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Mit Zkitung.

âeiheit und Recht!"

3o 236 Wiesbaden. Donnerstag, 7. Dezember I8L8.

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V> Ueber das Glück Nassaus und daS Glück ^Deutschlands.;

(Sine gestrebt, gehalten tmVercin fürFrcij- bett, Gesetz und Ordnung" in Langeweile- bürg, am 18. Oktober 1848, von N. Craiv- fisch, Dr. phil.

Deutsche Neichsbürger und Männer Nassaus!

Ihr wißt es, welch ein erhebendes Fest es ist, das wir heute feiern, und zu welchem als Festredner aus­erkoren zu werden, ich das Glück und die Ehre hatte. Es ist ein Fest glorreicher Erinnerung, daS wir heute am 18. .Oktober feiern. Uneingeweihete könnten glau­ben, wir feierten den Jahrestag der Schlacht bei Leip­zig, aber wir, in unserm Vollbewußtsein des ächten Herzoglich Nassauischen ConstitutionalismuS, wir wissen eS besser, daß die neueste Ze t herrlichere Tage gesehen hat, als jene Schlacht bei Leipzig; Tage, an welchen durch die Vorsehung Gottes und erleuchteter, fürFreiheit, Gesetz und Ordnung" begeisterter Männer mehr gelei­stet wurde, als an jenem Tag, wo man mit großem Verlust an Mannschaft wen Feind schlug; Tage viel­mehr, an welchen man, oder nein, an welchen jHerr MinisterialpräsideNt Hergenhahn, den wir mit Stolz den Unsrigen nennen (Allgemeines Beifallsgesäusel), durch die bloße Entwickelung einer kräftigen Macht, die wühlerische Partei, deren geringe^Anzahl die große Mehrheit der braven Bürgerschaft terrorist^te, ohne Widerstand der Autorität der Negierung unterworfen hat." Nun, deutsche Neichsbürger und Männer von Langeweileburg, wird es auch der Uneingeweihte erra­then können, welchen glorreichen Tages Monatsgedächt­niß wir feiern. Es ist der achtz-hnte Juli des Jahres post.Christum eintausend achthundert und achtundvierzig; jener Tag, an welchem der Reichskriegsminister von Peucker, Erzellenz, 'in Ausführung der erleuchteten Plane des Herrn Ministerialpräsidenten Hergenhahn, Erzellenz, mittelst Kaiserlich Königlich Oesierreichischer und Königlicher PrcnßischerZJnfanterie und Cavallerie und Artillerie, so bis dahin den Rainen Mainzer Bun- deSfestungsbesatzung führten, an diesem glorreichen Tage aber den erhabenen TitelReichstruppen" verliehen er­hielten, den ewig denkwürdigen Reichsfeldzug gegen Wiesbaden auSführte und dadurch, ohne einen Tropfen BlutS zu vergießen, ja ohne die geringste Beschwerniß der edeln Krieger, welche durch diegutgesinnten" Bürger mit Atzung und Trank gar köstlich verpflegt wurden, gegen die verruchte, wühlerische, demokratische ,Partei einen vernichtenden Schlag führte, der, nach dem un- bezweifelten Zeugniß des Reichskriegsministers von Peucker, Erzellenz, höchstselbst, seine Nachwirkungen äußerte bis hinauf tn das badische Oberland und bis hinab an des Rheines tiefunttlste Gestade.

Mögen andere den vierten März feiern, wir, die Männer fürFreiheit, Gesetz und Ordnung", wir

feiern den 18. Juli. Mögen andere am 18. Oktober das JahresLkdâchtniß der Schlacht bei Leipzig, mögen die Frankfurter am 18. Oktober das Jahresgedächtniß ihrer Verfassung feiern;wir, die Männer fürFrei­heit, Gesetz und Ordnung" feiern an diesem heutigen Tage das Monatsgedächtniß deS 18. Juli, des un- vergeßlichen Tages der erstenReichstruppen".

Berühren wir vorerst einmal das Wichtigere und wenden wir (si magnis licet componere parva, um mit Ovidius zu sprechen) unsere Blicke auf das Nächste, auf unserenVerein für Freiheit, Gesetz und Ordnung". Was war er vor dem 18. Juli? Oh, (infandnm, regina, jubes renovarc dolorem, um mit Virgitius zu sprechen), er war, kaum wage ichs zu sagen, bei­nahe ein Kinderspott! (Murren auf der äußersten Rechten.) Ob, ich beschwöre Sie im Namen des kon­stitutionellen Bewußtseins, meine Herren, verkennen Sie meine pflichteiftige Gesinnung nicht. Wenn ich dieses Wort aussprach, daS Ihr Murren hervorrief, so that ich es bloß, um eine traurige Vergangenheit in einen um so auffallenderen Kontrast zu setzen mit einer glänzenden Gegenwart mit einer noch glänzenderen Zukunft. Ja, gestehen wir es uns, vor dem 18. Juli wurden wir mit einem unangenehm klingen­den Spitznamen verfolgt, verlacht und verspottet, und der Same, den wir, als ein getreuer Saemann des Herrn, ausstreueten, fiel theils auf steiniges Erdreich verhärteter Herzen, theils unter die Dornen wilder Denkungsart, und wo er auf fruchtbares Erdreich fiel, da wurde er überwuchert von dem üppig wachsenden Unk aut der Demokratie.

Aber nach dem 18. Juli, seht, wie die Tage sich sonnig verklärten! Die Demokratie verstummte, und unser war der Sieg! Und wie früherdie geringe Anzahl der Wühler" die^große Mehrzahlbraver und gut gesinnter" Bürger terrorisirt hatte, so haben wir seitdem durch das Uebergewicht unserer glänzenden äußeren Stellung, durch wohlangebrachte Winke, die bereitwillig befolgt wurden, durch Vertheilung der Kundschaft an gesinnungstüchtige Handwerker und durch sonstige Mittel, deren öffentliche Aufzählung weder staatsmännischen Takt noch diplomatisches Verständniß beurkunden würde, mit Gottes und der Reichstruppen Hülfe, die wühlerische Partei in den gebührenden Schranken einer durch heilsamen Schrecken gebotenen Zurückhaltung, Unterwerfung und Verstummung gehalten.

Nachdem wir so zuerst das Wohl und Gedeihen unseres Vereines, der für uns stets das Wichtigste sein und bleiben muß, einer zwar kurzen, aber erheben­den Betrachtung unterworfen, lassen Sic uns jetzt noch unsere Blicke hingleiten über das Entferntere und minder Wichtige, nämlich über das Wohl und Ge­deihen unseres kleineren Vaterlandes Nassau und unse­res größeren Vaterlandes Deutschland.

Deutsche Neichsbürger und Männer von Lange­weileburg !

Gestehen wir es uns in unserem Vollbewußtsein

des acht Herzoglich Nassauischen Constitutionalismus, wir leben in einem kleinen, aber musterhaften Staate' Wir Nassauer hatten zuerst von allen deutschen Staa' ten eine konstitutionelle Verfassung in dem Sinne der Neuzeit. Zwar pflegte ein großer Rechtsgelehrter, der verstorbene Geheimerath Zachariâ in Heidelberg, zu sagen, die konstitutionelle Verfassung des Herzogtum s Nassau sei ein redender Beweis dafür, daß ein Fürst, wenn er zeitig Konzessiouen mache, nur sehr kleine und so zu sagen gar keine zu machen brauche; allein lassen wir uns durch solche gelehrte G illen nicht beirren und seien wir nach dem Spruche des großen Monarchen Cäsar:Lieber in diesem Dorfe der Erste, als in Rom der Zweite", damit zufrieden, daß wir die Ersten ge­wesen sind. Und was etwa Mangelhaftes an dieser Verfassung war, das ist gewiß durch deren verbesserte und vermehrte Auflage vom Jahre 1831, insbesondere durch die damals» erfolgte ansehnliche Verstärkung der imposanten Macht derHerrcnbânk", wieder ausge­glichen worden.

Wir Nassauer hatten zuerst vor allen deutschen Staaten die Preßfreiheit. Sie ist uns zwar nach- gehendS wieder abgenommen worden, allein was liegt daran ? Wir behielten deßhalb doch den Ruhm, sie zu­erst gehabt zu haben.

Bei uns Nassauern wurde zuerst, schon 1809, die Prügelstrafe abgeichafft. Man hat sie zwar später aus höher» Staatsrücksichten für zwei Menschenklaffen, näm­lich für die Vagabunden und die Soldaten, wieder ein- führt. Allciu was liegt daran? Der friedliebende und seßhafte Bürger war doch sicher davor, und wir be­hielten doch den Ruhm, eine Zeit gehabt zu haben, wo wir sie nicht hatten.

Endlich die Bewegung des März, brach sie nicht zuerst bei uns los, und hatte sie nicht die Tendenz, (wie uns dies ein Leiter derselben versichert, der einen in den Staub geworfenen neuen Filzhut für sie zum Opfer gebracht hat), statt die bis dahin bestandene Ver­fassung abzuändern, sie bloß zu stützen und neu zu kräf­tigen? Ist es nicht, mit Gottes Hülfe und Mitwir­kung der lieben Obrigkeit gelungen, den gangen Sturm, trotz einiger höchst gesetzwidriger Flinten, Karste, Heu­gabeln und Hirschfänger, in eine verfassungsmäßige und höchst loyale Bestrebung umzug'stalten, und den wilden Strom des aufgeregten Volksgeistes, durch Prcißgebung einiger kleiner Opfer, in Schultheisen und Förstern be­stehend, in den wohlausgemauerten Canal des Gesetzes und der Ordnung hinüberzuleiten? Ist man irgendwo loyaler gewesen, als bei uns, wo es der Leiter der Bc- wegung beinahe durchgeseßt hätte, daß man sich mit den Zu'agen eines minderjährigen Prinz-n begnügte? Freilich bat die wühlerische, demokratische Partei in dem neuen Wahlgesetz, das unverantwortlicher Weise in Volksversamm'ungen und in Wirthshäusern berathen wurde, einen Sieg erfochten, aber wenn Gott will, geht auch dieser Kelch wieder qn uas vorbei.

Zum Schluß aber, deutsche Reichsbürger und Män-

S Ueber die Besoldung der Lehrer.

Die Gemeinden besolden die Lehrer in angemessener Weise, unbemittelten Gemeinden kommen hierbei Staats­mittel zu Hülfe" so bat die hohe National-Versamm- lung zu Frankfurt am 26. Sept. d. I. vorläufig be­schlossen und dadurch, vielleicht in der beßten Absicht, den deutschen Volksschulen einen sehr empfindlichen Streich versetzt.

Bis jetzt haben die Gemeinden die Lehrer besoldet. Wie? das ist leider bekannt genug. Unter den tau­send Lehrern unseres HerzogthnmS sind nur sehr wenige, deren Besoldung in Einklang steht mit den Mühen und Lasten ihres AmteS, in Einklang mit den billigen For­derungen der Zeit. Viele, fast möchten wir sagen die meisten, nagen an dem Hungertuche, sie fristen ihr Leben kümmerlich und kärglich, täglich hoffend auf bessere Zei­ten. Aber

Die Welt wird alt und wird wieder jung

Und der Mensch hofft vergebens Verbesserung!"

So geht's den Lehrern besonders. Sie hoffen und darben dabei ; sie hoffen und werden wenn auch nicht alt w büds krank und gebrechlich ob der vielen Mühen nnd Entbehrungen; sie hoffen und sterben über ihren Hoffnungen eines allznsinhcn Todes und an ihren Grä­bern weinen trostlose Waisen, deren sich Niemand er­barmen mag. Es soll Thatsache sein, das; noch vor zwei Jahren ein Lehrer sein treues Hausthier verzehrte.

Ich habe ihn gekannt, diesen Lehrer und auch seine Ar­muth ; er ist gestorben in derselben; als er todt war, besorgten die Nachbarn ein Leichenhemd, unter seinen Hem­den war kein geeignetes zu finden. Bedarf es mehr, um zu beweisen, daß die Gemeinden ihre Lehrer schlecht besolden?

Aber künftig sotten sie dieselben inangemessener Weise" besolden, und somit würde denn doch für sie gesorgt. Wir bezweifeln dieses sehr. Auch bis jetzt glaubte man, die Lehrer seien auf angemessene Weise be­soldet. Man maß ihnen wohl ihre Besoldung an, aber nur zu knapp. Ihre Bedürfnisse wurden geringer er­achtet, als die eines Reitpferdes. FürEsclsarbeit" gab manZeisigsfutter", wie schon Melanchton be­merkt. Sie erhielten trotz aller Klagen nur Ver­tröstungen auf den Himmel. lind so wird es bleiben, so lange, als nicht bestimmte Zahlen für die Lehrerbc- soldnngen festgesetzt werden, so lange die einzelnen Ge­meinden die Besoldungen bezahlen sollen. Der Bürger und Landmann mag noch so gut und brav sein, wenn's aiis Bezahlen geht, dann schiebt er sich gern davon und mitunter nicht mit Unrecht, denn das Erwerben hält ihm heutigen Tags schwer, die Ab- und Ausgaben aber sind nicht gering. Also von dieser Seite her haben die Lehrer wenig oder gar Nichts zu hoffen. Sind doch die Fälle vorgekommen, daß man einen Lehrer zu entfernen suchte, um einen andern für eine geringere Be­soldung annthmen zu können.

Alich damit, daß unbemittelten Gemeinden Staatsmittel bei den Lchrerbesoldungeii zu Hülfe kommeH fallen, ist im Grunde wenig gesagt, wenn nicht, wie oben angebeutet, erst das Maß der Besvl- dungcn bestimmt wird. Soll die Volksschule gedeihen und Früchte bringen, so muß sie als Staatsanstalt be­trachtet und hinsichtlich der Besoldungen völlig vom Staate erhalten werden. Alle Staatsbürger haben nämlich gleiches Recht auf allgemeine Bildung, allen müssen daher anch gleichmäßig die Mittel dargebvtcn werden, sich dieselben zu erwerben und zwar unabhängig von dem Vermögen der Gemeinden. Diesen muß blos die Sorge für Lehrzimmer und Schulbedürfniffe, sowie für Lehrerwohnung nebst einigen Ländereien überlassen bleiben.

Aber woher soll den» der Staat das Geld nehmen, um die vielen Lehrer zu befvlden? Rechnen wir für 1000 Lehrer unseres HerzogthumS die Durcl'fchnittsbe- soldnng zu 500 [L an, so müßte ja die Sraatscaffe eine Ausgabe von 500,000 fl. mehr, als bisher übernehmen und dieses wegen armseliger Schulmeister?

Auch das ließ sich machen, wenn man nur ernstlich wollte. Bei vielen Schulen befinden sich bereits Pfründen welche als bcivndere Schulcasse verrechnet werden. Man behalte dieselben bei und berechne sie gum Beßten der Gemeinden, denen sie bisher gehörten, resp, rechne sie bei: betreffenden Lehrern als Besoldungstheil an; eine