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Menschheit gerne seinen verhüllenden Schleier breiten. < Uns dünkt, wir leben nicht im 19. Jahrhundert. Die | Barbareien, die auf uns hereinbrachen, zeihen die Zeit- - rechnung der Lüge. Wien, vor kurzer Zeit noch die Re­sidenz der Freiheit, für die man hier so oft sein Herz- ! blut vergoß, ist der Tuumelplatz einer schrankenlosen ! Miiitärherrschast, die ihr Regiment mit Brand, Mord : und Plünderung begann, und mit den herzlosesten Ge- ; waltmitteln foitsetzt.

Die Tyrannei, die im März begraben wurde, feiert eine gräßliche Auferstehung. Die Jellachich'schen Roth­mäntel, bei deren Anblick man sich entsetzt, haben auf furchtbare Weise gewüthet! Mord, Brand, Plünderung, Schändung von Frauen, unerwachsenen Mädchen und Knaben, bezeichneten die glorreiche Einnahme der ältesten Hauptstadt Deutschlands. Unser reguläres Militär, nicht das Proletariat, das helden- müthig bis zum letzten Augenblicke kämpfte, hat die Bibliothek, hat die Augustinerkirche mit Brandfakeln verheert! Welche seltsame Begriffe hat man von Sol­datenehre! Wie kann ein Stand, der vorzugsweise das Palladium der Ehre zu hüten vermeint, mit sol­chen Barbaren, wie diese Rothmäntel, gemeinschaftliche Sache machen! In der Jägerzeile haben die Noth- mäntel und Gränzer entsetzlich gehaust. Der Kampf wüthete dort nicht blos in den Straßen, auch in den Häusern gab es furchtbare Kämpfe. Die Truppen sind von oben bis unten mit Blut übergossen! Glücklich noch jene Theile der Stadt und Vorstädte, die das reguläre Militär besetzte. Alle Gräuelthaten konnten vermieden werden, wenn Windischgrätz ein menschliches Herz im Busen trüge. Er hatte es abgesehen auf den Ruin der Stadt, deßhalb stellte er Bedingungen, die unsere hel- denmüthigen Kämpfer nicht annehmen konnten, deßhalb bestand er darauf, daß die deutsche Fahne auf dem Stephansthurm durch die so tief verhaßte schwarzgelbe ersetzt werde. Diese Forderung entbrannte vorzugsweise die bereits gesunkene Kampflust von neuem! Und Deutsch­land hat kein Mitgefühl, kein Mitleid mit unsern Leiden gehabt, die deutsche National - (?)Versammlung gab uns den Kroatenhorden preis!

Jetzt unsere Lage in einigen schwachen Zügen! Alle Straßen, alle Bastionen voll von Soldaten, die dort wachen, schlafen, kochen; kroatische, rzechische, Spottlie­der auf Deutschland, erschüttern die Luft, zahllose Trup- penabtheilungen, von Kommissären der alten Sedlnitzki- schen Partei geführt, dringen in die Häuser, um ihre Opfer zu holen! Wien, das herrliche Wien ist ein gro­ßer unermeßlicher Kerker geworden. Um keine Freiheits­kämpfer entwischen zu lassen, um den Tamnelkelch der Rache bis auf den letzten Tropfen zu leeren, wurde die Stadt von den Vorstädten abgesperrt, lauern auf allen Punkten bewaffnete Schaaren, welche die Vorüber­gehenden anhalten, visitiren, und Tausende als Gefangene in die Mil itärquartiere ab führen. Unzählige Familien sind getrennt von ihren Angehörigen, schweben in der schrecklichsten Ungewißheit über deren Geschick.

Die Presse Wiens ist durch Windischgrätz erdrückt, die auswärtigen Blatter dürfen nicht herein, selbst die schamlose Augsburger Allgemeine ist verbannt.

Aber nicht nur gegen die Lebenden, auch gegen die Todten richtet sich die maßlose Wuth der bis an die Zähne bewaffneten Reaktion. Die im Kampfe Gefalle­nen sind nicht zu zählen, die Stadtgräben sind voll von Leichen der Landeskinder, die wagenweise hinausgcführt werden. Man duldet kein Leichenbegängniß gefallener Streiter. Unsere Frauen, die in den Spitälern die Verwundeten pflegten, wollten einige der Gefallenen anständig beerdigen; man wies die Leichenzüge mit ge­ladenen Gewehren zurück!

Das siegreiche Heer glaubt an eine baldige Aufer­stehung der Todten, cs fürchtet, daß die Gefallenen von Neuem zum Schwerte greifen!

Es gibt kein Brießacheimniß mehr. Auch das Pri- vateigcnthum, das unsere Proletarier heilig achteten, wird auf der Post nicht geachtet; sehr viele mit Geld beschwerte Briefe hält die eiserne Faust der Militär­despotie zurück! Windischgrätz will nicht unsere Frei­heit, er will auch unsern Handel, unsere Industrie ver­nichten! Auch mit geheimer Polizei sind wir wieder reichlich gesegnet.

Wenn man nur die Namen der Verhafteten er­führe! Die Gerüchte kreuzen sich und halten uns in ewiger Sorge. Man benützt die Ungewißheit über das Schicksal unserer Lieben als Seclenfölter, auch als ver- rätherische Angeberei!

Glücklich, dreimal glücklich Jene, die in den letzten Kampftagen den Tod fandeu!

Prag, 5. Nov. Der deutschen Zeitung auS Böh­men entnehmen wir Folgendes über die letzten Ereig­nisse in Wien:

Es ist bekannt, wie muthig der Reichstag seine hohe Aufgabe zu lösen suchte er hatte Dienstag am 31. seine letzte Sitzung. Die Gallerien waren 'leer, nur die Stenographen waren noch zugegen.

Eine kleine Debatte entspann sich darüber, ob noch ein Protokoll zu führen wäre man stimmte dafür und der Reichstag prorogirte sich in dieser Sitzung. Fürst Schwarzenberg hatte während dieser Sitzung die Thore der Realschule (Reichötagslokale) sperren lassen.

Als die Deputirten den Saal verlassen, wurden dre Sitze vom Militär zerschlagen. Die scherzhafte Prophezeihung des Wiener Charivari wurde zur trau­rigen Wahrheit der Ort, wo die Vertreter des souveränen Volzs tagten, ist zur Kaserne umgewandelt!

Deutschland

PP. Diez, 7. November. Vorgestern wurde die in diesem Blatte angekündigte Volksversamm­lung in O r a n i e n st e i n abgehalien und war war ziemlich besucht, würde aber noch zahlreicher ge­wesen sein, wenn, wie dieNassauische Allgemeine" berichtet, nicht Jupiter Pluvius ein Suspensio-Veto eingelegt hätte. Gegenstand der Besprechung waren die auf der Tagesordnung stehenden Geschwornengerichte. Die Abgeordneten unseres Wahlbezirks waren auch dorthin gebeten worden, der Abgeordnete Zoll mann hatte aber nicht für gut gefunden zu erscheinen, wahr­scheinlich, weil er nicht Zeuge davon sein wollte, wie ein Mißtrauens-Votum gegen ihn beschlossen wurde. Um aber volle Gerechtigkeit gegen ihn zu üben, ent­schied man sich dahin, noch einmal 8 Tage zu warten, um ihm Zeit zur Rechtfertigung zu lassen. Bei dieser Gelegenheit kamen denn zwei höchst sonderbare Ansich­ten zur Welt; die erste war die, daß es ja noch gar nicht entschieden sei, daß Zoll mann sich geändert habe. Die Wahlmänner könnten ja auch andern Sin­nes geworden sein; ein anderer sagte, Zollmann sei ja nicht bloß ein Abgeordneter für Diez und Limburg, sondern fürs ganze Land und man müsse erst hören, ob er überall mißliebig geworden sei. Auf die erste Ansicht wollen wir gar nicht eingehen, da wir es nicht der Mühe werth halten; die andere wollen wir aber doch ein wenig näher beleuchten. Es ist doch wohl eine ausgemachte Thatsache, daß die Wahlmänner sich vorzugsweise um den von ihnen gewählten Abgeord­neten bekümmern, und seine Schritte bewachen, und finden sie, daß er gegen die von ihm selbst ausgespro­chenen Ansichten handelt und nicht im Sinne des Volks denn dieses vertreten ja die Wählmänner wirkt, so haben sie die heilige Verpflichtung, ihn dem Volke zu zeigen und es darauf aufmerksam zu machen, wie er seine Sendung nicht erfüllt und hilft dieses nicht, so bleibt eben kein anderes Mittel, als ihn durch ein Mißtrauensvotum zu bewegen, sein Mandat niederzu­legen. Und wir würden einen Abgeordneten für keinen Mann von Ehre halten, der nicht sofort nach Hause zurückkehrte, wenn ihm die Mehrzahl seiner Wähler ihre Unzufriedenheit zu erkennen gibt. Ganz anders aber verhält es sich mit dem Abgeordneten eines an­dern Wahlbezirks. Der Deputirte Keim z. B. würde sich blutswenig daran stören, wenn wir ihm ein Miß­trauensvotum überreichten und wahrscheinlich sagen: Was wollen die, die haben mir nichts zu befehlen und so lange, wie meine Wahlmänner mit mir zufrieden sind, gehe ich nicht nach Hause. Das war auch wahr­scheinlich die Absicht des Redners und wäre er damit dnrchgedrungen, so würde gewiß kein Mißtrauensvotum für den Volksboten zu Stande gekommen sein, allein er fiel glänzend durch und ein eben nicht zweideutiges Murren und Zischen bewahrten ihn davor, daß er sich etwas auf seine scharfsinnige Auseinandersetzung zu Gute that. Zuletzt wurde von vielen Seiten der Antrag gestellt, in einer Petition die Kammer zu er­suchen, ein Gesetz zn bewirken, wodurch es möglich ge­macht werde, einen Deputirten, der das Zutrauen seiner Wähler verscherzt habe, zu zwingen, nach Hause zu gehen. Die nächste Versammlung wurde auf Sonntag den 12. Nov. wieder in Oranienstein anberaumt und als Gegenstände der Besprechung das Schulwesen und die Mediatisirungsfrage auf die Tagesordnung gesetzt. !

Berlim Der Zweck heiligt die Mittel. So sagen die Jesuiten. Die schwarz-weißen Reaktio­näre in Preußen scheinen der gleichen Meinung zu huldigen. Kaum hat der Graf Breßler sich in Ar­beitertracht unter die Proletarier gemischt und durch Geidaustheilung sie zu einem Aufstande bereden wollen, was aber dem Schurken nicht geglückt ist, indem ihn die Wenge erkannte und zur Haft brachte, so kommt ein zweiter Verräthcr, ein Mensch aus dem Richter- stande (!) und Mitglied des Preußenvereins und feuert das Arbeitervolk, das kaum einige Tage vorher von einer Bürgerwehrabtheilung meuchlings überfallen wor­den war, an, stch der Waffenverschiffung aus dem Zeug­hause zu widersetzen und zu rebelliren. Hätten die guten armen Leute den Verlockungen Folge geleistet, so wären sie den Sorgen der Zukunft und dem Frost nnd dem Hunger des Winters schnell überhoben gewesen, die längst bereit gehaltene Militärmacht wäre nämlich über sie her gehetzt worden und so hätte man schnell das das voreilige Volk derrecht- und besitzlosen Schreier" vertilgt mit Stumpf und Stiel. DieSchreier" schrieen nicht. Sie rochen den Braten und der Herr Assessor mußte buchstäblich gassenlaufen bis in das Po­lizeilokal, an dessen Pforte ihn der letzte Faustschlag des Proletarier traf, die den Hallunken wohl den Richtern, aber schwerlich dem Gerichte überlieferten, that doch er der Subalterne, was er that, ja nur mit Geheiß seiner Obern, die unter der Devisefür König und Vater­land" das Volk sammt seinem Recht zu vernichten und die alte Lumperei, sie sagen: die alteOrdnung" (!) wiederherzustellen suchen. Welches herrliche Zeugniß liefern aber solche Scenen für unsern Adel - und Beamtenstand! (Volksfr.)

Wien , 4. Novbr. (Reichstgsztg.> Ich sende Ihnen einige Zeilen mit verstellter Schrift, ohne Signatur. Ich habe lange nachgedacht, wie ich das Briefchen durchbringe; vielleicht gelang es, den sichern Weg zu finden.

Unsere Lage ist entsetzlich! Ueber die Gräuelthaten bei der Einnahme der Stadt möchte der Genius der

Viele der Deputirten suchten seit dieser Zeit abznreisen, allein man verhinderte ihre Abreise, weil man die Ver­breitung mancher Nachrichten in den Provinzen zu ver­hindern strebte. Einem Deputirten, der einigemal ver­gebens um den Geleitschein angesucht hatte, um die Stadt zu verlassen, antwortete der Militärbeamte beim erneuerten Ansuchen:Mein Herr, seien Sie nicht so zudringlich,"

Es wurde ein Kriegsrath abgehalten, um die Abge­ordneten Löhner, Borrosch, Zimmer, Füster, Roland, Goldmark und Sierakowski festzunehmen; allein die Offiziere desselben erklärten, daß sie solche Eingriffe in die konstitutionellen Rechte nicht verantworten können. Löhner liegt krank im allgemeinen Krankenhause. General Bem ist nach Paris entflohen; Schütte hat sich unter den Schutz der nordamerikanischen Gesandt­schaft begeben. Die Studenten sind es, auf die gleich­sam Jagd gemacht wird, trotz sorgsamer Verkleidung, von einer Legion Polizei-Spitzeln gehetzt, verfolgt und verrathen. Das Denunziantenwesen ist im alten Gange. Auch einige Provinzen sollen mit Polizeispionen als Morgengruß der neuen Zeit versorgt worden sein. Im schwarzeubergischen Garten sind gegen 800 Menschen gefangen. Aigner befindet sich ebenfalls in Haft.

Während der ganzen Zeit, wo das Proletariat be­waffnet war, wurde nicht das Mindeste entwendet. Die Kroaten aber plünderten, sobald sie nur in die Vor­städte gelangten; das Palais Radzwill, Franzens- Allee-Gaffe, soll gänzlich ausgeplündert sein. Die Burg ist nicht von Proletariern angezündet worden, sondern die glänzenden Bomben, die auf das Burg­dach sielen, veranlaßten den Brand des Daches. Es war übrigeus vernünftiger Weise ohnedies kaum zu glauben, daß die Proletarier würden die Burg beim Dach? anzünden. Stierböck's und Wapier's Kaffee­haus ist nicht abgebrgunt. Fürstin Lichtenstein liegt krank im Spital? der Barmherzigen. General R?csai ist bereits nach Olmütz a^aereist. Noch aber müssen wir wiederholt, daß Windischgrätz sich wiederboll ge. äußert, man werde sich in wenigem Tag n überzeugen, er meine es redlich mit der Freiheit, und alle EnuN- genschaften sollten uns ungeschmälert erhalten werden. Wir aber fürchten, der Fürst versteht die Frühest nt$l

Berti n.

Die preußisch konstituirende Versammlung.

(Morgen-Sitzung vom 1 0. November.)

Beim Eintritt in das Sitzungshans um 5 Uhr Morgens fanden wir rings um dasselbe starke Abthei­lungen Bürgerwehr aufgestellt, die aber ihre Gewehre meistens in Pyramiden zusammengesteUt hatten und mit dem schon jetzt überaus zahlreich versammelten Volke in eifrigem Gespräch begriffen war. Im Saale kreuz­ten sich viele Gerüchte über die Pläne der Regierung: es werde heute Nachmittags um 3 Uhr der Belage, rungszustand erklärt werden der Oberst Weber werde mit zwei Bataillonen des 9. Regiments im Laufe des Vormittags siegen das Sitzungslokal rücken und die Versammlung zum sofortigen Auöeiuandergehen auffordern.

Heute Morgen also wurde in Folge des vom Po­lizei-Präsidenten an das Bürgerwehr-Commando er­lassenen Befehls, das Zusainmentreten der Versamm­lung zu hindern, die gestern bis heute 9 Uhr vertagte Sitzung schon um 5 Uhr eröffnet.

Der Präsident von Unruh erklärt, daß er in Folge der ihm heute Nacht zugegangenen Nachrichten genöthigt worden sei, die Sitzung statt um 9 Uhr, wie festgesetzt worden war, schon um 5 Uhr zu eröffnen. Nach Genehmigung des Protokolls läßt der Präsident folgende Schriftstücke verlesen:

Eine Erklärung des Abgeordneten v. Daniels:

Auf den Grund des §. 12 des Wahlgesetzes vom 8. April und mit Bezug auf die Königliche Botschaft vom gestrigen Tage, sch? ich mich genö­thigt, zu erklären, daß ich mich am 27. in Branden­burg cinfinden werde und die Beschlüsse, die bis dahin in der Versammlung gefaßt werden sollten, für nicht bindend halten kann. v. Daniels."

2) Das Schreiben des Ministerpräsidenten an den Regierungsrath" v. Nur uh lautet:

Ew. Hochwohlgeboren haben dem Staats-Mi- nisterio in dem Schreiben vom heutigen Tage von dem Inhalte mehrerer Beschlüsse Mittheilung gemacht, welche die National-Bersammlung gefaßt haben soll, nachdem die Verlegung der Versammlung bereits er­folgt war. Ich halte mich verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, daß dergleichen Beschlüsse nicht nur völlig ungesetzlich, und deßhalb nichtig sind, son­dern daß auch die Abgeordneten, welche daran Theil genommen, sich der Anmaßung von Hoheitsrechten und eines Vergehens an der Verfassung schuldig ge­macht haben.

Indem ich Ew. Hochwohlgeboren überlasse, den Inhalt dieses Schreibens zur Kenntniß der Abgeord­neten zu bringen, welche die gesetzlichen Schranken überschritten und dem Befehle Sr. Majestät des Kö­nigs den schuldigen Gehorsam verweigert haben, gebe ich Ihnen zu erwägen, daß Sie sowohl, wie'alle Abgeordneten, welche die Rechte der Krone so schwer verletzt haben, die volle Verantwortung trifft wegen