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,)âeiheit und Recht!"

^^ 253» Wiesbaden. Sonnlag, 3. Dezember I8â8.

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F Wirken der ehemaligen Liberaler» in jetziger Zeit.

Wiesbaden. Wenn man seine Blicke auf^die jünaste Vergangenheit wirst, in der die edelsten Fec- Heitskämpser dahin geschlachtet, die schönsten Frechcits- blüthen von roher Barba^enhaud abgestreift worden, dann durchwühlt ein ungeheurer Schmerz jedes suhlende Herz. Ja ein bitterer Hohn zieht ein in des Mannes Brust, wenn er bedenkt, wie eine Nation, durch ih e Bildung zu der höchsten Stufe der Freiheit und Macht befähigt, den Spielball abgibt für einen kleinen Haufen verwitterter Gelehrten und eifriger Dynasten -Diener.

Wien, die herrlichste Zierde Deutschlands, die einzige Stadt, in welcher noch die Souveranitätdes Volkes erhalten war, wo allein noch der Freiheit liebliche Pflanze kräf­tig aufsproßte, sie ist gefallen und in der Gewalt der Slaven. Die Croaten, Slavonier, Czechen und wie sie alle heißen, haben unter Anführung ihres Feldherrn Jellachich und des Häuptlings der Aristokraten, Windischgrätz, ihren Tliumphzug in Wiens Mauern gehalten, einen Triumphzug, dessen Musik das letzte Rockeln dahinsterbender Helden, dessen Leuchten flam­mende Hütten und dessen Weihrauch der Qualm nieder« gebrannter Ruinen war.

Die Slaven haben hiermit im österreichischen Reiche den Sieg davon getragen, und zugleich mit ihnen jene Partei, welche keinen innigen Anschluß der deutschen Provinzen an Deutschland will, sondern ein einiges Kaiserreich Habsburg vor Augen hat: die kurze Abfer­tigung der Rcichskommissäre Welker und Moöle, die Entfernung d.r deutschen Flagge vom Stephans- thurm in Wien, die Ermordung des deutschen Reichs- tagsmitgliebes Robert Blum und die Ernennung Stadion's, eines Stockböhmen, zum Chef des neuen Ministeriums, liefern den trefflichsten Beweis dafür.

Kalt und fast theilnahmlos hat die Reichsgewalt unsere todesmuthig kämpfenden Brüder, trotz ihres Fle­hens, einer dem Deutschthum feindlich gegenüber stehen­den Nation überliefert und so eines der giößten und schönsten Glieder des Vaterlandes unseren Händen ent­winden lassen. Vielleicht würden wir diesen herben Ver­lust verschmerzen, wenn wir uns dem Glauben Hin- geben könnten, daß jene Schwarzgelben eS zum Stolze und zum Ruhme eines zweiten deutschen Reiches be­nutzen wollten; doch dies können wir nicht, da aus allen ihren Handlungen hcrvvrgeht, daß sie der festen Meinung sind, ebenso gewiß, wie den Bewohnern des Elsaß nach und nach die deutsche Nationalität genom­men worden, würde auch das deutsche Element in jenem in seiner Bildung begriffenen Reiche zu Grabe gehen, das deutsche Orstlkich würde ein treffliches Material abgeben z:r Gründung eines zweiten Slavenreichrs. Ein gleiches Schicksal droht Ungarn, welches allein noch seine Selbstständigkeit zu behaupten strebt, welches sie aber durch ihre bedeutende Uebermacht zu unterdrücken

O Die neue Arzneitaxe in Nassau.

(Schluß.)

Der Zucker selbst wird, abgesehen von seiner häufigen Verwendung zur Erhaltung von Arzneikörpern, was nicht hierher gehört, nur in kleineren Mengen von selten über 1 bis 2 fr. Werth zu Pulvern angewendet, und zwar als Raffinade in sein gepulvertem Zustande. Ich will hier gleich noch die andere Klage erwähnen, daß die Unze Mohnkapseln bei gnentweisem Verkaufe auf 8 kr. zu sichen käme, und füge hinzu, daß bei dem Verkauf in Scrupcln die Sache noch schrecklicher wird, indem dann die Unze sogar aus 24 kr. gebracht wird. Leider ist dabei der fatale Umstand, daß die Mohnkapseln zwar bisweilen (äußerlich) in Unzen, aber in der Apotheker­praxis meines ganzen Lebens noch nie quentweise ver­schrieben worden sind.

Wohin solche Berechnungen führen, möge folgendes Beispiel zeigen. Die bekannte Blausäure kostet den Apotheker, wenn er ein ganzes âf. bereitet, höchstens 3 fl. Ihre Anwendung findet nur tropfenweise Statt, und die Taxe ist 1 fr. siw den Tropfen, so daß der Apotheker für das O. bei tropfenweisem Verkauf wenig­stens 128 fl. erhält, oder in kaufmännischem Ausdruck nicht etwa die ominösen 99, »ein ibic Haare sträuben äch) über 4000 Procente. Sehen wir die Sache jetzt üu wenig näher an. Die Blausäure muß vorräthig «ebalten werden, sie muß die vorgeschriebene Stärke

und dann ebenfalls zu jenem Zwecke zu benutzen ge­denken. Eine neue Macht würde emportauchen, wenn ihr Vorhaben gelänge, ein Staat, welcher befreundet nnt Rußland, weil er dieselbe Nationalität, dieselbe re­ligiöse Weltanschauung, Deutschland feindlich gegenüber stehen würde. Unsere Brüder also, die deutschen Oest­reicher, unsere tapferen Verbündeten, die Ungarn, sollen dazu dienen, die Kraft unserer Gegner zu stärken, sie sollen mit der Zeit zu Slaven gestempelt werden und in diesem Falle ewig für uns verloren sein.

Kaiser Nikolaus fühlt wohl, welch ein bedeuten­der Nutzen ihm aus dieser Veränderung der Dinge in Oestreich erwächst, wie er an dem neuumgestalteten Kaiserreiche Oestreich einen treuen Bundesgeuoffen, eine wackere Stütze zur Bekämpfung Deutschlands, zur Un­terdrückung der Volksfreiheit haben wird. Offen be­kundet er der Welt seine Freude darüber und zeigt sich dankbar gegen die Hauptanführer jener siegreichen Par­tei, indem er ihnen seine Sterne und Kreuze übe, sendet.

Wenn wir nun mit düsterem Auge jene unseligen Ereignisse überschauen, wenn wir mit trüben Blicken die beabsichtigten Folgen derselben betrachten, drängt sich uns unwillkürlich die Frage auf, was die Centralgewalt gethan hat, nm jenem gegen Deutschland geächteten Streben zuvorzukommen? Mit höchstem Erstauneu und bitterem Schmerz müssen wir uns leider gestehen, daß sie kaum eine Bewegung gemacht, kaum einen Finger gerührt hat, um die Integrität unseres Vaterlandes zu schützen. ReichSabgeordnete hat sie hingeschickt, doch, als diese schnöde abgefertigt wurden, hat sie nicht ihrem Verlangen mit einer gehörigen Truppenmacht,' über die sie verfügen kann und schon verfügt hat, wie in Baden und anderen Orten, Nachdruck zu verschaffen gesucht, nein, im Gegentheil, sie hat ruhig die Hände in den Schooß gelegt und das Unheilvolle geschehen lassen.

Unbegreiflich erscheint es Jedem, der nicht die Ab­sichten jener jetzt über Deutschland herrschenden Partei kennt, wie das Reichsministerium, wie die National­versammlung dieser Schmählerung und Zerstückelung des Vaterlandes zusehen konnte, ohne sich nur der geringsten wirksamen Mittel zu bedienen; doch wer die Pläne jener Herrn durchschaut hat, wer weiß, daß die, welche sich vor Zeiten, nur dem Volke anzugehören, ächte Volksmänner zu sein, rühmten, nur verkappte Die­ner der Fürstenhäuser sind, den kann jene That« losigkeit vor und bei Wiens Sturz nicht wundern, er wird sie ganz natürlich finden.

Trotzdem, daß daS deutsche Volk sich deutlich aus­gesprochen, es habe genug Fürsten zu erhalten, es wolle keinen einzigen neuen mehr haben, strebt dennoch jene Partei, welche die Zügel in den Händen hat, und größtentheilS aus uralten Preuße», Professo en und ehemals liberalen Kammermilgliedern besteht, uns einen erblichen Kaiser auf die Nase zu setzen. Ausersehen zu diesem hohen Posten, haben sie den König von Preu­ßen, weil er, als der mächtigste Fürst Deutschlands, es allein vermöchte, sich zu behaupten gegen die Anfein­

haben und deßhalb (mit Silberlösung) geprüft werden. Weil sie sehr flüchtig ist und sich sehr leicht zersetzt, so muß sie von Zeit zu Zeit, immer mit Aufwendung von Silberlösung, einer neuen Prüfung unterworfen und, wenn zn schwach befunden oder gar schwarz geworden, beseitigt und frisch bereitet werden, sodaß durchschnitflich alle 2 Jahre wenigstens 1 fl. auf diese Weise verloren geht. In meiner Apotheke sind nun in den letzten 20 Jahren ganze 16 Tropfen Blausäure als Arznei ver­braucht worden, und der so klar berechnete schöne Gewinn von 4000 Procent hat sich ohne alle Dazwischenkunft Bvs- co's in einen baaren Verlust von 10 fl. verwandelt.

Um die Butter nicht zu vergessen, deren Preißberech­nung auch hierher gehört, so möge man wissen, daß dieselbe, mit Ausnahme seltener Fälle, nur zu Augensälbchen verwandt wird, wozu für 1 bis 2 kr. vollkommen ausreicht. Ferner soll Aq. cerasor. statt früher 1 kr. 2. kr. kosten und als Nebenprodukt gewonnen werden. Es ist aber Aq. cerasor. weder tu der neuen Pharmacopve noch in der neuen Taxe aufgeführt, und konnte auch früher, da eS noch vfficinell war, nie als Nebenprodukt gewonnen werden.

Die Taxe des Chinins, welche über 10 Gran 1 kr. für den Gran beträgt, soll in Folge von Beschwerden der Apotheker sogleich auf 2 kr. erhöht worden sein. Ich habe es noch heute zu 1 kr. berechnet, da bis auf diese Stunde keine Erhöhung durch die Regierung stattgefundcn hat.

Wir finden dann noch die Angabe, daß die narcoti- schen Extracte für dieses Jahr gar nicht mehr bereitet werden könnten, weil die Pharmacopve dazu das Früh­

dungen der übrigen Fürstenhäuser, die man bei dir Wahl übergangen. Nur eines fürchteten sie, es würde das dem von Hobenzollern gleich mächtige Haus Habs­burg nie die Oberherrschaft Preußens ertragen, es würd'? Alles aufbieten, um selbst in den Besitz der Kaiserkrone zu gelangen: ihre nächsten Bemühungen mußten daher darauf gerichtet sein/. Oestreich zu beseitigen. Im Par­lamente unterlagen sie, da, trotzdem daß ihr wackerer Führer Gagern, den zwar jetzt noch Viele in den Himmel erheben, dessen wahre Gestalt aber die Ge­schichte enthüllen wird, eifrig für die Losreißung Oester­reichs von Deutschland sprach, der Beschluß gefaßt wurde, die deutschen Provinzen Oesterreichs sollten eben­so, wie jeder andere Staat, zu Deutschland gehören. 9tun richteten sie ihre Blicke auf die schwarzgelbe Par­tei in Oestreich selbst, die das Kaiserreich, dem durch den Beschluß in Frankfurt Zerstückelung drohte, auf­recht zu erhalten suchte; mit ihr verbanden sie sich, weil, wenn jene triumpyirte, Oesterreich von Deutsch­land geschieden und so auch ihr Zweck erreicht war, nämlich die Entfernung des für den König von Preußen gefährlichsten Rivalen. Wien ist gefallen und für den Augenblick ist der Sieg auf ihrer Seite.

So also handeln J-ne, welche vorgeben, wahre Volksmänner zu sein, nur des Volkes Wohl im Auge zu haben: ganze Stämme überliefern sie unseren Geg­nern, unseren bittersten Feinden im Interesse eines ein­zelnen Fürsten, das Interesse des Volkes, wel­ches ihnen anvertraut, opfern sie dem der Für­sten. Einen Schritt sind sie ihrem Ziele näher ge­rückt, doch erreichen werden sie es nie; denn ein StaatS- gebäude, welches nicht auf den Schultern der Majorität des Volkes errichtet ist, steht auf schwachen Füßen, ist einem Kartenhause gleich, welches der,erste Windhauch umbläst.

Das Kaiserreich Oesterreich wird, es muß zerfallen, mögen sich ein Windischgrätz, Jellachich und Radetzky noch so sehr anstrengen: die deutschen Oester- reicher, vereint mit den edlen Ungarn und den ge­drückten Italienern, werden sich von Neuem erheben, das vernünftiger gewordene Deutschland wird sie unter­stützen, ein blutiger Kampf wird sich entspinnen mit dem gestimmten Slavenvolke, ein furchtbarer; doch der Siegeöpieis ist des Blutes werth, denn ein wahr­haft freies, von allen deutschen Stämmen gebildetes einiges Deutschland wird daraus hervorgehen.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

125. Sitzung.

(Schluß.)

v. Soiron übernimmt den Vorsitz und Welcker besteigt die Rednerbühne. Er will sich gegen diemaß­losen" Angriffe auf ihn vertheidigen, und wendet sich

jahr vorschreibe. Die Wahrheit ist die, daß die Phar- macopoe viele derselben mitten im Sommer bereitet haben will, daß kein einziges der in die Pharmacopve aufgc- nvmmene» früher als im Mai bereitet werden darf, und daß die auf den 1. Juli bevvrgestaiidene Einführung der neuen Pharmacvpoe sämmtlichen Apothekern des Landes in einem besonderen Regierungs-Erlaß vom 11 Mai d. J. angekündigt wurde, um die nöthigen Verkehrungen zu treffen.

Es würbe zu weit führen, wenn ich die, leider nicht ganz vermeidliche, Breite bei Aufklärung vor dem größeren Publicum so wenig bekannten Verhältnissen durch Wider- legung jedes einzelnen Satzes noch vermehren wollte.

Auf einige groben Anschuldigungen wie z. B., daß viele Apotheker die alten narcotischen Extracte um die neuen Preiße verkiefen, werde ich einem Ungenannten nichts anderes erwiedern, als daß er seine zur Schau getragene Sorge für bas Wohl des Volkes weit erfolg­reicher bethätigt haben würde, wenn er, statt den gan­zen Stand zu verdächtigen, die pflichtvergessenen Apotheker (an deren Vorhandensein ich übrigens zweifle) der ge- rechten Strafe überliefert hätte.

Es wird sich vielleicht chic andere schickliche Gelegen­heit bieten, die Ansichten über Arzneitaxen, ohne die Fessel einer Bezugnahme auf Widerlegung heischende An­gaben, weiter zu besprechen und zu läutern. Der den­kende Leser findet aber auch in Obigem Stoff genug, um zu erkennen, daß der kaufmännische Standpunkt hierbei ganz unhaltbar ist.

Bertrand.