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Freiheit und Neeht!"

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Wiesbaden. Freitag, 24L November

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Die Politik der Volksfeinde.

^ Aus Hannover. Die Demokratie hat die Ehrlichkeit ihrer Grundsätze für sich; sie würde auch schon längst gesiegt haben, hätte sie nicht gegen so un­geheure Vorurtheile, so viele irrige Meinungen und Begrffe zu kämpfen, gegen die Dummheit und den Aberwitz von einem großen Theile des Volkes, die ge­schickt ausgebeutet in die Reaktion als herrliche Schutz. Waffen benutzt werden. Unsere bisherige Vergangen­heit ist ein schlagender Beweis, denn sie ist nichts, als ein fortgesetzter Verrath an der Demokratie, der nur darum ausgeführt werden konnte, weil das Volk keine klare Einsicht von der Sachlage hatte. Wir wollen die grellsten Beispiele hervorheben, und dem Volke diese volksfeindliche Politik in kurzen Zügen zu enthüllen suchen. Die Februarrevolution von Frankreich hielt ihren Umzug" durch Europa. Sie hatte zunächst Deutschland ergriffen. Die Revolution in Wien, haupt­sächlich durch die Studenten hervorgerufen und getra­gen, stürzte die scheußliche Regierungswirthschaft Met­ternichs. Sie war besiegelt durch das Blut des Volkes. Der mörderische Straßenkampf in Berlin stürzte d,e Macht der Preußischen Bajonette, und erhob den bis dahin unbekannten Namen des Volks auf den Gipfel einer wunderbaren Höhe und Majestät. Der einftun- mige Wille des Volkes in allen Theilen unseres Vater­landes verlangte eine Einigung aller deutschen Stamme und Volkstheile durch freigr wählte Vertreter, welche die vom Volke laut ausgesprochene und thatsächlich be­wiesene Souveränität in gesetzliche Formen kleiden und den Willen der Nation trotz Fürstenmacht zur Geltung bringen sollten. Wer hat für die Revolution in Wien fein Blut vergossen? Lest die Tottenliste und ihr werdet nur Arbeiter finden! Wer hat die Früchte der Revolution geerndtet? Die hohe Bourgeoisie. Wer verlangte Waffen, und bekam keine? Das arbeitende Volk. Und warum mußte es so kommen? Weil daS Volk noch nicht intelligent genug war, weil eS seine wahren Feinde noch nicht erkannte, weil man dem Bürge,stunde weiß machte, Anarchie und Kommunis­mus würden die Folge sein, wenn das Proletariat be. waffnet werde, und zu seinen natürlichen Rechten ge­lange. Wer hat im März in Berlin auf den Stra­ßen gekämpft? Lest wiederum die Todtenliste, und ihr werdet unter allen Leichen nur Handwerker und gewöhnliche Arbeitsleute finden! Wer kgm, als die Schlacht vorüber war, und hat Tags darauf alle Haupt- wachen der Stadt bezogen? Die hohe Bvurgeosie! Wer hat keine Gewehre bekommen? Das arbeitende Volk. Denn es war zu dumm und zu gutmüthig, um den doppelten Verrath einzusehen, den Verrath von Oben, und den Verrath aus eigner Mitte, indem ja die Bourgeoisie gleich nach dem Kampfe dem Volke die Früchte des Sieges wegzueskamotiren wußte, dem Volke, das gekämpft und gesiegt hatte! Wer hat damals viel

versprochen und nichts gehalten?? Wer hat den un- glücklichen Polen gesagt, sie würden frei und selbst­ständig werden, und hat sie nachher zusammenkartätschen und ihre Hauptstadt in Belagerungszustand erklären lassen? Was hat das deutsche Volk dazu gesagt? Das deutsche Volk hat gesagt, es wäre Recht; denn die Polen wären anarchisch geworden, hätten ihre adligen Gutsherrn ermordet, und hätten die deutsche Bevölke­rung arg terrorifirt, wollten alle Deutsche aus dem Lande jagen! Denn also hatte man ihnen in den Zei­tungen vorgeschwatzt. Im Vorparlament saßen Alle, die je einmal in einer deutschen Kammer waren. Das waren aber meist konstitutionell-monarchisch gesinnte Leute, Vertreter des sogenannten gesetzlichen Fortschritts, gewählt von der reichen und besitzenden Klasse, der hohen Bourgeoisie. Hecker, Einer der wenigen wah­ren Volkösreunde, verlangte, daß das Vorparlament sich für permanent erkläre; es würde sich dann nach und nach immer mehr mit eigentlichen Volksmännern bereichert haben, und auf diese Weise eine Versammlung geworden sein, die, gestützt auf oie damalige Begeiste­rung des Volks, auch das Volk zum schnellen und wirk- lichen Siege geführt haben würde. Hecker wurde verspottet und verhöhnt; ausgeschrien als ein Republi­kaner. Man hielt ihm entgegen, das Volk wolle die konstitutionelle Monarchie. Uno diese Phrase war ge­nug, die Anträge deS Republikaners Hecker abzu­weisen. Wollte daS Volk die konstitutionelle Mo­narchie? Das Volk wollte Preßfreiheit, Vereinsrecht, Bewaffnung, freie Gemeindeverfassung, Erleichterung von seinen drückenden Lasten das Alles wollte^das Volk, nur keine konstitutionelle Monarchie: es wollte überhaupt gar keine bestimmte Staatsform, weil es eben noch keine kannte. Wer wollte denn die konstitutionelle Monarchie? Dik hohe Bourgeoisie, die fühlte, daß es sonst ihren VolksauSsaugungeprivilegien an Kragen gehen würde, die dem Volke vorschwatzte, die Republik bestehe aus Mord, Brand, Kommunismus, Weiber- und Gütergemeinschaft. Daher damals die ewigen theo­retischen Kämpfe in allen Zeitungen, welche von beiden Staatsformen die beste sei. Die Bourgeoisie und Bu­reaukratie stützten sich auf die Dummheit, die De­mokraten auf die Vernunft des Volkes. Hecker machte in Baden den letzten Versuch, die Revolution zu retten. Er scheiterte. Die deutsche, damals durch die Bourgeoisie und Bureaukratie und die Regierungen beherrschte Presse heusse und schimpfte über ihn, nannte ihn einen Anarchisten, seine Anhänger liederliches Ge­sindel, fremde Canaille ohne Hosen, Mordbrenner, sprach von den durch die Republikaner verübten Freveln und Greueln, greinerte über die ewigen Unruhen nach­dem vom Jahre 1815 bis zum März 1848 die tiefste Kirchhossruhe über Deutschland gelageit hatte! Als das badische Volk protestirte gegen den Einmarsch der vielen nichtbadischen Truppen, da hieß es, französische, polnische und deutsche Freischaaren wollten über die Grenze ins Land brechen, da sprengten falsche Boten

einmal über daS andremal die Nachricht aus, sie seien schon da, alkannirten alle ringsliegenden Ortschaften; da ging es her über die sonderbündlerifchen Badenser, die so wenig Deutsch seien, daß sie die hessischen, bay­rischen, Würtemberger und Nassauer Soldaten nicht als ihre deutschen Brüder anerkennen wollten. Und das deutsche Volk, oder vielmehr der deutsche Spießbürger, glaubte daS Alles, und bekam einen Schrecken und ein Entsetzen vor dem Worte Republik, als müßten damit die Zeiten der Völkerwanderung oder des dreißigjähri­gen Kriegs über Deutschland Hereinbrechen. J.-tzt ist er klüger geworden; ja, aber er wäre es besser schon da­mals gewesen. Was auS der Nationalversammlung werden würde, konnte jeder Gebildete leicht sehen. An­fangs sprach man von direkten Wahlen, allgemeinem Wahlrecht, deutschem Bürger- und Heimathsrecht und nachher, als die Wahlen kamen: wir brauchen nicht zu sagen, wie cs damit ging. Die National- vertretcr kamen zusammen. Die Demokraten hielten daneben einen Congreß. und sprachen von Freiheit und Revolution. Die Nationalversammlung sprach von Einheit und Gesetz. Das waren die vorgeschobenen Posten: Einheit gegen die sonderbündlerischm Repu­blikaner! Gesetz gegen die revolutionären Ultra's, die alle bisherigen von den Fürsten gegen das Volk gemachten Gesetze zusammenstürzen wollten. Wer nicht Vertrauen hatte zur Nationalversammlung, der war ein Verräther an der deutschen Einheit. Nnv diese Nationalversammlung verkündete sogar die Sou­veränität des Volks. Es ist ja nur ein leeres Wort! dachte sie. Das WortRepublik" hatte man einst­weilen verhaßt zu machen gewußt; bald kam auch die Reihe an die Freunde und Fürsprecher der brod- und arbeitlosen Klaffe. In Paris wurde das Volk im Juni besiegt, und der Geld sack gelangte wieder zur Regierung. Man erzählte sich von den Greuelthaten, die das Volk verrichtet, von der Masse der Galeeren­sklaven und entlaufenen Sträflinge, die gegen die Re­publik gekämpft für einen Prätendenten (Thronkandi- datèn), wie russisches Gold vertheilt gewesen sei unter die Arbeiter und das Alles glaubte wiederum dec gutmüthige und dumme deutsche Philister.

In Deutchland aber trat die Reaktion in Folge dessen immer kühner und frecher auf. Die deutschen Spießbürger wählten sich den vielgeliebten Erzherzog Johann zum Reichsverweser. Seitdem aber ist die deutsche Freiheit verwest! Und in der That: ver­modert ist die Souveränität des Volkes verwüstet ist die herrlichste der deutschen Städte, sind die deut­schen Finanzen rc. rc. Schleswig-Holstein, die viel- gesungenen Herzogthümer, hatten sich losgerissen von ibrem Erbfeind, den Dänen. Friedrich Wilhelm von Hohenzollern versprach, als ihm des Volkes Gutmü- thigkeit seine Krone gelassen, sie zu unterstützen. Frei­schaaren zogen nach Schleswig. Es war die freiheit^ liebende, thateudurstige, revolutionäre und republika­nische deutsche Jugend. Die ließ man sich dort ver-

Robert Blums Kinder- und Wanderjahre.

(Aus demLcuchtthurin" von E. Keil.)

(Fortsetzung.)

Bald indeß verlor sich diese Lust an solchen Scher­zen, denn der Verstand erwachte in dem Knaben und ließ ihn an solchem Zeug keinen Gefallen mehr finden.

Im noch nicht vollendeten 12ten Jahre bereits kam Robert zur ersten Cvmmnnivn, und verließ somit die Schule die Iesuitenschule, wie sie genannt wurde weil er wenigstens der Form nach gelernt hatte, was da zu lernen war. Er wurde an der Pfarrkirche, der seine Eltern angehörten, Groß-Martin, als Meßdiener verwendet, und konnte jetzt schon durch seine kleine Einnahme in diesem Posten seine Eltern unter­stützen; der hauptsächliche Vortheil für den Knaben be­stand indeß Urin, daß er den freien Schulunterricht der Ptarrkirche genoß. Längere Zeit bekleidete er nun dieses Amt, indeß sollte eS ihm durch zwei Ereignisse, die ich erzählen will, verleidet werden.

Der Gottesdienst, die Messen dauerten gewöhnlich von 59 Uhr, dann war eine Pause biS 11 Uhr, wäh­rend welcher die Knaben, die als Messcdicncr verwendet wurden, die offene Kirche zu hüten halten. In dieser müßigen Zeit nun verfiel Robert inmitten der Herrlich­keit und Pracht der alleinseligmachenden Kirche in Grü­beleien, in Nachdenken über die ihn umgebenden Gegen­

stände , über die Erscheinungen der Messe und alles an­dern Gottesdienstes, den er fortwährend vor Augen hatte, und unter Anderem frug er sich oft, wie eS denn möglich sei, daß der allgewaltige Gott alle Tage so viel tausend Mal mit Fleisch und Blut, Gottheit und Mensch­heit in die kleine Hostie krieche und sich von den Gläu­bigen verzehren lasse.

Der Gedanke ließ ihm keine Ruhe, er suchte nach Belehrung, glaubte dieselbe vom Priester in der Beichte zu hören und erzählte demselben harmlos die ganze Frucht seines Denkens. Der Priester verweigerte ihm die Ab­solution und legte ihm als Strafe für seine Frevelthat auf, 14 Tage lang die erste Messe mit anSge- streckten Armen zu bedienen, d. h. eine halbe Stunde lang mit auSg»streckten Armen auf den Stufen des Hochaltars zu knicen; nur unter dieser Bedingung sollte der junge Sünder Absolu­tion erhalten. Ein eigenthümliches, bisher noch unge* kannteS Gefühl mochte sich deS Knaben bemächtigen, denn er erklärte dem Beichtiger fest sich hießet Buße nicht unterwerfen zu wollen, und wurde wirklich ohne Absolution entlassen. ES vergingen einige Tage, da wurde er eines Nachmittags in die Kirche bestellt.' Er ging hin, wurde in das sogenannte KapitelhauS der ehe­maligen Benediktiner-abtei geführt und fand hier ein form« licheS Gericht, bestehend aus dem Pastor, den beiden Kaplänen und dem Küster, versammelt, daS ihn, wie man im Leben sagt, tüchtig inS Gebet nehmen zu wol­

len schien. Der Kaplan als Beichtiger hielt eine erbau­liche Anrede und forderte ihn dann auf, die Beichte zu wiederholen. Der arme Knabe weigerte sich mit der Bemerkung, daß er ja nur Einem beichten könne; der anwesende Pastor indeß rief ihm erzürnt zu: Mach' nur keine Umschweife,wir wissen doch Alles!"

Diese Worten versetzten den Knaben in Verzweiflung, er erklärte kurz und bündig: daS sei eine Verletzung deS Beichtgeheimnisses, und halte man dieses nicht heilig, so vernichte man mit dem Glauben an diesen Lehrsatz der Kirche zugleich den an alle andern, und jetzt könne er um so weniger an die Trawssubstantiation u. s, w. glauben.

Der Pastor stürzte nach diesen Worten wüthend auf den kleinen Sprecher und großen Rebctler gegen die Kirche zn, doch der brachte sich durch die Thür in Sicherheit, flüchtete sich in die Wohnnng seiner Eltern und schüttete dem Stiefvater daS Herz aus, der ihn auch gegen alle Bedrängnisse in dieser Bliebe von Seiten des empörten Priesters schützte. Ein alter Kanonikus, der an dem Knaben längst Gefallen gefunden, schlug sich übrigens ins Mittel, absolvirte ihn und wußte auch den Pastor zu bewegen, von fernerem Verfahren adzustehen. In Bezug auf die Ohrenbcichte möchte ich noch einen an­dern Fall , aus der Jugend BlumS mittheilcn, der dem denkenden Leser nicht minder Stoff zum Nachdenken geben wird.

(Fortsetzung folgt.)