für den großen Agitator ist noch nicht im Sinken. Die Magyaren knüpfen ihr Schicksal an das seinige; denn nach den Erecutionen in Wien weiß das Land, was es von dem Sieger Windischgrätz zu erwarten habe; aber auch dieser weiß, was er zu bekämpfen hat, und die Zurüstungen sind ungeheuer. - Vom Kaiser hören wir nun gar" nichts mehr, als — daß er gesund ist und täglich spazieren reitet. Auf seinen Proklamationen fand man vorgestern Abends in der ganzen Stadt das N aus seiner Unterschrift weggelöscht. Das Fraz Joseph (Fraz bedeutet im Wiener Dialekt: „kleiner Range") gab den Wienern Stoff zum Lachen. Die Polizei beseitigte bald die verstümmeltan Plakate, und wehe dem Thäter, wenn, er entdeckt wird! ES haben Manche wegen eines geringeren Vergehens mit Pulver und Blei 'Bekanntschaft gemacht. (^ Z.)
Kremsier, 11. Dez. DaS alte Syrern erhält eine neue Auflage. Vor wenigen Tagen erklärte das Ministerium: es herrsche keine Diktatur, und das Standrecht habe in Wien aufgehört. Fast an demselben Tage würd in Wien ein Mann standrechtlich erschoffen. Der Kaiser nicht und das Ministerium nicht herrscht derma- leu in Wien, sondern der Marschall. Vor dem Reichstage und vor dem Reiche ist die Regierung des Reiches comprvmittirt. Stündlich klarer wird es, daß man mit dem Säbel herrschen will, und Schwarzenberg-Stadion sind entweder Diener oder Verbündete von Win- dischgraß; dieser handhabt aber offenkundig das Stand- recht u! d Kriegsgericht, jene vergeben liberale Pro« gramme, und Wien fabrzirt dann Adressen. — Die heutige Reichstags-Sitzung war wieder trocken und leer, indem die dritte Lesung der GeschästS-Oidnung fortgesetzt und bis §. 64 gebracht wurde. Ein Intel mezzo mag den Lesern zeigen, wie von gewisser Seite her die deutsche Frage betrachtet wird. Der Berichterstatter beantwortet einen Paragraphen damit, daß er .auch in F ankfurt angenommen fct. Der Ezeche Trojan stimmte ebenfalls für den Paragraphen, setzte aber hinzu, daß die Berufung auf Frankfurt keinen Grund dafür abgebe. Diese muthwillige Pi ovocation, während die beiden Rerchs - Kommissäre als Gäste im Saale saßen, wurde von Zischen begleitet, was den czechischen Herrn alsbald zum Sitzen brachte. Die Reichskommissäre gestehen es offen, daß sie Oesterreich und Wien ganz anders finden, als die Herren in Frankfurt, rechts oder links, es glauben machen wollen. D'-e Minister sind ihnen beieitwillig mit Allem entgegen gekommen und erläuterten nur ihr Pr ogramin; letzteres geht aber nicht so weit als es der obengenannte Ezeche parteiisch deutet, wenn Frankfurt nur freundlich die Hand bietet.
(D. A. Z.)
Prag, 12. Dec. Wie man hier allgemein hört, soll am 19. Dec. der Reichstag in Kremsier für die Feiertage prorogirt und auf den 17. Jan. nach Wien berufen werden. Man fürchtet aber, daß der Prorogatio» sehr leicht eine Auflösung folgen könnte. — Die Ezeche» sollen sich plötzlich in ihrer letzten Clubbfißung in Kremsier entschlossen haben, gegen das Ministerium Schwarzenberg in Opposition zu treten. Besonderer Grund hierzu soll das vom Ministerium vorgelegte Gemeindegesetz seyn. , (D. A. Z )
Ungarn.
Von der ungarischen Gränze, 12. Dec. Die Russen sollen in Siebenbürgen und zwar in Kronstadt eingerückt seyn. Zuerst kam ein Hauptmann mit einer Compagnie Sappeurs, und später langten 3 Bataillone Infanterie, eine Division Kosaken und 18 Kanonen an. ' (Fr. I.)
^ p I e n.
Warschau, 10 Dec. Die hi sigen Zeitungen bringen sie amtliche Nachricht von d r Confislatioü der Güter des bi farm tu Generals P e in.
Italien.
Die rëmtfdbe Kammer ist am 4. Morgens zissam- mengetreten, um über die G: undsätze eines Wahlgesetzes zu berathen, kraft dessen die constituirende Versammlung der italienischen Staaten zusammenberufeii werden soll. — Aus R o in wird gemeldet, daß die Schwn'zer-Schaarwache in neapolitanische Dienste tritt, und zwar, wie nun bemerkt, um auf diesem Umwege wieder in die Nähe des Papstes zu gelange». Alle Fremden verlassen Rom und begeben sich nach Neapel. — Die Ministers, isis in Turin iss noch nicht beendigt. Der König sucht vergebens ein Cabinet zu bilden, und das Volk erneuert seine Demonstrationen, die täglich dringender werde». Die „Concordia" vom 9. ertheilt dem Könige Karl Albert den Rath, nur seinem Herzen und dem Wunsche des Landes zu folgen, welcher ihm immer den Namen des Mannes wiederhole, der allein das Land zu retten vermöge (Gioberti). (K. Z.)
Frankreich.
Paris, 12. Dez. In den Kassematten und Pontons der Marine schmachten^l0,000 Republikaner, Arbeiter, Proletarier. Diese 10,000 Proletarier wurzeln ein in die Familien von wenigstens 100,000 andern Proletariern und diese Familien der 100,000 andern Proletarier find von Wuth entbrannt gegen die Republik, die sie gegründet! Für diese handelt es sich zunächst um einen Umsturz, um den Sturz der ehrlichen Bourgeois-Republik, um den Sturz von Cavaignac, Marrast und Konsorten, die, nachdem sie das Proletariat nieder - geschmettert und die Männer, welche cs vertraten, wie Louis Blanc, BarbeS und Raspail verbannt oder verhaftet hatten, nun sich einzuwurzeln suchten in die Rorhschild's und Konsorten. Der Sturz dieser Republik ist nahe. Die Schlange reckt sich. Die Schlange Napoleons ist die Riesenschlange, welche ihren Leib über ganz Frankreich ausdehnt, und die nun die Ca- vaignac'sche in ihren unendlichen Krümmungen umstrickt hält. Napoleon ist nicht das Kaiserthum, sondern es ist zunächst die Vernichtung der königlichen Reste und königlichen Prätendenten, es ist die Rache, welche sich jetzt vollstreckt an den Bourbons und Orleans. Louiö Napoleon ist nicht das Kaiserthum, sondern es ist die Vernichtung der „honnetten Republik", welche die ganze Nation in die Gränzen des Nationals umstricken wollte. Louis Napoleon ist nicht das Kaiserthum; sondern es ist die Vernichtung des Kaiserthums; denn schon regt und wegt sich der lange Schweif: schon zuckt er in furchtbaren Schwingungen biö^u den äußersten Gränzen des ganzen Frankreichs. Die Franzosen sind wieder die alten Franzosen gewoiden, sie Hüpfen, tanzen und springen, aber nicht um den Kaiser; sondern in dem Vorgefühle, in der Lust, aus dem engen Raume herauszutreten, und niederzustürzen alle die feigen Berechnungen bürgerlicher Klugheit und Staatsweisheit. Napoleon, der Name Napoleon, an dessen Deutung sich alle Köpfe zerbrachen, Napoleon der vielgedeutete und mkbegriffene, ist nicht das Kaiserthum. Napoleon ist die Vernichtung des Kaiserthums, Napoleon ist die Vernichtung Napoleons , die Vernichtung seiner selbst. Napoleon ist die rothe Republik, die ihren Anfang nimmt in den Pontons der Marine und den verzweifelten Arbeitern, um sich fortzusetzen mit dem abgelösten Schweife der napoleonischen Riesenschlange.
(N. Rh. Ztg.
Paris, 14. Dezbr. (Fr. I.) Das „Journal des Debars" schreibt: „Ludwig Napoleon darf bereits als Präsident der Republik betrachtet werden. Da die Majorität einen Vereinigungspunkt gefunden hat, so kann man sich bloß dazu Glück wünschen, daß sie ihren Willen so klar ausgedrückt hat. Die Begeisterung, mit welche, sie sich geäußert, ist nicht allein eine physische, sondern auch eine moralische Kraft-Aeußerung. G>waltsam
nuS seiner Are getrieben, rollte die Regierung im leeren Raume dahin, das erschöpfte, atemlose Land nach sich ziehend. Dieselbe hat endlich einen Ruhepunkt ap- fanden, und das Gewicht einer unwiderstehlichen Majorität hat sich auf Einen Namen festgesetzt. Wir wissen nicht, was die neue Gewalt sein wird, wir können blos sagen, daß sie besteht. Unsere Stellung ist in Bezug auf die neue Gewalt sehr einfach. Als der Sturm die Monarchie fortriß, welche wir bis zum letzten Augenblicke vertheidigt hatten, richtete sich unser erster Gedanke auf die Rettung der Gesellschaft . . . Wir versprachen j dweder Gewalt unsere Unterstützung, welche Frankreich vor Unordnung, vor dem Tode retten würde. Wir boten diese Unteistützung einer Gewalt, welche augenscheinlich aus einer Minorität hervor gegangen war. Wie könnten wir dieselbe einet Gewalt versagen, welche einer unermeßlichen Mehrheit entsprungen ist? Wir ändern nicht. Unsere Stellung bleibt heute, was sie gestern war. Wir werden beloben, was gut, und ta. dein, was schlecht ist."
Der „National" hofft, daß das allgemeine Stimmrecht, bei einer vorgerückteren politischen Bildung des Volkes, den jetzt begangenen Fehler wieder gut mache» werde, uod fährt dann fort: „Möge Ludwig Napoleon sich beeilen, die vorübergehenden Stunden seiner ephemeren Popularität zu genießen. Er hat ein großes Beispiel vor Augen- — das Bispiel eines Mannes, dessen Leben mit ruhmvollen Thaten erfüllt war. Frankreich hatte vor fünf Monaten, in dessen Hände sein Loos gelegt und ihm dafür gedankt, daß er es von der Anarchie gerettet hatte. Das ist fünf Monate her und derselbe Mann fällt heute unter den ungerechtesten, den abscheulichsten Verläumdungen."
Paris, 15. Dec. Die Gesammtzahl der bis jetzt bekanut gewordenen Abstimmungen vertheilt sich so: 3,097,239 für Louis Napoleon Bonaparte, 824,288 für Cavaignac, Ledr» - Rollin 119,188. Die übrigen Candidaten erhalten nur eine ganz unbedeutende Anzahl Stimmen.
— Am 24. December wird, wie eS heißt, aus Anlaß der Proklamation des Präsidenten der Republik ein großes Fest stattfinden. (F. 3 )
— Die Wahl Bonaparte's ist jetzt so gut wie entschieden; sein Hauptblatt: „L'Cvenement" selbst ist bestürzt über das ungeheure Resultat:"„Wir wollen nicht Victoria schreien, der Kampf war fast null; wir sagen: Hoffnung!" Diese Hoffnung des Bauern-VolkeS wird natürlich alsobald zu Schanden, und zugleich die des armen Troprs, der dazu erlesen ist, Frankreich endlich vom Napoleonschwmdel gründlich u. auf ewig zu Hessen. An der Kaisersäule des Vendomeplatzes, vor dem Hotel des Prin-zen, fallen drollige Worte. Ein Blousemann sagte: „Wir stimmten für ihn, aber was geht eS uns an? Die Association wird aufgehen, nicht durch ibn, aber neben und über ihm." Ein Bourgeois schauderte bei diesen Worten und seufzte: „Ach, wenn ihr das Gütertheilen vollzogen, was habt ihr dann?" „Dummkopf," war die schnöde Antwort dreier handfester Arbeite, „wir denken nicht an Theilen, sondern an Produziren." Am Eisengitter der Säule verkaufte man das Konterfey des Prinzen, das Stück zu einem Sou, und spielte Harfe und sang mit falscher Stimme und schlechtem Gefühl; einige Kinder tanzten. Ein Spaßvogel sagte: „Laßt ihn doch in Ruhe, er will den Degen des Oheims tragen, er wird ihm zwischen die Beine fahren und der Herr Neffe wird auf die Nase fallen.
In andern Gruppen war gar keine Rede mchr vom Herrn Nffen, sondern vom Arbeitörecht. „Wenn er den Girardin zum Polizeipräfekten macht, und uns an die Associationen tastet, alors — könne nuit, eher neveu! (dann gute Nacht, theurer Neffe!)" (N. Nh. Z)
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(mw Bekanntmachung.
Donnerstag den 21. d. Mts, Morgens 10 Uhr, werden im Gast- und Badhause zur Rose dahier 2 neunjährige braune Wagenpferde, eine Chaise, ein Schlitten, mehrere Zichkarrn, ein Fahrsessel, vier vollständige Pferdegeschirre, zwei Sättel, worunter ein Damensattel und Oeconomiegeräthschaften aller Art, freiwillig gegen gleich baare Zahlung versteigert.
Die am 11 d. Mts. daselbst begonnene Mobilienversteigerung wird der H rannahcnden Feiertage wegen bis zum 8. Januar 1849, Morgens 9 Uhr, ausgesetzt.
Wiesbaden, den 16. Dezember 1848.
DerStadtschulthciscrei-Verwalter
Christmann.
Allen denjenigen, welche im Besitze von Schiestwasfen find, oder zu kommen wünsche»» zur geeigneten Nachricht!
(1569) Der Unterzeichnete erlaubt sich zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß er sich dahier seit Kurzem als Büchsenmacher etablirt hat, und daß von ihm so- wol neue Schießwassen bezogen, als schadhafte einer geeigneten Reparatur unterworfen werden können.
Wiesbaden, 1L Dezember 1848.
Heinrich Kneip,
wohnhaft in der Friedrichsstraße bei Wagenfabrikant Dorffelder.
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L LL a (1600) Ein Capi- f
X h tat von 190« fl. ge- X
A ^ LJ gen doppelte, gute Si- J
«... Zappelte, gute Si- T Herstellung wird zu I â -,- leihen gesucht. Das I A Nähere ist bei der Expedition die- T I ses Blattes zu erfahren.
(1005) Soeben angekommen frische Schellfische per Pfd. 12 kr., Cabliau 24 fr., im ganzen Fisch 18 fr., holl. Bollbükinge per Stück 1% fr., Tombots und Seezungen erhalte ich heute noch. — Schriftliche Bestellungen werden rasch ausgeführt.
JoK. JP/e. AUpp.
(1606) Das Haus Nro. 3 auf dem Louiftnplatz neben Herrn Nägler ist zu vermieden und kunn vom 1. Januar 1849 bezogen werden; solches besteht in
10 Zimmern nebst Dachkammern, Küche, Keller, einer Waschküche, einem Hinterbau nebst allen Bequemlichkeiten. Auf Verlangen kann cs auch möblirt werden.
Auskunft ertheilt
J. Strauß,
______________ Michelsberg Nr^l^
(1508) Ein Capital von 9000 fl- st"P" gerichtliche Sicherheit, wird zu leihen gesucht. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes.
0584) Gmxfehlenswerthes Geschenk.
Äuerbuch's Dorfgeschichteu.
Vierte Auflage. Mit Holzschnitten, 1848. geh. 1 fl. 45 kr.
Vorräthig in der Buchhandlung von Heinrich Fischer und in der H. W- Nitter'schen Buchhandlung in Wiesbaden.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. - Druck der C. Nitter'schen Buchdruckerei.