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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fL 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge, Inserate werden bereitwillig aufgenomnen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1849 beginnende neue Vierteljahr bitten wir gefälligst recht bald zu machen, hier in Wiesbaden bei den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H.W. Ritter, auswärts bei den zunächst gelegenen Postanstalten.

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Zeicheu der Zeit.

0 Vom Taunus, Mitte Dezbr. Wie sie jubeln, illumt'niren und unterthänigst ersterben, diese preußischen Spießbürger! Wie sie am Boden knecheâ uns Speichel lecken, weil weil man ihre Abgtoidneten foitgejagt, alle Gesetze auf die unerbAtteste Weise verletzt, und dann, wie zum Hohn. ihnen ein Stück Papier, Vcrfas- sungSurkunde gengunt, geschenkt hat, welche Verfas­sung die Negierung natürlich befolgen oder nicht befol­gen kann, wie's eben beliebt, da sie ein G n a d e n g e- schenk'ist! O über diese moralischen Geldsack/ welche vornehm die Nase rümpfen, wenn ein armer Teufel sie anbettelt, die mit betrübter Seele so schön darüber zu moralisiren verstehen, wie das Betteln den Menschen entsittliche", während sie selbst sich nicht schämen, den Fuß zu küssen, der ihnen Tritte gibt! Wahrlich der niederträchtigste Bettler, der doch immer durch das aller- dringendste Motiv, durch die leibliche Noth, durch den Hunger getrieben wird, ist ein Ehrenmann gegen diesehonneten" Leute, die um ihrer feigen Ruhe willen sich in den Koch werfen!

Diese Klasse ist bis in das innerste Lebensmark ver- fault und verwest. Und mit dieser Klaffe wollt ihr Demokraten Hand in Hand gehen, um im heißen Kampfe der Geister die Würde des Menschen zu retten, des Volkes heiliges Recht zu erringen? Hütet euch, o hütet euch, daß ihr nicht selber ersticket in den mephit schen Dünsten, die aus den übertünchten Gräbern aufsteigen. Bedenkt ihr denn nicht, welche Zeit es ist in der Weltgeschichte? Sehet ihr nicht, daß seit der Ent­stehung des Christenthums noch niemals wieder eine solche Sehnsucht nach Erlösung durch daS Herz der Menschheit gezogen ist? Habt ihr das Wetterleuchten des Februars schon vergessen, und hört ihr nicht schon wieder im Westen das ferne Rollen des Donners, welches ein Ungewitter an­kündigt, das ganz Europa überziehen und durch seine gewaltigen Schläge die alte morsche Welt in ihren Grundtiefen wird erbeben machen, bis eine neue Welt verjüngt und frei hervorsteigen wird, wie ein Jüngling aus dem Morgenbade? Wohl dann Allen, die rein dastehen, die nicht ge- buhlt haben um schnödes Gold, die den Nacken nicht gebeugt haben vor der Gewalt!

Das preußische Volk und die National­versammlung zu Frankfurt.

Bam Main. Von dem Bürgerbunde zu Naum­burg an der Saale ist am 16. Dez. d. J. folgende Adresse an das Parlament zu Frankfurt a. M> ab­gangen:

In einem in Gemeinschaft mit den Vertretern un­seres Volksstammes gegebenen Gesetz vom 8. April d. 3 versprach unser Landesherr, der König von Preußen, mit den Vertretern unseres Volksstammes eine Verfas­sung vereinbaren zu wollen. Im Vertrauen auf das Gr sitz traten denn auch die Vertreter unseres VolkS- stammes in Berlin zusammen, um mit unserm Landes­herrn eine Verfassung zu vereinbaren. Vor kurzem hat indessen unser Landesherr die Vertreter unseres Volks­stammes unter Anwendung der G walt der Bajonette auscinandergesprengt, und unter dem Vorgebe», daß er mit ihnen nicht weiter vereinbaren wolle, am 5 d. M. unserm Volköstamm einseitig eine Verfassung gegeben. Wir wollen indessen von unserm Landesherr» nichts geschenkt haben. Wir verlangen unser gutes Recht.

In unserer Eigenschaft, als Angehörige des beut» scheu Reichs, bitten wir daher eine hohe Nationalver­sammlung, unsern Landesherrn, den König von Preus­sen, in seiner Eigenschaft als Fürst des deutschen Reichs, mit allem Nachdruck anzuhalten, daß er das am 8. April d. I. von ihm gegebene Versprechen unweigerlich erfülle, die Verfassung vom 5. d. M. zurücknehme und von neuem den Weg der Vereinbarung ein» schlage."

So klar es nun ist, daß der König von Preußen in Folge seines V-rsprechenS verpflichtet ist, die Ver­fassung in Gemeinschaft mit den Volksvertretern zu ver­einbaren (ein Versprechen erzeugt bekanntlich eine Ver­bindlichkeit und kann von dem Versprechenden einseitig nicht jurückgenommen werden), so klar auch am Tage liegt, daß ein einseitig von dem Könige von Preußen erlassenes.Machwerk, die sogenannte Verfaffungsurkunde, ohne von den Volksvertretern angenommen worden zu sein, ohne Gültigkeit ist; so begründet ist auch das in der vorerwähnten Petition gestellte Ansinnen. Leider ist aber zu erwarten, daß der Bürgerbund zu Naum­burg sich vergeblich an das Parlament zu Frankfurt ge­wendet hat.

Das macht der von letzterm bezüglich des Streits zwischen der Krone Preußen und den Volksvertretern gegebene Ausspruch nur zu wahrscheinlich, in welchem das Verfahren der Krone Preußen gebilligt und dersel­ben bloS und allein die Umgebung mit einem volks- thümlichen Ministerium anempfohlen wurde. Das ist der sog. Rechtsboden, von welchem aus man auch die Nichterfüllung eines gegebenen Versprechens gerechtfer­tigt finden wird.

Ueber den Tod Herrmann Jellineks.

Die in Leipzig erscheinenden Vaterlandsblätter thei­len nach Briefen aus Wien Folgendes über den von Windischgrätz standrechtlich gemordeten Journalisten Jel­

linek mit: Was Niemand ahnte, ist geschehen! Herr­mann Jellinek, der tiefe Denker, in dessen kritischem Geiste eine Welt von großen Ideen sich abspiegelte, ist erschossen! Was ihm den Tod zugezog-n? Nicht daS Schwert, sondern die Feder; nicht die rohe That, fordern der freie Gedanke. Und die Macht der Idee dies möge Sie trösten verlieh ihm einen staunenswerthen Muth bis zum letzten Hauche seines jungen Lebens. Er konnte fliehen, that es aber nicht, da er sich keines andern Vergehens bewußt war, als seine Ueberzeugung niedergeschrieben zu haben. Die Begeisterung des Jünglings brachte er in sein Gefäng­niß , der Ernst des Mannes begleitete ihn zu seiner Nichtstätte. Im Verhör sprach er kühn, wie er war, feine Ideen aus und die Aussprüche der Wahrheit im Munde des blaffen Jünglings mit den feurigen Augen erschreckten seine Richter so sehr, daß ihm mit Stock­streiche« gedroht wurde, wenn er seine Sprache nicht mildere. Das Todesurtheil brachte ihn nicht aus der Fassung. Die dreizehn Stunden, die zwischen seinem Urtel und seinem Tode liegen, sind noch reicher der großen Momente, als die 25 Jahre seines Lebens. Ja, ein tragischer Humor waltete in seinen letzten Wor­ten, die von der Unbeugsamkrit seines Wollens zeugten.

Eines schmerzte ihn lief, daß er nämlich seine phi­losophischen Ideen mit in das kalte Grab nehmen mußte! Sein in der Hegel'schen Schule gebildeter Geist und seine scharfe Kritik wußte noch eine Kategorie für sei­nen Tod aufzufinden. Als H r ihm seine Theil­nahme bezeigen wollte, antwortete er ihm:Lieber Freund, mein Geist ist heiter. Ich hoffe, mein Körper wird âckeiuen Sircich jpiele». Meine Sache ist be­siegt. Es ist daher ganz in der Ordnung, daß ich falle." Aigner, der in einem anstoßende» Gefänaniffe saß, erzählte, daß er sich mit seinem Leidensgefährten Becher die ganze Nacht im lauten Gespräche unter­hielt. Auf dem Richtplatze protestirte er noch gegen feine Hinlichtung, indem er die Legalität der Behörde n'cht anerkennen wollte. Ec schloß seinen Protest mit den Worten:Sie können mich hinrichten, aber mein Tod bleibt ein Moro!" Er gesticulirte dabei mit den Handen, und die drci Kugelu trafen ihn nicht ganz, so daß der Major auf ihn zuzing, seinen Puls fühlte und dem Jäger winkte, daß er durch eine vierte Kugel dessen Leben ein Ende setze. Dahin ist er für immer! Wahrlich, um einen hohen Preis ist die Ruhe in un­serer Stadt hergestellt worden. Männer und Frauen wallfahrten j tzt zum Sradtgraben, wo das Blut einer großen Zukunft verspritzt wurde. Wenn Sie nach Wien kommen, so besuchen Sie den Wehringer Kirchhof. Dort wild ein Grabhügel Ihne» sagen:Hier ruht ein Märtyrer der freien Schrift und Rede."

P. 8. Als ihm in der Nacht vor seiner Hin­richtung die Rechnung von dem Gefängnißwärter ge-

Festgedicht

. zur

Fahnenfeier der Wehrmannschaft zu Diez am zweiten Christfeiertag 1848 von G. W. Kühn.

Ein großes Jahr, durchblitzt von Freheitssonnen, Ist sturmbewegt zur Ewigkeit zerronnen, Ein junges Jahr bricht inhaltsschwer heran.

Germanien lauscht an seinen Eingangshallen, Gespannt, wie ihm des Schicksals Würfel fallen, Auf der im März gebrochnen FreihettSbahn.

Daf stehn wir nun an eines Jahres Pforten, Der Gahe fre^, die eben uns geworden, Des ChristgeschenkcS, wie nie wir eins gesehn ; Zur Einheit uns, zur Eintracht zu erstarken, Prangt ein Pa, zier auf eines Jahres Marken, In Schmerz und Lust uns stets vorauzngehe».

Drob sei gegrüßt, du heilg« Standarte! Gleich dem Signal von meerumbrauster Wart 7 Das frohe Mähr vom Langersehnten beut; Geschmückt mit drei bedeutungsvollen Farben, D.e^sich Germaniens Sv»,»achte erwarben, L. -ei unser Heil, Sei uns Dreieinigkeit!

Bedeutung spricht aus diesem Farbenspiele,

DaS Deutschland nach dem vorgesteckleu Ziele Z»m Leitstern sich auf wilder See erkor. Schwarz ist daS Grab, doch jauchzet nicht, ihr Schergen, Verschönert blitzt die Freiheit aus den Särgen, Wie aus der Nacht das Morgenroth empor.

Und halten wir in Einigkeit zusammen,

Dann wird das Roth in Sonnengold entstammen Und wachsen wird der deutsche FreiheitSbaum;

Denu Einheit ist der Freiheit Gottesfinger, Vereinter Sinn der Despotie Bezwinger, Wo^Einheit nicht ist Freiheit nur ein Traum.

Drob sei Willkomm, du herrlichste der Spenden!

Die je uns kam ans zarlcu Frauenhänden, Zu unsrer Stadt, zu unsers Lebens Zier.

Wenn wir uns einst auf blut'gem Wege schwenken Bedarf es nur, der Holden zu gedenken Und vorwärts rauscht dies herrliche Pauker.

Wenn Zwietracht und beschleicht wie Gift und Molche, Im feigen Busen Mordgewehr und Dolche, Der Eintracht und dem Bürgerwohl gezückt;' Dann eilen wir zu unserem Symbole, DaS heute wir gerveiht zum Bürgernwhle, Von Frauenhaud zur Eintracht uns' geschmückt.

Wohsan! so bringt in fest vereintem Chore

Ei» dreifach Hoch der deutsche» Tricolore, Die endlich a»ch in unsrer Mitte weht.

Wie immer sich die Zeiten auch gestalten, Wir werden stets zu unsrer Fahne halten, Wie stets die Erd' sich um die Sonne'"eht.

So lebt und ftirj^der Arme.

Erzählung aus bei? Leben des Volkes.

Ery/t Willkomm.

(Aus de»RheiNljchen Jahrbüchern".)

X (Fortsetzung.)

Wer lpelß, ob nicht inzwischen daS Muster aus der Mode küât! Dann kann ich Zunder daraus brennen!"

Moser hätte sich gern vertheidigt, denn er fühlte sich in seinem vollsten Rechte, allein er besorgte auch, daß Silbermann seine Vertheidigung übellaunig aufnchmc» unb ihn wohl gar aus den, Dienste entlassen könnte. Ein entsetzlicherer Schlag in seiner bedräglen Lage hätte ibn nicht treffen können und um diesen, zu entgehen, schwieg er lieber zu den Vorwürfe» des Reiche». Dieser fragte jeßt, bis zu welcher Zeit Moser die Arbeit bestimmt abliefern könne?

»BiS künftigen Montag Abend ganz sicher,"versetzte