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Mit Zeitung.

âeiheit und Recht!"

M 244-

Wiesbaden. Donnerstag, 23. November

1848»

Die , ^reie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

* Nassaus berühmte Männer.

Wiesbaden, 21. November.

Nassau! jetzt freue dich! Jetzt bist du erst vollkommen glücklich! Du hast edles Getreide , reiche Mineralschätze, du hast die Fülle köstliche» Weines und vortrefflichen Obstes du hast deine Gesundbrunnen, deinen Taunus, mit seinen waldbekränzten Scheiteln, du hast deinen Westerwald mit seinen blockenden Heel­den: eines nur fehlte dir bislang eines war dir versagt unglückliches Land du hattest keine be­rühmten Männer!

Schon derDeutsche Zuschauer", dieser ungewa­schene Unrathfeger, schrieb im vorigen Jahre:In Nassau ist die Dummheit zu Hause das arme Land hat noch keinen berühmten Mann hervorgebracht." Als daS der deutsche Zuschauer voriges Jahr schrieb, da weinten wir eine patriotische Thräne über dasarme Land", welches keine berühmten Männer hervorbringen kann.

Jetzt ist die Sache anders: jetzt haben wir große, welthistorische Namen zu Mitbürgern.

Fragt Ihr unS: wer diese seien? so wollen wir Euch die prachtvollen Männer sofort verführen.

In erster Reihe steht der edle Freiherr F. Da­mian von Schütz zu Holzhausen. Dieser kolossale Charakter hat den Ruhm des nassauischen Volkes weit­hin getragen. Erst war er nassauncher Regierungs- anhângsel (so sagen wir, um alle Fremdwörter zu ver­meiden, statt Regierungsaccessist), dann kurze Zeit Ad­vokat, dann Landstand (reißende Fortschritte!), dann Sekretär im ReichSministerio, und endlich zuletzt reist er sogar mit dem Mann, den sie den badischen Brutus nennen, nach Berlin, um der Nationalversammlung da­selbst Gesetze vorzuschreiben.

Alle Blätter berichteten:Herr Bassermann ist mit Herrn von Schütz in Berlin angekoinmen."

Herr von Schütz ist der erste berühmte Mann der Nassauer!

Mar von Gagern, früher nassauischer Staats­diener, ist jetzt zu hohen Ehren und Würden gelangt: und genießt

1) die beneidenSwertbe Ehre, als Untirstaatssikretär in dem preiswürdigen Ministen» Schmerling. Peucker zu sitzen;

2) das unsterbliche Verdienst, der Bruder jenes gro­ßen Gagern mit dem Jupiter-antlitz zu sein.

Dieser Mar von Gagern ist eben derselbe, wel. cher, als der Waffenstillstand von Malmö abgeschlossen wurde, im Namen des ReichsverweserS in den Hrrzog- thümern war, und dem der preußische Gesandte die Thüre zu den Verhandlungen mit Dänemark geradezu naseweis vor der Nase zuwarf.

Herr von Gagern ist der zweite berühmte Mann der Nassauer!

Jetzt aber kommt die dritte Berühmtheit Nassau's!

Ihr erinnert Euch doch wohl noch eines Mannes, der früher tu uralten Zeiten Advokat war, und daneben Mitglied der Kammer in der alten schlechten Zeit?

Ihr erinnert Euch auch wohl noch, daß dieser Mann im Anfang des März in den Vier Jahrszeiten höchst merkwürdige Reden gehalten hat, wobei er zuweilen seinen Hut unter den Tisch geworfen haben soll?

Nun Ihr werdet wohl auch alle nicht vergessen haben, daß dieser Mann nach der Märzrevolution 1) Präsident des Sicherheits- Comite's, 2) Minister­präsident und Minister, 3) Mitglied des Vorparlaments und 4) Mitglied des Parlaments geworden ist.

Daß dieser Mann im V--Parlament mit Bas­sermann und Consorten stim ate, werdet Ihr ebenso gut wissen, wie: daß dieser Mann im Parlament bis jetzt gar kein besonderes Aufsehen gemacht haben soll.

Was dieser Mann nun als Minister für das Land gethan hat, läßt sich eigentlich schwer sagen: er war ja meistens abwesend und dirigirte das Land von Frank- furt aus. Zuweilen fuhr der Mann herunter nach Wiesbaden und trat in die Kammer der Nassauer. Er nahm es dann nicht gut auf, wenn einige Stände vonrevolutionärem Boden" mbVolkssouveränität" reden wollten: und gab den Ständen ganz hübsche Erklärungen von derlei Sachen. Daß der Mann während der Periode seiner Krankheit nichts fürs Land thun konnte, wollen wir natürlich gerne einräumen; als er aber wieder gesund geworden, hat man in Nassau auch nicht viel von ihm gehört.

Nun man vernahm eigentlich von diesem Mann in der letzten Zeit gar nichts, und die Bauern sollen oft gefragt haben: haben wir denn einen Mini­ster, oder haben wir kernen?

Jetzt aber auf einund raucht des Mannes Name er heißt Hergenhahn wieder auf: und wir sehen, wie unser Minister die Vermittlung zwischen dem preußischen Volk und seiner Krone über­nehmen soll!

Eine große, welthistorische Aufgabe: o betet ihr Nassauer, daß es Eurem Minister nicht ergeht, wie dem Manne, den sie den badischen Brutus nennen; betet: denn der Minister Hergenhahn ist ja der dritte berühmte Mann der glücklichen Nassauer!

Nationalversammlung zu Frankfurt.

118. Sitzung.

(Schluß.)

Man schreitet sodann zur Verhandlung über Art. VI. und verzichtet aus die Diöcussivu darüber. Dem­nächst wird §. 29:

Die Reichsgewalt hat über das gesummt" deutsche Eisenbahnwesen das Recht der Gesetz.ebung und Oberaufsicht, so weit der Schutz bey N iches oder das Interesse des allgemeinen demschen Verkehrs es erheischen,

Minoritätserachten: Der letzte Satz möge so gefaßt werden: so weit sie es zum Schutze des Reichs und im Interesse des allgemeinen deutschen Verkehrs für nothwendig oder zweckmäßig erachtet, mit dem Minoritätstrachten angenommen. Ebenso §. 30:

Unter denselben Voraussetzungen hat die Reichs­gewalt das Recht, Eisenbahnen anzulegen, oder deren Anlage zu bewilligen, so wie vorhandene Eisenbahnen auf dem Wege der Enteignung zu erwerben.

Die Benutzung der Eisenbahnen steht der Neichs- gewalt jederzeit gegen Entschädigung frei.

6. 31:

Bei der Anlage oder Bewilligung von Eisen­bahnen durch die einzelnen Staaten ist die Reichs- gewalt befugt, den Schutz des Reichs und das Interesse des allgemeinen deutschen Verkehrs wahr- zunkhmcn.

wird dagegen in der von der Minorität des volkSwirth- schaftlichen Ausschusses vorgeschlagenen Abänderung:

Der Reichsgewalt steht die Gesetzgebung und Oberaufsicht über die den allgemeinen deutschen Verkehr vermittelnden oder zum Schutze des Reichs nothwendigen Heer- und Landstraßen, ingleichen über die Erhebung von Chaussee- und Weggeldern und ähnlichen Abgaben auf solchen Straßen zu. angenommen. §. 32 endlich wird in dem Entwurf des Verfassungsausschussrs angenommen.

Nach einigen Urlaubsbewilligungkn wird die Sitzung geschlossen.

119. Sitzung.

Die Sitzung wird halb 10 Uhr vom Vizepräsiden­ten Ricßer eröffnet, das Protokoll vom 18. verlesen und, nach Beseitigung einer Bemerkung von S ch u e r r, genehmigt.

Es sind Interpellationen eingegangen: von Simon von BreSlau: in Erwägung, daß der Minister des Innern auf jede Anfrage mit der allgemeinen Redens­art antworte, das Ministerium werde alles thun, was die Ehre und die Erhaltung der Freiheit erfordere; in Erwägung dagegen, daß W-mdifchgrätz die Repräsen­tanten der deutschen Einheit mit Hohn von sich ge­wiesen habe, frage ich das Reichsministerium des In­nern, welche Schritte hat dasselbe gethan, um der durch das schnöde Verfahren des Fürsten Windischgrâtz ver­letzten Ehre der Centralgewalt und des gesammlen Deutschlands Genugthuung zu verschaffen?

Simon von Trier:

1) Ist es war, daß d r Reichskommissär Basser- man i anstatt, seiner Instruktion gemäß, Confl cte zu verhüten, sich geradezu auf een ungesetzlichen und hart­näckigen Standpunkt der Krone gestellt har?

2) Ist es wahr, daß die ReichSgewalt dahin ge­mißbraucht werden soll, die in und um Berlin zusammèn- gezogenen Truppen für Reichstruppen zu erklären?

Politische Widersprüche.

5 Sott der Weil. Es gibt Leute, welche das Prin- cip^dcr Volkssouveränität im Munde führen, und den­noch behaupten, das Parlament dürfe sich nicht auflö- sen, wenn auch die Majorität des souveränen Volkes eine Neuwahl fordert, als ob nicht die Souveränität grade darin bestände, daß die Forderungen, der Wille des Volkes oberstes Gesetz sein müssen!

Item, cs gibt Volksvertreter, welche ihre Sitze nicht aufgeben zu müssen glauben, wenn auch ihre Kommit­tenten erklären, daß sie (DieVolksvertreter") ihre Ansichten nicht vertreten und daher Andern Platz machen sollen.

Item, gibt Vvlksabgcvrdncte, welche in Folge der Märzrcvolution gewählt worden sind, und dennoch die Revolution verleugnen oder sogar Die Berechtigung all' und jeder Revolution überhaupt leugnen, die also nicht einsehen, daß Die erste und unmittelbarste Folge dieser Ansichten für sic selbst Die hätte sein müssen, daß sie die, durch eine Revolution zu Stand gebrachte, Wahl nicht hätten annehmeu dürfen, weil sie durch Die An- uühme Derselben vie Revolution anerkannt und sich zu Mitschuldigen derselben gemacht haben. Hätten nicht alle Die|cLegitimisten" durch einen sofortigen ehrlichen Protest gegen Die auf sic gefallene Wahl ihre lleberzeu- gung der Welt kund thun müssen?

Es gibt Offiziere, welche in Schleswig-Holstein den Soldaten, die gegen das alte militärische Zopfregiment Opposition machten, zuriefen, die Märzrcvolution gelte jetzt nichts mehr, obgleich sie selbst in Folge der Revo­lution gegen Dänemark gezogen waren und damit einen Feldzug zur Vertheidigung derselben unternommen hatten.

Es gibt Politiker, welche Die weltbewegenden Prin­cipien der jetzigen Zeit nach dem, was sie den Lebens­wandel dieses oder jenes ihrer Verfechter nennen, be­urtheilen zu müssen glauben, und Die doch die Handlun­gen aller Fürsten, obgleich unter ihnen auch solche sind, die keinen gutenLebesnwandcl" führen, stets vertheidigen, weil es die Handlungen von Fürsten sind. Item: sie schreien Zeter über dieschändliche" Wiener Revolution, obgleich sie über Die 100,000 Arbeiter und Studenten, welche sie gemacht, Leumundszeugnisse einzu- holen doch wohl noch keine Zeit gehabt haben! Sie beweisen also damit, daß in ihren Augen doch zuletzt die Liebe zur Freiheit das einzige Lasier , und der Ser- vilismus, der Knechtssinn Die einzige Tugend ist.

Es gibt Pfarrhcrrn, welche den Satz auf stellen, kein Geistlicher dürfe an Volksversammlungen Sheil nehmen, weil er dadurch in den politischen Partei streit zum gro­ßen Nachtheil seinerAmtswürde" hineingezvgcn werde, wählend sie heimlich, von Haus zu Halise schleichend, und leibst von der Kanzel herab, durch alle Mittel gegen die demokratische Partei arbeiten, und sich somit selbst in Den politischen Parteikampf einmischen.

Und was gibt's nicht noch all' für politische Wider­sprüche. Nur zwei Parteien gibt cs, welche sich davon frei halten, Die absolutistische und die demokra­tische. Zwischen diesen beiden muß der Mann von klarem Kopf und Charakter wählen.

Robert Blum's Kinder- und Wanderjahre.

(Aus demLeuchtthurm" von E. Keil.)

(Fortsetzung.)

Der Mann brachte überdies noch feine Mutter und drei Schwestern Wollarbeiteriunen mit, Die Den kargen Verdienst der Familie aufzehren halfen, und das Elend im Hause war fertig. Der fortwährende Aerger, ja Mißhandlungen von Seiten des Mannes, die dauerude Noth übten auf Die unglückliche Frau den störendsten Einfluß fünf Mal in kurzer Zeit wurde sie zu früh entbunden und kam mit einem todten Kinde nieder; es war eine höchst unglückliche Ehe, in der besonders die Drei Kinder der ersten Ehe von Seiten des Mannes und seiner Blutsverwandten Die erbärmlichste Behandlung zu erdulden hatten. Die Hungcrsnoth der Jahre 1816 1817 trat ein und brachte wo möglich noch mehr Elend in die Familie. B1 u in s Vater arbeitete bei der Schalte einem großen Fahrzeuge, das zum Verkehr zwischen Cölir