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^U 250. Wiesbü-en. Donnerstag, 30« November 18 Ä8.

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TRT Die Errungenschaften des nafsanischen Lehrerfiandes.

* Es ist gut, wenn daGVolk von Zeit zu Zeit nach- rechnet, wieviel die neue Zeit ihm erugebracht habe, und was von den schönen Hoffnungen und Verheißun­gen der Märztagc Alles schon in Erfüllung gegangen ist oder noch auf der alten Rechnung iiachgesübrt wer­den muß. Da ist denn vor Allem der Veprerßanb in einer eigenthümlichen Lage.

Großartig, einzig und erhebend war die Aufgabe, die unsre März-Revolution gerade dem deutschen Lehrerstand hingewiesen hatte. Die unfrei gewordene Bildung sollte wieder frei werden und wahrhaft be­freiend wirken, eine gänzliche Reform der bishen'gen Schul-Verfassung und Verwaltung, von der untersten Dorfschule bis zur Akademie der Wissenschaften hinauf, mußte daher ohne Zaudern vw genommen und ins Le­ben geführt werden. Auch unserm engern Vaterlande war dabei in Beziehung auf seine Volksschulen, Semi­narien, realistischen und humanistischen Bildungsanstal- ten sein gewichtiger Antheil an der nationalen Erhe- bungsarbeit zugefallen und unser Lehrerstand hatte die Zeichen der Zeit wohl verstanden. Nicht bloß daß die freigewordene Presse sofort die auffallendsten Mißstände der alten Schulverwaltung ans Licht zog und auf deren Abstellung drang, auch persönliche Verabredungen fanden statt und in der Pfingstwoche traten zahlreiche Abgeord­nete aus allen Schulanstalten des Landes zu einer ge­meinschaftlichen Berathung über die Reform der Schule in Wiesbaden zusammen. Gar schöne Gedanken wur­den dort kund gegeben, treffliche Vorschläge zu einer zeitgemäßen Umgestaltung des Unterrichtswesens auf nationaler Grundlage erörtert und angenommen, über die Beaufsichtigung der Schulen, die persönliche Stel­lung der Lehrer, die Abschaffung mancher veralteten Einrichtungen, recht vernünftige und freisinnige Forde­rungen aufgestellt und eine Commission aus den Leh­rern der Volksschule, der Realschule und deS Gymna­siums gewählt, welche daS Programm sämmtlicher Reformvorschläge nach den Abstimmungen der Versamm- lung entwerfen und der Regierung, sowie der Volks­kammer, vorlegen sollte. Ganz zuletzt erst wurde, wie dies bei philosophisch gebildeten deutschen Männern nicht anders zu sein pflegt, an das gedacht, was das aller­erste hätte sein sollen, nämlich an die Möglichkeit, diese herrliche doktrinäre Weisheit aus der Theorie ins Leben, von dem Papier in die Lehrsäle hinüber zu führen, und an die Art und Weise, wie das wohl am sichersten zu geschehen hätte. Einen energischen Schritt, etwa die durch eine Deputation an das Ministerium auszuspre­chende Forderung, daß die bisherigen Träger des alten Systems im Schulwesen ungesäumt entfernt und dem­nächst mit frischen Kräften das Werk der Reform be­gonnen und in seinen Grundzügen binnen eines gewissen Termins erledigt werden möchte, einen solchen Schritt,

Bericht des Abgeordneten Fröbel über die an ihm und Robert Blum verübte

Gewaltthat.

(Fortsetzung.)

Als ich zum Urtheil abgeführt wurde, hatte ich meine Papiere und Kleinigkeiten, die man mir gelassen hatte, in meinen Hut gethan, und ich fragte den Prvsvsen, der Lie Thür des Gefängnisses offen stehen ließ, ob ich die Sachen liegen lassen sollte, worauf er es bejahte. Ich ging mit ihm fort, und als ich, nachdem mir die Frei­heit gegeben war, wieder in das Gefängniß trat, um meine Effekten zu holen, waren alle Dinge da, mit Aus­nahme der Copie des Protestes. Dieß ist der Grund, warum ich Ihnen den Protest nicht nach seinem Wort­laute mittheilen kann.

Ich fahre im Hauptsaden der Erzählung fort. Am 8 um 4 Uhr hatten wir den Protest abgegeben. Die Zeit von 2 Stunden ist ungefähr Das, was nothwendig war, um den Protest nach Hetzendorf zum Fürsten Win- dischgrâtz zu bringen und einen Befehl als Antwort zu erhalten. Zwei Stunden darauf wurde Blum verhört, und am anderen Tage früh erfolgte das Urtheil und die Execution. Was mich selbst betrifft, so mußte auch ich die Folgen des Protestes empfinden, denn Sie werden in der Art, wie ich behandelt wurde, eine gewisse Raf­finerie bemerken, dle ich so auslege, daß man mit einem

der allein die Sicherung irgend eines Erfolges in sich geschlossen hätte, konnte man freilich bei dem loyalen und gemäßigten Charak'er der Veuammlung und bei der absoluten Abhängigkeit ihrer Mitglieder von der alten bureaukratischen Dienstpragmatik weder erwarten noch verlangen; daß die guten Leute aber eben darum etwas ganz Ueberflüssiges beginnen, daß sie auch mit den gelehrtesten Theorien, mit den liberalsten Beschlüssen noch keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken würden, das hat damals schon männer Unbefangene vorausge­sehen und die Erfahrung hat diese Befürchtungen leider zu sehr bestätigt. Das einzige Praktische, wozu die Versammlung sich entschließen konnte, war am Schluffe ihrer Berathungen eine Bitte an die Regierung, daß sie eine Schulkommission von 7 Mitgliedern, etwa 2 aus dem gelehrten, 2 aus dem realistischen und 3 aus dem elementaren Schulwesen, und zwar aus Männern des Vertrauens, berufen möge, die unter dem Vorsitz eines RegierungSmitglieds die eingereichten Vorschläge zu prüfen und zu begutachten hätte, damit eine darauf beruhende Reorganisation des gesummten Schulwesens vorgenommen werden könne. Das war wohl auch das Allergeringste, was von einer Regierung erwartet ^Ver­den konnte, die seit dem März in die Bahn des Fort­schritts eingelenkt zu haben erklärte, daß sie die auf ge­setzlichem Wege berathenen, auf gesetzlichem Wege ge­faßten Beschlüsse einer Versammlung, der die höchsten Interessen des Volkes anvertraut sind, ihrerseits prüfen und begutachten ließ und demnächst die geeigneten Maß­regeln zu ihrer Durchführung ohne Zögern faßte. Auch hat wohl damals nicht ein Mitglied der Versammlung daran gezweifelt, daß die Schulbehörde sich beeilen würde, diesen von der Versammlung ausgesprochenen, so über­aus gemäßigten Wünschen zu entsprechen, damit wo möglich mit Beginn des Winterhalbjahrs die neuen Einrichtungen überall ins Lèn treten könnten.

Indessen auch die bescheidenste Erwartung deS be- scheioensten Schulmeisters ist bis diesen Tag noch nicht in Erfüllung gegangen; es ist vielmehr. Alles genau beim Alten geblieben. Die betreffenden Vorschläge wur­den seiner Zeit der Regierung eingereicht, um dort, wie es scheint, bei sonstigem Aktenkram zu ruhen und zu modern. Zwei Monate darauf erbarinte sich ein Abgeordneter der Kammer des hoffenden und harren­den Lehrerstandes, indem er bei der Regierung anfragte, woher es käme, daß die von den Lehrern erbetene Com­mission zur Prüfung ihrer Vorschläge noch nicht zusam- mengetreten sei? In einer der nächsten Sitzungen ent­gegnete ein Regierungs-Commissär, daß die Regierung wegen anderer dringender Geschäfte bis dahin noch keine Zeit zu dieser Anordnung gefunden hätte, daß aber nun in der Kürze dazu geschritten werden sollte. Ob­gleich nun der beschränkte U Iterthanenverstand gar nicht abzusehen vermochte, waS -für ein großer Zeitaufwand und was für große Arbeit d«zu gehörte, um ein Re- scriptchen aufzusetzen, das die Lehrer durch die betref­fenden Schuliiispektionen und Schuldirektionen zur Wahl

Opfer schon genug zu haben glaubte, daß man aber mich wenigstens so empfindlich als möglich zu strafen suchte. Ich sehe sonst nicht ein, warum Robert Blum mild behandelt wurde bis zum letzten Augenblicke, wäh­rend ich in die härteste Gefangenschaft kam, und vier Tage absichtlich in der Meinung gelassen würde, daß ich den Tod durch den Strick zu erwarten habe. (Be­wegung!) Ich wurde aus dem Gefängnisse, in dem ich mit Blum gemeinschaftlich gewesen war, Nachts um 12 Uhr plötzlich herausgenommen, der Stabs -Profos in voller Uniform, begleitet von vier Soldaten, führte mich hinab zu einem vor der Thüre haltenden Wagen, zwei Soldaten setzten sich hinein, mir gegenüber, der Profos neben mich, und ein Mann kam auf den Bock, und Einer hinten auf den Wagen. Wir fuhren durch die Stadt, ohne daß ich wußte, wohin. Wir kamen an ein Haus, ich mußte absteigen, und wurde zu einem Beamten geführt, dem ein versiegelter Befehl übergeben wurde. Was den Inhalt des Papiers betrifft, so kann ich diesen nicht errathen. Es war aber eine solche Con- siernation auf dem Gesichte des Beamten zu lesen, daß ich das Schlimmste schließen zu müssen glaubte. Der Mann betrachtete mich lange sichtlich erschrocken, ich konnte seitwärts in das Papier sehen, wo ich die Worte: »Um 5 Uhr" las. Aus oer Combination der übrigen Verhältnisse glaubte ich, es jei dieß am anderen Mor­gen die Zeit meiner Execution. Nachdem dieser Beamte gelesen hatte, schrieb er einen zweiten Befehl. Mu

von 2 ober 3 Vertrauensmännern ihres Standes auf- forderte, so beruhigte sich das Publikum doch in der Erwartung, daß denn nuümehr gewiß gleich dazu ge­schritten würde.

Seit jener Zusage des Reg.-Commissärs sind nun bis heute abeinuals 2 volle Monate verstrichen und das Rescriptchen ist noch nicht fertig. Der Lehrerstand harrt mit Sehnsucht einer Verbesserung seiner Lage und einer nur dadurch möglichen Hebung der Volksschule; er hofft eine Anerkennung der Mündigkeit der Schule, gegenüber der Hierarchie, er erwartet eine innere, wissenschaftliche H bung seines Standes durch zeitgeinäße Reform des Lehrerseminars vermittelst Anstellung wissenschaftlich ge­bildeter Schulmänner; er will mit einem Worte alle Mittel zur Bildung und Veredlung des Volkes unver« kümmert und unverweilt in Anwendung gebracht sehen, damit der Gruß der Freiheit, wenn er noch einmal den Völkern erklingt, wie in diesem Frühling, nicht abermals taube Ohren und rohe Herzen treffe. DaS alles erwartet der nassauische Lehrerstand, und er war­tet mit ächt deutscher Michelsgedulv schon lange darauf. Wenn er aber sieht, wie die Vertreter des ehemaligen, f eiheitsfeindlichen Systems, aller Mißtraueusversichr- rungen von Seiten der öffentlichen Meinung ungeachtet, zum Theil noch fortwährend in Amt und Würde stehen, wie die Geistlichkeit, selbst im Angesicht des §. 14 der Grund echte des deutschen Volkes, nach wie vor in ihrem ausschließlichen Vorrecht der Bevormundung der Volksschule erhalten wird, wie die auf dem gesetzlichsten Wege, in der gemäßigsten Form eingereichten Bitten eines ganzen Standes unberücksichtigt bleiben, wie eben damit die heiligsten Interessen der Menschheit auf die lange Bank geschoben werden, so kann er sich einer inneren Entrüstung nicht erwähren über eine Partei, deren höchste politische Weisheit in dem Grundsätze be­ruht:Zeit gewonnen, Alles gewonnen!" einer Partei, die um jeden Preiß dem Baum der Freiheit seinen Blätter- und Blüthenschmuck rauben, das Volk aber um seine Zukunft bringen möchte. Wenn indessen da­bei auf der einen Seite nicht verkannt werden darf, daß ein Aufgeben lieb gewordener Ansichten und althergebrachter Verwaliungsmaßregeln, sowie ein rückhaltloses An­schließen an den Geist einer neuen Zeit immerhin eine starke Zumuthung bleibt für eine j?de Regierung, die, zumal bei fast gänzlichem Mangel an großen, staats­männischen Talenten, auch schon ihrer Stellung nach der Rücksichten gar viele zu nehmen hat: so fällt diese Entschuldigung bei einer Staatsgewalt weg, die daS Volk zur Aufrichtung seiner künftigen Verfassung be­rufen und mit seiner Selbstherrlichkeit befindet hat, um für die Errungenschaften unsrer Märzrevolution den ge- scßlichen Boden zu gewinnen, bei unsrer Volks­kammer. Da haben wir nun zwar viele Debatten ge­hst, erquickliche und unerquickliche, da haben wir seit einem halben Jahre schon einen Stoß von Pro- tocoUen zu lesen bekommen; aber an die Grundlage des neuen Staatsgebäudes, au die Begründung

diesem wurde ich in dem Wagen nach einem anderen Gebäude gebracht, und dort mit einer Wache innerhalb und einer Wache vor der Thüre in ein Gefängniß ge­steckt. Hier mußte ich mich entkleiden, meine Kleider wurden auf das Genaueste untersucht, alle meine Effec- . ten, bis auf das allergeringste Papier, wurden mir ge­nommen, und ich hätte nicht die Möglichkeit gehabt, eimn Zahnstocher zurückzubehalten. In diesem Gefäng­nisse blieb ich bis zum 10. Nachmittags. Da kam der Stabsprofos aus dem Stabsstockhanse zu mir, diesmal in Civil, und forderte mich auf, ihm zu folgen, mit der Bemerkung, wir würden frei und ohne Bedeckung durch die Stadt gehen.

So wurde ich auch wirklich von ihm durch die Stadt geleitet, und wir kamen in das frühere Haus zurück, wo ich in ein sehr kleines Gefängniß gebracht wurde. In diesem war ich ein paar Stunden, als ich zum Verhör abgc- Holt wurde. Das Verhör war am 10. Abends 6 Uhr. Ich muß Ihnen das Wesentlichste von demselben mittheile». Der Gesichtspunkt, auf den die Fragen gestellt waren, war der, ob ich nach dem 23.,d h. nachdem Fürst Wittdischgräy, außen vor Der Stadt angelangt, die Stadt in Belagerungszustand erklärt hatte, dle Waffen geführt habe, und da ich das augenblicklich eingestand, wurde be­merkt, das wäre das Wesentliche, auf das klebrige komme cs nicht an.

(Schluß folgt.)