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^U 209» Wiesbaden. Freitag, 22. Dezember Z8LG.
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Ungarn und die Demokratie.
5 Von der Weil, 13. Dâ. Europa ist wieder unterjocht, das böse Prinzip triumphirs, die Gewaltherrschaft hat einem Volke nach dem andern wieder.ihren eisernen Fuß auf den Nacken gesetzt. Nur Ein Volk kämpft noch den Kampf der Verzweiflung. Es ist dies Ungarn. Es wird dort ein Krieg gejährt, der in seiner Grausamkeit und Barbarei auch dem eingefleischtesten Stocknationalen den wahren Charakter des Nationalismus enthüllen muß, ein Krieg, der unser Jahrhundert entehrt, der aber auch die Herzen und Gedanken Derer offenbart, die an solchen Kämpfen sich erfreuen, die noch geflissentlich die verschiedenen Nationalitäten gegen einander hetzen und durch die schlechtesten Mittel das rohe Nationalgefühl zur wilden Wuth der Bestien aufstacheln. O ihr verblendeten Völker, wie freuen sich eure Tyrannen, wenn ihr euch so gegenseitig zerfleischt! Welch ein süßer Geruch »st ihnen der Qualm eurer eingeäscheiten Dörfer und Städte und das rauchende Blut eurer hingeschlachteten Greise, Weiber und Kinder, und der Leichenmvder eure» gefallenen Krieger. Nur der Grundsatz der Personalunion könnte der österreichischen Monarchie den Frieden wie- dergeben; denn es ist dies das Prinzip der Demokratie, das Prinzip der Humanität, der Bruderliebe, des Völkerfriedens. Und zur Durchführung dieses erhabenen Prinzips wird ein 18 jähriger Jüngling berufen! Die Volksvertreter müssen ein Alter von 30 Jahren, oder nach der neuen preußischen Verfassung für die erste Kammer sogar das Schwabenalter von 4» Jahren haben, und tu den Wirrwarr der österreichischeu Völkerschaften Freiheit, Friede und Vernunft zu bringen, zu diesem Werke, wozu ein Friedrich der Große erforderlich wäre, wird ein Jüngling berufen; oder vielmehr ein roher Barbar und ein gemeiner Mörder, d. h. ein Windischgrätz soll der Friedensengel für die irregeleiteten Völkerschaften sein! Wo, wenn denn einmal das monarchische Prinzip festgehalten werden soll, ein wahrer Vater seiner Völker, der mit freiem Geist und gleicher Liebe sie alle umfasset, stehen sollte, da schwingt das blutige Schwerdt ein bornirter roher Soldat, der grade Diejenigen am meisten haßt, die am wenigsten von dem den Menschen schändenden Nationalhaß besitzen. Dies sind ohne allen Zweifel die Magyaren. Wenn sie auch nicht rein dastehen, wenn sie auch noch nicht zu der Idee der reinen, die Völker versöhnenden Demokratie sich erhoben haben, wenn auch noch viel * alter Adelswust bei ihnen sich findet; so haben sie doch unter allen Nationalitäten des dortigen Länderstriches den Gedanken der Freiheit ein klarsten cssaßt, so verdienen sie doch, daß sich ihnen die Sympathien aller Völker zuwenden, wie sie die Antipathien der Fürsten
So lebt und stirbt der Arme.
Erzählung aus dem Leben des Volkes.
Von
E r n st W i l l k o m m.
(Aus den „Rheinischen Jahrbüchern".)
(Fortsetzung.)
„ES sind lauter vornehme Sachen da," sagte er, „Gerichte, wie sie Euch euer Lebtage noch nicht vor den Schnabel gekommen sind — gebratener Schinken, gespickte Perlhühner, Kkebspasteten, Wiener Schnitzel — sapperment, Ihr sollt Euch wundern!"
„Mir fehltS an Appetit," versetzte Moses mit niedergeschlagener Miene. „Lieber wâr' eS mir gewesen, Herr Endermann hätte mir Garn gegeben. Ich muß nun einen ganzen Tag faustenden und kann nichts verdienen. Wie soll ich das wieder einbringen mit meiner lahmen Hand! Und dazu ist die Susanna bettlägerig!"
so nehmt's Elend doch auch einmal auf die leichte Achsel!" gegenredctc der lustige Garnsortirer. „Es trägt sich, weiß Goti, viel bequemer und hockt sich nicht w seit auf, als wenn Ihr immer so griesgrämig in den Tag hineinseht!"
Moser seufzte, warf aber doch seinen Leinewandsack a>, »ng ihn über den Stock und lehnte beide in einen der^Küche^ ^" "- Friedrichen nach
* â st? kbcn eintreten wollten, kam von
I besitzen. Denn was sie noch nicht sind, das können sie werden. Ja, wenn die Magyaren siegten, so würden I sie der Stützpunkt der Demokratie für das ganze Donau- gebiet, der Weg für den Völkezverkebr und den deutschen Handel, die Schutzmauer gegen das Kuutcnregi- ment. Aber wie können sie siegen! Dies ist unmöglich, so lauge sie, wenigstens noch ther'lweise, mit den- i selben Waffen des Nationalhasses kämpfen, wie die I Kroaten und die andern Lieblinge des Windischgrätz.
Auf allen Seiten Doa wüthenden Feinden umgeben, stehen sic da, von der thätigen Hilse ihrer fernen Freunde gänzlich verlassen. Oder sollen sie auf Frankreich hoffen? So lange ein Cavaignac, dieser zweite Louis Philipp, an der Spitze dieses Landes steht, werden sich alle Völker, die auf Frankreich rechnen, ebenso verrechnen. wie sich die Italiener und Polen in den Jahren 30 und 31 an Louis Philipp dein Ersten verrechneten. Cavaignac — schon sein Ursprung sollte uns dies lehren, da er nur über das Blut und die Leichen seines Volkes ^emporgestiegen ist! — Cavaignac macht den für die Freiheit kämpfenden Völkern nur Hoffnungen, um sie desto sicherer ins Verderben zil stürzen, wie er, trotz aller seiner Versicherungen des Gegentheils, den Juniaufstand im Anfang unbekämpft ließ, um sich zum Unentbehrlichen, zum Diktator zu machen. Blicket nur nach Italien, wo ihr den Helden des Juni schon Hand in Hand mit Rad etzky' s Kroaten und mit dem blutgebadeten König von Neapel ziw „Wiederherstellung des Friedens" cinschreiten sehet! Und dann gebt Acht, wie Cavaignac sein hundertmal gegebenes Wort, daß er nutz auf der Grundlage der „vollkommenen Befreiung Italiens" mit Oesterreich unterhandeln wolle, lösen wird!
Wenn also nicht (was freilich sehr möglich ist) Cavaignac sich selbst bald sein Grab gräbt*), so hat Ungarn von keiner Seite her Hilfe zu erwartens es ist rein auf sich selbst hingewiesen. Gesetzt nun auch, dasselbe ginge über seinen Nationalismus, über seinen Adel und seinen Kossuth, ginge über sich selbst hinaus, gesetzt das Volk, das eigentliche Volk entledigte sich des Adels und schritte fort zu einer radikalen Revolu- tionirung aller staatlichen und socialen Verhältnisse, gesetzt ein kühner Mann begänne, auf die entfesselten Kräfte der Revolution gestützt, den Vernichtungskampf gegen den Despotismus: so wäre wohl ein günstiger Erfolg denkbar, wenn — die österreichische Heeresmacht allein zu bekämpfen wäre. Aber ist denn das der Fall? Steht nicht der russische Czar mit gezücktem Schwerte lauernd im Hintergründe? Haben wir nicht soeben erst sogar schon im Frankfurter Parlament von einer neuen „heiligen Allianz" zwischen Rußland, Oesterreich und Preußen reden hören? Ihr Völker, die Kö-
*) Ist schon geschehen. Die Redaktion.
ver Hofthüre her ein anderer Gast in's Haus. ES war ein schlanker Mann, bleich von Gesicht, mit schwarzen biS an den Hals zugeknöpften Tuchrock, eben solche Beinkleider und hohe biS an die Knie reichende glänzend gewichste Stiefeln. Tracht, Aussehen, Haltung, Alles verrieth in dem Fremden einen katholischen Geistlichen. Er zog höflich grüßend den Hut und fragte der Garnsortirer: ob er nicht einige Worte mit dem Herrn sprechen könne.
Friedrich maß ihn mit unsicherem Blicke, dann sagte er kurz hingeworfeni „Aus Prag, scheint mir."
„Von den barmherzigen Brüdern."
„Gedulden Sie sich nur ein paar Augenblicke, ich bin gleich wieder bei Ihnen."
In gewaltigen Sätzen, daß die hölzernen Stufen knallten rannte Friedrich die Treppe »inan, Moser und der barmherzige Bruder aus Prag standen sich gegenüber.
„Seid krank?" fragte mild und freundlich der Katholik.
„Ja, ich habe den Aussatz "
„Den Aussatz?" wiederholte der barnchcrzige Bruder und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. „Und Ihr wagt cS, frei und frank mit andern Menschen zu verkehren?"
„Ach, mein lieber junger Herr," erwicbcrtc Moser, ,eS ist nicht ein Aussatz, der ansteckt, eS ist blos einer' der verachtet wird! Die entsetzliche, fluchbeladene Krankheit der Armuth hat mich ergriffen und für sie haben Staat und Aerzte keine Mittel oder wollen keine haben. Mann zuckt bedenklich die Achseln, rümpft die Nase, wirft, wenn es hoch kommt, solchem rettungSloS Erkrankten |
nige sind nicht so kurzsichtig, wie ihr, daß Siner den Andern im Stiche ließe, oder daß sie sich gar unter einander haßten! Sie sind solidarisch mit einander verbunden! Zweifelt nicht daran, wen»' die p uZische Krolle im Kampfe mit der Nationalversammlung unterlegen wäre, so-ständen jctzt die Kosacken an der Spree. Als drei französische Freischärler über den RSem kamen und zu Hecker stießen, wie war da der gute deutsch- Michel entrüstet über den „Landesvereäther", der sich sogar erfrechte, sich mit „Fremden", mit — Franzosen zu verbinden. — 0 sancta simplicitas! O Heilige Dummheit!
Es ist also klar, daß füt Ungarn keine Rettung zu hoffe»» ist, es sei denn, daß Cavaignac durch di-Präsident! n- wahl oder eine in Folge derselben in Frankreich ein tretende Revolution gestürzt werde. Soll aber die deutsche Demokratie dem Untergänge ihres Bundesgenossen ruhig zusehen? Sollen wir's stillschweigend mitansehen, wie eins der schönste», Länder verwüstet, wie die Dörfer und Städte cingeäschert, die besten Söhne der Magyaren hinge- schlachtet, wie von einer entmenschten Soldateska alle die Gräuck, welche in Wien begangen worden, a^er^ u'mls in iw.it ausgedehnterem Umfange verübt werden? Die Fürsten thun nichts, das Frankfurter Parlament thut nichts, der österreichische Reichstag thut nichts, um solche Schandthaten, von welch'», 'der Genius der Menschheit trauern) das Angesicht abw'ndet, zu verhindern: sollen die Demokraten auch nichts thun? Man hat schon von Freischaaren g-sprochcn: wir meinen aus den angegebenen Grüuden, man sollte gerade das Gegentheil thun, man sollte die Magyaren von der Fort- letzung eines hoffnungslosen Ka-npfes abmahnen. Im Falle, daß die Präsieentenwahl in Frankreich vorüber- geht, ohne daß Cavaignac, dieser Bundesgenosse brr Her»scher von Gottes Gnaden, gestürzt tvird, muß den Demokraten Alles daran gelegen sein, daß das wüthige Magyarenvolk sich auf bessere Zeiten aufspart. Gewiß es wäre eine würdige Ausgabe der demokratischen Partei, so viel an ihr ist, hier das Amt des 'Friedenstifters zu übernehmen. Es werden vielleicht bald Zeiten kommen, wo wir froh sein werden, wenn wir' im Osten einen treuen Bundesgenossen haben. Gerade weil aber von der Gegenwart so wenig zu hoffen ist, deßhalb müssen wir um so mehr an die Zukunft denken. Wie wäre es, wenn sich die Demokraten dahin vereinigten, daß von rer Linken des Parlaments im Namen der gesummten deutschen Demokratie eine De- putation zu den Magyaren gesendet würde, um dieselben zur — Unterwerfung auszufordern, und zugleich den jungen Kaijer dahin zu stimmen, daß er jenen keine entehrenden FriedenSbedingungen stellte, ei e Amnestie bewilligte, Ungarn mit dem Banus JcUachich verschonte re.? Der neue Kaiser wird doch wohl jetzt noch den Willen haben, den Frieden unter seinen Völkern wieder
einen schlechten Pfennig oder einen rauchenden Knochen hin und geht feiner Wege. Solch einen Knochen will ich mir jetzt holen, wenn Sie's erlauben, lind wollen Sie sehen, daß meine Krankheit in unseren Tagen Cent Aussätze gleichgeachtet wird, so geben Sie Acht auf die Küchenmägdc."
Mit diesen Worten stieß Moflr die Thür zur Küche aus, trat keck hinein und jagte: „Etwas von Abhub bitt' ich, Herr Endermann hat'S befohlen!"
Die Mädchen steckten die Köpfe zusämmeii, der Koch kratzte verschiedene falte und warme Speisen auf und reichte einen Teller voll einem der aufwaschende» Mädchen. Dieses schob das Hackemack dein Weber mit verächtlicher Geberde zu, indem es sagte: „Dort hinter der Thür steht ein Bänkchen. Da könnt Ihr nirter- sitzcu, damit Ihr Niemand im Wege seid!"
Moser empfing den Teller, wendete sich »ach dem barmherzigen Bruder um und warf einen Blick auf ihn, in dem der Schmerz einer ungerecht mit Füßen genw ter.cn Seele um Rache zum Himmel schrie. In diesen. Moment rief Friedrich von der Treppe herab dem Katholiken zu:
„Wollen Sie sich gefälligst herauf bemühen? Wert Endermann und seine Gäste werden sehr erfreut fein, den frommen Bruder bei sich zu sehen."
Moser lachte still für sich und verschlang die empfangenen Speisen mit großer Gier, denn obwohl er keinen Appetit hatte und ohne Genuß die ungewohnten