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Freiheit und NeehL!"

M 270-

Wiesbaden. Samstag, 23. Dezember

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fL 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Bestellungen auf das mit dem 1. Januar 1849 beginnende neue Vierteljahr bitten wir gefälligst recht bald Wiesbaden bei den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter, auswärts bei den zunächst gelegenen

Die Frankfurter Versammlung.

Fata volentem

ducunt nolentem trahunt.

^ Aus Hannover, Als der Abgeordnete Ra- veaur den Antrag stellte, es solle gleichzeitig neben der konstituirenden Versammlung in Frankfurt keine a > dere konstituirende bestehen, da hatte er gewiß nicht ge­dacht, daß die konstituirenden Versammlungen der Ein- zelstaatcn je einmal ein Hort der deutschen Freiheit werden würden; und als die Majorität der National­versammlung diesen Antrag verwarf, da hatte sie ge­wiß nicht bedacht, welche ungeheure Opposition sie der­einst noch einmal finden würde in diesen neben ihr be­stehenden Vertretern deutscher Einzelstaalen. Herr R a- veaur glaubte, dieselben schadeten der jungen deutschen Freiheit, und könnten gefährlich werden als Beschützer des Partikularismus gegenüber der kaum errungenen Einheit; die Majorität glaubte grade in denselben ein heilsames Gegengewicht gegen die Revolutionäre in Frank­furt zu erblicken. Und Beide haben sich getäuscht. Die Nationalversammlung in Frankfurt hat uns die Einheit gebracht, ja, aber nicht die Einheit zu Gunsten der Freiheit, sondern die Einheit der Polizei. Die Freiheit aber hat sich gerettet in den Partikula ismus. Wir hatten so lange geschrieen nach Einheit. Jetzt haben wir sie und wir wollen nichts mehr von ihr wissen. Wir veiwerfen diese Einheit der Bundespolizei, und rufen den Bestrebungen der, unserer Einheitsver.retung gegenüber partikularistischen, preußischen Nationalver­sammlung unsern lautesten Beifall zu.

Unter dem schwarz: othgoldnen Banner haben sich die schlimmsten Feinde deutscher Volkseinheit gesammelt; die Farben, die so mancher freiheitglühende Jüngling in den finsteren Zeiten des Tyrannendrucks verborgen auf der Brüst trug, sind ein Sammelzeichen aller Re­aktionäre geworden. Die Freiheit verröchelte in Baden im Namen der deutschen Einheit. Die Freiheit seufzte in Altenburg im Namen der deutschen Ein­heit. Die junge Volksehre wurde gering geachtet in Frankfurt im Namen deutscher E nheit. Polen wurde von Neuem getheilt und sein Herz zerschnitten, Italien einem Militärtyrannen überliefert im Namen der deutschen Einheit. Einen unverantwortlichen Für­sten machte man dem Volke im Namen der deut­schen Einheit. ReichsgknSd'armen ziehen umher, knech­ten die Freien, saugen das Volk aus, verhöhnen das Recht der freien Vereinigung, der Preßfreiheit, das Recht, Waffen zu tragen im Namen der deutschen Einheit. Eines ganzen Volksstamm s Beschluß, einem hochverräthrrifchen Ministerium keine Steuern mehr zahlen zu wollen, wird umgestoßen im Namen der deutschen Einheit. Wenn wir außer dem Reichsver-

I weser, den Reichshofrâthen und ReichSprofessoren, den | j Reichstruppen und Reichssteuern auch noch mit einem , Reichsade! und Reichskreuz und Ordensbändern, mit Reichsspionen nnd Reichsgefängnissen, beschenkt werden nun das gehört Alles mit unter die Errun­genschaften der deutschen Einheit.

Frankfurt hat der Freiheit den Fehdehandschuh hin- geworfen, die Freiheit wird anderwärts sich Zufluchts­stätten suchen. Denn als sie in Frankfurt geschlagen war, da zog siein die Provinzen", aus dem Zentrum in die Peripherie. Jetzt hat Fra kfurt die Revolution im eignen Lager angegriffen, es hat sie da aufgesucht, wo sie am besten veischanzt war. Gagern reiste mit Vincke und Radowitz nach Berlin. Oestreich will sich lvsreißen von Deutschland, und die Freunde des Despotismus, die in Frankfurt die deutsche Einheit vertreten, haben keinen andern Halt mehr, als die preu­ßische Monarchie. Aber Freunde, lhr irrt euch: der preußische König von 1848 ist nicht mehr der beim Volke, der er 1840 war! Ihr glaubtet, der Eindruck der Märztage würde allmählig verschwinden, und man konnte deutlich sehen, wie ihr hinter den Coulissen schon den Mann aus dem Hause Hohcnzvllern als kaiserlichen Nachfolger der Lothringer für den guten Michel zurecht­hieltet: ja, wäre es nur bei den Märztagen ge­blieben! Aber auf jenesMißvcrständniß" ist jetzt ein Allen so verständlicher Akt des souveränen königlichen Willens gefolgt, daß ihr euch entweder für den Michel einen andern Herrn, oder für den Herrn einen zweiten Michel suchen müßt! Der König von Preußen und die preußische Nation sind jr^t so spinnefeind geworden, daß sie sich zum Kampf auf Leben und Tod gefordert haben. ES fehlt nur noch, daß die Maschine deS Sol­daten zum Menschen und Bürger wird: der Bürger, die Nation wird bald Soldat werden. Die Soldateska aber ist in dem Augenblicke humanisirt, wo sie den letzten Triumph über's Volk feiert. Der Sieg, der hier gefeiert wird, ist das Schwanenlied der Monarchie; das Blut, das hier vergossen wird, ist auch das Opfer­blut der Versöhnung. Der König von Preußen deut­scher Kaiser: das soll das Ende vom Liede sein! Ihr Thoren, merkt ihr nicht, daß ihr betrogen seid, ehe ihr mit euer'm Plane nur deutlich herausrückt? Doch, wen die Götter vernichten wollen, den schlagen sie mit Blindheit! Ihr bietet dem Kaiser von Hohenzollern eure Unterstützung an: er weist sie mit höhnendem Stolze zurück! Er glaubt, den Kampf mit dem sich sträubenden Michel den Kampf mit der Frei­heit allein aufnehmen zu können, um nachher der Pflicht der Dankbarkeit enthoben zu sein! In Wien ist's euch grade so gegangen: wahrlich der reak­tionäre Partikularismus hat mehr Lebensfähigkeit und politische Macht, als die Reaktion des Zentrums! Aber das ist schlimm, schlimmer vielleicht, als ihr denkt: merkt

zu machen, hier in Postanstalten.

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ihr nicht, daß es euch selber ans Leben geht? Mit Reichstruppen habt ihr Baden und Würtemberg, Sig­maringen und Altenburg zum Schweigen gebracht, dem König von Hannover konntet ihr drohen: wenn er noch länger widerspenstig wäre, würde gegen die ge­wöhnliche Erbfolge nicht sein blinder Sohn, sondern einJohann Reichsoeiweser" sein Nachfolger werden: aber damit habt ihr immer noch kein Reich!

Nationalversammlung zu Frankfurt.

140. Sitzung.

Die in der heutigen Sitzung angenommenen §§. 35 bis 43 der Grundrechte lauten wie folgt:

8- 35. Im Grundeigenthum liegt die Berechtigung zur Jagd auf eigenem Grund und Boden. Die Jagdgerechtigkeit auf frem­dem Grund und Boden, Jagddienste, Jagdfcvhnden und andere Leistungen für Jagdzwecke find ohne Entschädigung aufgehoben. Nur ablösbar jedoch ist die J.igdgerechtigkeit, welche erweislich durch einen lästigen, mit dem Eigenthümer des belasteten Grund­stückes abgeschlossenen Vertrag erworben ist: über die Art und Weise der Ablösung haben die Landesgesetzgebungen daS Weitere $u- bestimmen. Die Ausübung des Jagdrechts aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und des gemeinen Wohls zu ordnen, bleibt der Landesgesetzgebung vorbehalten. Die Jagdgerechtigkeit auf fremdem Grund und Boden darf in Zukunft nicht wieder als Grundgerechtigkeit bestellt werden.

8- 36. Die Familienfideikommisse find aufzuheben. Die Art und Bedingungen der Aufhebung bestimmt die Gesetzgebung der einzelnen Staaten. Ueber die Familienfideikommisse der regieren­den fürstlichen Häuser bleiben die Bestimmungen den Landesgesetz- gebungeu Vorbehalten.

8- 37. Aller Lehensverband ist aufzuheben. Das Nähere über die Art und Weise der Ausführung haben die Gesetzgebungen der Einzelstaaten anzuordnen.

8- 38. Die Strafe der Vermögenseinziehung soll nicht statt­finden.

Art. IX. §. 39. Alle Gerichtsbarkeit geht vom Staate aus. Cs sollen keine Patrimonialgerichte bestehen.

8- 40. Die richterliche Gewalt wird selbstständig von den Gerichten geübt. CabinetS- und Ministerialjustiz ist unstatthaft. Niemand darf seinem gesetzlichen'Richter entzogen werden. Aus­nahmegerichte sollen nie stattfinden.

§ 41. Es soll keinen privilegirten Gerichtsstand der Personen oder Güter geben. Die Militärgerichtsbarkeit ist auf die Abur­teilung militärischer Verbrechen und Vergehen, so wie der Mili- târdiseiplinarvergehen beschränkt, vorbehaltlich der Bestimmungen für den Kriegsstand.

8- 42. Kein Richter darf, außer durch Urtheil und Recht, von seinem Amte entfernt, oder an Rang und Gewalt beeinträch­tigt werden. Suspension darf nicht ohne gerichtlichen Beschluß erfolgen. Kein Richter darf wider seinen Willen, außer durch gerichtlichen Beschluß in den durch daS Gesetz bestimmten Fällen und Fornien, zu einer andern Stelle versetzt oder in Ruhestand gesetzt werden.

8- 43. Das Gerichtsverfahren soll öffentlich und mündlich sein. Ausnahmen von der Öffentlichkeit des Verfahrens bestimmt im Interesse der Sittlichkeit das Gesetz.

§. 44. In Strafsachen gilt der Anklageprozeß. Schwur­gerichte sollen Jedenfalls in schweren Strafsachen und bei allen politischen Vergehen urtheilen.

8- 45. Die bürgerliche Rechtspflege soll in Sachen besonderer Berufserfahrung durch sachkundige, von den Berufsgenossen frei gewählte Richter geübt oder mitgeübt werden.

& Ei« Traumbild.

Ich hört' ein Zittern durch die Erde geh'». Ich sah den Himmel duukelroth sich färben, Ich fühlte eines Sturmes nahes Weh'n Ich sprach: das ist der alten Menschheit Sterben!

Ich sah die Welt gehüllt in dunkle Nacht,

Ich sah das Ungewitter sich entladen, Ich sah der Blitze flammenrothe Pracht Ich sprach: daS sind der neuen Menschheit Thaten!

Ich sah befreit, entfesselt jede Kraft, Ich sah des Feuers leckende Zerstörung, Der Elemente mächt'ge Leidenschaft Ich sprach: das ist der Gatte der Empörung!

Ich zäh die Au'n, die Berge golden glüh'»,

Im Sonnenstrahl sich alle Wesen laben, Ein Freudeschimmern, Lieben, Dufte», Blüh'u Ich spach' das sind der Freiheit Himmelsgaben!

So lebt und stirbt der Arme.

Erzählung aus dem Leben des Volkes.

Von

Ern st Willkomm.

(AuS denRheinischen Jahrbüchern".)

(Fortsetzung.)

Den armen, zitternden Greis aber, der halb er­blindet lmd sann mit Lumpen zur Nothdurft bedeckt, au seinem Stabe von Thür zu Thüre fühlte und um eine Krume Brod zur Stillung seines Hungers bat, den wies er mit barschen Worte» ab, weil er regel­mäßig in die Armenkasse gab. Noch weniger fiel es ihm ein, die arme arbeitende Klasse, die nur von Tag zu Tag lebt, zu unterstützen. Das nannte er: das Volk verziehen und übermüthig machen. Auch war es Grund­satz und vielleicht Ueberzeugung bei ihm geworden, daß, wer durch eigenes Bemühen nnd Ai beiten Nichts vor sich bringe, von der Vorsehung zu einem irdischen Leben in Noth und Elend bestimmt sei. Dies eigenmächtig ändern zu wollen, Dünste ih» frevelhaft. Er tröstete sich mit Dem Gemeinplätze, daß Gott es nicht anders wolle, und, da er in andern Fällen, wo es ihm paßte, ein starker Bibelheld und Verehrer des Wortes war, so sagte er wohl lächelnd: das arme Pack sei am Ende noch zu beneiden, da ihm Die himmlischen Freude» ja gewiß wäre»! Gott möge wissen, ob er nicht dort oben gewaltig werde

leiden müssen, auch dann, wenn er an das Bcttelpvlk scheffelweise Geld austheile. Darum walle er es lieber abwarten und Dem Spruche vertrauen:Viele sind be­rufen, aber Wenige sind auserwählet!"

Endermann ging daher dem barmherzigen Bruder zu­vorkommend entgegen, reichte ihm selbst ein Römer des besten Weines und drückte ihm zwei Ducaren in Die Hand. Die Gäste folgten Dem guten Beispiele zhreS Wirthes und Der geistliche Brnder aus Prag verließ Den Saal mit reichen Gaben beschwert. Während er Die Treppe Herat» stieg, überzählte er das Geld. Es waren mehrere Gott, stücke darunter und eine Menge alter Silbcrmünzcn. Er klimperte noch im Hause damit, als er an der Küchthür vornberging. Moser hörte den Klang des Silbers und sah den Geistlichen nach dem Hofe schreiten. Rasch stand er auf und trat ihm entgegen.

Sie haben eine gute Ernte gehalten, nicht wahr?" redete er den Katholiken an, sich mit umgekehrter Hand Den Mund wischend.

Ich muß Gott vou Grund meines Herzens danken," versetzte dieser und jchlug in jener eigenthümlichen Art Die Auge» auf, Die man nur bei römisch-katholischen Priester» findet.

Danken Sie Gott, Ehrwürdiger Herr, auch dadurch, daß Sie selbst barmherzig sind," sagte Der Weber mit bewegter Stimme.Ich bin arm, ein halber Krüppel und ohne alles Geld. Mein Weib liegt krank daheim und erwartet itünDlid) ihre Niederkunft. Sie werden sich