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Freiheit unh Neeht!"

â 271» Wiesbaden. Sonntag, 24. Dezember t8â.

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit,verhältnißmäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspalUge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1849 beginnende neue Vierteljahr bitten wir gefälligst recht bald zu machen, hier in Wiesbaden bei den ^Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter, auswärts bei den zunächst gelegenen Postanstalten.

Die politische» Apostaten.

(Fortsetzung und Schluß.)

C Aus dem Usinger Land, 18. December. Ihr iP Korrespondent hat mir, we ich sehe, mein Amt ab­genommen; ich eile daher zum Schluffe. Man konnte die Naturgeschichte der alten Kammerliberalen, die jetzt gewöhnlich als Apostaten, als Nockumwender angesehen werden, in der Art, in welcher ich dieselben begonnen hatte, weiter fortsetzen, man könnte dies noch gründ­licher ausführen, wenn man auf ihre wörtlichen frühern Aeußerungen, wie dieselben in ihren Reden und Schriften vorliegen, zurückginge; es würde diese genauere Charakteristik resp. Kritik aber so ausgedehnt werden, daß ein ganzes Buch daraus entstehen würde. Es könnte einmal Jemand pro patria eine solche Preis­aufgabe stellen. Immer aber wird man finden, daß diese Politiker im Wesentlichen dieselben geblieben sind, daß sich nur ihre äußere Stellung geändert hat. Die Zeit ist fortgeschritten, sie sind stehen geblieben; einen absoluten Stillstand freilich gibt eS nicht.Stillstand ist Rückgang", wie uns schon das Sprichwort lehrt. Wenn wir zu Wagen daherfahren, so gehen die Bäume, die am Wege stehen, zurück, sie scheinen wenigstens zurückzugehen. Die alten Liberalen haben u 6 den Rücken gekehrt, sie sehen uns mit dem Rücken an: von hinten gesehen, nimmt man sich aber anders, und zwar weniger schön aus, als von vornen. Daher kommt's, daß ihr Gesicht so häßlich ist! Daher kommt's, daß fix uns das traurige Schauspiel eines Bündnisses mit den alten Absolutißen und Jesuiten , mit verkauften Verrätbern, Mouchards und allen Auswürflingen der Menschheit darbieten. Sie sind aber allerdings wahre wirkliche Reaktionärs; ja ste haben schon in der Märzbewegung selbst, obgleich sie dieselbe mithervok- ricfen, gegen dieselbe, gegen deren wahren Sinn, reagirt. Sie wollen und wollten niemals eiwas An­deres, a's einen ärmlichen Scheinkonstitutiona- lismus. Man vergleiche ihr Verhallen in der preu­ßischen Verwicklung, wo doch offenbar alle wahren kon­stitutionellen Grundsätze mit Füßen getreten worden sind. Weniger wollen aber auch die alten Absolutisten, I« suiteri u. s. w. jetzt nicht mehr. Dieselben wollen z. B. nicht die Censur wieder einführen, sie lassen diePreß­freiheit" bestehen, aber nur zum Scheine, nur dem Namen nach, nur für Eine Partei d. h. für sich selbst. Man denke an die Unterdrückung der freisinnigen Zei­tungen in den in Belagerungszustand erklärten Städten, an die vielen Preßproccffe, an die überall sich verkün­digenden strengen Preßgesetze.

Ja die beiden, früher einander friedlich gegenüber- stehenden, Parteien der alten Absolutisten u d der alten Kammerliberalen haben sich zu Einer Partei verschmolzen.

Die Einen haben ein paar Schritte vorwärts, die An- ! dern (um der Gegenleistung Willen) ein paar rückwärts gethan, und so stehen sic nun brüderlich auf einem und demselbenBoden des historischen Rechts!" Die alten Liberalen sind damit in böse Gesellschaft gerathen: na­türlich, daß sie dadurch ihreguten Sitten", ihre Un­befangenheit, die vielen derselben früher eigen war, ver» loren habe», daß sich statt dessen Verbissenheit und schwarzgaUiger Juglimm, blinde Parteileidenschaft und Verfolgungssucht bei ihnen einzelnste t hat. Ich glaube, jetzt, da sie mit Hilfe chrer frühern Todfeinde, im Bunde mit denjenigen, welche sie in den dreißiger Jah­ren in ihren Kammerndurch Kartätschen zusammcn- zuschießen" drohten, ja mit Hilfe dieser Kartätschen selbst, gesiegt haben, jetzt maß es manchem der Besseren unter ihnen doch manchmal etwas eigen zu Muthe werden, wenn er zurückoenkt ai die Zeit,wo er nicht entschlafen konnte, wenn er sein Abendgebet vergessen hatte, sein Abendgebet für die Freiheit. Doch diese schwachen Erinnerungen an den Gott, dessen Stimme des Volkes Stimme" ist, verschwinden all- mahlig bei dem gnädigen Lächeln der Götter der Erde, in den Parfümedüften der Salons und bei dem Knallen der Champaguerpfropfen! Aberirret euch nicht!" Der Gott, dessen Stimme des Volkes Stimme ist, ec ist der Gott der Weltgeschichte, und derläßt sich nicht spotten!"

Wir wollen übrigens mit vorstehender Erörterung keiueöwegs behauptet haben, es gebe keine Apostaten. Es gibt deren im ganzen vollen Sinne des Woites; es gibt-sogar solche, welche, durch kling ende Grünve bewogen, den Rock umgewendet haben. Ueber solche Elenden ist aber kein Wort zu verlieren.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

141. Sitzung.

Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls von gestern interpellirt Roßmâßler den Minister des Innern folgenderma­ßen : In Erwägung, daß die nunmehr gültig festgestellteii Grund­rechte die einzige Gewähr eines gesicherten RechtszustandeS auS- machen und jeve Verletzung derselben den letzten Rest von Ver­trauen, welches die Centralgewalt bei jeder Gelegenheit in An­spruch nimmt, untergraben muß, in Erwägung, daß die Unver­letzlichkeit des Briefgeheimnisses zu den empfindlichsten Rechte» des Volkes gehört, dasselbe aber in Briefen, welche Mitglieder dieses Hauses abseuden und empfangen, in neuerer Zeit und zwar zum Theil in frecher unverholener Weise verletzt wird: frage ich den Reichsminister des Innern unter Hinweisung auf vvrgekom- mene Verletzungen des Briefgeheimnisses und unter Darbietung des Couverts einer meiner abgesendeten und nach erfolgter Erbre­chung sehr plump wieder versiegelt an den Adressaten abgegebenen Briefes, waS er zu thun bereit sei, um derartige Verletzungen deS Briefgeheimnisses zu verfolgen und überhaupt den g. 12 der | Grundrechte zu einer Wahrheit werden zu lassen?

Darauf fragt Würth von Sigmaringen den Reichskriegsmi- I nister: ivozn die lästige, in der neuern Zeit auch von der Regie­

rung gemißbilligte Einquartirung von Reichstruppen im Sigma- ringischeu, bei einer Bevölkerung, die sich selbst kaum zu erhalten vermag? Ec beantragt alsbaldige Zurückziehung dieser Truppen, Beide Interpellationen werden hinreichend unt riiützt.

Es wird zur TageSordnnng übergegangen. Vicepräsident will eine allgemeine Debatte eröffnen, es erhebt sich jedoch eine Vor­debatte darüber, ob der Eröffnung der allgemeinen Debatte eine Abstimmung vorausgehen soll.

Gombart stellt den Antrag: in Erwägung, daß die Naliv- nalversannnlung nur berechtigt sei, zu vereinbaren, aber nicht be­fehlen könne, wolle dieselbe beschließen, die Grundrechte den Regie­rungen der Einzelstaaten zur alsbaldigen Erklärung verstiegen, damit sie int Falle der Annahme als Theil der Verfassung ver­kündet werden. Unterstützt ist derselbe von Valli, Vincke, Rado- witz, Schlatheim, Linde, Flottwell, Bothmer, B. Weber. Die Einführung der Grundrechte durch die Versammlung sei rechts- widrig. (Widerspruch.)

Schoder will dem vorigen Redner weder auf dem RechtS- boden noch in dem spaßhaften Ton, den er eingeschlagen habe, folgen. Die Mehrheit der Versammlung habe längst den Grund­satz anerkannt, daß die Verfassung auSjchließlich ihre Sache sei. Dabei müsse es bleiben, über die Sache selbst wolle er kein Wort weiter verlieren, vielmehr darauf antragen, die Discussion über diese Frage, über welche sich die verschiedenen Parteien doch nie einigen würden, zu schließen. Letzteres geschieht und Zell spricht zum Schluß.

,ES wird hierauf über den Gombart'schen Antrag auf Veran­lassung Biedermann'» durch Namensaufruf abgestimmt und der­selbe mit 33* gegen 69 Stimmen verworfen.

Das Gesetz lautet folgendermaßen:Die Grundrechte de« deutschen Volkes werden im ganzen Umfange des deutschen Reich- unter nachstehenden Bestimmungen hiermit eingeführt:

l. Mit diesem Reichsgesetze treten in Kraft die Bestimmungen: 1) Der §. 1 und 2, 2) des §. 3, jedoch in Beziehung auf Aufenthalt, Wohnsitz und Gewerbebetrieb unter Vorbehalt der in Aussicht gestellten Reichsgesetze, 3) der § 4, 5 und 6, 4) der §. 7, unter Vorbehalt der in III. und VIII. diese- Gesetze- enthaltenen Beschränkungen, 5) der § 8, und zwar rücksicht­lich des letzten, Heer- und Seewesen betreffenden Absatzes unter Verweisung auf Hl. dieses Gesetzes, 8) der §. 10, unter Vor­behalt der unter III. und VH. enthaltenen Bestimmungen 7) der §. 11 und 12, 8) des §. 13, mit der Maßgabe, daß, wo Schwurgerichte noch nicht eingeführt find, bis zu deren Einfüh­rung über Preßvergehen die bestehenden Gerichte entscheiden, 9) dec §. 14, 15 und 16, so wie des zweiten Absatzes im 8 17 und des §. 18, 10) der 88- 22, 25 und 27,-11) der

28 und 29, 12) der §§. 30, 31, 32 und 33, mit Ausnahme des ersten Absatzes (Hl. 8.), dann 35 unter Vorbehalt dec über die Ablösung der betreffenden Jagdgerechtigkeiten und über die Ausübung des Jagdrechts zu erlassenden Gesetze (IV.), 13) des §. 40 und des ersten Absatzes im §. 42. Alle Dämmun­gen einzelner Landesrechte, welche hiermit in Widerspruch stehen, treten außer Kraft.

H. In Beziehung auf den im §. 17 ausgesprochenen Grund­satz der Selbsiständigkeit der ReligionSgesellschaften sollen die or­ganischen Einrichtungen und Gesetze, welche für die bestehenden Kirchen zur Durchführung dieses Prinzips erforderlich sind, in den Einzelstarten möglichst balv getroffen und erlassen wecken.

Hl. Abänderungen oder Ergänzungen der LanveSgesetzqebun- gen, soweit dieselben durch die folgenden Bestimmungen der Grund­rechte geboten sind, sollen ungesäumt auf verfassungsmäßigem Wege getroffen werden, und zwar 1) statt der § 9 und §. 38 abgeschafften Strafen des Todes, des Prangers, der Brandmar- knng, der körperlichen Züchtigung und der Vermögenseinziehnng durch gesetzliche Feststellung einer ankerweiten Bestrafung der be­treffenden Verbrechen; 2) durch Ausfüllung der Lücken, welche in Folge der im §. 7 ausgesprochenen Aufhebung der StandeS-

W Naturgeschichtliche Beobachtungen über das fiameüsche Zwillingspaar der nassauischen Journalistik.

Arm in Arm wandeln dieNassauische Allge­mein e Z e i t u u g" aus Wiesbaden und derN a ffa ui f ch e Zu sch a u e r" von Hadamar. Die beiden lieben Kinder, Mägdlein und Knäblei», gleichen einander, wie ein Trop­fen Wasser dem andern, so daß selbst der große Geist der Reaction, der sie beide geschaffen hat und im Leben erhält, sie manchmal nicht von einander zu unterscheiden weiß.

Beide sind der jeweiligen Gewalt, die am Ruder styl, treu ergeben. Leider hat sich jede einen Fehltritt vvrzuwcrfcu, durch welchen sie ihre ministerielle Ergeben­heit besteckt haben.

DwNassauische Allgemeine" hat einmal dar­über räsonirt, daß der Minister Hergenhahn seine 4000 fl. jährlichen Gehalt nicht in der lieben Stadt Wiesbaden verwebte.

3)erNassauische Zu scha uel" hat einmal einen leitenden Artikel" (H) darüber geschrieben, wie Unrecht eS sey, daß daS Ministerium seine Behörden nicht an- wei,e, ihm bezahlte Inserate einzuschicken.

Beide bereuen diese Fehltritte aufrichtig. DieAll­

gemeine" hat sich in eine reuige Magdalene verwandelt, derZuschauer" in einen büßenden Mönch, und beide wollen, um Vergebung dieser Sünden willen, eine Wall­fahrt machen nach dem Zimmer, in welchem der nun­mehr allgewaltige Minister Hergenhahn zum ersten Mal die Feder anseyte zu einem bescheidenen Advocatenge- schäftchen.

Jm klebrigen bemerkt man bei den beiden lieben Kin­dern nur folgende 'Verschiedenheiten, welche darin ihren Grund haben, daß sich daS eine mehr zum Theater das andere mehr zur Kapnye neigt:

1) DieAllgemeine" klatscht Hergenhahn Beifall mit einer wohorganisirten Clague.

DerZuschauer räuchert ihm mit salbungsvollem Weihrauch.

2) DieAllgemeine" schreibt ihm zu Ehrenleidende" Artikel, der Zuschauerläutende."

3) DerZuschauer" heult, dieAllgemeine" wim­mert, weil sie vor denWühlern" zu viel Furcht hat, um laut zu heulen.

Sonst gleichen einander die beiden lieben kleinen Mägdlein und Knäblei» in Allem.

So lebt und stirbt der Arme.

Erzählung aus dem Leben des Volkes.

Von

Ernst Willkomm.

(Aus denRheinischen Zabrbüchern".)

f Fortsehuna.)

ES wußte aber Mosers Eltern Niemand etwas BöseS oder gar ein Verbrechen nachzuweisen; sie waren ehrlich und arm gewesen, wie der Sohn, sie hatten zur Miethe gewohnt, sie hatten gearbeitet ui.d gedarbt, um als ehrbare Leute leben und sterben zu kon- neu lind der Vater war bereits mit dem innigen Seuf­zer zu Gott auf der sterbenden Lippe, daß feinem Sohne ein klein wenig besser gehen möge, als ihm, sanft in dem Herrn verjchieden. Ach, es ist kaum zu glauben, wie genügsam die Wünsche deS Armen sind, um wie wenig er zu bitten wagt! Und doch, wie selten findet eine so kleine Bitte Erhörung!

Mosers Vater hatte ebenfalls vergeblich gefleht. Sein Sohn blieb arm, wie er und brachte eS ungeachtet seiner Thätigkeit zu NichtS, als zum kargen täglichen Srot. Leider hatte er bei seiner Armuth noch den tollen Ein­fall, sich in ein hübsches, junges Mädchen zu verlieben, die so arm war, wie er selber. AlS ob der Arme ein Recill habe, auf das Glück der Ehe Anspruch zu machen ! Susanna war ebenfalls in den schmucken Weber ver-