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Freit Leitung.

âeiheit und Recht!"

237. Wiesbaden. Freitag, 8. Dezember 1848.

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Y Zur Organlsationsfrage.

Wiesbaden, 5. Dec. Man wird sich erinnern, daß kurz vor der Vertagung der Kammer, als die Ausschüsse gewählt werden sollten, der Abg. Groß­mann die Commission für Organisation der Verwal­tung für ganz unnöthig hielt und dieserhalb einen An­trag stellte, der aber durchfiel. Man wird sich ferner erinnern, daß der Abg. Zoll mann trotzdem einige Tage nachher die Commission entlassen haben wollte, weil die Regierung ihr keine Vorlagen machen könne. Sein Antrag konnte aber gleichfalls nicht die Majorität erlangen. Ein Artikel in No. 223 derNass. Allg. Ztg." will nun gar noch wissen, daß die Negierung den Ausschuß ebenfalls im Stiche gelassen habe.

Dieser Artikel ist nun weder offiziell, noch halb- offiziell, aber dennoch wahr.

Die Commission (bestehend aus den Abgg. Wen- kenbach L, Justs und Müller II.) hat sich aber hierdurch nicht beirren lassen, und wird eS wagen, der Kammer selbst einen Entwurf vorzulegru, worin selbst die hohe Landesregierung bedeutend reorganisirt w rd.

Das Bestreben des Ausschusses ging hauptsächlich dahin, die Bureaukratie total zu vernichten, und zwar nicht blos unten, sondern hauptsächlich oben, und zwar dadurch, daß sie, um die Centralisation der Verwal­tung in einem Minister zu vermeiden, die Central­verwaltung in selbstständige Abtheilungen theilt, welche durchweg kollegialtsch eingerichtet sind, und deren verantwortliche Chefs sich zu einem Ministerrath ver­einigen, an dessen Spitze ein für die Ausführung der Kvllegialbcschlüsse verantwortlicher Minister steht.

Die technischen Fächer sollen sämmtlich die ihnen gebührende selbstständige Stellung erhalten, jedoch so, daß die geeigneten Garantien gegen Uebergriffe in die allgemeine Administration gegeben sind. Selbst für Handel, Landwirthschaft, Industrie und Arbeit wird ein eigenes Kollegium geschafft, jedoch so, daß trotz aller dieser Kollegien die Beamtenzahl nicht vermehrt wrd, da zu Kollegialmitgliedern meist Beamte genommen werden, die anderweit sungtren, im Gegentheil wird das Peisonal sich um miudestenS 30 Beamte vermindern.

Eine Hauptbürgschaft gegen die Bureaukratie hat der Ausschuß in volksthümlichen Beiräthen gefunden, die fast in allen Verwaltungszweigen bei der Central- Verwaltung zugezogen sind.

Zur Lokalverwaltung werden 9 Verwaltungsbezirke mit frei gewählten und entscheidenden Ki ci'sausschüssen vorgeschlagen, basirt auf eine neue Einrichtung derGe« richtssprengel in 36 Friedensgerichtsbezirke, denen sich 4 Kreisgerichte und 1 Appellhef anreihen.

Sodann sind auf Antrag des Ausschusses folgende drei Commissionen aus Sachverständigen gebildet:

1) eine Commission für das Schulwesen, deren Bil-

Die Sterbeglocke.

Von der nahe» Bergkapelle dumpf die Sterbeglocke hallt;

Weithin tönt es durch die Fluren, weithin durch den lichten Wald Fern die Töne wiederhalle» an der Berge kahlen Höh'n, Und des Herbstes Abendwinds schaurig in dem Walde weh'».

Helles Roth die Höhen malet nach des Nebels cil'ger Flucht; Doch im SchrcckcnSbilde drohet fern des Nordens dunkle Bucht. Zitternd flieh'« der Sonne Strahlen, ach! die letzten zittern hin; Vor des Sturmes grausem Wüten bangend sie der Welt entflieh'».

Andachtsvoll die Menge woget zu dem Friedhof auf den Höh'n; An die Berge hallt ihr Klagen, himmelan ihr herzlich Fleh'».

Eine Jungfrau sie begleiten traurig zu bem düstern Grab; Ach! sie schwand in ihrer Blüte nur zu früh zur Erd' hinab.

Wol die schönste Erdenhülle strahlte in des Himmels Glanz; Und dahin ist ihre Schönheit in dem Haar ein Todtenkranz! Doch der Geist in Unschuld flieget zu des Schöpfers hohem Thron; Für die kurzen Erdenmühen ward die Seligkeit zum Lohn.

Schnell entfaltet sich die Rose in der Morgersoune Strahl, Ihre Balsamdüfte sendet sie durch Höhen, durch daS Thal; Doch des Wurmes stilles Nagen ihre Fülle bald zerstört, Und zum staube hin, zur Erde, ihre Blüte welkend kehrt.

dung die Regierung trotz vielfacher Erinnerung sehr verzögert hat, wird gewählt werden und ist bereits vor 8 Tagen die geeignete Vetsü- guug erlassen worden;

2) eine Commission für das Forstwesen ist seit etwa 10 Tagen dahier versammelt. Diese Commisston ist gegen den Antrag des Ausschusses nicht frei gewählt, sondern von der Regierung ernannt worden.

Drei dieser CommissionSmitglieder haben daS Institut der Obersorstämter, gegen den Willen der ganzen Kammer, fast sämmtlicher Forstleute, ja man kann sagen des ganzen Landes, in Schutz zu nehmen versucht. Aber die Revolution, der Zeitgeist, hat auch die seit 20 Jahren erstrebte Aufhebung dieser die Staatskasse, die Fürstbeamten und den armen Bauer chikanirenden Instituts, selbst gegen die wenn auch noch so gelehrte Reaktion die­ser Herren, zu Wege gebracht, d. h. die Regie­rung selbst hat in der Ueberzeugung, das Institut der Kammer gegenüber nicht halten zu können, einen Entwurf oh ne Oberforstamt, eine solche erpedirende Mittelbehörde verlangt;

3) eine Commission von Juristen, welche ebenfalls von der Regierung ernannt sind, was schon die folgenden Namen ergeben: Großmann, Flach, Müsset (beiläufig bemerkt, derselbe Mann, der einst einen Streit zwischen Kammer und Regie­rung von dem Gesichtspunkt eines Privathan­dels auffaßte, indem er die Verfassung eine ein­seitige Schenkung des Höchstseligen Herrn nannte, welche, da Streit über diese Schenkung obwalte, nach bekannten Nechtsgrundsätzen in dem Sinne aufgefaßt werden müsse, wonach der Schenkende am wenigsten weggebe, die Auslegung müsse also zu Gunsten der Regierung geschehe«, da die Re­gierung als schenkender Theil am besten ihre eigenen Worte auslegen könne) doch dies en passant; honny soit qui mal y pense.

Die Commission besteht ferner, wie man vernimmt, aus Hrn. Justizrath Winter undAbg. v. Eck. Ge­gen beide wollen wir nichts einwenden, im Gegentheil hätte man erwarten sollen, daß mehr praktische Juristen, wie Herr Winter zugezogen würden; nur wun­dern wir uns, warum man nicht, wenn man Abgeordnete zuziehen wollte, den Abgeordneten Raht wählte. Nun freilich er sitzt auf der Linken und genießt als Abg. der Linken das Vertrauen der Regierung nicht. Wir glauben übrige s, daß er auch einem solchen Auftrag der Negierung nicht würde nach- gekommtn sein, denn unserer Meinung nach hat kein Abgeordneter von der Regierung Commissionen zu er­halten, am wenigsten ein nicht ministerieller Abgeord­neter. Diese Commission wird eine Prozeßordnung, basirt auf öffentliches und mündliches Verfahren bei sämmtlichen Gerichten entwerfen. Hoffentlich werden

Auch die zarte Jnngfrau blühte in des Lenzes frischem Grün; Viele Freier sie begrüßten, gingen froh zur Schönen hin; ; Doch für dieser Erde Plagen war zn göttlich ihre Pracht: Es entfloh die edle Seele aus dem wirren Erdenschacht.

Nur die Hülle ihrer Schönheit blieb auf Erden noch zurück, Uud die Menge sendet betend aus sie hin den letzten Blick. Ach! Sie wird hinabgesenket in des stillen Grabes Ruh;

Und zurück die Menge wallet traurig ihren: Dörfchen zu.

Tranrc Du, mein armes Deutschland, stimm' in ihre Klagen ein, Ruhe nicht im fernen Norden, ruhe nicht am nahen Rhein. Denn die Jungfrau ist verblühet, unsre Freiheit welkte hin, Und der Nächte Schauer-Stürme über ihre Leiche zieh'».

Wie eS tobt und wie eS brauset an der Freiheit Grabesrand! Schön die Abendröthe strahlet hin dnrch'S ganze deutsche Land. Ja, der Wurm im Innern nagte, theures Volk, Dir unbewußt; Und beim Leichengang der Freiheit tobt die Wuth in Deiner Brust.

Zitternd fliehn der Freiheit Strahlen, ach! die letzten zittern hin; Vor deS Stnrines grausem Wüthen bangend sie der Welt entflieh'». Un d i u a lle» deutsch en La »den dumpfdic Sterbeglocke hallt,

Und das deutsche Volk in Trauer z» der Freiheit

Grabe wallt.

C. C. Schlimm.

die Märzerkungenschaften hierbei nicht als Gnadenge­schenke aufgefaßt und strikt interpretirt, wie Hr. Müs­set wollte.

Nafsatttscher Landtag.

61 te Sitzung vom 6. December.

(Schluß.)

Wir wollen unsere Betrachtungen, welche w'k flüch­tig an die Kammerverhandlungen des 6. Dezember an. schlossen, mit der Bemerkung schließen, daß jedenfalls diejenigen Herren in der Kammer, welche vor einigen Wochen das Gesetz über die Einkommensteuer annah­men, (vielleicht bloß, weil die Regierung es vorgelegt hatte!) und es nunmehr so rasch wieder verwerfen, sich das glänzendste Armuthszeugniß ansstellen. Denn ent­weder ist das Gesetz unpassend und unausführbar so war cs dies schon vor einigen Monaten, oder es ist einige Mängel abgerechnet brauchbar, so durfte es nicht so ohne weiteres auf den Tadel Einiger hin, verworfen werden.

Wenkenbach I. fragt an: warum die Kosten­überschläge für die Chaussee von Wehen nach Schwal­bach, deren Bau doch beschlossen worden sei, noch nicht vorgelegt worden seien.

Die Regierung sichert Aufklärung in der nächsten Sitzung zu.

Von den RegierungSkommiffâren wird dann ferner ein Gesetz über die Armenpflege übergeben und eine Anforderung von 1500 fl., um mit dieser Summe die Correktionäre in Eberbach zu beschäftigen.

Die Wahlen Jung's und Heyden reich's werden nach Anhörung der Berichterstatter Müller II. und Habel über die Wahlhandlung, von der Kammer für zu rechtbestehend erklärt.

Die Kammer nimmt sodann an t

1) den von dem Ausschuß für das Gemeindegesetz ausgearbeiteten Wahlmodus bei Wahlen in den Gemeinderath ;

2) das von der Regierung vorgelegte Gesetz über die Einführung des Gemeindegesetzes;

3) die von der Regierung vorgelegten Instruktionen für die Gemeindebeamten erfahren Seitens der Kammer keinen Widerspruch. Der Ausschuß für daS Gemeindegesetz spricht jedoch den Wunsch aus: die Regierung möge demnächst ein neues Polizei- gesetz vorlègen,

Zu dem Gemeindegesetz stellt noch Wimpf den Antrag:Bei den fürs Erste nach dem neuen Gemein- degesefi vorzunehmenden Wahlen sollten Beamte der Wahlhandlung vorstehen."

Diesem Antrag, sowie dem von Hehn er:so oft eS eine Gemeinde wünscht, müsse die Wahlhandlung von einem Vetwaltungsbeamten geleitet werden", schenkt die Kammer ihren Beifall.

Die zwölf Apostel.

(Aus dem »Deutschen Bauernbuch" von C. A. Schloenbach.)

Der Winter von 1844 auf 45 wird gewiß so bald nicht vergessen; er war noch stärker als der Winter von 29 ans 30 und den empfanden doch wol manrbe Tausend arme Menschen weniger, denn in 15 Jahren sind einige Tausend Arme mehr geboren, viel Taufen mehr arm geworden.

Ich gebe hier ein Bild solch armer Menschen aus dem kalten Winter von 44 auf 45 und zu was der Mensch kommen kann.

Es war besonders der nordöstliche Theil eines be­deutenden Königreiches, der schon vorher, theils durch entsetzliche Dürre, theils durch anhaltende Regengüsse und weitverbreitete Ueberschwemmnugen, sehr wenig ärnb- tete von dem sehr Wenigen, was man aus Mangel an Saat- und Sep-Früchten hatte unterbringen können; und nun kam der schreckliche Winter daher: ein furchtbar mächtiger Eisriese, der mit den, manch hundert Meilen langen Eis-Armen die Menschen umfaßte, ach! und viele erwürgte.

Alles was von Elend und grenzenlosem Jammer die Zeitungen sagten oder nur sagen durften, war noch Wohlthat gegen die schreckliche Wirklichkeit. In den Städtchen lind großen Dörfern gab es hie und da wol noch einige Hülse für die Aermsten, wenn solche auch