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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt Viertelsährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Bürger Nassau s!

Das Uneihörte ist geschehen! Die blutrothen Frev­ler in Wien haben sich nicht gescheut, ihre verbrecheri« sche Hand an das heilige Haupt eines deutschen Reichs. tagsgesandten Robert B l u m s für den Mil­lionen Herzen in Deutschland warm und begeistert schlugen, zu legen.

Robert Blum, der jahrelang in Wort und Schrift die Sache des Despotismus und der Völkerverdummung bekämpft hat er hat sein Leben ruhmvoll, glorreich beendet. Mit Muth und Begeisterung ist er dem Tod für die Freiheit entgegengetreten.

Bürger Naffau'ö! an Euch nun ist es, zu bewei­sen , wie tief Euch das unerwartete Ende dieses Frei­heitsapostels zu Herzen geht; an Euch ist es, zu be­weisen, daß Ihr die Aufopferung eines der edelsten deutschen Männer nicht gleichgültig hinnehmet.

So bekundet denn Euren Schmerz nicht bloß in Wehklagen, sondern zeiget Eure Dankbarkeit auch durch die That.

Robert Blum hat Weib und Kinder hinterlassen! Diese sind ihres Vaters beraubt, wohlan! so möge das deutsche Vaterland bei ihnen die Stelle des Vaters vertreten, und dieselben kräftigst unterstützen.

Zur G'ldempfangnahme für die Hinterbliebenen Robert Blums ist die Redaktion der Freien Zeitung gerne bereit, und wird dieselbe die eingegangenen Bei­träge an das durch die Reichötagsabgeordneten Reh, Ziegert, Vogt, Trützschler, W. Löwe, Ber­ger und Wigard gebildete Centralkomite abliefern.

Die Redaktion der Freien Zeitung.

Unsere Hoffnung,

Aus Hannover. Wir haben gesehen, wie man die G-äber der Märzfelder mit Koth beworfen, und das gutmüthige Volk von Neuem in die Netze des VenathS gelockt hat, wie man es verstanden, aus Men­schen Maschinen zu machen, abgerichtet zum Morde ihrer Brüder, wie man dem Volke der Polen die Worte Freiheit und Nationalität zurief, um eS dann, als es davon Gebrauch machen wollte, zu massakriren. Wir haben gesehen, wie man daS Volk überlistet und be­trügt, wir haben's gesehen und wir sind nicht v e r z w e i f e l t!

Wir haben gesehen, wie man in Paris die Sklaven, die ihre Ketten gebrochen hatten, wieder demüthigte unter ihr altes Joch, wie man sie kalt und grausam hin« morden ließ, oder sie verbannte aus dem Vaterlande, sie losriß von ihren Mütt rn und Brüdern, von ihren Gatten und Kindern, wir haben vernommen ihr Todes, röcheln, ihr Seufzen und ihr Stöhnen, während in­mitten der rauchenden Leichen, deS Jammers und des Elends, der entmenschte Herr seinen Fuß auf den Nacken der menschlichen Lastthiere setzte, wir

haben's gesehen und wir sind nicht verzwei­felt!

Wir haben gesehen, wie sich der Abgott der deut­schen Begeisterung und des deutschen Vertrauens in einen ganz gewöhnlichen Menschen umwandelte, wie er mit Phrasen des Volkes Hoffnungen zu erfüllen, seinen Freiheitsdurst zu stillen dachte; wir haben gesehen, wie man dem Volke einen Greis vorgeführt hat als Sym­bol seiner Macht und Majestät, wir haben's gescheit und wir sind nicht verzweifelt!

Wir haben's gesehen und erlebt das Gräßliche und Un­erhörte, das noch unsere Herzen starren, unser Blut ge­rinnen macht: wir haben gesehen, wie man in unserer ersten Stadt eine Orgie des Völkerverraths und deS Freiheitsmordes aufgeführt, wie kroatische Horden Deutsch­lands edelste Söhne abgeschlachtet, seine Frauen entehrt haben, wie für eine Krone Ströme von Volksblut ge­flossen, wie man in Frankfurt die Weltgeschichte auf den Brettern aufgeführt, den Schmerzen des Volks den Todeszuckungen deutscher Brüder mitleidslos zugeschaut hat; wir haben gesehen, wie man mit Kartätschen den Willen des Volks zur Ruhe gebracht, und für den Tod eines Mannes Tausende hat entgelten lassen, wie man mit Schrapnels die heiße Freiheitsgluth Derer stillte, die Metternich, die verruchte Völkergeißel, unsern ersten Kettenschmieder, vertrieben; wir haben gesehen einen neuen Akt des blutigen Trauerspiels der Revo­lution, wir sehen noch rauchen die Trümmer Wiens, hören noch den Jammer all der Unglücklichen zu un­sern Ohren dringen und wir werden nicht verzweifeln!

Nein, nicht wir, die wir schon so Vieles erlebt, so Vieles gelitten und geduldet, die wir unermüdlich ge­kämpft und gewirkt für des Volkes Wohl und Glück, die wir seine Leiden mitfüblen, seine Thränen mitweinen wir werden nicht verzweifeln! Denn wir glau­ben an die Wahrheit nuferer Sache, all unser Heizschlag schlägt für das Heil der Nationen, all unsre Kräfte sind dem Wohle des Volkes geweiht! Aber auch du nicht, o Volk, auch du wirst nicht v rzweifeln, denn auf dich bauen, dir vertrauen wir, auf dich setzen wir unser Eins und unser Alles, auf dich all unsre Hoff­nungen! Du kennst unser Wollen und Streben du wirst mit uns stehen und fallen! Du wirst immer treu der Fahne folgen, die wir dir vortragen, nie den Muth sinken lassen, mit männlichem Antlitz und freu­digem Vertrauen in die Zukunft blicken dir deine Zukunft machen! Auch deine Brüder, die im Heere dienen, sie werden anders; auch das Geld, mit dem unsre Feinde ihre Büttel bezahlen, es wird nicht ewig fließen du aber bist ewi,; starsewig reich, und erst wenn sie dich vernichtet,können sie auf deinen Leichen ihr Reich aufbauen!

O Volk! sei wach immer und unermüdlich: groß ist die Zahl deiner Gegner, habe Vertrauen aus deine Sache!

Die Sache der preußischen Nationalver­sammlung zu Berlin ist eine Sache des ganzen deutschen Boltes.

Wiesbaden. Der König von Preußen hat die Nationalversammlung vertagt und sie aus Berlin nach Brandenburg verlegt, weil sie in ihren Berathungen in Berlin nicht mehr frei sei; er hat ein Ministerinn: den: Lande vorgesetzt, welches die Kammer verworfen hat. In ihrer Eigenschaft als konstituirende Nationalver- sammlnng, als eine Verfassung gebende, hat der König nicht das Recht, sie in ihren Berathungen einseitig zu unterbrechen, sie an einen Ort zu verlegen, wo sie wirklich in Gefahr geräth, unfrei zu werden; nur wenn die Kammer selbst eine solche Maßregel in Vorschlag bringt, kann sie in Vereinbarung mit dem König inAuSführung gebracht wer­den. Denn ihr selbst steht doch zunächst das Urtheil über ihre moralische Selbstständigkeit zu. Die National­versammlung hat sich daher dem königlichen Beföhle widersetzt, und wir glauben, daß sie in ihrem Rechte ist.

Wenn man tiefer auf die Ursache dieses Streites eingeht, so liegt diese offenbar in den Beschlüssen der Nationalversammlung, welche mit einem Schlage den Adel, die Titel und die Orden abgeschafft hat. Dâß die preußische Aristokratie ihre Privilegien nicht ohne Kampf aufgeben werde, war vorauszusehen. Der Bran­denburgische und Pomme, ische Adel hat in einer lan­gen Reihe von Jahren die höchsten Staatsstellen besetzt, er hat die Armee zum größten Theile mit Offizieren versehen, er hat den Staat beherrscht, und nun soll er mit einem Male aus dieser vortheilhaften Stellung ver­trieben werden. Um jene fatalen Kaminerbeschlüsse rückgängig zu machen, wird daher wohl von der Kama­rilla kein Mittel unversucht bleiben, und eins dieser Mittel ist die Verlegung der Versammlung an einen andern Ort, wo man sie vielleicht einzuschüchtern wähnt. Die Nationalversammlung sowie der König haben an das Volk appellirt, es ist daher die Pflicht des Volkes, daß es seine Stimme erhebe. Schon allenthalben gibt das preußische Volk seine Gesinnung kn zahlreichen Zu­schriften kund, aber diese Angelegenheit ist nicht bloß eine Preußische, sondern eine Deutsche überhaupt! denn es handelt sich hier von der Aufrechthaltung der Beschlüsse einer souveränen Volkskammer. Die deut­schen Völker sind jetzt in eine solche Verbindung und Wechselwirkung zu einander getreten, daß ein großes Ereigniß in einem Theile des Landes nothwendigerweise auf den andern von größtem Einfluß sein muß. Nach­dem Wien gefallen, hat die Reaction in Berlin that« sächlich durch Erklärung dieser Stadt in Belagerungs­zustand begonnen und geht der König hier siegreich auS diesem Kampfe hervor, so wird ganz Deutschland wie­der in Fesseln geschlagen werden.

Modert Blum.

Robert Blum, einer der Männer, welche sich aus der ärmlichsten, drückensten Lage durch eigene Kraft und Geist zu Ruhm und Ansehen erhoben, ist am 10 Novem­ber 1807 zu Köln als Sohn ganz unbemittelter Eltern geboren. Sein Vater nährte sich kümmerlich von Faß­binden und fand später in einer Stecknadel-Fabrik Be­schäftigung; seine Mutter war ein Dienstmädchen vpm Laude. Trotz der angestrengtesten Thätigkeit aber mußte die Familie oft Hunger leiden, und der junge Robert empfand somit schon von frühester Jugend an Elend und Noth. Seine Jugend bis zu seinem zehnten Jahre ist ein düsteres Nachtbild, in dem alle Arten des mensch­lichen Elends in den schrecklichsten Schattirnngen abwech­seln. Nicht genug, daß er bei den niedrigsten häuslichen Arbeiten die härtesten Entbehrungen ertragen mußte, hatte er auch noch von seinem rohen Stiefvater (einem Sebifferkncän) die grausamsten Mißhandlungen zu erdul­den, und doch behielt er in solcher Lage Muth und Selbst­gefühl. genug, um die Zumuthungen seiner Großmutter, Die Noth seiner Eltern durch Betteln zu mildern, ent­schieden zurückzuweisen. In seinem zehnten Jahre, nach­dem die Hungcrönoth von 1817 glücklich überstanden war, erhielt er zum ersten Male in einer Elementar­schule Gelegenheit, sich geistig zu beschäftigen ; zwei Jahre später, nachdem er zur Communion gegangen, wurde er

Messediener und hatte als solcher freien Unterricht in der Pfarrschule. In dieser untergeordneten Stellung ge- rieth der Knabe Blum sehr bald mit der Geistlichkeit in Streit, und wegen seiner Zweifel an der TranSsub- stantiation wurde er sogar vor eine Art Jnquisitivns- Tribuual gestellt. Die starke Logik des Knaben versetzte seine geistlichen Richter in großen Zorn, und einer der­selben wollte ihn auf der Stelle dafür züchtigen; aber er entfloh den strafenden Händen und schnitt sich damit die Rückkehr zu feiner kirchlichen Stellung ab. Blum mußte sich nun zu einem Handwerke entschließen; er ver­suchte es mit der Golbschmiedekunst, zeigte aber dafürso wenig Sinn, daß er sie bald aufgab, zu einem Gürtler in die Lehre trat und es bei diciem, trotz der entsetzlichsten Be­handlung, aushielt. Nach überstandener Lehrzeit, während welcher er wenig gelernt hatte, ging er auf die Wander­schaft, erfuhr aber an verschiedenen Plätzen, wo er in Arbeit trat, auf bittere Weise, daß er, um ein tüchtiger Gürtler zu sein, noch manche Lücke anszufüllen habe. Er kehrte nach Köln zurück und fand endlich hier in der Laternen- Fabrik von F. W. Schmitz eine Stellung, in der er zum ersten Male die ihm verliehenen geistigen Gaben mit Erfolg zur Anwendung bringen konnte. Der Besitzer der Fabrik erkannte sehr bald Blum's Fähig­keiten; er schenkte ihn: sein volles Vertrauen und nahm ihn mit auf seine Reisen durch einzelne Staaten des füd- llchcn Deutschlands. Während dieser Reifen verweilte Blum ein halbes Jahr in München, und zum ersten

Male erkannte er, daß das Leben, das für ihn bisher ein Dornenpfad gewesen, auch Freuden biete. Der Fabricant Schmitz ging nach Berlin, Blum folgte ihm dorthin und war hier bemüht, durch unablässiges Selbst, studium den bis dahin noch dürftigen Schatz feines Wissens zu vermehren. Die Erfüllung der Militärpflicht, dann die Rege des Schmitz nach Belgien und Frankreich störte» Blum's Verhältnisse; er ging im August 1830 mit einem borstigen Reisegeld nach Köln, und mußte hier, um seine mit bittersten Mangel fäinpfenbeo Eltern unterstützen zu können, die untergeordnete Stelle eines Theaterdieners bei dem Director Ringelharvt annehmen, der ihn jedoch ein Jahr später, nachdem er die Direction des Leipziger Theaters übernommen , dorthin berief und ihn als Theater-Sekretär, Bibliothecar und Hülfs-Easfirer aiiftcllte. Hier hatte er Gelegenheit, mit Schriftstellern bekannt zu werben; er wieberboke da (er früher begonnene literarische und poetische Versuche und zog 1833 mit seinem Schauspieldirector, der das Stadttheater in Leip­zig übernommen hatte, in letztere Stadt, woselbst er bald vom Theatcrdiencr zum Sekretär und Bibliothckar avaucirte und ihm ein freies Feld zum Wirken auf literari­schem Gebiete geboten wurde. Er schrieb mehrere No­vellen, eine Komödie und nahm an der Herausgabe des /Theatcr-Lerikvn" von Marggraff und Herloßsohn thätia- sten Antheil.

Vom Jahr 1837 an widmete er sich aber erst mit besonderem Eifer den politischen Bewegungen der Zeit;