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chenen Grundsatz handelte:Dem Schullehrer muß man"'den Daumen auf dem Auge halten!"

Ein gewisser Schulinspektor konnte keinen jungen Lehrer auöstehen; was er that, um das Altern dersel­ben zu beschleunigen, weiß ich nicht, aber beliebt war er nicht.

Wie sehr man dem Untergebenen gegenüber zum Prahlen mit gediegener pädagogischer Bildung geneigt war, geht daraus hervor, daß ein junger, noch uner­fahrner SchulvorstandSpräscs vor nicht langer Zeit gegen einen Lehrer behauptete, der Geistliche wirke in vier Wochen durch seinen Konfirmandenunterricht mehr, als der Lehrer in vier Jahren! O glücklich bist du, findest du ein ssrommes Häuflein, dessen Glaube so stark ist, daß es selbst hieran nicht zweifelt! Wozu bezahlt denn das Volk noch Lehrer, denen es seine Kinder acht Jahre schicken muß, während dieser sel­tene Mann in ach ^Wochen fertig wird? Sollte er im Besitze desNürnberger Trichters" sein?

Mancher Lehrer wußte nicht zu begreifen, warum er nicht vorankommen, nicht zufrieden leben konnte; kalte abstoßende Behandlung, Verweise waren ihm nichts Seltenes: die Ursache lag in den geheimen Kon- duitenlisten, vom Pfarrer und Schulinspektor geführt und der Regierung zur Bemessung vorgelegt. Was hier stand, diktirte zuweilen bloß das Leben des Lehrers in und außer seinem Berufe, mitunter aber auch der Schmerz der Hühneraugen, wenn nämlich derselbe das Unglück hatte, seinem Geistlichen im Dunkeln auf eine Fußzehe zu treten; immer aber gab es der Regierung den Maßstab zur Beurtheilung und Behandlung des Lehrers ab, der nicht hinter die Sache kam, wenn es nicht auf folgende oder ähnliche Weise geschah. Man höre:

Geistlicher und Lehrer eines Ortes, den ich nicht nennen mag, kamen in Wortwechsel über eine Privat­sache, wobei dieser, von jenem sehr beleidigt, demselben bittere Wahrheiten zurückzahlte. Der Geistliche griff zum letzten Mittel, seine Neberlegenheit zu zeigen, und drohte dem Lehrer, daß sein Bericht über die Herbst­prüfung schlecht ausfallen solle, worüber derfelbe lachte, weil eine Schwalbe keinen Sommer macht und er sich rühmey darf, der Regierung als tüchtiger Schulmann durch tüchtige Geistliche dargestellt worden zu sein: Wir wollen sehen, wie die Geschichte endigt, ob er nicht für seine Kühnheit einen Verweis erhält!

Die Geistlichen, welche sich die ungetheilte Liebe ihrer Lehrer erwarben, sind auch zu finden, sind aber leider Seltenheiten.

Berlin, 26. Nov. (Wie man hier die ge­setzliche Freiheit schützt.) Davon liefert eine in der Vossischen Zeitung veröffentlichte Korrespondenz der Stadtverordneten mit den Staatsbehörden einen neuen Beweis. Der Stadtverordn. Kaufmann Heyl hatte bei der Stadtverordneten-Versammlung darüber Be­schwerde geführt, daß am 15. d. M. sein Haus von einem Hauptmann des Kaiser Franz-Regiments, ohne sich durch eine schriftliche Ordre auszuweistn, mit einigen Hundert Mann Soldaten umstellt und bei Laternen­licht bis an die Dachsp^tze durchsucht worden sei. Die Stadtverordneten-Versaminlung legte gegen diese Ver­letzung des Gesetzes vom 24. Sept. d. I., wonach die Wohnung unverletzlich ist, Verwahrung ein, mit dem Bemerken, daß ihr ähnliche Beschwerden auch von an­derer Seite zugekömmen seien. Zugleich gab sie dem Staatsanwalt davon Kenntniß mit dem Anträge, die von Herrn Heyl angezeigte Verletzung des Gesetzes vom 24. Septemb. in geordnetem Wege zu verfolgen. Das Staatsministerium benachrichtigt in seinem Antwortschreiben die Stadtverordneten-Versammlung, daß ihre Beschwerde dem General v. Wrangel zur näheren Untersuchung zugefcitigt und daß zur Aufrecht­haltung und Geltendmachung der Vorschriften im §. 1 und 6 des cit. Gesetzes das Geeignete sowohl an v. Wrangel als an das Polizei-Präsidium erlassen worden sei. Der Staatsanwalt lehnt die Verfolgung der an­gezeigten Gesetzübertretung aus dem Grunde ab, weil die bei dem Kaufmann Heyl vorgenommene Haus­suchung von der Militärbehörde angeordnet wor­den und nur Militärpersonen dabei mitgewirkt haben, diese aber nicht der Civil- Strafgerichtsbarkeit unter­liegen.

Brandenburg, 28, Rovbr. Klub Brünneck. Auch heute sind die Tribünen schon früh besetzt; das.Publi­kum, wie gestern.

Bald nach 11 Uhr erschienen die Minister sämmt­lich im Ueberrock. Kaum sind sie eingetreten, so tritt Brün neck an sie heran; Brandenburg, Laden­berg, Strotha hören ihm eifrig zu, während Man­teuffel mit andern Deputaten konserirt. Das Ge­spräch wird immer lebhafter; Baumstark demonstrirt, Brandenburg hört mit einem unbeschreiblich öden und leeren Gesichtsausdruck zu; Reichensperger gesiiku- lirt sehr eindringlich man sieht ihn mit höchst schwie­riger bedenklicher Miene die Achseln zucken. Man­teuffel, der mit dem neu eingetretenen Hansemann und Harkort konserirt, macht ein grimmig verbissenes Gesicht. Allmählich ziehen sich diese kleinere Gruppen zu einem einzigen größeren Klub zusammen, in welchem eS außerordentlich aufgeregt hergeht und nur eigentlich die Minister passiv und schweigend sich verhalten.

llm 11 Uhr erklärt der Präsident v. Brünneck dje Sitzung für eröffnet. Er will, von mehreren Sei­ten privatim dazu aufgefordert, daS Protokoll vom 9. November vorlesen lassen; Reichensperger protestirt ba* gegen, da die Versammlung nicht vollzählig sei; nach

kurzer Debatte wird das Protokoll der gestrigen Sitzung verlesen und angenommen.

Präsident v. Brünneck:Es sind mehrere Urlaubs­gesuche eingegangen" ein halblautes Gelächter läßt sich in einem Theile des Saales hören; die Majorität ergreift Verzweiflung, Angst und Schrecken, als sie durch dieses neue Manoeuvre die Zahl der Getreuen noch mehr bedroht sieht; Reichensperger eilt stürmisch auf das Büreau und spricht einige Worte mit dem Präsi­denten.

Brünn eck: Es wird so eben der Antrag gestellt, die Versammlung auf eine Stunde zu vertagen, damit die Abgeordneten über wichtige Mittheilungen, die uns demnächst zugehen werden, sich vertraulich besprechen können. Viele Abgeordnete verlangen iebhaft den Namensaufruf Bewegung und Unruhe; fast Lärm im Dom zu Brandenburg.

Pelzer trägt darauf an, man möge genau daran Halten, daß sich die Abgeordneten schriftlich um daS Wort melden müßten, damit die Versammlung dem Lande zeige, daß sie, wie in Berlin, so auch in Bran­denburg, die Rechte des Volkes, nicht minder aber die Rechte der Krone wahre.

Die Versammlung beschließt, ohne darauf einzugrhen, die Vertagung auf eine Stunde. -- 12 Uhr.

Die königliche Botschaft enthält eine neue weitere Vertagung bis zum 11. Dezember, wie man sagt, um die Stellvertreter einzuberufen und resp. Neuwahlen zu veranstalten; ein Theil der Versammlung ist damit doch nicht so ganz zufrieden, und besteht darauf, daß die Ver­sammlung wenigstens selbst die Vertagung ausspreche, da die Herren der Regierung das Recht einer einseitigen Vertagung nur als Anhang zu der nach ihrer Meinung nothwendigen Verlegung gestatten. Die Abgeordne­ten treten zu einer ve»traulichen Besprechung im Casino zusammen, in Folge deren das Ministerium die königl. Botschaft zurückzieht.

Um 1 y2 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet, die Minister fehlen. Der Namensaufruf wird veranstaltet.

Das Resultat der Stimmzâhlung ist, daß 159 Ab­geordnete anwesend sind.

Der Antrag, die Sitzung bis morgen zu vertagen, wird gestellt. In demselben Augenblicke treten die Minister herein.

Simons motivirt als Antragsteller seinen Antrag auf Vertagung; ob morgen derselbe Zustand noch sein werde, könne er nicht übersehen. Er kündigt außerdem für Donnerstag den Antrag an, daß die Versammlung das Ministerium ersuchen möge, für die abwesenden Abgeordneten die Stellvertreter einzuberufen.

Ministerpräsident Brandenburg:Ich bitte um das Wort." Dann liest derselbe:Die so eben ver­lesenen Anträge stimmen mit dem Wunsche der Regie­rung, das Werk der Vereinbarung der Verfassung bal­digst zu beginnen, überein; wenn also die Versammlung sich bis morgen 11 Uhr vertagen will, so hat die Ne­gierung dagegen nichts zu erinnern." (Bravo und Zischen.) Die Vertagung bis morgen 11 Uhr wird mit großer Majorität beschlossen. Schluß 2V» Uhr.

Breslau, 27. Nov. Gestern Nachmittag sollte auf dem Neumarkt eine Volksversammlung stattfinden. Plakate ohne Unterschrift hatten dazu eingeladen. Von Seiten der Demokraten wurde vor der Einladung, als von der reaktionären Partei ausgehend, gewarnt. Na­türlich fanden sich aber doch eine Menge Menschen ein, die sich bald wieder zerstreut hätten, wenn nicht der schwarzweiße Laudwehrverein (der, aus wenig Mitglie­dern bestehend, m$t mit dem zahlreichen demokratischen Landwehrverein zu verwechseln ist) angerückt wäre. Ein gewisser Paul v. Nimptsch, ein berüchtigtes Weikzeug des schlesischen Adels- und Beamtenthums, hatte sich an die Spitze gestellt. Es währte nicht lange, so war der Zweck dieser saubern Klique Hervorrusung eines Krawâis wenigstens theilweise erreicht. Es kam alsbald zu einer großartigen Prügelei, von der die Knochen der tapfern Streitermit Gott für König und Vaterland" noch längere Zeit zu berichten wissen werden. Ohne das kräftige Einschreiten deö demokra­tisch gesinnten Anger-Bataillons der Bürgerwehr konnte der Plan der Schwarzweißen Herbeiziehung des Militärs gelingen. Diesmal aber halten Herr Nimptsch und seine Schaar wieder pour le Roi de Priisse gearbeitet.

Zum Schluß bemerke ich noch, daß dieser schwarz- weiße Landwehrverein sich dem kürzlich hier aufgeschos­senen ReaktionSpilze dem Vereinfür Gesetz und Ordnung" hier angeschlossen hat! (N.R.Z.)

Mislowitz, 26. Nov. An unserer Grenze, etwa eine Meile von hier, bivouaquiren gegenwärtig 12,000 Mann Russen mit 40 Geschützen ; ebenso sind an der galizischen Grenze etwa 10,000 Mann aufgestellt.

(N. RH. Ztg.)

Von der Weichsel, 22. Novemb. (Stimmung des Militärs.) So eben erfahre ich, daß die Landwehr in Marienburg im Begriff steht, sich ihrer Einkleidung zu widersetzen. Auch unter der Linie herrscht die größte Aufregung, da man in Königsberg und Pillau eine Anzahl von Offizieren und Unteroffi­zieren, die bei einer Adresse an die National-Versamm- lung betheiligt sind, vor ein Kriegsgericht gestellt hat.

(Börsenh.)

Oldenburg, 24. Nov. In der gestrigen Sitzung unseres Landtags wurde über das Steuerverwei­gerungsrecht berathen und folgender Beschluß ge. faßt:Den Landständen steht das Recht zu, neue und

alte Steuern zu bewilligen und zu verweigern. Ohne Zustimmung des Landtags können also Steuern und Abgaben weder ausgeschrieben, noch forterhoben, Anleihen nnb Schulden gültig nicht gemacht werden." Ferner wurde beschllossen:Die Stande werden Aus­gaben nicht verringern, deren Nothwendigkeit auf bereits begründeten Verbindlichkeiten beruht." Mehrere Abge­ordnete wollten in dem letzteren Artikel einen Wider­spruch mit dem eben erst anerkannten Steuerverweige- rungsrecht finden, allein die Mehrzahl ging von der Ansicht aus, daß hier nur von den Ausgaben, nicht aber von den Deckungsmitteln die Rede und diese Bestimmung zur Sicherheit der Staatsgläubiger noth­wendig sei. (F. II

Wien, 26. Nov. Windischgräß geht mitJellachich heute zur Armee nach Ungarn ab; die Magyaren wer­den morgen von 5 Seiten zugleich angegriffen werden. Von . ihrem Sieg oder ihrer Niederlage hängt für Oesterreich begreiflicherweise ebensoviel ab, wie für Deutschland von dem Siege oder der Riede: läge Berlins.

Blum's Leiche ist aus dem Josephinum, wo sie lag, von seiner Frau fortgenommen worden. Sie wird nach Leipzig gebracht werden. (N. RH.Z.)

Wien, 26. Nov. In der Nacht vor der Hinrich­tung schrieb Dr. Jellinek noch an seinen armen Va­ter einen langen Brief, dessen Inhalt viel Seelenruhe verrieth. Jellinek soll darin geäußert haben, daß jede UebcrgangSperioke ihre Opfer fordere u. s. w. Zeitlich früh begehrte Jellinek, der Jude war, nach tum israeli- tischrn Priester, und benahm sich bis zum letzten Augen­blick entschlossen und männlich gefaßt. Weniger männ­liche Energie zeigte sein Leidensgefährte Dr. Becher, welcher sehr angegriffen und in den lebten Augenblicken ganz gebeugt war. Mit diesen genannten beiden be­läuft sich die Zahl der bisherigen Hinrichtungen auf zehn.

Bei der Commission für Zuweisung öffentlicher Arbeiten haben sich 24,000 Erwerblose gemeldet. Eine für die Bevölkerung Wiens ungeheuere, selbst das Pro­letariat zu London und Paris verhältnißmäßg über­schreitende Anzahl. (A. Z.)

Ungarn.

Von der ungarischen Grenze, im Nov. (Kos- snth. Einverständniß der ungarischen und italienischen Truppen.) Die Rede, welche Kossuth vor seinem Abgang von Preßburg daselbst hielt, hat alle Herzen entzündet und in die Gemüther eine düstere Todesverachtung gestreut. Er hielt den hölzernen Becher und den Holzlöffel in der erhobenen Rechten, aus denen er während seiner, bekanntlich ohne Untersuchung und Urtheil verhängten Haft seine Nah­rung genommen; er zeigte sie d m Volke und wies darauf hin, was Ungarn zu ei warten habe, falls die österreichische Reaktion siegen würde. Preßburg wird entweder am 26. oder 27. d. M. von den kaiserlichen Truppen angegriffen werden und scheint entschlossen, sich so lange als möglich zu halten. Bei dem Ver­rath, der die slavonische Festung Essek in die Hände der Magyaren spielte, wird besonders der dortige Handelsmanns Gorjup, ein Verwandter Bathyary'S als derjenige bezeichnet, der durch ungarisches Geld die italienische Besatzung zu gewinnen wußte, wie denn überhaupt über das gegenseitige Einverständniß der un­garischen und italinischen Truppen kaum mehr gezwei­felt werden kann. (Br.-Ztg.)

Galizien.

Aus den Karpathen, 24. Nov. (Rüstungen in Ungarn.) Wir vernehmen aus Ungarn, daß sich der Aufstand jenseits an unserem Gebirge hin überall organistrt und daß die dazu erforderlichen Geldmittel nicht gespart werden. Die Rahruugslosigkeit und die daraus hervorgehende Noth erleichtert die Sache und führt den Ausständigen eine Masse jungen Volks zu. Indeß soll auch viel Zwiespalt herrschen, indem sehr viele ungarische Magnaten, die Besitzungen im Gebirge haben, ihre darauf ungefüllten Beamten zu Werbungen für die Sache der Ungarn benutzen, so daß auch dieser Viele sich zuwenden. So mehren sich die streitenden Parteien und die Aussichten werden immer bedenklich r. Die Rüstungen, welche die Ungarn machen, sollen in That ungeheuer sein und man ist allenthalben mit dec Organisirung des Landsturms beschäftigt.

Im ganzen Lande, d. h. so weit die ungarische Armee sich auSdahnt und operirt, sind Maßregeln ge­troffen, im Fall eines Rückzuges die Dörfer anzuzuu- den, alle Lebenömtttcl weg zu führen, oder zu vernich­ten und die Einwohner zur Verlassung ihrer Heimath zu bewegen, so daß der nachrückende Feind eine Wüste findet. Wahrhaft großartig sollen die Verschanzungen sein, die man bei und um Pest anlegt. Alles ist da­rauf berechnet, einen wahren Vernichtungskrieg zu führen. Die Armee von Windisch Grätz soll bereits zwischen Preßburg und Tirnau vorgegangen sein. Der rechte Flügel desselben, erzählt man, werde Preßburg nehmen, während der linke an der Donau hinab vor­gehen und die Eisenbahn für sich schützen soll. Jel- lachich'SArmee steht zwischen Preßburg.und Bruck an der Leitha auf der rechten Seite der Donau. Man sieht baldigen großen Ereignissen entgegen. (B. Z.)

Italien.

Man hat noch keine weiteren bestimmten Nachrich­ten aus Rom. Mit der Flucht des Papstes bleibt cs