wortete in der zweiten Kammer der Minister Braun, daß auch die Soldaten vor Schwurgerichte gestellt werden sollen, wenn sie bezüglich des Vereins- und Versammlungsrechts etwas verbrochen haben würden.
ki Vom Rhein, 8. Dec. Der Herr Abgeordnete Leisler hat, in Folge der ihm von 48 seiner Wahlmänner (deren es bet der Wahl nur 121 waren) gewordene Mißtrauensadreffe, verschiedene Erklärungen abgegeben. In der ersten zeigte er uns an, daß ihm die in der „Freien Zeitung" abgedruckte Adresse noch nicht zugegangen sei. Da wir dieselbe bereits am 21. Nov. Von hier abgehen ließen so mußten wir voraussetzen, daß dieselbe am 27. November, als an welchem Tage wir eine Abschrift der Redaktion der „Freien Zeitung" zur Veröffentlichung zusandten, sich bereits in den Händen deS Adressaten befinde; wir beeilten uns indeß, den ohne ein Verschulden von unserer Seite untergelaufe- nen Fehler alsbald gut zu machen und hatten denn auch die Genugthuung, daß Herr Leisler am 4. d. Mts. uns den richtigen Empfang der Adresse anzeigte. Bei dieser Gelegenheit hebt Herr Leisler hervor, daß die Mißtrauensadreffe nur von 48 Wahlmännern unterzeichnet sei, woraus er vielleicht folgern mag, daß dieselbe keine Beachtung verdiene. Wir erlauben uns, hierin abweichender Meinung zu sein. Denn erstens mußsede Mittheilung, sei es auch nur die eines einzelnen Wahl- manneS, ja auch nur die eines einzelnen Urwählers, für den Abgeordneten wichtig und beachtenswerth sein, wenn er sich nicht einer Verachtung seiner Auftraggeber schuldig machen will. Zweitens aber übersieht es Herr Leisler völlig, daß die übrigen Wahlmänner (außer den 48), von welchen ihm bis jetzt eine MißtrauenS- Adreffe noch nicht zugegangen ist, ihm damit noch lange keine Vertrauens-Adresse votirt, sondern bis jetzt bloß geschwiegen haben; er weiß nicht, ob dieselben nicht gerade in dem gegenwärtigen Augenblick damit beschäftiget sind, denselben Weg einzuschlagen, wie jene 48, um ihm aufs Neue Gelegenheit zu einer Zählung zu geben. Herr Leisler äußert ferner, daß er stetS nach seiner Ueberzeugung gestimmt habe, ohne sich darum zu kümmern, ob er dadurch nach irgend einer Seite mißliebig werde. Wir ehren diesen Grundsatz und wollen keineswegs verlangen, daß Herr Leisler seinen damaligen Wahlmännern zu Liebe seine dermaligen Ueberzeugungen verleugne. Wir hoffen aber, Herr Leisler wird so billig sein und eben so wenig von seinen Wahlmän- nern verlangen, daß sie ihm zu Liebe ihre Ueberzeugung verleugnen sollen, und es begreiflich finden, daß die Wähler von einem Abgeordneten vertreten sein wollen, der ihre Ueberzeugung theilt. Wir haben daher auch von Herrn Leisler, ganz in Uebereinstimmung mit seiner rechtlichen Ansicht der Sache, nicht eine Aenderung seiner Ueberzeugung, sondern eine Niederlegung seines Mandates gefordert.
Da Herr Leisler seinen Wahlmännern Unkennt- niß seiner ständischen Wirksainkeit vorwirft, so erlauben wir uns die Versicherung, daß er sich hierbei im Irrthum befindet, da wir derselben stets die nöthige Aufmerksamkeit geschenkt haben, und auch namentlich über sein angeführtes Separatvotum über die Ruhegehalte und Leibrenten völlig im Reinen sind.
Um ihm zu beweisen, daß wir doch nicht ganz die einfältigen und kenntnißlosen Tröpfe sind, für die er uns sonst halten möchte, führen wir hier folgende Abstimmungen Leiste r's an, die uns besonders mißfallen haben. Es sind:
1) Seine Abstimmung gegen die „Volkssouveränität."
2) Sein Auftreten gegen die von Wenkenbach beantragte Beschränkung des landesherrlichen Widerspruchsrechts.
3) Seine Aeußerungen gegen die Theilnahme der Soldaten am Recht der freien Vereinigung.
4) Das Vertrauens-Votum für die Herbeiziehung der sogenannten Reichstruppen, womit er die Kammer förmlich überrascht hat.
5) Seine Abstimmung gegen die Abschaffung des veralteten Titels „von Gottes Gnaden".
6) Seine Abstimmung gegen die Jnbetrachtnahme des Wenkeubach'schen Antrags über die Mi- nisterial-Versügung vom 13. Juli.
7) Seine Verzögerung der Berichterstattung über diesen Gegenstand.
8) Endlich seine Ansichten über die Ruhegehalte und Leibrenten der Domäne.
Diese Handlungen haben uns veranlaßt, ihm den Wunsch auszusprechen, daß er sein Mandat niederlegen möge, da er die Farbe gewechselt zu haben scheint, und Herr Leisler wird selbst zugeben, daß die obigen Handlungen, Abstimmungen und Ansichten fehr auffällig sein müssen von einem Mann, der im Vorparlament auf der äußersten Linken saß und mit den Anhängern der reinen Demokratie stimmte.
Namens der 48 Wahlmänner des 8ten Wahlbezirks.
W Dillenhurg, 7.Dezbr. (Die Wahl in Her- born und die Nass. Allg. Ztg.) Die Freie Ztg. hat bereits am 30. November das Ergebniß der am 27. Novbr. zu Herborn stattgehabten Deputirtenwahl, welche auf den Medicinalrath Heydenreich fiel, zur Anzeige gebracht, und wenn ich nochmals auf die Sache zurückkomme, so geschieht dies nur, um dem plumpen Gesalbader der Nassauischen Allg. Zeitung in dieser Angelegenheit entgegen zu treten, ohne mich weiter um die inkurablen Zopf-Prinzipien des Blattes zu bcküm mern. Die genannte Zeitung nämlich bespricht auch
ihrerseits die Wahl zu Herborn in Nr. 224 vom 1. Dezember und benutzt die Gelegenheit, um den Dillenburger Wahlmännern wegen Stimmenwerbung einen Hieb zu versetzen und dann aus dem Resultat einen Schluß zu ziehen auf „die Scheidung der Sympathien für konstitutionelle Entwickelung und radikalen Umschwung." Daß in beiden Beziehungen die Nass. Allg. Ztg. ihrem Charakter treu bleibt, wollen wir im Voraus ankündigen.
Man wird mir wohl einräumen, daß bei dem jetzigen Bildungszustand einer Anzahl unserer Landsleute von einer Wahl nach klarer Ueberzeugung kaum die Rede sein kann; daß vielmehr gewisse Vorurtheile im Spiele sind (abgesehen von der politischen Unkennt- niß), welche die Wahl eines Mannes, der die Ansichten der Wähler aussprechen soll, geradezu unmöglich machen, daß endlich das Volk über den wahren Charakter der in den Märttagen zu seligtrunkener Verbrüderung berab- gestiegeiien Vornehmthuer sich noch im Irrthum befindet. Wenn demnach unsere Mitbürger über ihre eigenen Interessen, so wie über die Mittel der Realisirung ihrer Wünsche im Unklaren sein müssen, so ist eine Einwirkung resp. Ausklärung bei der Wahl, wofern nur erlaubte Mittel angewendet werden (und hier hat keine Partei vor der andern etwas voraus) meines Erachtens gar nicht zu verwerfen, vielmehr anzuempfehlen; darin stimmen die Parteien überein und die Wege scheiden sich, wenn wir den Egoismus ausnehmen, nur da, wo dem Einen etwas konsequent erscheint, was der Andere nicht einsehen kann oder will. Aber gewirkt muß werden, um seinen Mann anzubringen, darüber ist kein Zweifel. Und ist denn eine Verständigung vor der Wahl, wenn die Fraktionen die Gründe ihrer Ueberzeugung vorbringen, nicht vorzuziehen dem Zwang bei einer zweiten oder dritten Wahl, wo alle Selbstständigkeit aufhört und zwischen zwei Männern unbedingt zu wählen ist, mögen beide einem noch so sehr mißfallen? Wenn Zettel mit „Louis Napoleon" und „ein lustiger Bauern bursch" zum Vorschein kommen?
Die Herborner Wahl war kurz und entscheidend beim ersten Scrutinium — eine Folge der großen Wirksamkeit. Nachdem die demokratische Partei in Dillenburg in den Urwahlen gesiegt hatte und sich die Gegner aufs Angelegentlichste bemühten, den von Herborn ausgestellten Candidaten Dr. Heydenreich, der auch bei uns Sympathien hatte, zu empfehlen, so mußte uns einiges Bedenken aufstetgen, Leute dabei thätig zu sehen, deren freisinnige Ideen bisher unbekannt geblieben waren; wir stellten als Gegenkandidaten den Pfarrer Snell auf, waren aber schon für den Fall der Niederlage soweit beruhigt, da wir wußten, daß Herr Heydenreich an Entschiedenheit der Gesinnung die meisten seine Empfehler weit übertraf. Die Wirksamkeit war aber auf beiden Seiten wenigstens gleich, und hätten uns nebst einigem Andern die Dillenburger Karossen zu Gebote gestanden, um den Ebersbacher und Haigerer Grund gehörig zu befahren, so wäre die Sache sicherlich anders ausgefallen, obgleich wir schon darin ein Hinderniß hatten, daß Hr. Snell ein Pfarrer ist, und die Wahlmänner an den geistlichen Elementen in der Kammer genug hatten. Daß viele Zettel mit dem Namen Snell vertheild wurden, ist richtig, wie wir von uns selbst wissen; noch richtiger aber, was der sehr ehren- werthe Correspondent der Nass. Allg. vergessen hat, daß weit mehr mit dem Namen „Heydenreich" ausgegeben wurden, was uns auch sehr genau bekannt ist; und wenn die Herborner Wähler so ruhig gefaßt da- standen, so gibt das nur den Beweis, daß sie des Erfolgs ihrer Wirksamkeit, die sie früher und umfassender als wir begonnen hatten, sicher waren, und daß der Einfluß mancher Personen noch groß ist, den wir unserer Seits eifrigst zu paralysiren suchen werden. Hierbei ist kein Geheimniß, und wir bedauern nur den armseligen Versuch des genannten Correspondenten das Licht über seine Partei im Souterrain leuchten zu lassen. In Betreff der Einwirkungen haben wir aber nachträglich die gesammte Wählerschaft um Verzeihung zu bitten, weil wir sie um einen Spaß gebracht, der die Langweiligkeit der Wahl um Vieles vermindert hätte. Auf dem Wege zur Wahlstatt zeigte mir ein Wähler seinen Zettel, auf dem Herr Riehl aus Wiesbaden stand, „der Herr," wie hinzugefügt wurde, „der so schön über den Volksboten Zollmann geschrieben," und daß ich in der Berichtigung deu Mann bewogen habe, anders zu stimmen, schmerzt mich jetzt tief; denn wäre der ursprüngliche Zettel zum Vorlesen gekommen, so wäre ein schallenderes Gelächter erfolgt, als bei der Nennung des Na- mens Lonis Napoleon oder bei den Reden der geistlichen Cohorte im Frankfurter Parlament. — Man wird nicht erwarten, daß wir auf die Ausdrücke der Nass. Allgem.Ztg., wie „ehrliche Waffen", „der vonden radikalen Führern eingefahrene Candidat", „zudringliche Empfehlung", „konstitutionelle Entwickelung", „radikale Umschwung" näher eingehen; die Antwort ist größten- theilS im Vorstehenden enthalten und wir sind nicht gesonnen, Ausdrücke, nachdem sie besudelt worden, ohne weiteres wieder auszufaffen. Ergötzlich, und dem kindlich frommen Gemüthe des genannten Correspondenten ganz angemessen, ist die Erzählung von den Böllerschüssen nach der Wahl, die nicht die Herrschaft der Bajonnette, sondern den endlichen Sieg der volks- freun blichen (!) Gesetzlichkeit bezeichnen sollten; wir sind wahrlich nicht erschrocken, sowenig, wie wenn der Grjbn.—CorreSp. der Nass. Allg. Ztg. seine aus unzähligen Büchern aus- und ein gefahren cn Uuiver- salgedanken über Staat und Kirche, Schultren
nung, StaatSökonomie, Hütten- und Berg- kunde, Pauperismus, Socialismus und was das Conversationslerikon sonst noch bringt, an dec Spitze seines beglückten Blattes zerplatzen läßt. — Kräftig waren die Worte, die Herr Heydenreich nach der Wahl gesprochen; aber, haben wir richtig verstanden, so lassen sie nur die Wahl, daß der neue Abgeordnete entweder von derWâhler Mehrzahl oder von der Nass. Allg. Ztg. angegriffen wird. Wir hoffen dasLetztere; denn wenn ein ächt demokratischer Candidat durchfällt, so heißt daS bei Leibe nicht, daß ei-n riehlisch-constitutioneller gewählt wird.
Frankfurt, 9. Decbr. (Fr. I.) Zu dem mehrfach wiederholten Gerüchte: daß Bayern bereits einen entschiedenen Schritt gegen Preußens künftige Hegemonie gethan hade, gesellt sich ein neueS: Die deutschen Für- sten außerhalb Preußens, Bayern an der Spitze (als die bereits früher erwähnte Liga), wollten nun auch ihrerseits die neueste preußische Sitte nachahmen, aber als Contremine gegen den Ei sinder. Sie sollen nämlich gesonnen sein, eine Art von Gegenreichsverfassung zu oktroyiren. Sicher ist, daß die österreichisch -baye. rische Politik den Kreis ihrer weltlichen und geistlichen Bundesgenossen, und dazu gehört die kath. Kirche, d. h. der Klerus, selbst in den preußischen Landestheilen, in welchen diese Consession vorherrscht und wo seit lange Preuße und Protestant als gehässige Sy non im hinge, stellt werden, ihren KrtiS sehr zu erweitern sucht.
Freiburg. 1. Dezbr. (Oberrh. Ztg.) Heute endlich ist Advokat Karl von Rvtteck seiner langwierigen, beinahe achtmonatlichen Haft gegen Kaution entlassen worden und dahier eingetroffen.
Mannheim, 9. Dez. Das Desikit, welches in der g'oßh. bad. Staatskasse eingetreten, beträgt, wie die Mannheimer Abendzeitung nach zuverlässiger Mittheilung wissen will, 5,900,000 fl.
Mannheim, 9. Dez. Bis Montag (den 11.) marschiren die nassauischen Truppen von hier ab, um in ihre Heimath zurückzukehren. Auch die übrigen noch im Badischen canntonireuden nassauischen Truppen kommen wieder in ihre Garnisonen. (M. I.) k j Leipzig, 8. Dez. Vorgestern endlich ist aus Wien der Abschleksbrief Robert Blu m's an seine Gattin hier angklangt. Er lautet: „Mein theures, gutes, liebes Weib, lebe wohl! wohl für die Zeit, die man ewig nennt, die eS aber nicht sein wird. Erziehe unsere, jetzt nur Deine, Kinder zu eveln Menschen, dann werden sie ihrem Vater nimmer Schande machen. Unser kleines Vermögen verkaufe mit Hülfe unserer Freunde. Gott und gute Menschen werden Euch ja helfen. All s, was ich empfinde, rinnt in Tkränen dahin, daher nur nochmals: leb' wohl, theures Weeb! Betrachte unsere Kinder als theures Vermächtniß, mjt denen Du wuchern mußt, und ehre so Deinen treuen Gatten. Leb' wohl, leb’ wohl! Tausend, tausend, die letzten Küsse von Deinem Robert. Wien, den 9. Nov. 1848, Morgens 5 Uhr; um 6 Uhr habe ich vollendet. P. P. Die Ringe hatte ich vergessen; ich drücke Dir den letzten Kuß auf den Trauring. Mein Siegelring ist für Hans, die Uhr für Richard, dec Di.amautknopf für Ida, die Kette für Alfred als Andenken. Alle sonstigen Andenken vertheile Du nach Deinem Ermessen. Man kommt' lebe.wohl, wohl!"
_ . ’ (D. A. Z.)
Berlin. Gegen den Buchhändler Reuter ist wegen des Verlages einer Flugschrift gegen Bassermann ein Preßprozeß eingeleitet. — Die Herren Dr. Oppenheim, Mitradakteur dec Reform und Dr. Schwarz, ein sich seit Jahren hier aufhaltender Literat, sind polizeilich ausgewiesen. Bei dem Lktztgenann- ten fanden sich heute früh Polizeiosfizianten ein, um ihn aus seiner Wohnung nach der Stadtvogtei abzuholen. Weshalb er verhaftet worden, ist uns unbekannt. (C. B.)
Berlin, 7. Dez. Die Ausweisungen Seitens der Polizei nehmen täglich zu. Der aus dem Preßprozeffe über den „republikanischen Katechismus" bekannte Dr. Bader ist heute ausgewiesen. Die Ausgewiesenen verlieren überdem bei der bevorstehenden Wahl alle politischen Rechte, da bekanntlich zu deren Ausübung ein Aufenthalt von sechs Monaten an einem Orte gehört.
(N. RH.Z.)
Wien, 5. Dez. Windischgrätz soll in einer Privatgesellschaft geäußert haben, er möchte eine Million geben, wenn er Blum und Messenhanser nicht hätte erschicßen lassen. Er läßt alle Redaktionen ersuchen, diese Erklärung in ihren Spalten aufzunehmen. Die Armee steht in drei Treffen gegen Ungarn ausgestellt, eS wird aber erst angegriffen, wenn der kaiserliche Thronwechsel bekannt gemacht worden.
Die Zeitungen fahren fort, die auswärtigen, na- mentlich die deutschen Verhältnisse in ihrer niederträchtigen Weise darzustellen und mit ihrem Geifer zu brsu- deln.
Die Börse läßt sich von den Thaten des starken Ministeriums und der starken Frau Sophie nicht irre machen; sie macht fast keine Geschäfte; und bezahlt Gold mit beinahe 16 %, Silber mit 8 %•
Die standrechtlichen Zeitungen geben sich umsonst alle Mühe, diesen Status zu beschönigen und dem Volke vorzumachen, Künste, Wissenschaften, Handel und Wandel begännen wieder zu blühen; die Wahrheit kriecht immer wieder hervor. (N. NH. Z.)