Mit Ztilung.
„âerhett und Recht!"
^U 2ZH. Wiesbaden. Donnerstag, 16, November L8L8.
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Wicsbadcn, 15, November.
Der Kampf in Preußen zwischen der Majestät der HohcnzoUern und der Majestät des preußischen Volkes sieht also jetzt am Vorabend der Entscheidung.
' Der König von Preußen hat bewiesen, daß er es nicht lernen kann und will, ein sog. konst tulioneller König zu sein, er hat damit b-wiescu, gegenüber allen jenen leeren Redensarten der Doktrinärs, daß jene gepriesene Theorie deS konstitutionellen Königthums allemal in ihr ohnmächtiges Nichts zusammenfällt, wenn ein König einen Willen hat.
Diese Doktrinärs sagen: „in einem konstitutionell monarchischen Staate kann die Krone nicht in Kampf mit dem Volke gerathen; in einem solchen Staate ist der König stets gezwungen, der bloße Vollstrecker deö Volkswillcns zu sein." Was hat nun aber der König von Preußen gethan, seitdem er ein sog. constitutioneller König ist? Er ist von vornherein gerade das Gegentheil von dem gewesen, waö ein Vollstrecker des Volkswii- lcns sein soll.
Kurz nach jener glorreichen Märzrevolution berief der König nicht die Männer der Revolution, die allein die Revolution beherrschen konnten, in seinen Rath — sondern jene zarten Vermittler — er bildete ein Mi- nistet ium Camphausen.
Das Ministerium Camphausen machte rasch einem Ministerium Auerswald Platz. Hatte das Ministerium Camphausen die Wünsche des Volkes nicht befriedigt, so mußte ein Ministerium AuerLwa d-Han- semann gewiß höchst unbeliebt werden.
Nach kurzer Zeit fiel das Ministerium Auerswald, und der König berief das Ministerium P fuel.
Mit dem Ministerium Pfuel trat der König den VolkSwünschen schon geradezu herausfoidernd entgegen.
Auch das Ministerium Pfuel, welches ein reaktionäres war, konnte sich nicht halten, Pfuel — ein Ehrenmann, wollte die Interessen des Volkes den Interessen des FürstenhaussS nicht opfern.
Und nun bildet der König das Ministerium Brandenburg — und mit diesem Ministerium spricht er den Wünschen des Volkes geradezu Hohn!
Die Nationalversammlung, daS ganze Land, mit Ausnahme der Kamarilla, verlangte die Entfernung dieses volksfeindlichen Ministeriums. Der König bietet Trotz dem ganzen Lande, er behält das Ministerium bei und beschließt:
Brandenburg in der Versammlung oder die Versamlung in Brandenburg, So hat der König den entscheidenden Kampf selbst hervorgerusen.
DerKönig ist kein konstitutioneller König mehr, er steht auf dem Boden deS Absolutismus. Aber auch das Volk hat erfahreur
daß wenn sein König einen Willen haben will, die gepriesene Theorie des
^ Ein Casino-Abend.
Ein Traumbild von R. Feger.
(Fortsetzung.)
Der Präsident klingelt mm mit der Schelle, gebietet Ruhe und fährt, nachdem die Erregtheit der Herrn und Damen sich gelegt hat, also fort:
Meine Herrn, nicht wie früher wird dieses von uns gegründete Casino nur Belustigung für die einzelnen Mitglieder desselben zum Zweck haben, das ist unmöglich, denn unsre Zeit ist eine zu politisch bewegte, als daß ein Verein nur des Vergnügens halber erstehen könne, nein, jede Gesellschaft, die fiel) im jetzigen Momente or= ganistrt, sie mag ein Ziel vor Angen haben, welches sie wolle, hat nebenbei noch ein politisches und dieses ist überwiegend. So verhält cs sich auch mit dem mistigen : wir wollen uns amüsiren, aber auch, und dies besonders, jene von der neusten Zeit so unverschämt niedergeschmet- terte Scheidewand, die ans so natürliche Weise durch den Unterschied der Geburt und der Bildung aufgeführt war, wieder errichten und den in den Märztagcn von grausamer Hand zertrümmerten ehrwürdigen Tempel des Staates wieder anfbanen helfen. Um diesen hoben Zweck nun mc aus dem Auge zu verlieren und in wohlgeordneter, wohlüberlegter Reihenfolge unseren bösartigen Geg- nern den eroberten Terrain abzugewiunen, werde ich stets un Anfänge der Abendunterhaltung, die jeden Sonn
k o n st i t lt t i o n e l l e n K ö n i g t h u m s i h in n i ch t S helfen kann.
So wird jetzt in Berlin nicht mehr gekämpft werden um einzelne sogenannte Volksfre.heiten, sondern es wird gestritten werden darum: ob der König herrschen soll — mit gänzlicher Nichtachtung des VolkswillenS — oder ob der Vossswille herrschen soll — ohne den König.
Der Ausgang des Kampfes kann nicht zweifelhaft sein; wenn auch bas Volk gerade jetzt in Berlin unterliegen, oder auch der König jetzt noch gegen alles Erwarten Concessionen machen sollte, d. h. beschlösse das königliche Haus um alles Ansehen zu bringen, da er einmal so weit gelangen —: der endliche Sieg kann dem Vvikr nicht entrungen werden.
88. Selbstregierung deS ärztlichen Standes.
Schon seit Jahren hört man unter den Aerzten des Landes oft mit Bedauern auösprechen, daß die Regierung alle von unten herkommenden Anträge als derangirend für das Prinzip der ihr ausschließlich zuste- hciideu Oberleitung ungünstig aufuchme; und geläugnet kann nicht werden, daß nicht nur solche Vorschläge, zu welchen sich einige Aerzte die Initiative herausnehmen wollten, unbeachtet blieben, sondern daß sogar solche Maßregeln, welche von oben beantragt wurden, wieder zurückgelegt wurden, sobald wesentliche Amendements kinkamen. Das war eben das Merkmal der Büreau- kratie, dieser hohe Ton, den man annahm, die Jufal- libilität, welche die Behörde bei sich vorauösetzt. Allein der preuß. Minister Kühl weiter sagte mit Recht, daß wir über die Zeiten hinaus sind, wo man die Weisheit allein bei den Behörde., suchte. Wir haben also ein historisches Recht, der bisherigen Verwaltung zu mißtrauen; dieß sei aber nicht der Grund unsers Wunsches nach Selbstregierung, denn den Historiichen Boden haben wir verlassen; sondern weil eS sich für freie Männer ziemt und von selbst versteht, daß sic ihre Angelegenheiten auch selbst in Acht nehmen.
Es handelt sich hier also darum, die Freiheit der Wissenschaft ganz und ungeschmälert zu erhalten und die medizinische Verwaltung, die Organe, durch welche der Minister als Glied der übenden Gewalt wirksam werden soll, volköthümlich zu gestalten. Das Pa- pierregl'meut, das ganze Heer von geheimen und nicht geheimen Räthen kann nicht fortbestehen. Es fragt sich nun, was für Beamte man braucht.
Das Bedürfniß der forensischen, administrativen Rc« gicrüngS- und Ministerial-Aerzte wad sich ganz nach den allgemeinen Verwaltungseinrichtungkn richt« n.
Die Einrichtung jedoch der wissenschaftlichen Behörde muß eine ganz neue werden. Wir verlangen hier zwei ganz neue Institute: eine sich durch freie Wahl ergänzende Akademie der Medizin, wie sie schon in Nr. 48 und 49 jn; April dieses Jahres vor
tag stattfinden soll, eine Tagesordnung vorschreibeu, wie man sie in allen Versammlungen antrifft, die einen politischen Zweck verfolgen.
Die von heute lautet in folgender Weise :
1) Meine Rede nebst Thcetrinken:
2) Kleine Pause zu gegenseitiger Besprechung;
3) Rede unseres Stadtpfarrers;
4) Die Mädchen und Jünglinge spielen:
a. Blinde Kuh, 6. Petersilie, Krautsalat,
Die verheiratheten Frauen erzählen sich aus der Chroniqne scandaleuse der Stadt, die verheiratheten Männer heulen;
5) Znm Schluffe ein Tanz, an dem alle Mitglieder Theil hmen müssen, und der mit einer Polonaise beginnt, die ich mit meiner Frau Gemahlin vor* tanzen werde, hierauf folgt der erste Vicepräsident mit Gemahlin, dann der zweite und so fort streng nach der Tanzordiinng, wie ich sie bestimmt und an der Thüre habe anschlagen lassen.
Außerdem, bevor ich meine Rede beende, mache ich noch darauf aufmerksam, daß diesen Abend eine Adresse an die Beschützerin des Barbarcnhäuptlmgs anfliem worin 'hr der tief gefühltcstc Dank ausgesprochen wird daß sie durch ihre wackeren Gehülfen die pemokraufchc Kaifer- flavt Pein Boden gleich gemacht hat. Ich befehle jedem Mltgln'de des Vereins diese von mir wunderschön und red;t demüthig abgefaßte Adresse zn unterschreiben; wer
geschlagen worden, als höchste Instanz in der Wissenschaft, und einen durch zusammengesetzte Wahl gebildeten in regelmäßigen Pciioden zu eriieiiernden G csu n d- heitsrath als technisch -berathende und verwaltende Behörde. An der Wahl dieses Medizinal-Kollegiums haben sämmtliche Aerzte Theil zu nehmen und jeder Arzt ist wählbar. Was den Direktor des Gesundheitsrathes betrifft, so kann dem Ministerium, das für ihn, als Ministerialarzt verantwortlich ist, keinerlei Beschränkung auferlegt werden. Die persönliche Berant- roo:tüd)feit des Ministers verlangt, daß ihm die Wahl seiner Rathe ohne irgend eine Einschränkung sreistehe. Er muß sie wechseln können, so oft es ihm beliebt; er kann sie aus seinen politischen Anhängern, aus seiner Verwandtschaft wählen, wie ihm gefällt. Die öffentliche Meinung, besonders die Presse, wird ihn schon überwachcn.
Auf diese Weise entsteht eine unabhängige, dem ministeriellen Einfluß möglichst entzogene, und zugleich der ärztlichen Majorität entsprechende Behörde, in der sowohl die medizinische Wissenschaft, als die medizinische Eisahrung vert äten sind, welche sich durch zeitweise Erneuerung stets thatkräftig in dem Niveau der Wissenschaft zu erha'ten vermochte, und den Minister bald fontroUirte, bald durch ihren volkstümlichen Charakter unterstützte.
Deutschland.
li Wiesbaden, 14. November. Der dahier zurück- gebliebene Ausschuß aus unserer Kammer kann, was vorauszusehen war, binnen der ihm zuerst vorbezielten vierwöchigen Frist seine Aufgabe nicht lösen uud muß deßhalb die ihm für diesen Fall verwilligte weitere 14- kä^ige Frist in Anspruch nehmen; die Kammer wird also erst den 30. November wieder beschlußfähig zu- fammentreten. Schon längst hatte die Regierung eine Vorlage über die zn entwerfende Organisation zugesagt, allein so verzögert, daß die (fommtfllon ihre Arbeiten omSsetzen mußte; die Vorlagen über Strafrecht und Strafprozeß sind keine verdieiistlichcn Arbeiten. Aus dem hessischen Strafgeseßbuche ist zwar ziemlich sorgfältig „Großherzogthum" in „Herzogthum" verändert, sonst ist übrigens dikfes Gesetz mit seinen wahrhaft drakonischen Strafen und sonstigen, der älteren Zeit anhäiigenden Mängeln säst unverändert geblieben. Man muß sich wirklich wundern, wie die Regierung hoffen konnte, unser Land mit diesem Strafgesetze befriedigen zu können. Und dennoch fand sie es wünschenswerth, wenn dasjklb? ohne Diskussion angenommen werde! Der Entwurf über Einführung der Gefchwornengerichte ist großenthrils eine übel gerathene Übersetzung. Es hat derse.be eine völlige Umarbeitung bedurft und nam» fern diese in vollem Zuge ist, legt die Regie, ung einen ankeren Entwurf vor. Es ist also viel Zeit verloren worden. Die Commission für Bearbeitung der Domänen- angeiegenheit hat ihre Aufgabe mit großer BeharrliM-
sich dagegen sträubt, wird mit der Verachtung aller Mit- glieder gestraft.
Hiermit schließe ich meine Rede und will nur noch barauf aufmerksam machen, daß jeyt vorgeschriebener Maßen die gegenseitige Besprechung beginnt/ h 3^6 Zeit hindurch, während welcher unser dickleibiger Pascha seine Gedankenfülle auskraamte, war tch UuguicHieber gezwungen, beständig Pendetbewegnngeu zu machen nach links und nach rechts: das war eine fatale Situation; doch endlich, Gotlt sei gelobt, führte meine zu große Anhänglichkeit zur Linken die längst schon gewünschte Elitscheidlliig herbei. — Ich liebe nämlich die Linke und besonders die äußerste Linke, weil ihre Farbe die rothe, die Farbe der Liebe und nicht die des Blutes, wie unsre Feinde lügen. — Also, wie gesagt, die linke Seite, das goldene Lockenköpfchen zog mich immer mehr und mehr zu sich heran, sodaß ich endlich in ihr holdes Antlitz blicken konnte. O welch' ein Anblick! Sonne, Natur leihe mir Deine Farben und Pinsel, damit ich malen und Dn, Appvllo, reiche mir Deine Laute und Du schwedische Nachtigall Deine Stimme, damit ich ein Lied erklingen lassen kann znm Lob und Preiße der Schönsten unb Schönen. Aber ihr kommt nicht und ich verlaßenes Menschenkind muß zur prosaischen Feder unb der noch prosaischen Tinte greifen um so Diese Engelsgestalt, wenn mich nur schlecht der dankbaren Nachwelt zu überliefern.
LN'lcher vou E.lch, wertl-e Leser, (wenn man das