Freiheit und Ree8k!"
MLN
Wiesbaden. Montag, 1. Januar
An die 8 efev!
Mit dem 1 Januar beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Unerschütterlich wird dieselbe an ihren bisher verfochtenen Prinzipien festhalten Sie wird ^dre Gleichberechtigung Aller im Staate" unausgesetzt vertheidigen und da diese „Gleichberechtigung Aller" nur in den sogenannten demokratischen Grundsätzen ausgesprochen ist, so wird sie für letztere einftehen. , _
£ie Freie Zeitung" wird sich nie und nimmer dazu hergeben , unsere faulen Zustande der Gegenwart zu vertheidigen, oder zu beschönigen. Des Volkes Elend ist noch viel zu ungeheuer groß, als daß das blanke Schwerdt der Opposition schon in die Scheide gesteckt werden könnte. — nein, wie alle Welt weiß, sind wir jetzt wieder zu einem solchen Grade der Reaktion angelangt, daß mehr als sc dieß Schwerdt des freien Worts ge- ” Dft" sogenannten Errungenschaften des Märzes sind nicht solche des ganzen Volkes geworden: die Beamten und Geldsäcke haben allein wiekn: das Fett abgeschöpft und das arme Volk, welches mehr Steuern zahlen muß, wie früher, ist leer ausgegangen.
Eine Errungenschaft — das heilige unschätzbare Gut der Preßfreiheit — hat man uns zwar zu schmälern versucht, aber keine Frevlerffand hat sie bis setzd zu rauben gewagt. Dieß „heilige Gut" wollen wir treu zu bewahren suchen und, soviel wir vermögen, es zum Heile und Rutzen des Volkes anzulegen bemüht sein.
Leitende Originalartikel werden jeder Nummer vorangeschickt werden; die Verhandlungen des nassauischen Landtags werden wir in größter Schnelle zur Kunde unserer verehrten Leser bringen; tüchtige und freisinnige Männer in alten Theilen des Landes werden uns durch häufige Corresponvenzen unterstützen. Bei allen wichtigen Ereignissen wird, wie bisher, dem Hauptblatte eine Beilage beigegeben werden.
Die „Freie Zeitung," das von den nassauischen Zeitungen bei weitem am meisten verbreitete Blatt ist auch ganz besonders zu Anzeigen aller Art geeignet.
Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei* Den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements-Preis vom 1. Januar an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., halbjährig Z fl. 3 ) kr.; auswärts durch Die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau vierteljährig 2 fl. 12 kr., halbjährig 4 fl. 23 kr., des Großyerzogthums Hegen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2fl. 15 fr., halbjährig 4 ff. 30 fr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris- schen Postbezirke 5 ff. Die Redaktion.
Abschied vom Jahr 1848.
$ Aus dem Amte Weilburg, Ende D-'c. Das Jahr geht zu Ende: was haben wir gewonnen? die „Einheit"? — Deutschland ist zerrissener, als jemals! — Kein Fürst gibt Etwas von seiner Souveränität auf, und Oest eich hat sich gar förm'ich von Deutschland getrennt! — Die „Freiheit"? Die absolute Herrschaft steht wieder fest und wirft selbst den Schein des Konstitutionalismus verächtlich von sich; die zur „Vereinbarung" berufenen Volksabgeoidneten fn den einze lnen Staaten werden nach Hause geschickt, und dem Parlament wird es Mo eben f* ergehen! — Den „Volkswohlstand"? Die Staatslasten haben sich um ein Bedeutendes vermehrt und alle Gefchäfte stocken. Und was haben wir, die wir für die Einheit, die Freiheit und den Wohlstand des Vaterlandes gckampt haben, für unS selbst gewonnen? Wir haben den Haß Derer, welche die Gewalt haben, auf uns geladen; wir haben uns rn Rücken den Prügeln und Fäusteu des irregeleiteten Theiles des Volkes auSgesetzt; wir haben unsere Freunde oder Anverwandten uns entfremdet; wir haben unsere Stellung oder unser Vermögen auf- gi opfert, oder wir haben uns eine Wohnung bereitet hinter den Eisengittern der Kerkerniauern, oder in der Fremde fern von dem Lande, das uns geboren! DaS haben die Demokiaten gewonnen! Sollen wir nun bereuen, was wir in diesem Jahre gethan haben? Ihr meint daS, die ihr j tzt triumphirend uns zurust: seht, wie wir recht hatten, ihr habt zu früh augc- fargkn, wir sagten's immer, das Volk ist noch nicht reif! — Ich möchte wissen, ob derjenige, der einst von dem „unreifen" Volke der Juden gekreuzigt wurde, weil er sein „Wehe" über die, welche die Gewalt hatten, ausgerufen, — ob dieser große Demokrat, als er da zwischen Himmel und Erde am LUeuze hing, bereute, waS er gethan? Ich möchte wissen, ob Huß, als er die Flammen seines Scheiterhaufens um sich auflodern sah, bereute, daß er den Pfaff n den Krieg erk art hatte? — Ich glaube doch schwerlich! Nein, ihr Gu- ten, nur der Tropf oder der Schurke bereut hintennach, was er gethan hat! Nichts, was für eine höhere Idee gethan wotden, ist vergebens gethan! Es wird bald friedest kommen, wo ihr die Früchte dessn, was wir gewirkt haben, sehen werdet, ihr werdet bald die „D'ächknzähne", die wir, wie ihr euch ausdrücket, ge- saet haben, aufgehen sehen! Und dann werdet ihr erkennen, daß wir nicht „zu früh" begonnen haben! D-.e Eiche fällt freilich nicht auf den ersten Hieb, fonDmt eist nach dem allerletzten; aber daraus folgern zu wollen, daß der erste unnütz sei, das wäre ein sonderbarer Schluß, da ja der letzte entscheidende Hieb nicht gethan werden sann, wenn nicht zuvor der erste geschehen ist. — Nein, das Bereuen wollen wir Der Bourgco sie überlassen, die hauptsächlich den Sieg des Absolutismus auf dem Gew ssen hat, und die jetzt schon rheilweise einzusihen begin t, daß, wenn man uns gefolgt hatte, die Wiedergeburt des Vaterlandes vollbracht worden Wäre. So aber endet das Jahr unter einem geistigen und materiellen Drucke, der härter ist, als zu den Zeiten Metternichs. Wir haben das Alles voraus- ge'a ■; aber man hat es nicht geglaubt, und wer nicht hören w ll, der muß fühlen! Die Demokratie ist in dein großen Kampfe des Jahres 1848 unterlegen; die Bourgeoisie, die in grandioser Verblendung, nur ihren al ler nächsten Vortheil vor Augen hatte, hat gewonnen. Aber wir hören sie schon im Geiste aus- rvfen: „v weh! ich hab' gewonnen!"
Deutschland
O Aus dem Amte Weilburg. (Petition der nassaulschen Hüttcnbe,ltzer an die Versammlung Der Lanvesdeputirten zu Wiesbaden.) Die nassauische» Huttenbesitzer habe» nachstehende Petition, wann um Schutz für die vat rlän- dische Arbeit nachgesucht Jvird, an die Nassauische Kammer eingefendet:
Hohe Versammlung!
Die Unterzeichneten hat ein bis hie her noch nicht erlebter, ungenreLr trauriger Zustand ihrer Geschäfte zu gemeinsamer Bitte vereinigt.
Die Ursache desselben ist so bekannt und erörtert, die allgemeine Noth spricht so beredt von jedem Munde zu jedem Ohr, das ganze Volk blickt mit so ängnücher Spannung Dt in nächsten Verlaufe unserer thatenreichen Zeit entgegen, daß es keines Ausdruck s mehr bi Darf, um das traurig stille Einve ständinß Aller zu bekun .en, daß unser gemeinsames Vaterland in seinem Entwicklungsgänge von Gefahren tausendfach umgeben sei.
Niemand aber suhlt dies mehr, w e der Gewerb- treibende, keinen ergreift die Roth der Zeit so stark, so unmittelbar wie ihn, besser, ganzes Vermögen fast mit der Erlahmung der Geschäfte in Frage gezogen ist, dessen Stehen oder Fallen so vielen Familien eine sichere Eristenz erhalten oder den Untergang bereiten wird. — Seiner St mme verschließe man nicht das Ohr, denn er kennt Die Noth 'reö Volkes von Angesicht zu Angesicht, ihn hat sein Beruf, sein ganzes Wirken getehrt, die eigene Thätigkeit aus dem Höheren Gesichtspunkte, aus Dun Pstich^fühle herzulZten, feL.cn Standpu kt in der bürgerliche« GefeÜ chaft mit der B - st mmu g eines segeusi eichen Wirleuö in weit-m Umkreise zu vereinigen, so sehr man auch stets bereit ist, seinen Handlungen nur Beweggründe Der Selbstsucht unterzuichieben.
Groß, unendlich groß ist die Noth, die bald ein- brechen wird, und wir wagen eS nicht, die Folgen zu schildern, die kommen werden, wenn der letzte Damm, der dem Hunger des Volkes wehrt, gefallen sein wild! — Es ist unsere Pflicht, das Drohende rückhallslos zu schildern! U lsir guter Wille dauert fort, aber die Mitt l hören auf, auch Die, welche hohe Versammlung mit danki nswerther Bvreitw lU^keit gegeben hat. Ei hebt sich nicht bald wieder der Handel, ergeht nicht bald die Nach rage nach unsern Pi vvukten, dann ist der Stillstand aller Werke auäge|pio$ n, dann sind tauseüde von Fainilien brodlos!
Dies sei genug!
Wir legen aber hiermit nicht die ungestümme Bitte vor den V.rtretern unserer Interessen nüber, daß sie Diesen jetzt aufhelfen, daß sie der großen Noth im Momente steuern sollen; denn Unmögliches verlangen wir nicht. —
Vorfühitn müssen wir jedoch das Bedenkliche unserer' Lage und ihre Einwirkungen, denn wir zeichiicn damit den Umriß des düsteren Bildes einer Zukunft, die nicht ausbleiven wird, wenn die Gesetzgebung das materielle Volks wohl nicht sicher stellt. Ja, wir möchten der Fügung, die uns zu diesem Punkte führte, danken, statt sie zu beklagen, wenn gelesen würde, gelesen von Deutschlands Berkraueiisinännern, was zwischen den Zeiten D r Geschichte^ unserer Ta^e zu le eil steht. Es ist' die ei fache Wahrheit, so un- läugbar, wie die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele, daß ein Volk erst materiell in. seinem großen Haushalte gesunden müsse, ehe denn eS die Freiheit zu
erwerben, ehe es die Bescheerte festzuhalten v rinag. Ungesund, verwerflich war aber die Politik der Vergangenheit, verachtet, verhöhnt und mißbraucht unser Volk. Baue es jetzt seinen Staatöbau auf besseren Pfeilern auf.
Die Macht der Arbeit hat man nicht anerkannt, dem fleißigsten Volke D-t Welk, hat man di-es E'ement feine« Glückes Nicht sicher gest Ut, man ist der Bestimmung nicht gefo'gt , die eine höhere Hand de n Menschen gab. Nur Die A beit schafft Selbstständigkeit uiiD durch sie — die Freiheit. —
Die Schranken fallen j tzt, Di? ein großes Volk in Sonderi ter ss n, trennte», man reicht sich die Hand zu dauernder Einung — woh'an denn! so verleihe n a i auch dem Vo'.ke die Einrichtungen, Die seinen Verband erhalten, seine Größe sichern können. Sind wir jetzt erst zu einer Rat on gewo den, so schaffe man auch ein nationales System unseres Handels, sopfl-ge man auch im Schutze Der Arbeit endl ch die ost zertretenen Keime einer materiellen Größe, Die unS den anderen Nationen erst gle'ch stellen sollen. Beda f cs m -hr als die Hindeutung auf den Entw cke- lungsgang Dieser, um das Rechte zu wählen? Wi d man, prüfend die Ergebnisse der Geschichte, den Geist nicht eikennen, Der aus Der Gesetzgebung entsprungen, Du ch alle Schichten der Gesellschaft reges Leben, Thätigkeit und glückliches Gedeihen wickt? Man w rd ibn nicht ablâugnen, nicht verwerfen können und doch peinigt » 's daS ängstigende Vorgefühl vereitelter Hoffnung und doch Diobt UNS unheilverkündend der bethö- rerde Ruf nach Freiheit des Handels, Der die Massen, Die nicht weiter denken als sie seben, aufstachftt und irre leitet, da sie nicht ahnen, daß hier das sckrne Wort „Freiheit" Bestrebungen birgt, Die nichts weniger, als freiheitsfreundlich genannt zu weiden verdienen.
Eine mächtige Partei ist mit allen Mitteln gegen unser Prinzip in die Schranken getreten, die Partei der Freihändler verbreit t ihre Lehren uuermüDet und erfolgreich- weil sie mit verführerischen Scheina'ün- oen anst ist und dem Volke ein Utopien der Glückftlig- fi it vorsp ege t, da dieses gerne nach glänzendem F itter hascht und vaS Wahre, das Reelle zum Opier bringt. — Deieichcrung D r E zeuger auf Kosten ver Veibrau- chenvkn ist das t iviale Schla wort, das in s iner Oberflächlichkeit besticht uuD Die schöne Kette der W ch- selwirkungen, in t der eine geschützte Industrie alle Inter ss'ii eint, aus i'hrem Zusii>n>neuhange zu rftßen strebt. Mag die Auswanderung der Kapitale und der Arbeitskräfte fortbauern, mag die Verdienstlosig- keit das Unersetzliche, W geistige Kapital dèr Geschicklichkeiten in andere iOelrrbetl? treib n, mögen Die reichen Schatze Der Natur, zum Segen deS Landes, zur Erweckung geistiger und 'physischer Thätigkeit, zur Beglückung des Volkes, im Schovße der Eide verborgen, nie unter Dee blidenven Hand des Fleißes sich umgestalten; dennoch wird die allgemeine Bölkerglückseligkeit aus dem Freihandel auf* blüh n! Uno begegnen auch die Verbreiter Dieser Ideen überall der schlaaenden Wahrheit der Sätze ihrer Gegner und bieten sie auch dadurch zu einem Vergleiche scheinbar die Hmd, indem sie gewisse Zollsätze für die Einfuhren des Auslandes zugeftehen, so lugt in Diesem Entgegenkommen gerade Die g öße-e Gefahr, weil eS zu halben Maßregeln verleiten könnt-, die statt einer ra chen, aber glücklicheren V'rnichtung u ssèrcr Industrie, deren Siechthum nnd qualvolleres Erlöschen herbeiführen würden. — Die Wahrheit läßt sich