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a. D. Vorpahl, ein bekannter Republikaner, wie die Voss. Ztg. sich ai^svrückt.

Berlin, 7. Novbr. (N. Rh. Z.) Das Neueste, was ich Ihnen mittheilen kann, ist Folgendes: Ein Erminister hat zu einem Deputaten der Aeußersten ge­äußert: Se. Maj. werde bald seine Residenz nach Ber­lin verlegen und zwar inmitten seiner Garden. Ferner berathe man: ob die Nationalversammlung ganz ausge­löst oder blos aus der Hauptstadt verlegt werden solle. Auch denke man nicht im Allerentferntesten daran, weder die Gottes Gnade, noch den Adel, noch die Orden ab­zuschaffen. Im Gegentheil wolle man sich diese Süßig­keiten erst recht schmecken lassen.

Eine zweite Neuigkeit ist, daß gestern Nacht mehr als ein Dutzend Wagen mit Munition durch verschie­dene Thore der Stadt entfuhren, und heute Morgen jeder Soldat 150 Patronen erhielt. Combiniren Sie selbst über die Bedeutung dieser Pulververstärkung.

Wien. Zur Paralele zwischen den verlänmdeten Proletariern, denRäubern" und den kroatischenFreun­den der Ordnung und verfassungsmäßigen Freiheit" diene auch folgende Notiz der speichelleckendenConst. Blätter aus Böhmen":

f Am meisten Furcht hatte man wegen eines Angriffs auf die Bank. Das Volk hat sich, waS Eigenthum betrifft, vortrefflich benommen; noch wurde kein Angriff auf dasselbe bekannt, und kein Fall von Plünderung oder ärgerem Exzesse ist bekannt geworden. Allein das Sil­ber in der Bank war gar zu lockend, obwohl es in dreifach gewölbten Kellern liegt. Die Bücher wurden einzeln bei mehreren Privaten untergebracht; die fertigen Banknoten aber in die Keller gelegt, und die Vorrich­tung bereit gehalten, um diese nötigenfalls unter Was­ser zu stellen. Eine solche Vorrichtung soll beim Bau der Bank getroffen worden sein; man brauchte sie aber nicht, denn es geschah kein Angriff.

-Wien, 4. Nov. Das Ministerium ist reconstruirt. Wessenber^ als Premier ohne Portefeuille, Bach für das Innere, Kraus für die Finanzen geblie­ben, Buchner Krieg, Maier Ackerbau und Industrie, Helfert Unterricht, Fürst Schwarzenberg Auswär­tiges, Breda Justiz, Bruck Handel, neu eingetreten. Die öffentlichen Arbeiten sind noch nicht besetzt. Kraus wird sich über die Beibehaltung, wie ihm sehr'höflich anheimgestellt worden, noch zu bestimmen haben. Das neue Kabinet hat delikate Bedingungen gestellt. Das Hof-Spezial-Kabinet muß aufhören, eine Reihe von Personen die Umgebung des Kaisers verlassen, der Ein­fluß des Erzherzogs Franz Carl ist scharf formulirt worden. Wessenberg hat man jedenfalls nur behalten, um nicht der Schwäche beschuldigt zu werden. Von Wessenberg muß sich Jedermann scheu abwenden! Maier, Helfert sind tüchtige parlamentarische Ca- pazitäten, Schwarzenberg wird muthmaßlich we­nigstens die Hälfte des Talentes, das ihm zur Seite steht, bewähren. Die Stadt ist noch verschlossen, stündlich erwarten wir die freie Eröffnung.

Grätz, 29. Oktober. (Operation gegen Un­garn.) FML. Dahlen hat bereits ein Corps von 16,000 Mann regulären Gränzern beisammen, mit denen er verläßlicher Nachricht zufolge heute die soge­nannte Murinsel zwischen der Drau und Mur besetzen und dann vielleicht im Vereine mit dem Corps des FZM. Nugent, das gleichfalls schon über 8000 Mann zählt, weiter gegen Pesth operiren wird. Fürst Win- dischgrätz hat allen k. k. aktiven und pensionirten Offi­zieren, die gegenwärtig in der sogenannten ungarischen Armee unter Koffuth, so wie auch in den Reihen der Nationalgarde und Freiwilligen wo immer gegen k. f. Truppen dienen, eine Frist - von 14 Tagen zur Rück­kehr in den zukömuilichen Dienstverband gegeben, nach deren fruchtlosen Verstreichung diese Offiziere ihres Charakters entsetzt und ihrer Genüsse verlustig erklärt werden. (Bresl. Z.)

Triest, 28. Okt. (Die sardinische Flotte vor Venedig.) Der Jmperatore hat diese Nacht in unserm Hafen Anker geworfen, er bringt keineswegs gute Nachrichten. Um die Stellung der sardinischen Flotte zu beobachten, war er gegen Ancona gesteuert, von wo sich jene Flotte entfernt hatte. Nach vielem Hin- und He; fahren entdeckte er sie endlich auf der Höhe vor Venedig, wo sie, 9 Segel- und 9 Dampfschiffe stark, vor Anker lag. Kaum bemerkt, wurde er von 2 Dampfern verfolgt, denen er jedoch glücklich entschlüpfte. Heute früh langte ein fardini- nischer Dampfer mit Depeschen hier an; bereits ist er mit der Antwort wieder fort. (A. Z.)

Galizien.

Lemberg, 1. Nov. (Desertionen ungari­scher Truppen.) Eine Korrespondenz aus Tarno- Pol meldet Folgendes: ES ist bekannt, daß die Husa­ren in unserm Kreise einzeln nach Ungarn zu entkom­men suchen. Aber vor einigen Tagen machte sich die ganze hier liegende Schwadron am hellen Tage auf und davon, und zwar unter Trompetenklang vor den Fenstern des Obersten und Generals vorbei, und unter dem Zuruf des Volks:Es leben die Ungarn!" Astern früh um die vierte Stunde wurden wir durch Pfervegetrampel erweckt und bald hörten wir den Ruf: Frechett, Gleichheit, Brüderlichkeit! Es waren 150 ungailjche Husaren, die auf dem Weg nach Ungarn waren. Sie waren unter der Anführung eines Wacht­

meisters; die Offiziere hatten sie sortgejagi. Es gibt nunmehr im ganzen Tarnopoler Kreis keinen ein­zigen ungarischen Husaren. General Souvan setzte mit mehreren Offizieren einer Abtheilung Husaren nach und suchte sie zur Rückkehr zu bewegen. Als es ihm nicht gelang, erschoß er den anführenden Wachtmeister, einen Neffen Kossuths, und entkam so glücklich, daß von mehreren 20 Schüssen hinter ihm her, kein einziger ihn getroffen hat. In diesem Augenblicke erfahre ich noch, daß sich ein Haufen Bauern der Husaren- Abtheilung eutgegenstellte, mit großem Verluste aber zerstreut worden ist.

Eben so erhalten wir aus Sambow vom 30. v. Mts. die Nachricht, daß die dortige Husarengarnison nach Ungarn aufbrechen wollte. Der Oberst ließ w- fort in der Umgegend die Bauern auffordern, die De­serteure aufzuhalten, und es gelang auch in der That, Einige gewaltsam nach Sambow zurückzubringen. In Stadt herrscht große Aufregung; es wird so eben Allarm geschlagen.,

Krakau, 4. Novbr. (Bresl. Z.) (Die amtliche Bekanntmachung über den blutigen Aufstanv in Lemberg.) Der commandirende General, Feld- marschall Schlik macht heute Folgendes über die Vor­gänge in Lemberg bekannt:Der Kapitän Baron Ruistel, der als Kurier von dem commanbirenden Ge­neral Hammerstein sich nach Olmütz begibt, hat mir folgende Nachrichten überbracht: Am 1. Nov. war Lem­berg der Schauplatz trauriger Ereignisse. Ein Streit, der zwischen Soldaten und Nationalgarden entstanden war, gab Veranlassung zu einer großen Aufregung, wo­rauf der kommandirende General die Truppen in den Kasernen konsigniren ließ. Die Nationalgarde ergriff die Waffen und zwei Kompagnien derselben stellten sich vor dem Artilleriepark auf, der auf diese Weise bedroht wurde. Es wurde hieraus das Allarmzeichen durch drei Kanonenschüsse gegeben, an vielen Stellen der Stadt erhoben sich Barrlkaden. Der Platzkommandant Heim­merle wurde gefangen, entwaffnet und auf die Haupt­wache der Nationalgarde geführt, auf eine im nachge- schickte Ordonnanz geschossen. Die Volksmasse ver­sammelte sich ans dem Ringe und bedrohte die Wache in der Weise, daß sie durch eine Division Grenadiere geschützt werden mußte. Unterdessen aber wurden viele Soldaten angefallen und verwundet. Es erschienen mehrere Deputationen, welche das Zurückziehen des Mi­litärs verlangten und für die Herstelluug der Ruhe bür­gen wollten. Der General dagegen verlangte das sofortige Abtragen der Barrikaden. So verblieb der Stand der Dinge bis zum 2., Morgens 7 Uhr. ES schien als wollte man die Verwarnungen des cvm- mandirenden Generals annehmen, als mit einem Male ein Widerstand hervvrgeruseu ward, worauf Alles zu den Barrikaden zurückkehrte und durch Sturmläuten die Bevölkerung der Stadt zum Kampfe gerufen ward. Zwei Schüsse aus einem Fenster, wodurch zwei Ar­tilleristen auf dem Platze blieben, gaben das Signal zum feindlichen Einschreiten. Die Barrikaden wur­den durch Artillerie zerschmettert, das bewaffnete Volk konzentrirte sich in der Universität, und befestigte auf der davor befindlichen Barrikade eine rothe Fahne. Ein Theil der Stadt um die, Universität und besonders die Universität selbst ist durch Raketen in Brand gesteckt worden, so auch eine große Anzahl anderer Häuser, unter diesen das herrliche Rathhaus. Gegen Mit­tag erschien eine Deputation des Sicherheits-Ausschusses bei dem commanbirenden General, welche die Unter­werfung der Stadt unter folgenden Bedingungen zu­sagte: 1) Auflösung und Entwaffnung der akademischen Legion. 2) Reorganisation der Nationalgarde unter Leitung eines kaiserlichen Generals. 3) Verbot des Tragens vom polnischen Adler. 4) Ausweis aller Frem­den. Wenn diese Punkte nicht in kürzester Frist voll­zogen werden, erklärt der commandirende General die Stadt Lemberg in Belagerungszustand. Bei Abgang des Kuriers war die Ruhe hergestellt."

Die Jutrzenka dagegen meldet, daß das Militär aus der Stadt gedrängt worden und hierauf dieselbe bombardirt habe. Das Rathhans und die Akademie sind bis auf den Grund niedergebrannt, ebenso die ganze Krakauer Straße.

Schweiz.

Bern, 5. Nov. Heute Mittag hat der Bundes- präsivent dem Stellvertreter des deutschen Reichsge- sandten, Ritter Neuwald, die Antwort auf die letzte Note überreicht; sie soll sehr entschieden lauten, eben so entschieden als die deutsche, deren Drohungen man in aller Gemüthsruhe gewärtigt. Eine Sperre schadet den benachbarten Staaten Würtemberg, Bayern und Baden viel mehr als uns. So lange si e dieselbe er­tragen, vermögens auch wir. (S. M.)

Bern, 8. Nov. Die zwei bedeutendsten Männer des Kantons Bern, Ochsenbein und Neuhaus von denen freilich der letztere seit dem Sturz der vo­rigen Negierung vom öffentlichen Schauplatz ganz zu- rückgetreten war, bildeten in dem gestrigen National­rath den Gegenstand eines langen Kampfes. ES han­delte sich um die Wahl des Präsidenten, und vier Wahlgange mußten gemacht werden, bis endlich Ock- ftnbkm eine Mehrheit auf sich vereinigte. Er hatte 50 Stimmen, während Neuhaus nur 42 erhielt.

Allgemein fällt eS hier auf, daß die Noten der deutschen Centralgewalt und die Antwort I

djes Vororts, welche schon vor) mehreren Tagen an Herrn v. Neu wall abgegeben worden ist, so ge­heim gehalten werden. Ich glaube aber die Schuld hiervon liegt blos in einer absichtslosen Verzögerung der Kanzlei. Gestern wurden beide Aktenstücke lithoara- phirt, heute werden sie an die Stände geschickt. Nach einer strengen Weisung des Vowrts an die Angestell­ten sollen sie aber nicht vorher mitgetheilt oder durch Zeitungen veröffentlicht werden. Soviel kann ich Ihnen sagen, daß die Antwort des Vororts sehr lang ist. Man hat bestimmte Hoffnung, daß Hr. General Du­four vom Kanton Bern noch in den Nationalrath ge­wählt wird. (F. I.)

Fr ankreich.

Paris, 6. Nov. Ueber den neulichen Kampf der Mobilen mit der Linie an der Barriere Roch-chouard höre ich noch von einem Augenzeugen Folgendes:Als am zweiten Abend die Mobile an der Bairiere sich zeigte, wurde sie von der Linie mit dem Ruf empfan­gen: Voilä le bourreau de Cavaignac! Auf Vas Verlangen eines Offiziers der Mobilen an einen Linien- offiziee, seine Leute zurückzuhalten, entgegnete dieser: Der General Cavaignac hat vor vier Tagen an die Mobilen Wein austheilen lassen; wenn meine Leute in dieser Bevorzugung keine Fraternite erblickn, so mag sie ein Anderer eines Bessern belehren."

Paris, 7. Nov. Die Zahl der Candidaturen für die Präsidentschaft der Republik verringert sich jetzt von Tag zu Tag. Wie Marschall Bugeaud und General Changarnier, so hat jetzt auch General Bedean die ihm von einer Anzahl von Wählern der gemäßigten Partei angebotene Canvivatur abgelehnt, um die Stim­men dieser Partei nicht unnützer Weise zu zersplittern. DasBien Public", welches die Bewerbung des Hrn. Lamartine offiziell unterstützt, zeigt nur gegen Hrn. Louis Napoleon eine entschiedene Feindseligkeit, legt aber für den General Cavaignac. die größte Ach­tung an den Tag. Man hält es nicht für unwahr­scheinlich, daß Hr. Lamartine zuletzt von seiner Candi- datur, die ohnehin keine Chance des Erfolgs hat, noch ganz abstehen werde, und zwar zu Gunsten des Hrn. Cavaignac. Auch wird jetzt behauptet, Hr. Ledru-Rol- lin sei in Berücksichtigung, daß die Canvidatur des Prinzen Louis vornehmlich von den Gegnern der Re­publik angenommen werde, als ein Uebergang zum- nigthume, nicht abgeneigt, ebenfalls seine Bewerbung zum Opfer zu bringen und seine politischen Freunde zu veianlassen, für den General Cavaignac zu stimmen. Nichts abea wäre schädlicher für die Candidatur des Hi n. Cavaiguac, als Vie Unterstützung veS Hrn. Ledru- Rollin und der Republikaner des Bergs; eine solche Unterstützung würde auf die Bevölkerungen der De- partemeute ohne allen Zweifel einem gewaltigen Ein­druck machen und dem Hrn Cavaignac gewiß die Hälfte der Stimmen entziehen, die ihm sonst von Seiten Ver gemäßigten Republikaner gesichert sein würden.

Louis Napoleon bereitet, wie verlautet, in diesem Augenblicke ein Manifest vor, welches dazu bestimmt wäre, Diejenigen zu beruhigen, die an seinen republi­kanischen Meinungen zweifeln.

Man versichert, eine Anzahl von einflußreichen Mit­gliedern des Abgeordneten - Clubbs der Poitierstraße werde in einer der nächsten Sitzungen dieses Clubbs den Vorschlag machen, Herrn Thiers als Candivaten für die Präsidentschaft der Nationalversammlung an die Stelle des Hrn. Armand Marrast bei der nächsten monatlichen Wahl aufzustellen.

Nachschrift.

Wien, 6. Nov. Gestern wurden einige Stadtthore zur freien Passage wieder geöffnet, welches uns die Gelegenheit bot, einen Rnndgang durch die Vorstädte zu machen. Schauderhafte Kriegsverwüstuiig zeigt sich uns überall, wo der Angriff der Truppen stattgefunden hatte. Besonders ist die Jägerzeile, Landstraße uud Weißgerbern hart mitgenommen worden. Beinahe der größere Theil der stattlichen Gebäude, welche die- gerzeile einsäumten und die unleugbar zur Zierde WienS gehörten, liegt in Asche, und nur schwarz gebrannte Mauern stehen noch als öde Ruinen da. Der Kampf muß dort furchtbar wüthend gewesen sein. Jedes Haus scheint eine Festung gebildet zu haben, welche nur im Sturme genommen werden konnte. Die Anzahl der Kano­nenkugeln des schwersten Kalibers, die in der Mauer stecken, und unter demSchutte liegen, geben Bestätigung von einer riesenhaften Gegenwehr. Daß die aus Wiener Bevöl­kerung bestehende Nationalgarde in dem Kampfe der Octobertage eine in der Geschichte beispiellos dastehende Unerschrockenheit, Aufopferung und Hingebung für eine Sache, zu deren Gunsten sie die Führer im höchsten Grade zu begeistern wußten, bewiesen hat, kann wohl Niemand ableugnen, der den Kampf und die Dauer beobachtete, der ohne Leidenschaftlichkeit und mit militä­rischer Umsicht Kräfte, Organisation und Anstalten maß. Als am 31. October Nachmittags der Kampf neuerlich begann, mögen es kaum 3 400 Mobilgarden ge­wesen sein, welche die Stadtwälle noch besetzt hielten und eine ganze Armee von dem conventiouögcmäßen Einmärsche in Vie Stadt beinahe 3 Stunden abhielten.

Hr. Rob. B,l um soll auf einer Barrikade, wo er kom- mandirte, einen Streifschuß erhalten haben, der indeß nur seine Kleidung, nicht ihn selbst verletzte.