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M 2AA Wiesbaden. Mittwoch, 6. Dezember I8L8.

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HM An die Kleinmüthrgen.

Nichts ist verloren und verschwunden, Was die gâimniMoll waltenden Stunden In den dunkelschaffenden Schvoß aufuahmcu. Die Zeit ist eine blühende Flur, Ein großes Lebendiges ist die Râr, Hub Alles ist Frucht und Alles ist Samen. Schil l er.

Noch leben wir mitten in dem Kampf, den das deutsche Volk für seine Nationalität und seine Freiheit kämpft, noch sehen wir daS Ringen der Parteien, noch immer sollen die Ideen, die halb Europa in Bewegung gesetzt, und die alten staatlichen und gesellschaftlichen Bandegklockert, sich Bahn brechen; aber schon will man zurückwcichcn und Hon ruft man (ja! mitten aus dem Volke):es ist ausgekâmpft, es ist ausgerungen, das Volk wird unterliegen, die Waffen sind ungleich, das Volk hat Nichts alS die Macht des Worts und das Bewußtsein der Gerechtigkeit seiner Sache, ihm aber gegenüber steht die Gewalt, die physische Macht, und wèr die Gewalt hat, hat auch das Recht." Es ist wahr, es ist schon viel geschehen,zu viel der Schmach, zu viel des Hohns", kühn und keck erhebt sich die Re­aktion, Wien hat seine Freiheit und Deutschland hat Wien verloren. Berlin ist wehr- und rechtlos und möglich, daß PreußenUnterthan" wird seinemritter­lichen" König: wahrlich viel sind die Leiden des Volkes. Aber dennoch sage ich Euch Kleinmüthigen, Eure Furcht ist Schwäche und Euer zweifelndes Urtheil ist Kurz­sichtigkeit. Haltet Ihr fest an Eurer Sache und seid Ihr von der Gerechtigkeit Eurer Sache überzeugt, so wird Euer Urtheil günstiger lauten und Euere Furcht Euch voreilig scheinen, Euer Handeln aber erfolgreicher sein. Denn wer deu Glauben an seine Sache verliert, der ist selber verloren, oder dessen Sache steht schlimm.

Warum aber ist jene Furcht voreilig und das Ur­theil kurzsichtig d Eben darum, weil die Sache deS Volkes gerecht ist, und weil Ideen, die die menschliche Gesellschaft durchdrungen, nie und nimmer mit Gewalt unterdrückt werden können. Es ist einmal die Idee der Gleichberechtigung Aller am Staate, der ungehin­derten Entwicklung des menschlichen Geistes, der Noth­wendigkeit staatlicher und sozialer Verbesserung in das Volk geschleudert worden und diese läßt sich nicht mit Bajonetten ausmerzen. Denn Alles ist Frucht und Alles ist Samen." Sagt mir ein Beispiel in der Geschichte, wo einer großartigen Idee ein nachhaltiger Widerstand geleistet worden wäre. Ueberall dringt die Wahrheit durch. Ihr sagt, das Volk ist machtlos, es hat Nichts, als die Gercchligkeit seiner Sache. Aber dies ist genug, hinlänglich genug und mag sich die Ge­walt noch so sehr dagegen stemmen sie wird zer­trümmert. Ja, es ist etwas Wahres dran: wer die Gewalt hat, hat auch das Recht. Aber wenn sich das sogenannte Recht keine anderen Gründe aufzuwei- sen hat, als die Bajonette, Nichts für sich hat, als die nackte Gewalt, so ist seine Herrschaft von kurzer Dauer,

Triumph der Wahrheit.

Frohlocke nicht!

Denn eifersüchtig sind Beg Schicksals Mächte. Voreilig Jauchze» greift in ihre Rechte.

Den Samen legen wir in ihre Hände;

Ob Glück, ^vb Unglück aufgeht, lehrt das Ende."

> Wallenstein.

Gekommen ist dein letzter Tag, o Czeche, Schoy winkt der hohe Scheiterhaufen dort; Umfonfl, was immer dein Geleitsbrief spreche, Der Kaiser Sigismund hält dir kein Wort.

Die Feinde, die nach deinem Bl nie dürsten, Sie halten dicht den Kaiserthron umstellt Und Pfaffenlist bethört den schwachen Fürsten, Daß man dem Ketzer keine Treue hält.

Fest nahet Huß, mit Rechtbewußtem Gange, Frei schwebt sein Blick, umwölkt Von keinem Weh'. Aus Kostnitz ruft's mit dumpfem Glockenklange, Unmuthig braust und schäumt der Bodensee. In Staffen wogt, den Gräuel zu begaffen Das blinde Volk, es wimmelt schon der Platz Von hoben Rittern und von fleisch'gen Pfosten Et blanken Helme» und mit weißer Glatz'.

Noch ei,! Mal reitet zu des Holzes Stichen, Wo Huß gebunden an den Marterpfahl, Der Pfälzer Ehlirfürst, mahnt zu widerruft», Und giebt ihm zwischen Tod und Freiheit Wahl,

und der Untergang ist gewiß. Der Satz: wer die Ge­walt hat, hat auch das Recht, ist demnach nur halb wahr. Denn die Gewalt kann sich nur dann dauernde Geltung verschaffen, wenn sie auch die Wahrheit und Gerechtigkeit, d. h. die Idee der Zeit, in sich faßt. Jenen Satz müssen wir also so umwandeln: Ein wah­res Recht soll die Gewalt für sich haben und die Ge­walt mit der Gerechtigkeit kaun erst ein dauerndes Recht begründen.

Aber noch mehr ist Eure Furcht voreilig, und Euer Urtheil kurchsichtig, wenn Ihr gerade jetzt Eure Sache verloren gebt, wo die Reaktion mit blanker Waffe her­vortritt, wo sie gewaltsam und ungestüm handelt und ihre Siege blutig erkauft. Grade dieses Stürmische, dieses Rasche im Handeln, ist ihr größter Fehler; grave daß sie Alles mit Schrecken und immenser Gewalt nie­derbeugen will, p'ophezeiht ihren nahen Untergang. Blicket Euch um in der Geschichte, und sehet, wann die Völker ihre Fesseln brachen? Dann, wenn das Joch am unerträglichsten, und die Ketten am schwersten lasteten. Je größer und gewaltsamer die Knechtung, desto näher stand die Befreiung, und je ungestümer und gewaltthätiger ein Versuch zur Befreiung unter­drückt wurde, um so gewisser, aber auch um so schreck­licher war die Erhebung.

Wahrlich, die Niederländer hätten nicht ihre Frei­heit eikämpft, wenn nicht ein Alba erschienen wäre. Erst mußte die Tyrannei ihr? Geißel schwingen, kost­bare Opfer mußten fallen, bis aus der blutigen Saat ein Fieiheitsbaum entsproß. Den Schweizern mußte erst ein Geßler geschickt werden, bis das Volk seine Kraft entwickelte. Auch das deutsche Volk hat schon Niederlage auf Niederlage erlitten, auch das deutsche Volk hat E g in o n t s und Horne aufzuweisen, schon sind edle Opfer gefallen; noch seufr.k Berlin unter der be­waffneten Reaktion, noch durchchnt die Klage um Wiens Fall das Land, kaum noch ist die Leiche Blums er­kaltet , noch klaffen die Wunden edler Wiener, aber

Alles ist Frucht und AlfleS ist Samen."

Nationalversammlung zu Frankfurt,

126. Sitzung.

(Schluß.)

'An der Debatte über die Aufhebung der Flußzölle betheiligten sich Abg. Francke, dann Mohl und Han­delsminister Duckwiß. Unter mehreren Anträgen wurde jener von Fallati und Koch angenommen.

Hiergegen erhob sich jedoch von der linken Seite lebhafter Widerspruch, indem M. MobI die namentliche Abstimmung verlangt, der Präsident v. Herrmann aber dieselbe nicht ungeordnet habe. Andererseits wurde be. hauptet, die namentliche Abstimmung sei nicht speziell für diesen Antrag vorbehalten worden. Nach längerer Debatte wurde die obige Abstimmung durch Mehrheits­

Wie Huß, du wählst die Flammen ohne Grauen, Und deine Wange wird nicht bangend bleich? .Kühn darf der Edle nach dem Grabe schauen, Und nur der Schurke fvird im Tode feig.

Ich stehe fest, ruft Huß, der heil'geu Wahrheit O zündet nur den steilen Holzstoß an, Die Zukunft zeigt sich mir i«. goldner Klarheit Und auch kein Kaiser hemmt des Schicksals Bahn; Heut bratet ihr die Gans, nach hundert Jahren Entschwebt dem Himmel ein geweihter Schwan, Vergebens mögt ihr feindlich ihn umfchaarèn, Sein Licht zerstreut,.des Aberglaubens Wahn."

So ruft der Held, schon lecken gier'ge Flammen Mit heißen Zungen lechzend in die Höh'; Still, betend sinkt der Märtyrer zusammen, Und dumpfer tost ergrimmt der Bodensee. Wie sich mit Lust die Pfaffenwangen malen Sie wähnen sich entronnen jeder Noth! Verloschen ist der Stern mit seinen Strahlfti, Der ihrem dunklen Treiben kühn gedroht.

Zu Cünstanz zeigt man noch die grauen Hallen Von dem Concil und auch manch fürstlich Blut Besah den Saal und hohe 9Limen fallen Im Vorplatz' auf, den sie zu seh'u geruh't. Hier war er' (dachten sie) in diesen Schranken, Wo man ein Kaiserwort verletzt zur Schmach, Und endlich, trotz Gewalt und lifTgem Schwanken, Die Wahrheit siegend durch bad Dunkel brach."

Gefeiert wird der Held, der stolz verhöhnte, Versunken ist der Mönche wilde Jagd! Kein Kaiser mehr, den man zu Frankfurt frönte, Zertrümmert üpp'ger Priesterhcrrschaft Macht; .

beschluß als gültig aufrecht erhalten, auch die Frage, ob der von Waitz (später von Drechsler) zu einem an­dern Antrag gestellte Zusatz, daß die Freiheit von den Flußzöllen mit dem 1. März 1849 eintreten solle, noch zur Abstimmung zu bringen sei, mit 229 gegen 194 Stimmen verworfen. Zimmermann von Stuttgart und äirdere Mitglieder gaben einen Protest zu Protokoll.

Ueber die Beschwerden der Segelschiffer auf deut Rhein wurden nach einer Berathung , an welcher Francke, M- Mohl, Kolb, v. Herrmann (b;t das Präsidium wieder an Rieser überlassen), Fal­lati und Raveaur Theilnahmen, folgende Beschlüsse gefaßt: 1) es sei die Centralgewalt zu ersuchen, dem Reichsminister des Handels aufzugeben, wegen Entwer­fung einer neuen Flußschifffahrts-Ordnung durch die Reichsgesetzgebung, sobald als irgend thunlich, die er­forderlichen Einleitungen zu treffen und hierbei vorlie­gende Anträge in geeigneter Weise zu berücksichtigen. 2) Die Centtalge walt zu ersuchen, nach vorgängiger näherer Prüfung bei den betreffenden Einzelstaaten an­gelegentlich dahin zu wirken, daß die Verschiedenheiten, welche bei der Zolibehandluug und sonstigen Abfertigung, so wie bei der Besteuerung, zwischen Segelschiffen und Gütcrdampfschiffen etwa bestehen, bald thunlichst, resp, für beseitigt erklärt und auf eine der Gerechtigkeit ent­sprechende Weise abgeänvert werden. 3) Die übrigen Beschwerden an die Centralgewalt zur kräftigsten Ver­wendung bei den Einzelstaaten zu verweisen.

Auf der Tagesordnung stand sodann die Berathung über daS Kapitelvom Reichstag". Vorerst berichtete Dahlmann im Namen des Verfassungs-Ausschusses über einen präjudiziellen Antrag von Watzdorf, Rühl und Genossen:diesen Theil deS Verfassungsentwurfs nicht eher auf die Taqesprduung zu bringen, MS das Gutachten des V^rsassungsausschusscs über die Organi­sation der vollziehenden Gewalt vorliege." Der Aus­schuß beantragt Ablehnung des Antrags. Nachdem Fröbel, Waitz und v. Watzdorf gesprochen und Letzterer seinen Antrag dahin modisicirt hatte, daß we­nigstens Art. V. (welcher das gegenseitige Verhältniß des Reichstags und der Neich^gewalt betrifft) ausMetzt bleibe, bis ein Beschluß über die. Erecutivgewalt vör- liege, wurde abgestimmt und der Waitzdorf'sche Antrag abgelehnt.

Weiter beantragte Dahlmann Namens des Ver- faffungsausschusses, daß 1) jede Woche zwei nach einan­der folgende Sitzungen zur Berathung über die redi- vivirten Grundrechte und zwei aufeinanderfolgende Sitzungen zur Berathung über den Reichstag und die noch rückständigen Theil der Verfassung bestimmt, 2) auch für das Kap'tel vom Reichstag die zweite Lesung augeordnet, und 3) bei 8 3 desselben (welcher die Zahl der Mitglieder des Staaten Hauses für die einzelnen Staaten ftsiseßt) die Mediatisirungsfrage auf die Tages­ordnung gebracht werde. Wiga rd beantragt dagegen, ^ erst die Grundrechte berathen oder doch wenigstens

Hoch oben rollt, von Geisterkraft umflösse», Das Rad in dem geheimnißvollen Saal'. Und was des Schicksals Wille ernst beschlossen, Das hemmt kein Kaiser, zwingt kein General."

Mr« Stemm

MSS (Allegorie aus dem Leben). Im Strahle der jungen Frëiheiissoüiie, die tausend schlninincrude Kräfte besruchteud ins Dasein rief, ward auch in Hadamar ein Kindleiu geboren, dessen Werden schon up'gcwöDliche Zeichen begleiteten und seine außcrordentliwe Bestimm­ung und Größe ahnen ließen. Keine Mütter trug's unter ihrem Herzen: wie Minerva einst ans Jupiters Haupt, so entsprang cs schmuck und frisch des Vaters Gehirne, der es Monate lang mit Schmerz und Liebe dort gepflegt.

Wohl sah er mit manch bänger Besorgnis; der Ge- bürtsstunde seines Lieblings entgegen: die Bestreitung der Entblndnngskostcii , die Nahrungssorge in harter Zeit, Geschwisterzwietracht, Elternneid und wie die llu- glzicksgeiucu alle heißen, die das junge Leben umflattern, waren wohl geeignet, die Stirne des Vaters zu umwvl- fen, und in tiefes ginnen uuv Nachdenken verseilst, sah Mn'M seitdem manchmal durch Flur und Straße stür­men. ^doch leichtes Bln.1 und kühner Mulf) erbebt vor keinem Hinderniß.' Mächtige Gevatterleute erboten sich fit reichen Kmdlaussgabcu; fromme Schauern umstanden des Säuglings junge Wiege mit- gelobten dco Vateps