einen Westerwâlder College», welchen der Herr Pfarrer zurückbehielt und öffnete. Und nun klagt der fromme Mann, der Brief habe Beleidigungen gegen die Geistlichkeit enthalten.
II Von der Dietzhölze, 22. Novbr. Die grellen Trommelwirbel, die noch vor einigen Wochen die einsamen und stillen Dörfer dieser Gegend durchtönten, dem sogenannten „Alltagsleben" eine stolze Erhebung gaben und als kühne Zeugen der ersehnten politischen Reformation so gerne gehört wurden, — sie haben ein Ende. Zu Grabe gegangen ist hier das militärische Leben. Der Enthusiasmus, mit welchem besonders die Hauptleute und Führer der Wehrmannschaft sich bei ihrem Amtsantritt so freundlich instnuirten, er ist in Bälde verendet.
Jedem Manne, der die Aufgabe dieser Zeit begriffen, muß eine derartige Erfahrung im hohen Grade traurig sein. Vielleicht ja fordern die nächsten Tage schon auf, zum Schutz und Segen deutscher Brüder, über welche die jetzt nicht seltene Ungesetzlichkeit eine blutige Geisel schwingen könnte, Lanzen zu brechen und den von unseren Urvätern geerbten schönen Namen „Germania" durch neue und würdige Thaten zu bewahrheiten.
Möchten doch deßhalb die Landwehrmânner dieser Gegend bald wieder ihre Uebungen halten, und im Hinblick auf den hohen Zweck ihrer Eristenz jedes Opfer klein finden!
""Das Städtchen Dillenburg hat bis jetzt die militärischen Uebungen unausgesetzt betrieben und sich musterhaft . gezeigt, und macht in diesem Bezüge von dem platten Lande eine sehr rühmliche Ausnahme. Auch hat Dillenburg für ein gutbesetztes Musikchor, so mir ein sachkundiger Qhrenzcuge meldet, gesorgt. Ein neuer und redender Beweis dieses, daß Dillenburg unsere Zeit zur Genüge begriffen und sich nicht in den Hintergrund stellen kann, wenn werthvolle Opfer zum Wohle des Landes gebracht werden müssen.
=|- Amt Nassau. Es scheint, als sollten in der sogenannten „freien Zeit" die Verlassenen ganz verlassen und die Gedrückten völlig niedergedrückt werden. In einem Dorfe des vorstehenden Amtes wurden nämlich am 21. d. M. Waisenkinder auf dem Nathhause an den Wenigstnehmenden öffentlich versteigert, wodurch t dieselben mitunter in sehr üble Hände geriethen. Ist das nicht eine Schande für unser Zeitalter und die frechste Versündigung an den angeborenen Menschenrechten!? — jährlich, eine solche Behandlungsweise ist noch ärger, denn eine sklavische und thierische! Der Sclave wird doch nur an den Meistbietenden abgegeben. Wer fragt dagegen nach dem unglücklichen Walsen, der in den Händen eines gemeinen Harpar Hunger und Blöße, unverdiente Schimpfworte und Schläge, kurz Alles, was • die Menschenwürde entehrt, erdulden muß? Fast Nie. mand! und am allerwenigsten Diejenigen, welche durch mehrerwähnte Versteigerungen dieselben einem blinden Schicksale hingeben; denn der arme Waise ist ja ein nutzloses Geschöpf! Bedenkt aber wobl, die ihr berufen seid, bei solchen Verlassenen Elternstelle zu vertreten, daß die Noth der Waisen zum Himmel schreit und Rache auf die Unterdrücker herabruft ! —
Schließlich bitte ich alle höheren Behörden, doch möglichst bald durch entsprechende Maßregeln dem willkürlichen Treiben solcher Localbehörden zu steuern, indem das Waisenkind dieselben bürgerlichen Rechte, wie auch später dieselben bürgerlichen Pflichten mit jedem andern Kinde theilt!
? Kriftel, Amt Höchst, 18. Nov. In Folge des Aufrufs mehrerer nassauischen Abgeordneten macht es sich der Unterzeichnete zur Wicht, seine College» in hiesigem Amte aufzufordern, in ihren resp. Orten Sammlungen für die Wittwe und 4 Waisen Robert Blum's, des ersten'Vorkämpfers für Recht und Freiheit zu veranstalten, und ihm die eingegangenen Bei- träge baldigst zu übersenden. Ueber die richtige Ablieferung werden seiner Zeit Nachweise geliefert.
Weinbach, Schultheis.
Koblenz, 27. November. (RH.- u. M.-Z.) Aus Andernach erfahren wir, daß der dortige Krawall durch die daselbst stehende Kompagnie der reitenden Artillerie entstanden sei. Dieselbe habe eine Katze erschossen und deren Leichenbegängniß den Bürgern von Andernach angezeigt, und zwar durch gedruckte Zettel. Hierin habe die Bürgerschaft das, was es auch gewesen sein mag, nämlich eine Parodie auf die an mehreren Orten Deutschlands begangene Leichenfeier zu Ehren Blum's erblickt, worauf eine große Masse Menschen unter Toben und - Schreien und dem Rufe nach Waffen vor der Kaserne sich eingefunden hatte. Eiligst wurde Infanterie von Koblenz dahin beordert, bei deren Eintreffen die Ruhe wieder hergestellt.
Stuttgart, 27. Nov. (Fr. I.) Aus einer in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer von dem Abgeordneten Trotter angekündigten Interpellation an den Stellvertreter des Justizdcpartementschefö ersieht man, daß die Untersuchung gegen die politischen Gefangenen aufdemHohenasbergnoch immer nicht so beschleunigt wird, wie aus Humanitätsrückfichten für die Verhafteten zu wünschen ist. Ja, es liegt der Fall vor, daß ein Gefangener nach 59tägiger Haft noch nicht ein einziges Mal verhört worden ist, obgleich derselbe die Ueberzeu- gung hegt, daß schon das erste Vttchör seine Unschuld Herausstellen und seine alsbaldige Freilassung zur Folge haben werde, wie auch bereits mehrere fast eben so lange verhaftet Gewesene im Laufe der letzten 8 — 10 Tage nach dem ersten Verhöre in Freiheit gesetzt wurden.
Aus Thüringen, 22. Nov. Heute Morgen sind von allen Seiten Truppen gegen Bibra vorgerückt. Von Naumburg eine Compagnie Infanterie, eine reitende Batterie und zwei Schwadronen Husaren; von Erfurt 8 Kanonen und von Nordhausen eine Abtheilung Jäger. Heute Abend werden noch mehr Truppen auf den Bahnhöfen von Köhen und Sulza erwartet. Man will das Corps des Dr. Stockmann, das jetzt gegen 2000 Mann stark sein soll, mit Einem Schlage vernichten. — Nachschrift. So eben erfahre ich, daß das thüringische Volksheer, der militärischen Uebermacht weichend, sich von Bibra nach dem Unterharz zurückgezogen hat und daß der Anführer, Dr. Stockmann, in Weimar gefangen genommen worden ist. (Aachn. Z.)
Wien, 23. November. (Die Stellung Oesterreichs zu Deutschland wird eine sehr zweifelhafte. — Die Angeberei.) Erzherzog Johann soll, wie ich Ihnen bereits schrieb, entschlossen sein, die Stelle als ReichSverweser wieder niederzulegen, indem die Stellung Oesterreichs zu Deutschland mit jedem Tage zweifelhafter wird und wie man vernimmt, demnächst sogar die Abberufung dec österreichischen Abgeordneten aus Frankfurt erfolgen soll; Oesterreich will die Hegemonie in Deutschland entschieden an Preußen abtreten, falls nicht mit Beseitigung der Idee der Nationaleinheit der gesummte Kaiserstaat in den deutschen Bund ausgenommen wird. Oesterreich gedenkt sich in diesem Falle abgesondert zu konstituiern und nur mit Deutschland ein Trutz- und Schußbündniß abzuschließen, wodurch es jedoch durch seine schwankende Lage zwischen Slavismus und Gcrmrnismus desto sicherer der Auflösung entgegengeht. — Das schamlose Gezücht der Angeber, das den jetzigen Augenblick ganz besonders zu ihrem niederträchtigen Gewerbe geeignet fand, überschüttete die Centralcommission und namentlich den Fürsten Windischgrätz dergestalt mit Denunziationen, daß die Erstere denselben gar keinen Werth mehr beimißt, der Letztere aber einen tiefen Ekel gegen die ehr. lose Brut empfindet. Wie sogar Offiziere von der Sache denken, mag folgendes Beispiel lehren. In einem hiesigen Kaffeehause erschien ein Student in Verkleidung; doch kaum hatte ihn der Cafetier bemerkt, als er sich einem Offizier näherte, der gleichfalls anwesend war und den Studenten verrieth. Der Offizier jedoch trat zu dem Studenten und sagte: Entfernen Sie fich möglichst bald, denn Sie haben hier Feinde, doch ich bin nicht ihr Feind. Kaum war der Student fort, als sich der Offizier laut und öffentlich gegen den nichtswürdigen Kaffeewirth wendete und demselben in den energischesten Aösdâcken seine ehrlose Handlungsweise vorhielt, worin alle anwesenden Gäste ein- stimmten. (Br. Z)
Nach den neuesten Nachrichten von der ungarischen Grenze vom 23. Novbr. hatte sich in den Dispositionen der kaiserlichen Armee nichts verändert. Von der mährischen Grenze Ungarns längs der March steht das Corps des General Simonich bis in die Nähe von Preßburg. Bei Hainburg ist die Haupt- Armee, welche bereits in Verbindung mit der von Kroatien her operirenden Armee des Generals Dahlen ist. Von Gallizien aus wird F.M.L. Schlick mit seinem Truppen-Korps binnen wenigen Tagen seine Operationen in Oberungarn beginnen. Am 24. Nov. gingen aus Wiens Umgebung neuerdings bedeutende Truppen- Massen an die Leitha ab. Aus Siebenbürgen ist die Nachricht vom 14. eingetroffen, daß der Komman- dirende, F.M.L. Buchner Maro-Vasarhely besetzt hat, und daß, mit Ausnahme der Szekler, alle Volksstämme mit Gut und Blut für das- Kaiserhaus ein- ftchen. (Br. Z.)
Eger, 21. Nov. In der heutigen Sitzung des Deutschen Congresses wurde über eine Petition an den Reichstag, daß der Belagerungszustand von Wien unverzüglich aufgehoben werde, berathen, und die bezügliche Adresse, welche in warmem, herzlichen und ergreifendem Ton abgefaßt, unter stürmischem Applaus von Versammlung und Gallerte angenommen und beschlossen, sie also gleich an ihre Bestimmung, abzusenden. (Fr. I.)
Tilsit, 20. Nov. (Echo a. M.) Von mehreren glaubwürdigen Personen von der „russischen Grenz-," die wir namhaft machen könnten, wenn wir nicht befürchten müßten, diese Personen in große Gefahr zu bringen, ist uns Folgendes übereinstimmend mit,getheilt worden:
In sämmtlichen russischen Zeitungen befindet fich eine Erklärung des Kaisers, in der er mit Bezug auf den gegenwärtig in Preußen zwischen der Krone und dem Volke ausgebrochenen Kampf versichert: Er, der Kaiser werde unter keinen Umständen dulden, „daß seinem geliebten Schwager von dem aufständischen Volk irgend welche Rechte genommen, und irgendwie seine Macht geraubt werde; um denselben zu schützen, werde er auf den ersten Wink mit seinen 500,000 Mann braven Truppen einrücken, um in Preußen die Ordnung wieder herzustellen." — Dieselben Personen ver- ficherten, „daß das Militär überall marschfertig und zum Einrücken bereit sei." Auch wollten sie bereits wissen, „dall für die Straße von Tauroggen und Schmalem'ngken Kosackeu- Regimenter bestimmt wären, die den Befehl erhalten würden, direct auf Tilsit zu marschiern."
Berlin, 27. Nov. (Neues Attentat gegen die Abgeordneten.) Es war heute Mittag kurz vor 12 Uhr. Im Hotel My'ius waren 60—70 Abgeordnete von der äußersten Linken beim Frühstück im freundschaftlichen Gespräch versammelt, als plötzlich der Major Graf Blumenthal mit seinen Garden in den Saal dringt und im Namen des Gesetzes die Versammlung auffordert, das Lokal zu verlassen. Als man den Major befragte, auf Grund welches Gesetzes man sich entfernen solle, und ihm begreiflich machte, daß kein Gesetz eristirt, welches sein Verlangen motivire, erklärte der Major, daß er von der höchsten Gewalt den Auftrag habe, die in diesem Saale Anwesenden mit Gewalt zu vertreiben. Auf dem Tische lagen stenographische Berichte und lithographirte Korrespondenzen, welche der Major wegnehmen wollte. Jacoby sagte dem Major, daß er die Wegnahme der Druck- fchriften für einen Raub ansehen müsse; der Major erwiederte, daß er Alles, was er finde, konfisziren würde. Als Jacoby wenigstens ein Verzeichniß von dem, was der Major konfiszirt, aufnehmen wollte, entriß ihm der Major die Schriften und übergab sie einem Soldaten. Jacoby sagte dem Major: fahren Sie nur mit Ihrem Raube fort und verhöhnen Sie alle Gesetze, auch Sie werden einst zur Verantwortung gezogen werden.
Hierauf ließ der Major die anwesenden Abgeordneten, welche den Saal nicht verlassen wollten, mit Gewalt hinaustreiben. Vor der Thüre des Hauses standen ungefähr 300 Mann Garden mit geladenen Gewehren, welche eine Menge Menschen herbeilockten, die nur Zeuge der willkürlichen Vertreibung der Abgeordneten waren. D'm Wirth des Hotels, welcher zu dem versammelten Volke heraustrat und sich bitter über diese Gewaltthat beschwerte, indem inan seine Gäste vertreibe und allen Gesetzen Hohn spreche, sagte ein junger Lieutenant, wenn er nicht augenblicklich ruhig sei, würde er ihn verhakten lassen, da er aufrühre- rische Reden führe. Obgleich der Wirth uicht schwieg, kam es doch nicht zur Verhaftung, da der Major Befehl zum Abzug gab. Trotzdem sich mehre hundert Menschen versammelt hatten, chas gegen dje Verordnungen des Belagerungszustandes verstößt, wonach nur 20 Menschen auf der Straße zusammenbleiben sollen, bekümmerte sich der tapfere Major Graf Blumenthal nicht darum, er hatte ja seine Heldenthat aus- geführt und 60 Abgeordnete, die Vertreter des Volks, aus einem Privatzimmer vertrieben. ^-Dieses freche Auftreten der Soldatenherrschaft hat wieder eine allge- m me Erbitterung hervorgerufen. Das Maaß der Staatsstreiche füllt sichres wird bald überlaufen.
Der Prophet der Republik ist Wrangel- Brandenburg. (N. R. Z.)
Klub Brün eck, Dom zu Brandenburg.
Erste Sitzung am 27. November. Unter dem Schutze zweier Bataillone Infanterie, zweier Schwadronen Ea- vallerie und vier Kanonen, welche auf dem Marktplatz anfgestellt sind, versammelten sich heute Vormittag die am 9. d. M. aus der Sitzung der Nationalversammlung davongelaufenen Abgeordneten von der rechten Seite. Auch sieht man einige 30 vom Zentrum und rechten Zentrum, welche bis zum 15. d. Mts. den Sitzungen der Nationalversammlung hier beiwohnten.
Um 10V2 Uhr erschienen die Minister und Bran-, denburg erhebt sich und erklärt, daß er die am 9. d, M. in Berlin vertagte Nationalversammlung wieder eröffne. Er ei sucht die Versammlung, sich zu konstituiren, da er eine königliche Botschaft mitzuthcilen habe. Man möge den Ministern Anzeige davon mache», wenn die Versammlung konstituirt sei. — Hierauf entfernen sich die Minister und da der Präsidentenstuhl und die Sekretärsitze leer geblieben, ruft man von mehreren Seiten: v. Brüneck möge als Altersvräsident den Vorsitz übernehme». Dies geschieht, und die Sekretäre Geßler und v. Borries (von der rechten Seite) übernehmen ihre frühere Stellung wieder.
Nachdem B rün eck etwas quatsches Zeug gesprochen, daß er vor 65 Jahren hier in Brandenburg geboren sei, und dergleichen Persönlichkeiten, verlangen Mehrere den Namensaufruf. Ehe man jedoch dazu kömmt, stürmen Mehrere nach der Tribüne, verlesen Proteste u. s. w. Alles in größter Unordnung. Kein Mensch bittet um3 Wort. Allep schreit durch einander wie in einer Kinderstube.
Kühlw etter verliest ein Schreiben HmsemannS, worin er sich eutschuldigt, Krankheitshalber heute nicht ericheinen zu können, hoffentlich wird ihm das in den nächsten Tagen möglich sein. (Der Schlaue, er will abwarten, wie es kommt.)
Dahne übergibt einen Protest, welcher von ineh- reren Andern unterschrieben ist, worin sie erklären, daß sie der Krone nicht das Recht zugestehen, die Nationalversammlung zu vertagen, zu verlegen oder aufzulösen, daß sie in Folge dessen auch so lange den Berathungen der Nationalversammlung in Berlin beigewohnt, bis sie durch Bajonnete auseinandergetrieben worden, halten sich aber für verpflichtet, sich hier in Brandenburg eir- zusinven, um eine Ausgleichung des»entstmdenen Konflikts zu bewirken.
Mehrere andere Proteste in ähnlichem Sinne von Fleiswer, Köhler, Zachariä u. Ä, im Ganzen etwa von 30 Abgeordneten, welche den letzten Sitzungen in Berlin beiwohnten, schließen sich dem erstem an.