Das Volk wird vor birfrm Plakate gewarnt, da einmal die Aeußerungen des -ibgeordnetcn Kirchmann nur rein persönliche gewesen sein können, welche die Ansichten der Versammlung nicht aussprechen, andrer, scits, wie aus glaubwürdiger Quelle versichert werden kann, die Worte des Abgeordneten Kirchmann in dem Plakate vielfach entstellt, in einen falschen Sinn verkehrt und mit durchaus falschen Zusätzen vermischt worden sind.
Diese verfälsch? Darstellung ist den Soldaten Der- lin's bereits durch Plakate mitgetdeilt worden. Gleich, zeitig wbd ihnen erzählt, daß die Nationalversammlung das Land an die Franzosen verrathen wolle, und eS sei schon mehreremale meuchelmörderisch auf den König geschossen worden.
Berlin, 20. Novbr. (Fr. I.) Die Ruhe der Stadt ist auch gestern und vorgestern nicht gestört worden. Die ungünstige Witterung hat sich mit den militärischen Massregeln vereinigt, um die Staßen leer zu halten. Ueberall herrscht eine düstere Stimmung. Auf den Straßen war es am Sonntag Abend so leer, wie wir es noch nie erlebt haben. Handel und Gewerbe liegen darnieder, da Niemand sich ein Urtheil über die Zukunft getraut und deßhalb überall nur das Bedürf? niß des Augenblicks befriedigt wird, für weiches es aber vielfach an Geld gebricht. Ein Glück ist es, daß noch kein starker Frost eingetreten ist, so daß die Erdarbeiter noch immer Beschäftigung sinden. Das Militär laßt sich auf den Straßen und an öffentlichen Orten wenig sehen, dasselbe ist auch nicht wieder zu den Bürgern in die Häuser gelegt worden, sondern liegt noch immer tu den kön. Gebäuden eng cingezwängt, wo es alle Bü- reaus und anderweiten Räume eingenommen hat, so dass mehrere Behörden ihre Geschäfte haben einsteüeu müssen. Das Schloß gleicht einer Festung, dasselbe ist der S'tz des Hauptquartiers, von allen Seiten befestigt und mit Kanonen armirt. Die Bürgerschaft erwe st sich gegen die Soldaten so freundlich entgegenkommend, daß
viele Wirthe ihre frühere Einquartierung noch jetzt auf den Wachen mit Lebensmitteln unterstützen. Leider sind darurch einige Soldaten zu dem Irrwahn verleitet worden, sie sollten von den Bürgern vergiftet werden. Im Allgemeinenen scheint aber die Erbitterung zwischen Civil und Militär immer mehr nachzulassen, und die Ruhe und Mäßigung der Bürgerschaft wird gewiß dem Militär die Ueberzeugung gewahren, daß das Streben der Berliner keineswegs nach Anarchie gerichtet ist. Die Haussuchungen und Verhaftungen dauern noch fort, meistens werden aber unschuldige Personen ven solchen betroffen, während diejenigen Personen, für welche diese Maßregeln eigentlich bestimmt scheinen, fast immer entkommen.
Aus Schlesien. Die AÜg. O.-Ztg. schreibt unterm 18. Nov. r Gerüchte, welche uns noch so spät zu- kommen, daß wir deren Richtigkeit nicht prüfen können, melden einen ernsthaften Aufstand in Reichenbach. Aus Oels wird berichtet, daß heut die Bürger im Verein mit einem vorn Lande eingetroffenen Zuzug von etwa 1000 Bauern sich des dortigen Zeughauses und der darin befindlichen Vorrätbe an Waffen, Munition rc. womit morgen die Landwehr ausgerüstet weroen sollte, bemächtigt haben.
Breslau, 18. November. Die Landwehr wird in Strehlen, Neisse und in ganz Oberschlesien eingezogen. Hier sind zwei Bataillone 23. aus Brieg eingerückt.
Abends 6 Uhr. Die Gerüchte von der nahen Pro- klamirung des Belagerungszustandes in Breslau, von Truppenanmärschen, von Aufständen in der Provinz u. s. W. kreuzten sich heute bunter als je, und obwohl an den vorhergehenden Tagen sich keines derselben erfüllt hatte, so fanden sie doch vielfachen Glauben. Daß durch diese Gerüchte die schon vorhandene Aufregung der Gemüther um ein Bedeutendes vermehrt wurde, leuchtet ein. Ueberall gab's lebhafte Debatten und zahlreiche AttroupementS. Besonders stark wurde das
Wehramt von Waffenlosen frequentirj, auch brachte man fortwährend überzählig gewordene Gewehre aus den einzelnen Bezirken dahin. " ' — durch geschriebene Zettel eine dem Neumarkt berufen, wo die Berlins, die gefährdete Stelln^
mer mehr von Truppen umzogen und morgen in Be, lagerungszustand erklärt werde, dem Volke vor Augen geführt und es zuletzt in begeisterten Worten zur augenblicklichen Vertheidigung resp. Verbarrikadirung der Stadtthore aufgerufen wurde. Die etwa 2000 Köpfe zählende Menge stürzte, dem ersten Impuls fol. gend nach allen Seiten hin auseinander, ob wirklich zum Barrikadenbau, wissen wir in diesem Augenblick noch nicht.
Aus den meisten Städten der Provinz: Liegnitz, Glogau, Ratibor, Hirschberg, Löwenberg, Strehlen' Glatz, Bernstadt, Oels, Namslau, Striegau u. s. w' lauten die Nachrichten sehr Besorgniß erregend. Ueberall große Aufregung und Vorbereitungen, den passiven in einen aktiven Widerstand gegen das Ministerium zu verwandeln. (Berl. Z.)
Schmiedeberg, 18. Nov. Das ganze Gebirge ist im Aufstande begriffen gegen das als hochverräterisch proklamirte Ministerium Brandenburg. In allen Ortschaften wird Sturm geläutet. Tausende von Männern greifen zu den Waffen und marschiren nach Breslau.
(LUpz.Z.)
Düsseldorf, 22. Nov. So eben wird unsere Stadt in Belagerung-;ustand erklärt. Die Bürgerwkhr ist aufgefordert, heute Nachmittag um 2 Uhr die Waffen abzuliefern. Truppenabtheilungen stehen auf allen Plätzen. Die Ankündigungs-Plakate scheinen schon viele Tage vorher gedruckt zu sein, da das Datum mit Tinte ausgefüllt ist.
— um 4 Uhr ward Volksversammltmg auf allgemeine Entwaffnung >g Breslau's, das im-
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
„.«> Concert von J. Flohr,
Mitglied des Theater-Orchesters, im großen Saale der Dier Jahreszeiten.
Wiesbaden, den 23. November 1848.
Wenn gleich jetzt für Concerte eine böse Zeit ist, so haben wir gestern doch die erfreuliche Bemerkung gemacht, daß, wenn das Programm Künstlernamen aufweist, die in der musikalischen Welt guten Klang haben, die Leute auch Hinzuströmen. DaS Concert war zahlreich besucht und die ausgeführten Musikpie^en waren mit vielem Geschmack gewählt. Den Anfang machte ein „Trio für Harfe, Violine und Violoncell" betitelt »Souvenir de Pischeck« welchem das Motiv „mein Herz ist am Rheine ic.^ zu Grunde lag. Wenn dieses Trio auch nicht gerade als großes mu- flkaiisches Werk betrachtet werden kann, so hat eS doch den Vortheil, daß eS als Concertpie?« ganz allerliebst ist. Die drei genannten Instrumente nehmen sich gegenseitig variirt die Melodie ab, und eS hat uns der zarte, seelenvolle Ton des Cello' S von Herrn C. Grimm, welcher der Gesangsstimme des Menschen so nahe kömmt, besonders angesprochen. Wir hörten Herrn Grimm zum Erstenmal und haben in ihm einen Cellisten von höchster Auszeichnung gefunden. Herr Noll und Herr Oberthür sind zwei Künstler, so rühmlichst bekannt, daß wir ihnen keine neue Lorbeeren zu streuen brauchen, nur wollen wir erwähnen, wie Herr Oberthür später in einem Vortrag »dreier Lieder ohne Worte" uns höchst entzückt hat. Der Concertgeber Herr Flohr und Herr Röder trugen zwei Piepen für zwei Hörner vor und zeigten sich als routinirte Künstler aus diesem schwierigen Instrumente. Namentlich bliesen beide Herren die Variationen, welche die meiste Schwierigkeit boten, mit einer Sicherheit, welche rühmliche Anerkennung verdient. Von Seiten des Publikums erhielten di« Herren Flohr und Röder stürmischen Beifall. Madam« K iß n er, unsre liebenswürdige Soubrette sang einige Lieder, worunter das »Schwabenmädle" sich insbesondere des lebhaftesten Beifalls zu erfreuen hatte. Ihr Gatte begleitete sie auf dem Piano. Herr Pecz, den wir in Concerten schon oft bewunderten und der sich stets gegen jeden Concertgeber gefällig zeigt, sang ebenfalls einige Lieder, darunter L. von Beethovens unvergleichlich schöne „Adelaide" und wurde vom Publikum mit vielem Beifall belohnt. Sämmtliche Gesangspiepen und Hornconcerte begleitete Herr Simon auf dem Piano und hat sich uns als geschmackvollen Klavierspieler gezeigt.
»r. M.
(4487)
Bekanntmachungen
4M) Geschäfts-Empfehlung.
Meinen geehrten Freunden und Gönnern mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich von meinen langjährigen Reisen zurückgekehrt bin und mich hier in meiner Vaterstadt etablirt habe. Indem ich um zahlreichen Zuspruch bitte, empfehle ich meine Gold- Lt Silber-Waaren nach dem neuesten Geschmack, ich werde Alles aufbieten, um das Zutrauen der hiesigen Bewohner zu erlangen. Reparaturen werden binnen 2 Stunden billig und schön gearbeitet abgeliefert.
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Lieferungen.
(1457) In der H. W. Ritte r'schen Buchhandlung ist soeben erschienen und zu haben:
Die
Wechsel-Ordnung nebst Wecstsekprocess-Ordnung
für das
Herzogthum Nassau, wie solche von den Volksvertretern berathen, beschlossen und von der Staats-Regierung genehmigt worden ist.
S Preis 12 Kreuzer.
Zum Bedarf für die Casernen und das hiesige Militär-Hospital soll die Lieferung von:
breiter weiß hänfener Leinwand,
// ff ,/ ff
„ „ flächsener Leinwand,
„ weißen Drillichs,
„ ordinären grauen Zwillichs,
„ ungebleichter wergener Leinwand, ff ff ff ff
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1664 Ellen % 832 „ ”/8 224 „ »%
<| ,/ S/4
464z „ % 17073 „ %
48 „ % 305 „ %
61 Stück cinpersönige und
1 „ zweipersönige wollene Bettdecken: im Submissionswege an die Wenigstfordernden vergeben werden.
Lieferungslustige wollen ihre genauesten Forderungen per Frankfurter Elle und für die Decken per Stück berechnet, schriftlich und verschlossen, unter der Aufschrift: „Submission" längstens bis zum 30. d. M., Vormittags 9 Uhr, an den Verwaltnngsrath des 2ten Regiments. dahier um so gewisser einsenden, als später eingehende Offerten nicht mehr beachtet werden können, indem die Eröffnung der Submissionen in der bemerkten Stunde auf dem Regiments-Bureau, Friedrichsstraße No. 13, in Gegenwart der sich daselbst einsindenden Submittenten stattsinden wird. ,.
Muster und Bedingungen liegen in hiesiger Jnfantedie-Caserne täglich zur Einsicht offen.
Auswärtigen Concurrenteis des Herzogthums Nassau können auf zeitig schriftliches Verlangen die gewünschten Muster und Bedingungen mitgetheilt werden.
Wiesbaden den 15. November 1848.
Der VerwaltungSrath des 2. Regiments.
(1436) Nachstehendes sehr empfehlenswertste Schriftchen ist in den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden vor- räthig zu haben:
Die beiden Nachbarn
Michel und Johann
im Abendgespräch über die Gegenwart in politischer, socialer und religiöser Hinsicht mit Rückblick auf die Vergangenheit und Hinblick auf die Zukunft.
Aus dem Leben entnommen und auf dasselbe angewendet, nebst Erklärungen der vorkommenden Fremdwörter. Zum Nutzen und Frommen für den Bürger und Laudmann heransgegebcn von H. A. Weinberg. Preis 18 fr.
Zu haben in den Buchhandlungen von Heinrich Fischer Ls H. W. Ritter in Wiesbaden.
(1489)
Robert Blum,
der Wort- und Schwertführer, der Held und Märtyrer der
deutschen Volksfreiheit,
standrechtlich erschossen zu Wien am 9. November 1848.
Es ist das allerähnlichste Bildniß des Geopferten, Preiß 14 kr. oder 4 Sgr.
Verlag des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen.
(1442) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung in Wiesbaden ist soeben erschienen und zu haben:
Die
Gemeinde-Ordnung für das Herzogtum Nassau,
wie solche von den Volksvertretern berathen und beschlossen worden ist.
.Preis 9 Kreuzer.
Bekanntmachung.
(1474) Dienstag, den 5. Dezember l. J. Mor« genS 9 Uhr anfangend, bringen die Geschwister .Hirsch dahier im Saale zum Cölnischen Hof in der kleinen Burgstraße hierselbst: allerlei Schnittwaaren, in Kattunen, Baumwollzeugen, gedrucktem Bettbarchent, Zwillich, quarrirtem Merinos, Thybet von verschiedenen Farben, Halstücher, Foulards, ChaleS, leinwandcnen Strümpfen, Mantelstoffen, Damentuch, BukS- kingS, Westenzeugen, englische ShirtingS rc. bestehend, dann Möbel, als: Bettstellen, Kom
mode, Tische, Stühle, Betten, Kupfer, Zinn-c. und mehrere Fortepianos von verschiebe Qualität abtheilungShalber zur Versteig^» _H- Die Fortepiano'« können täglich in dem v> i Nr. 40 der Unterwebergasfe eingesehen und vor der Versteigerung aus der Hand verta werden.
Wiesbaden, 17. November 1848.
Der Stadtfchultheißerft-VerwaUer Christmann.________
(1498) Ein guter Dachshund ist zu verkau- fen. Zu erfragen in der Expedition d. -vu—.
Verlag von H. Fischer und E. Ritter. — Druck der T. Rttter'schrn Buchdruckerei.