Erringung der Preßfreiheit in letzter Reihe gestanden, und endlich, end­lich ist ihnen denn nicht mehr das offenbare LooS von Sklaven zugetheilt.

Die Preßfreiheit ist jedoch nur ein Mittel zum Zweck. Der Zweck ist die Größe, der Ruhm, das Glück des deutschen Vaterlands.

Mit des Vaterlandes Größe ist eS aber'wahrlich so schlecht bestellt, als jemals, und des Volkes höchstes Kleinod ist verloren beim Beginn des Jahres 1849 die Volkssouveränität.

Des Volkes Interessen geben nicht mehr denZAus- schlag in den Cabinetten. Die Regierungen mögen dazu lächeln, wenn man ihnen vorhält: daß sie nur durch das Volk und für daS Volk daseien, und dem­gemäß handeln müßten.

Viele feile Knechte machen j^tzt in Deutschland kein Hehl daraus, daß sic dem Interesse der Fürstenhäuser, mit Leib und Seele ergeben sein und dienen würden, ja dienen würden, wenn auch das Volk immer mehr ver­armen und jeden',Tag elender werden sollte.

k^ Oesterreich Preußen und Rußland stehen in trauli­cher Verbrüderung wie zu Zeiten der guten heiligen Allianz, jederzeit gewärtig, den jungen Freiheitsdrang, wo er sich zeigen mag, zu ersticken.

Und um die Throne der Herren von Rußland, Preußen und Oesterreich stehen die wackern Diener der Krone, des Thrones Stutzen, der Ordnung Pfeiler die kolossalen stehenden Heere, des Winkes ihrer Herrn gewärtig, und stracks bereit, jeden Befehl, wie er auch laute, zu vollziehen.

DaS Franksuter Parlament! Gott welchen Deutschen erfaßt nicht unendlicher Schmerz, wenn er an diese Versammlung denkt.

Diese Versammlung sollte des Volkeshöchstes" Kleinod hüten und bewahren: und wie hat sich diese Versammlung eS entwinden lassen!

Ungarn.

(Aus derNeuen Rheinischen Zeitung".)

Nun flackert durch die Haide

Der Lagerfeuer Brand;

Nun blitzt die krumme Scheide In des Magyaren Hand;

Nun läßt er seine Heerde, Nun schwingt er sich zu Pferde, Nun lehnt er am Verhau; Und vor dem Eisensporn'gen Aufrauscht das Lied der zorn'gen Donau, der Haidefrau.

Sie jauchzt an ihren Borden, Sie schwillt vor Stolz und Wuth: Glück auf, ihr braunen Horden, Du heißes Ungarnblut!

Ihr Hirten und ihr Jäger, Ihr wilden Zimbalschläger,l Ihr Geiger unverzagt!

Ihr, die ihr als die Letzten Zur Schlacht mit dem zerfetzten Panier der Freiheit jagt!

Diese Versammlung soll jetzt eine Reichsgewalt ma­chen. Aber hat sie dazu noch die Macht? Hört die Versammlung nicht vielmehr immer an den Fürsten Höfen herum und richtet sich ganz nach dem, was sie da ge­holt? Erst reist Gagern nach Berlin, und forscht wie die Sachen da stehen, und dann macht man die Sachen in Frankfurt, wie sie in Beilin stehen, weil sie ebenso dasteben.

^2 Die Majorität der Nationalversammlung bat jedes Ansehen verloren, im Volke Wie bei den Höfen. So rächt esssich, wenn man dem Bolkswillen mit Hohn begegnet.

Bald werden dann auch die feilen Literaten der Ty­rannei Euch erklären:

Ihr guten Menschen, Ihr lieben Deutschen, Ihr spracht im Jahr 1848 so mancherlei von Volkssouve- räiiitat. Laßt den Gedanken daran fahren, dergleichen paßt ja nicht für Euch.

Die Oktroyirung einer Verfassung für Preußen.

II.

Diejenigen, welche die in der Oktroyirung der preußischen Verfassung liegende Rechtsverletzung ent- schuldigen, weisen stets darauf hin, daß das preußische Volk dadurch auf dem schnellsten WegeZerreicht habe, was ihm im Wege der Vereinbarung zu Theil werden sollte, eine freisinnige, eine auf demokratischer Grundlage ruhende konstitutionelle Verfassung.

Wie haben schon in dem ersten Artikel bemerkt, daß die oktroyl'rte Veifassung keine wahrhaft konstitu'ionelle ist. -

Eine solche Verfassung besteht vor Allem darin, daß Niemand über dem Gesetze, das Gesetz vielmehr über Allen steht, daß die Freiheiten deS Volks, die Freiheit der Presse, der Versammlung und Vereinigung, die Sicherheit der Person gegen willkürliche Vei Haftungen, der Schutz deS Hansrechts nur durch ein Gesetz zeit­weise aufgehoben werden können, daß die Regierung Niemand seinem ordentlichen Richter entziehen, daß sie keine außerordentlichen Kommissionen einsetzen kann, daß keine Strafen angedroht und verhängt werden können, anders als durch das Gesetz. Nach Art. 110 der oktroy'rten Verfassung kann die Regierung bis auf Weiteres, bis darüber ein besonderes Gesetz verab­schiedet worden ist, d. h. also so lange sie will, im Falle eines Kiieges oder Auwuhrs, alle Freiheit suspendiren, den Gang der oidentl'chen Gerichte hem­men, den Schutz der Gesetze zeitweise aufheben. Welche fürchterliche Gewalt dadurch in die Hände der Regie, rung gegeben ist, daS zeigen die neuesten Ereignisse. Wer will behaupten, daß in Beilin dermalen zur Er-

Verrathen allenthalben,

Berathen und schimpfirt.

Habt ihr eS auf die Falben

Und Rappen euch salvirt!

Vom Roß emporgchalten,

BluteiS in seinen Falten,

So trägt es der Magyar;

So lätzt er breit eS fliegen,

So läßt er es mit Siegen

Einweihn das neue Jahr!

Seht her'doch, ihr nach Westen!

Ein Volk noch in der Welt,

Das trotzig mit der festen

Stahlhand am Aufruhr hält!

Im fernen wüsten Osten

Der Freiheit Außenposten,

Die schlagen jetzt die Schlacht,

Die, heiß zurück sich wälzend,

Jedwede Kette schmelzend,

Auch euch zu Freien macht!

Hört ihr der Hörner Gellen,

Hört ihr der Rosse Trab,

Seht ihr die blut'gen Wellen? Das ist der Kampf bei Raab!

- Haltung der Ruhe und Dehnung noch ein Belagerungs­zustand nothwendig sei? Dennoch läßt man denselben wohl noch längere Zeit fortdauern, um in ge­setzlicher Form fernerhin die Freiheiten des Vo'kes sus­pendiren, um insbesondere jede unangenehme Kritik des verfassungswidiigen Verfahrens der Regierung und des Inhalts der okt opirten Verfassung, jede mißliebige Ein- I wiikung auf die bevorstehenden Wahlen durch Vereine, I Versammlungen und Presse verhindern zu können. Wo irgend die Regierung die Vereine und die Presse ihr nicht zuträglich findet, wo der politische Geist der Einwohner ihr nicht behagt, hat sie es in der Hand auf den Grund eines zufällig entstandenen, oder viel­leicht durch ihr befreundete Personen hervorgerufenen (Graf Breßler) Gassn-Krawalls den Belagerungs­zustand anfMonate herbeizuführen, und so auf gesetzli­chem Wege die Freiheiten des Volkes zu suspendiren. So stehen die Grundrechte des preußischen Volkes auf dem Papiere; in der Wirklichkeit wird man stets Mittel finden, solche in so lange zu suspendiren, als man es gut findet, also namentlich über die Zeit einer Wahl­agitation.

Allerdings sind die Minister für solche außerordent­liche Maßregeln verantwortlich; allein diese Verant­wortlichkeit steht gleichfalls auf dem Papier, so lange ein Gesetz hierüber nicht verabschiedet ist; also, da ohne Zustimmung der Regierung ein Gesetz nicht zu Stande kommen kann, so lange die Regierung will.

Es werden ferner sagt man in Zukunft nur solch? Männer Minister werden, welche das Vertrauen der Mehrheit der Volksvertretung haben; allein die reelle und praktische Gewähr hiefür gibt die Verfassung nicht, indem sie den Kammern ein wirkliches Steuer- bewilligungs- und folglich auf Steuerverweigerungsrecht nicht eknrâumt. Wohl wird nach Art. 98 der Staats­haushalt jährlich durch ein Gesetz festgestellt, wohl dür­fen nach Art. 99 Steuern und Abgaben für die Staats­kasse nur, so weit sie in den Staatshaushalts-Etat aus­genommen, oder durch besondere GesetzLangeordnet sind, erhoben werden; aber die bestehenden Steuern und Abgaben werden nach Artikel 108 forterho­ben, bis sie durch ein Gesetz abgeändert werden, also da zum zu Standekommen eines Gesetzes die Einwilli­gung der Regierung erforderlich ist, bis ein der Regie­rung genehmer Beschluß von den beiden Kammern ge. faßt worden ist. Niemals wird es den künftigen Kam­mern Preußens gelingen, dem Ministerium Bran- den bürg die Fortführung der Regierung unmöglich zu machen. Genehmigen dieselben auch das von diesem Ministerium vorzunehmende Budget nicht, so wird es Kraft der ihm verfassungsmäßig eingeräumten Befug- niß die bisherigen Steuern und Abgaben, bei welchen die Regierung ganz wohl bestehen kann, fortbeziehen und die Unzufriedenheit der machtlosen Kammern ver-

VorwärtS ihr zottigen Reiter!

Vorwärts Kossuth, mein Streiter!"

So klingt der Donau Schrei;

So wälzt sie sich mit Grollen

Hinab durch ihre Schollen

Zur schläfrigen Türkei.

Sylvester 1848. Ferdinand Freiligrath.

So lebt und stirbt der Arme. Erzählung aus dem Leben des Volkes.

Von

Ernst Willkomm.

(Aus denRheinischen Jahrbüchern".)

(Fortsetzung.)

Fürchtegott war mit unter den Gevattern. Er erwies diesen Freundschaftsdienst dem Nachbar und Miethsmanne gern und versprach aus freiem Antriebe, am Tauftage für einiges Getränk auf seine Kosten zu sorgen.Ich kneipe 'was mehr," sagte er, mit den Fingern schnippend, die reichen Kerls, unsere Quäler, merken den Teufel da­von. Wie Du mir, so ich Dir, basta!"

So kam der Sonntag heran. Moser hatte durch an­gestrengtes Arbeiten bei Tag und Nacht die Webe, bis auf wenige Ellen beendigt. Diese wollte er in der Nacht