aber nicht behandeln, unsere Forderungen sind begründet und unabweislich und weit entfernt davon, Pro- Hibitivmaßregeln zu provociren, sind sie mit Mäßigung und billiger Berücksichtigung aller Interessen aufgesiellt.
Die Lösung der Frage steht nahe bevor und die nächsten Stunden vielleicht schon werden einen B-schluß herbkiführeu, der die Industrie unseres Landes mit dem Schlage der Vernichtung trifft!
Zu den Männern des Volksvertrauens wenden wir uns daher mit unserer Furcht und uns rer Hoffnung, ihnen nahen auch wir mit der Zuversicht, daß sie, wo das Vaterland in Gefahr, nuparthciisch U'd weise prüfen, kräftig aber auch zur Abwehr eines großen Unglücks ihre Stimme erheben werden, ehe es zu spät geworden ist.
Wir erklären die Brochnre von Carl Los se n über den „Schutz der Eisenindustrie," da sie gründlich und klar den Sachbestand u"d unsere Bedürfnisse ent- W'ckelt, für das Organ unserer Wünsche, und richten an hohe Versammlung ^ dringende Bitte, daß sie ungesäumt bei der hohen Rational-Versammlung die darin ausgedrückten Gru es'tz? befürworten und insbesondere bei derselben ihre Stimme für einen Schutzzoll erbeben möge, wie « a's zweckentspr echend für die Tarifsätze in bemerkter- Abhandlung anempfoblen ist re.
V Wiesbaden, 27 Dez. (B ericht'iqun g.) In Rr. 268 der Freien Zeitung ist in dem Artikel — da- tirt vom 12. Dez. — über die in Kirberg abgehaltenen Specialsyn ode, eine Un ichtigkeit berichtet worden. Es heiüt näm'ich in dem A-tikel: „Die geistlichen und weltlichen Anq-stellten der Specia'sy«ode wünscht-n in aller B schridenhstt die bill'ge Regulirung der Besoldung mit dem Maximum 1060 fl. Dieser Antrag, so fein er ausgedacht war, erhielt nicht die Majorität re."
D' r Antrag, wie er von dem Unterzeichneten gestellt und durch Majorität zum Beschluß erhoben wurde, H'int: daß das Mar mum der Pfar'besoldnngen mit 1800 fl., nicht m-hr überschritten werden, und daß die sich ergebenden Ueberschüsse in die Lokalkirchenkassen fließen sollten. Es lag hierbei in meiner Absicht, eine Firk'UNg der Psarrb, soldungen und eine bessere Ver, waltung der Pfarrgüter hervor zu ru^en, indem es mir bekannt ist, daß viele Pfarrst llen über 1800 fl. eiutraaen, obgle ch in der früheren Kirchenveriassung das Maximum der Pfarrbesoldungen auf obige Stimme festgesetzt war. — Ich gestehe gerne zu, daß der Antrag bess r fo'ge, dermaßen gestellt worden wä> c: D'.e Pfarrbesoldungen sollen nach den bestehenden Inventarien bestehen bleiben und die Überschüsse, die sich aus einer besseren Verwaltung der Psarrgüter ergeben, in die Lokalki-che« lassen fließen. H erdurch würde die ungeeignete Verwaltung der Kirchengüter von Seiten der Geistlichen wegfallen, und Letztere ib en Verpflichtungen als solche eher Nachkommen, statt O kouvmen zu werden. Schließlich bemerke ich noch, daß ich meine Zustimmung zu d"m Parag-aphen, worin den Gemeinden die Neaulirung der Pfarrbesoldungen frei überlassen bleiben soll, nicht gegeben habe; indem damit ein förmlicher Handel mit den Geistlichen und Ungerechtigkeiten bei Pfarrbesoldungen, w°lche aus Stiftungen und testamentarischen Vermächtnissen entstanden siw, aofkommen winden. F. Schlichter.
K Höchst a. M., 29. Dez. (Ergebniß der Gkinei u dewa hlen.) Bei den gestern Mittag beendigten Gemeinderathswahlen hat die demokratische Partei einen entsü i denen Sieg davon get'agrn; von den vorgeschlagenen 12 Candidaten erhielten 8 eine bedeutende Majorität und 1 gleiche Stimmen mit dem Can- didat drr sogen. Gutgsinnten, worüber das Loos entscheidet. Die Letzteren, welche den biesizenBürgeivrein oder Einschläferungs-Vertin bilden, konnten Notz vieler Mühe nur 3 Candidaten mit schwacher Majorität durchsetzen und gehört von diesen 3 noch 1 eher der freist I Illgen als der entgegengesetzten Richtung an. Morgen beginnen die Büngerausschußwahlen, die wohl ein ähnliches Ergebniß liefern werden.
Ueber das Resultat der Bürgermeister-Wahl läßt sich bis jetzt noch kein bestimmtes Urtheil fällen; von der demokratischen Partei ist vorgeschlagen: Schuhmachermeister Viktor Brenner, ein Mann von entschiedener Gesimungstüchtigkeit und festem Charakter, der das Wohl der Gemeinde aufrichtig will.
Von anderer Seite wll man d e Bürgermeister- Stell? zum Priv leg des Geldsacks machen, indem man den Leuten einzureden bemüht ist, daß der Gehalt des Bürgermeisters 150 ft. nicht übersteigen dürfe; hoffentlich wird die Mehrzahl der Bürger mit diesen Projekten nicht einverstanden sein.
6 Langenschwalbach, 29. Decbr. (Gemeinde- Wahlen.) In der heute hier fiattgehabten Wahl der Gemei >deräthe hat die demokratische Partei entschieden den Sica davon getragen, so daß unter den 12 Gewählten 10 Demokaten sind, unter welchen sich auch der, von einer gewissen Seite her vielfach angefeindete Reallehrer Peiser befindet.
Die heutigen Wahlen haben aufs neue den Beweis geliefert, daß die demokratische Partei hier die bei weitem stärkste ist, und es der Reaktion wohl unmöglich werden düi fte, hier je wieder festen Boden zu gewinnen.
Mainz, 30. D'cbr. Heute Morgen um 9*/2 Uhr ist der Biichaf der Diözese Mainz, Dr. Peter Leopold Kaiser, gestorben. (Mainz.Z.)
Frankfurt, 25. Decbr. Wenn, wie Frankfurter Korrespondenzen versichern, in derRationalverfammInng die Zahl Derer sth mehrt, die dem Gagei n'schen Programm zufallen, so wächst außerhalb die Zahl der öffentlichen Simmen aller Meinuaasschattirungen, die sich gegen diese Behandlung der österreichischen Frage mit Entschiedenheit, thei'weise mit leidenschaftlicher Bitter- k it, aussprechen. Auch manche Blätter auS Deutsch- Oesterreich g. sillen sich dazu. (Allg. Z.)
Mannheim, 24 Dec. Morgen wird G. Struve mit einer Kompagnie Infanterie von Rastatt nach Frei- bu-g gebracht, um da vor Gericht g' stellt zu werden. Man erfährt, daß Slrnve'S Frau gegen Neujihr schon frei'gelaffen werde. (W.-Z.)
Kassel, 27. Decbr. Wir können Ihnen ans zu- verlalsiger O wllc mitchcilen, daß die Zentral zewalt zu Frankfurt die Vertheidigung der schlesw-g-holsteinischen Küsten angeordnet hat. Es sollen die Strandbatterien in so ausgedehntem Umfange mietet werden, daß man 200 Kanonen dazu verwenden muß. (Oer D.Z zuw'ge werden in Brüssel zu obigem Zwecke Kanonen angekauft.) (Hann.Z.)
Bonn, 28. Dec. Dr. Gottschalk hat sich, um von der Aufregung der l tzten Tage zu ruhen, hiecher in unsere Stille zurückgezogen, wo iom gestern Abend Sänger ans dem Bürgerstande eine Nachtmusik brachten. Er ist durch die lange, einsame Ha't angegriff-n, jede Berührung mit der Außenwelt strengt ihn an und es thut ihm Noh, sich wohl roch ein Paar Wochen auezuruhen, und körperlich tu ei sta-km. Eine am vergangenen Dienstag in Kessenich abgehaltene Bo ksver- sammlung war wohl besonders deshalb so überzahlreich besucht, weil man sein Auftreten daselbst, einem Gerüchte zufolge, voransfetzte. (N. NH. Z )
Münster, 27. D^cbr. Die Sache wird immer ge- lungui r! Heute Abend ist der Ober-LandeS-Gerichts- Direktor Temme verhaftet worden, nachdem am 22. d. M. der erleuchtete Kuminalsenat des Oberlandes- gerichts beschlossen :
„Daß gegen Temme, wegen des gegen ihn begründeten Ve-dachts, den Stenerv.'rw'igcrungs- beschluß, ei lassen von Abgeordneten zur Nationalversammlung, datilt Berlin den 15. November, zur Ausführung und Geltung gebracht, wenigstens dieses versucht und daraus hin- gewirkt zu haben, auf den Grund des 8.92 resp. 233 und 167 Tit. 20 Th. II des allgem. Landiechts die Unteisuchung zu eröffnen."
In dem Verhöre wurde Temme vorgehalten, daß Unterschrift unterm Aufruf an das Volk vom 27. November sein Verbrechen fei, und man daraus den Schluß ziehen müsse, daß er an der Verbreitung dieses Aufrufs Schuld lei! Kant würde sich im Sarge umdrehen, wenn er diesen Schluß hörte.
Temme hat sich aus die Anklage nicht eingelassen, vielmehr dagegen protestirt, und zwar:
1) weil das Kammergericht allein als Forum delicti der kompetente Gerichtshof sei;
2) w il das hiesige Ober-Landes-Gericht durch seinen allmuite! tranigst am Fuße des Throns niederge- lkgtkn Protest gegen Temme sich ihm gegenüber als Partei geeilt habe;
3) weil er als Abgeordneter gehandelt u ib deßhalb nur seinem G wissen verantwortlich sei.
™ d^s Ministerium der Zust'z (nicht an den Justizminister) einen Protest erlassen gegen Ein- Gericht ^ Un e^u^u"d ""d gegen das Ober-Landes-
Temme sitzt unter einem Dache mit ben'qcmein sten Velbrecheln (das Gefängniß für die Untersachungs- gesangeuen und das Zuchthaus ist ein Gebäude)
davongelaufene Abgeordnete Rintelen sich als Minister brüstet. (N.RH.Z.)
Berlin, 27. Decbr. Berlin ist ruhig. Gestern haben der Plinz von Preußen und der Prinz Karl mi ^ren Familien ihre hiesigen Palais zuin Winteraufrnt^ Halt bezogen, nachdem Pu'nz Albert schon vor einiger Z it als Vorläufer in sein Palais zurückgekehrt war. Am Tage nach Neujahr verlegt der König seine Nesi- deuz nach Charlottendurg. Am 22. Januar finden die el!-Wahlen zur Ernennung der Wahlmänner für die zweite Kammer, am 29. die für die eiste Kammer statt und dir hi«sige Magistrat ermangelt nicht, durch öffentliche Bekanntmachung, „behufs der Ausführung deS Wahlgesetzes die kräftigste U iterstützung nicht nur der Bezirkövvi steher, sondern auch der Grundbesitzer (dieser Leibgarde der Reaktion) ivie überhaupt unserer Mitbürger in Anspruch zu nehmen. (Mainz. Z.)
Berlin, 28. Dez. (Fr. I.) Als General Wrangel vo gestern seinen O sisieren ein Diner gab, bat er seine Gäste zum Schlüsse, ihre Gläser zu füllen, um noch einmal mit ihm anzustoßen. Die Gläser wurden gefüllt und der ©eneral erhob sein Glas mit den Worten: Den nächsten Tropfen, meine Herren, am schönen, freien Rheine!
Gestein Abend sollte hier zum ersten Male nach der gesetzlichen Anerkennung der Preßfreiheit eine Bücher- consiscation vorgenommen werden. Diese Maßregel war gegen eine schon vor längerer Z»it von dem Assessor Zunz hcrausgegebene Schrift gegen den Berliner Ma- gist-at gelichtet. Die Verlagshandlung (Reuter und S-argardt) bestand indeß auf der gesetzlich erforderlichen Vo zeign ng eines richterlichen Befehls, mit welchem der ausführende Polizeibeamte nicht versehen war. Es mußte deßhalb von der Vollstreckung der Consiscation Abstand genommen werden.
Obwohl die Aufmerksamkeit der hiesigen Bevölkerung durch die geschehenen und noch zu erwartenden Ereignisse im engeren Vaterlande hinreichend gefesselt wird, so richtet sich dieselbe doch seit Kurzem wieder auf den vielbenciorteu kleinen Nachbarstaat Anhalt-Dessau. Man weiß vielerlei von Reactionsb-strebungen zu reden, die sich dort Eingang zu verschaffen gewußt hätten. Als deren nächstes Ziel wild die Wicderc.nsetzung des im März g'stürzten Ministes VON Morgenstern und die Entlassung des Miiiistirialrathes Koppe bezeichnet.
Posen, 25. Dez. Die Liga polska hat jur definitiven Wahl einer vrdentlich-n Dirrkiion eine V rsamm- lung der Kreisveputirten auf den 5. Januar in Posen ausgeschrirbeu, in der Voraussetzung, daß zur Abhaltung derselben die Erlaubniß nicht länger werde verweigert werden, nachdem eine gleiche Versammlung zur Coustüuirung der „deutschen Verbrüderung" gestattet woiden war; allein der General von Steinäcker hat
So lebt und stirbt der Arme.
Erzählung aus dem Leben des Volkes.
Von
Ern st Willkomm.
(AuS den „Nheinifchen Jahrbüchern".)
(Fortsetzung.)
^Jmmer verschießen — ich bin es müde, Moser, denn cs rühmt alle Ordnung in meinem Hauptbuche."
„Sie retten damit eine ganze arme Familie, Herr Sudermann!"
Kopfschüttelnd griff der Reiche wieder zur Schecre und schnitt noch einige Coupons ab. „Na," sagte er dann barsch, „ich will heut noch einmal cm guter dummer Teufel fein und Eurer Bitte willfahren , aber zum letzten Male ist es, das verspreche ich Euch."
So sprechend, zog er den Schubkasten des Tisches auf, in welchem eine kleine Schwinge voll Golcstücke stand. Entermghn suchte unter diesen und legte einen beschnittenen Dukaten und einen halben Frietriel'vd'or auf den Tisch. „Was darüber ist," sagte er, „nehmt von mir als Pathcngeschenk an."
^^^^b^ Moser seinem Brodherrn dankbar war für die Bereitwilligkeit, ihm aus der drückendsten Nvtl> zu helfen, konnte er das Gold doch nicht ohne Widerrede annehmen.
„O, Gott segne Sie, Gott segne Sie, Herr Ender
mann!" rief er aus, „aber nichts für ungut — wollen Sie mir wohl Sllbergelb geben?"
„Habe keins!"
„Ich brauche es so nothwendig ! Auf Pfarrei und Schule kann ich nicht wechseln, eine Wartefrau muß ich auch bejahten nnd Brod , Herr, 2)rob, muß ich gleich auf dem Rückwege in der Mühle kaufen! Ucberall wollen die Leute Silb rgeld."
„Habe keins!"
„Und wenn's derweil blos zwei Thaler wären!"
„Seid ihr taub, Moser? Ich sage, daß ich kein Silbergeld habe, keins für Euch haben will! Golo ist jetzt die eueren teste Münze. JW bekomme es , ich muß es wieder in Umlauf setzen. Wechselt's um beim ersten Bauer, aber laßt mich ungeschoren oder wir sind ein für allemal geschiedene Leute!"
Das war die fürchterliche Zauberformel, mit der Eu- dcrmann von seinen Webern Alles erlangte, mit der er Alles durchsetzte. Moser holte tief seufzend Athem, krümmte die hageren Finger seiner kraftlosen Hand und nahm die Gvldüückc an sich.
„Vielen Dank, Herr Eudermann!" sagte er, während ihm Thränen des Kummers auf 6 Neue die Augen füllten. „Werfen Sie keinen Groll auf einen Armen, weil er aus Noth flehentlich zu bitten wagte!"
Der Fabrikant würdigte den Armen keines Blickes mehr. Er zählte die abgeschnittenen Coupons, und erst
als Moser das Cabinett verlassen hatte, spuckte er verächtlich aus und sagte vor sich hin:
„Wicderliches Bettelvolk! Verdirbt einem, straf' mich Gott, mit dem ewigen Lamentiren und Zetern den Appetit!" —
Auf dem Wege zum Pfarrhofe mußte der Weber an der Mühle vorüber; Landlcutc pflegen in der Regel ihr Brod selbst im Hause zu backen. Ist dies schon mit einigen Beschwerligkeiten verbunden, so werden diese vollkommen dadurch ausgewogen, daß sie ihr Brod billiger essen. Nur der Arme, der sich weder Mehl noch Holz anschaffen kann, muß Groscheuweise das Brod vom Bäcker kaufen, der in der Regel der Müller ist. Grade oicicnigen also, welche das unentbehrlichste Lebensmittel so billig wie möglich erhalten sollten, müssen es tbencrer bezahlen, als der reichste Bauer oder Fabrikant' Denn der Bäcker will auch was verdienen und weiß nm so mehr zu verdienen, als er häufig genöthigt wird, den mittellosen hungernden Armen Credit zu geben. Damit er im Fall der Nichtzahlung nicht zu viel verliere, macht er die Brode etwas kleiner, als es erlaubt ist und läßt sie nicht ganz ansbacken. Dadurel» wird das Gebäck kluutschig und der schnelle und häufige Genuß desselben wohl gar der Gesundheit uachthcilig. Weiß dies auch der gemarterte Arme, so muß er doch schweigen, um nur überhaupt noch essen zu können. Strenge Aufsicht gibt es nicht, und weil kein Kläger gegen den nnredlichen Bäcker auf