Einzelbild herunterladen
 

müssen. Man glaubt es kaum, wie viele, Millio­nen die Dislocirungen, das Hin- und Hersenden der Truppen, die verschiedenen Belagerungszustände und daS Armiren der Festungen kostet. Ich behaupte immer, daß Reaction bei den jetzigen Zellverhältnissen weit ge­fährlicher als Anarchie ist. Die Reaction ist schwer zu bekämpfen und wird uns nicht oder nie die gewünschte Ruhe bringen; dahingegen glaube ich, daß es in Deutsch­land noch gute Elemente genug gibt, um die Anarchie zu bekämpfen und zu unterdrücken. Und doch gibt es Leute hier, wie ich schon früher bemerkte, die dies Alles billigen, die unseren guten König mit so vielen Dank­adressen überschwemmen, daß er blos noch mit der Nase und den Augen hcrauöfieht. So muß es aber kommen aus den vielen Unvollkommenheiten muß endlich etwas Vollkommenes entstehen; aus der vielseitigen Un­einigkeit muß endlich Einigkeit werden. Unsere gute Cölnerin" lacht auch zu diesem Spiel ins Fäustchen und nimmt die vielen Dankadressen, glaub ich, nicht aus rei­nem Patriotismus für unsern Allerhöchsten König und Herrn auf, sondern für das schöne Geld, was ihr diese Adressen einbringen, da ich nicht glauben kann, daß dieselben als nichtskostende Artikel erscheinen sollten.

Frankfurt, 19. Dezbr. (O.-P.-A.-Z.) DerReichs- commissär Hr. v. Mühlenfels ist aus Thüringen zurück und soll mit dem vorläufigen Ergebniß der Zusammen­kunft der Minister aus den acht thüringen'schen Staa­ten sich zufrieden äußern. Die Hauptpunkte einer Ver­einigung zu einem thüringen'schen Gesammtstaate sollen unter ihnen festsfthen.

Kassel, 19. Dec. Das Urtheil in der Untersu­chung gegen die ehemalige Garde-du-Corps ist von dem Kriegsgericht in öffentlicher Sitzung vei kündet worden. Lieutenant v. Verscharr I. ist zu einem Monat Festung, Rittmeister v. BaumbaH zu drei Wochen Arrest, Lieu­tenant v. Verschuer IL-^u 14 Tagen Arrest, die Wacht­meister Stiegel zu sieben und Gartner zu drei Wochen Arrest verurtheilt, Rittmeister v. Schenk ist aus der Untersuchung entlassen worden. Die Urtheile gegen die Gemeinen lauten ebenfalls theils auf Arreststrafe, theils freisprechend. (K. A. 3 )

Berlin, 18. Dezbr. (N. Rh. Z.) Den Eigenthü­mern der ZeitungshaUc ist nun vom Polizeipräsiden­ten die definitive Erklärung zugegangen, das Wiederer- scheinen ihres Blattes könne vor Aufhebung deö Belage­rungszustandes keinesfalls gestattet werden, vielmehr habe der Polizeipräsident strengen Befehl, etwaige Versuche der Veröffentlichung zu unterdrücken. Die Eigenthümer des Blattes wollen den Versuch machen, dasselbe einst­weilen nach irgend einem kleinen, mehr als zwei Mei­len von Berlin, also außerhalb des Belagerungszustan­des, belegenen Orte überzusiedeln.

In Folge einer jener Prügelscenen zwischen Sol­daten der Garderegimenter und der Linie, bei welcher die Garderegimenter und der Linie, bei welcher die Garde der angreifende Theil gewesen, ist ein Tagesbe­fehl des Königs speziell an die Garde gerichtet und an die ganze hiesige Garnison mitgetheilt worden, ungefähr folgenden Inhalts:Die Garde solle sich durchaus n cht einbilden, sie sei um irgend etwas besser als die ge­wöhnliche Linie, vielmehr stehe sie im gleichen Range; wenn sie Tressen trage, so sei dies blos ein äußerer Glanz, den sie ihrer speziellen Garnisonirung in den Residenzen zu verdanken habe; werde sie sich aber noch­mals solcher Ueberhebungen gegen die Linie zu Schul­den kommen lassen, so solle sie durch Verlust der Tres­sen bestiâ werden."!!

Vo^Men vielversprochenen Segnungen, welche die durch^den Belagerungszustand hergestelltegesetzliche Ruhe und Ordnung" für Handel und Gewerbe mit sich bringen sollte, verspüren unsere Kaufleute und Kleinhändler bisher noch nichts. Im Gegentheil sind die Klagen über den sehr schlechten Ausfall des Weih­nachtsgeschäftes allgemein. Nur die sehr geringe An­zahl von Geschäftszweigen, welche von den vornehmer» Almosenempfängern, den Herren Garde-Lieutenants u. s. w. ihren Haupterwerb beziehen, scheinen zu floriren und sind dafür natürlich Hohen und Allerhöchsten Per­sonen sehr dankbar. So hat auch Herr Krazler, der Hof-Conditor des Prinzen von Preußen und Inhaber des bekannten Lokals an derpolitischen Ecke", seit einigen Tagen wieder den Muth, mit dem am 19. März abgenommenen königlichen Wappen zu prangen.

Schweidnitz, 13. Dezember. An die Direktion des hüsigen Correktionshauses soll höheren Orts die Anfrage ergangen sein, ob Raum da sei, um etwa 100 Tumultuanten untezubringen. Da aber die Lokalitäten dieses Hauses alle besetzt, ja fast überfüllt sind, so müßte natürlich eine verneinende Antwort erfolgen. Eine schöne Aussicht das, für die zu Versorgenden!

Gestern früh sind 2 Kompagnien des hier garniso- nirenden Glatzer Landwehr-Bataillons in die Umgegend von Freiburg marschirt, um, wie es heißt, einigen dor­tigen Dorfgemeinden die formelle und materielle Un- gülti^keit des Steuerverweigerungsbeschlusses praktisch zu insinuiern. (A. Od.-Ztg.)

, ®*ttW. 15. Dez. Unser demokratischer Clubb hat beschlossen, sich bein in Frankfurt gebildeten März- Vereine zur Wahrung der Errungenschaften der März- revolution anzuschließen. Dieser Verein verdient um so mehr Anerkennung, da wir im Begriffe strhen, Alles Cn V Wa® die Revolution uns errungen hatte. Vielleicht gwt dieser Märzverein der demokratischen Partei überhaupt eine bessere Gestaltung, deren sie so durch deren Mangel sie bisher zu kei. ner Geltung kam. ö 1 r« c^

Olmütz , 15. Dez. Unser Ministerium ist gestern. theils über Kremsier nach Wien abgereis't. In der ; That haben wir jetzt ein wahrhaft nomadistrendes Mi­nisterium: bald hier, bald dort schlägt es auf einige Tage seinen Wohnsitz auf. Diesmal ist aber die Reife von ganz besonderer Wichtigkeit: denn die Militär-Be- i höide scheint den Versprechungen des Ministeriums hin- i sichtlich des Au hörens der Ausnahme-Zustände und ! vor allen des Standrechtes, nicht Rechnung tragen zu ; wollen. Das Ministerium versicherte uns neulich ganz treuherzig, es eristirte in Oesterreich keine Militär-Dic- i tatur, Ministerium u. s. w. übten ihre Befugnisse un- i gestört aus, und trotzdem erschießt man Einen nach dem Anderen und ganze Viertel werden ohne allen Grund anfs strengste entwaffnet. Unter diesen Umständen steht nichts Geringeres in Aussicht, als ein Conflict zwischen Militär-Behörden und Ministerium. Käme dieser Con­flict zu Stande, so würde die Hauptfragz die sein, für wen der Hof sich erklären würde. In Böhmen stel­len sich Deutsche und Czech?» immer feindseliger einan­der gegenüber. Es könnte dort leicht zu ernstlichen Er­eignissen kommen. Noch ist Ungarn nicht unterworfen, man spricht sogar von Siegen der Magyaren; nach Ungarns Fall aber werden erst die slawischen Bestre­bungen recht hervortreten. Denn slawische Heere kämpfen gegen Ungarn, slawische Freischaaren eilen zur Unterstützung herbei, slawische Bürgergarden fangen desertirende Husaren ein, und so werden denn auch die Slawen für den Sieg über den Feind Oesterreichs ihren Lohn in Anspruch nehmen. Großes steht bevor, wenn nicht alle Anzeigen trügen. (K. Z.)

Wien, 16. Dez. Man erhält heute den Bericht des Finanzausschusses über den geforderten Credit von 80 Millionen, welchem aber nur mit 50 Millionen unter der Beschränkung eines hierbei abermals zu be­nützenden Kredits von 20 Millionen bei der National- bank.entsprochen wird. Der Antrag des Finanzaus­schusses lautet: 1) Das Ministerium wird ermächtigt, im Laufe des Verwaltungsjahres 1849 durch Be­nutzung des Staatskredites, unter den für die Finanzen günstigsten Bedingungen Geldmittel bis zur Höhe von 50 Millionen Gulden aufzu- bringen. 2} Das Ministerium wird ermächtigt, zur Deckung dieser 50 Millionen verzinsliche Staats- scheine mit oder ohne ZwangScours auszug-Pen und eine Staatsanleihe, jedoch beide ohne Hypothek, aufzu- nehmen. 3) Wird eine Staatsanleibe ausgenommen, so hat Solches im Wege der öffentlichen Ausbietung an den Bestbietenden oder der für Jedermann bei Er­füllung der vorgezeichneten Bedingungen offenstebenden Sub^cription zu erfolgen. 4) Die einfließenden Beträge sind zur Bestreitung des durch die laufenden Einnah­men nicht gedeckten, unaufschieblichen Staatsaufwandes zu verwenden. 5) Ueber die Art der Vollführung dieser Ermächtigung und die Ergebnisse der dazu er­griffene» Maßregeln sind vom Ministerium dem Reichs­tage die erschöpfenden Nachweisungen in kürzester Frist nach der Ballführung vorzulegen. Der Eingang des Berichtes, aus welchen der gefaßte Antrag hinweißt, umfaßt die von dem verantwortlichen Gesammtministe- rium eingeholte Zu sich erung eines ungeschmäler­ten Wirkungskreises der constitu irenden Reichsversammlung auf Grund der von dem früheren Monarchen zugestandenen Rechte; die Ueber­zeugung, daß es für das allgemeine Wohl erforderlich sei, durch die Bewilligung eines namhaften Kredits die Staatsgewalt in die Lage zu setzen, die Integrität der österreichischen Monarchie aufrecht zu erhalten, und na­mentlich das Ziel des Ministeriums in Betreff der un­garischen Angelegenheiten zu unterstützen. (N. C.)

Wien, 16. Dez. Das Tagesgespräch ist heute die Verurtheilung eines Fleischers zu achtjähriger Schanzarbeit in Eisen, weil derselbe im Wirths­haus- mißliebige und empörende Reden gegen den Kai­ser und die Generale geführt habe. Sie sehen, unsere Tagesgespräche sind nicht so heiterer Natur, und die Veranlassung dazu ist es auch nicht. Auf solche Weise will man denbösen Geist" bannen, welcher nach dem Ausdrucke des Commandirendeu, Feldmarschalls Wei­den, in Wien thätig ist. Zu Metternichs Zeiten wurde etn solches Vergehen mit einem Verweise von der Po­lizei bestraft, wenn sich ein Spitzel die Mühe nahm, deßhalb Anzeige zu machen. Seit Metternich verjagt und die Freiheit in Oesterreich eingezogen ist, erfreuen wir uns anderer Proceduren. (K. Z.)

Frankreich.

Paris, 18. Dec. Wir haben uns nicht getäuscht: Die Wahl Napoleons, bekennt Dufaure laut, ist ein zweiter 24. Februar für die Bourgeoisie. WaS war der 24. Februar? Die Niederlage der Bourgeoisie durch das Pariser Proletariat, das keineswegs auf diesen Sieg vorbereitet war. Zudem kannte es seine Führer noch nicht, und theilte außerdem noch dieJllus- sionen der kleinen Bourgeofie über eine zu ermittelnde Vereinbarung. Der Sieg entschlüpfte ihm unbewußt aus den Händen: darum kamen die Männer des geschlagenen Ressmes so bald wieder aus ihren Verstecken zum Vorschein. Was ist der zweite 24. Februar? Die Niederlage der Bourgeoisie durch das Proletariat der Provinz und die Bauern. So lange die Presse nur Ziffern gruppirte, las man nichts aus dieser Zahlen­musik als Napoleon. Jetzt kommt der Tert. Ünd wie lautet der Tert? In fast allen Departements, wo die Arbeiter und die Bauern für Napoleon stimmten, ge­schah diese Abstimmung massenweise unter dem Rufe:

Keine Steuern mehr auf das Volk! Nieder mit den Reichen! Diese Nachricht, die jetzt erst fast gleichzeitig aus allen Provinzen eintrifft, da nun vo-ab sich nur die Z ffern mit dem Telegraphen schicken li ß, wirft den «Schrecken in Paris und macht erblassen selbst die hei­ßesten Anhänger Napoleons. (N. Nh. ZZ

Paris, 18. Dec. Als die Kandidutur Napoleons auftauchte, sagten wir, daß jede der verschiedenen Par­teien ihm eine besondere Seite abgewinnen würde, daß Napoleon alles bedeute, nur nicht Napoleon, daß mit einem Worte diese Kandidatur, die einseitigste Vielseitig­keit, die meisten Chane?» vereinigte. Was wir vom Kandidaten lagen, gilt noch mehr vom Präsidenten: der einfältigste Mann hat die vielfältigste Bedeutung erhalten, und birje Bedeutung geht erst recht hervor auf der einen Seite auS den Parteien, die jetzt Lonis Napoleon definiren, indem sie ihre Wünsche und An­forderungen laut werden lassen; auf der andern Seite aus Louis Napoleon, der die Parteien definirt, indem er sich mit Ministern umgibt, die ihre Sache vertut?» sollen. Was die Wünsche und Anforderungen der Par­teien betrifft, so ist dieß vorläufig Nebensache; gehe» wir vorerst auf Napoleon ein, und seinezukünftigen Minister", welche der Ausdruck der Parteien sein sollen. Wer wird zuerst genannt? der pathetisch? Odilon- Barrot, der doch endlich eininal Ministerpräsident werden wird", wie spöttelnddie Debats" meinen:

Odilon-Barrot, der einmal schon in den Fe- bruartagcn eine ganze Stunde lang Minister war, und auf hohem Rosse über die Boulevards dahin ritt, um diese frohe Botschaft dem Volke zu verkünden, damit es ablasse von fernerem Kampfe. Aber das Volk lachte über den Barrot, wie er sich in vollem Ernste eine solche Wichtigkeit beilegen konnte; es lachte über d n Mann des passiven Widerstandes, der dem Volke weiter nichts als kleine Wahlreformen zu geben hatte. Der ausgelachte, verschollene Odilon-Barrot, der in seinen größten Glanztagen, in seinem heftigsten Pathos, immer eine widerwärtige Ersch-'inung war, ist die einzige No­tabilität im neuen Ministerium. Die andern, das ist so politischer Nachwuchs, ministerieller Unterfutter, wie unter Guizot die Trczel's und Jayr, die Niemand vor ihrem Eintritt ins Ministerium kannte. Hat einer nur einigermaßen etwas von altem ministeriellem Stoffe in sich, wie z. B. Remusat, so thut er vornehm-spröde, ohne deshalb die Herablassenhcit so weit zu treiben, daß er mit Stiefeln und Sporen ins neue Ministerium ein- treten wolle.

Napoleon ist ein armer Mann, der plötzlich reich geworden ist, und nun gerne Noblesse an seiner Tafel haben möchte. Aber die Noblesse selbst hütet sich, sie sch ckt Leute ihres Gelichters hin, um so durch Stell­vertreter ihm die ei sehnte Ebre anzuthun: Alles zuur Heil und Wohl des Vaterlandes.

Passy soll nach langem Weigern sich endlich ent­schlossen haben, das Finanzministerium anzunehmen.

Madam? Fould wäre beinahe F"au Ministerin ge­worden. Fallour hat das Ministerium des Unterrichts nur auf die dringenden Vorst'llungen Montaleinberts angenommen. Mit einem Worte, es ist dies, wie die Debats bemerken, ein Ministerium der Dei minores.

Oudin ot, bisheriger Befehlshaber der Alpen­armee, erklärt in fast allen Morgenblättern, daß er weder den Gesandtschaftspostcn in Petersburg, noch das Kriegsportefeuille annehme, sondern sich in dem Falle ganz den Parlameittsgeschäften widm?» würde, wenn man ihm das Oberkominando abnehme.

Das Schloß von St. Cloud wird dem neuen Präsidenten der Republik als Sommerfitz angewiesen.

In den elesäischen Feldern schlagen die Zimmer­leute bereits die Gerüste zu der nächstjährigen großen Industrieausstellung auf.

Der von der Freiburger demokratischen Regie­rung ins Gefängniß geworfene Bischof Marytti ist, wie dasUniverS" meldet, im Schlosse Divonne auf fran« zösifchem Boden angekommen. (N. NH. Z.)

Großbritannien.

London, 18. Dez. Die beiden Parlamentshäuser werden am 1. Februar wieder zusammentreten. Der 1. Febr. ist gerade der Tag, wo der Akt der Aufhe­bung der Korngesetze in volle Wirksamkeit kommt.

Das Geschäft in den Manufakturdistrikten war ziemlich belebt in der letzten Woche, so daß sämmtliche Spinnereien in Manchester beschäftigt waren. Man vermuthet indeß mit Recht, daß auch wieder Manches auf Spekulation fabrizirt wird. (N. Rh. Z.)

Nachschrift.

Wien, 16. Dez. Sehr merkwürdig ist das Circu­lar, welches der Minister des Innern an sämmtliche LandeschefS gerichtet hat. Es ist von der leitenden Idee durchdrungen, daß die Grundsätze des Ministe­riums übereinstimmend gehandhabt und von allen Be­amten getheilt werden.Jeder Beamte" so heißt es wörtlich der sich der Richtung des Ministeriums nicht anschließen zu können vermeint oder sich hierzu alS unfähig bat stellt, ist von seinem Posten zu entfer» nen. (Br. Z.)

Wien , 17. Dezember. (B. N.) Venedig hat einen Waffenstillstand von 2 Monaten mit der Grundbedin­gung abgeschlossen, daß Friedensunterhandlungen auf