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rett Zeitung.

âeiheit und Recht!"

M 233.

Wiesbaden. Sonntag, 12. November

MM

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* Ueber MeöiaLisiruirgs».

Wiesbaden, den 10. November.

Mancherlei Gerüchte von vorzunehmer,den Media- tisirungen werden im Publikum umheget: agcn. . Bald lispelt man sich in -die Ohren: wir werden preußisch werden; bald heißt es wieder: wir sollen mit Hessen vereinigt werden. Und haben unsere Stâi de einen durch­weg freisinnigen Beschluß zu Stande gebracht, so recken die Regierungsräthe verächtlich die Schultern in d»e Höhe und meinen:es ist doch fideS umsonst, faßt nur freisinnige Beschlüsse, sovicle ihr wollt; wir wer­den mediatisirt werden, und bei diesen Mediatisirungen können wir, die StaalSdiener, nur gewinnen." So? wenn die Staatsdiener gewinnen, so wird das Volk allemal mißtrauisch und meint, cs verlöre. Und wel­cher Unbefangene möchte ihm dieß Mißtraue», nachdem man es 30 Jahre lang und länger, sert 1815, mit inhaltslosen Versprechungen hingehalten, verargen?

Wir haben bisher absichtlich zu diesen Media- tisirungSgerüchten geschwiegen, weil wir sie eben für Gerüchte hielten. Neuerdings gewinnen jedoch diese 'Gerüchte eine gewisse Consistenz. In den kleineren Staaten, Anhalt und Lippe, sind schon Stimmen gegen diese Mediatisirungen in sehr energischer Weise laut geworden , und es ist an der Zeit, daß wir uns in dieser Sache vollkommen klar werden.

Was heißt nun aber mediatisiren?

Dieß heißt nach den Begriffen der bisher üblichen deutschen Staatsrechtspraris: einem Staate, mit Belassung seiner sogenannten niedern Hoheitsrechte, seine höheren und wesentlichen Hoheitsrechte zu Gun­sten eines dritten Staates nehmen." In Folge einer solchen Mediatisirung verliert also z. B. ein Staat das Recht der Kriegführung, sowie das Recht, Veriräge mit andern Staaten abzuschließen; er verliert die Bc- fugniß, in seinem Namen ein Heer aufzustelleu und zu unterhalten, und nur das Recht der Polizei (und auch nur der niedern), sowie überhaupt das derinneren Verwaltung" verbleibt ihm.

In solcher Weise wurden in Folge der Nheinbnnds- akte und der deutschen Bundesakte in Deutschland nicht wenige deutsche Fürsten mediatisirt.

Wir müssen nun offen gestehen, wir wissen nicht, was man jetzt damit sagen will:wir wollen den oder jenen Staat mediatisiren." Jetzt, sagen wir, sind ja alle deutschen Fürsten mediatisirt: der Kaiser von Oestreich nicht weniger als der Fürst von Lichten­stein, der König von Preußen so gut als der Fürst vonHohenzollern. Denn was soll denn die deutsche Reichsgewalt anders, als die wesentlichen Hoheitsrechte aller verschiedenen 30 Staaten an sich ziehen und selbst, und zwar allein, ausüben?

Ihr entgegnet mir da freilich, die Reichsversamm- lunH mit Reichsgewalt habe bisher, weit entfernt, diese Selbstständigkeit der einzelnen Staaten in der angege-

............................ qI Ein Casino Abend.

Ein Traumbild von R. Feger.

Der letzte Sonntag jenes Monates war herangenaht, während welches der heitere Winzer und die blühende Winzerin die goldene Traube cincrnbtcn und auspressen jenes edle Blut, das des Menschen Herz erfreut und ihm die Lasten und Qualen des irdischen Lebens erleich­tert. Doch ebenso wie dieses lieblich und freundlich, so sind die Tage jenes oft unangenehm und traurig, denn der Himmel weinet dicke Thränen über das Hinscheiden seines Lieblings und macht es dem armen Menschen- kmde unmöglich, in freier Natur sich zu ergehen und das letzte Grün und die letzte Wärme des enteilten Som­mers zu genießen.

Solch ein Tag war dieser letzte Sonntag des Monats October, den ganzen Morgen hindurch ergoß sich der Regen in Strömen aus dem dichten Gewölke, und selbst die Mittagsstunden waren nicht frei von diesem nassen Unholde, sodaß es nicht einmal vergönnt war, nach ge­nossenem Mahle nur wenige Schritte zu thun, um das mühsame Geschäft des Magens um Etwas durch mäßige Körperbewegung zu erleichtern. Ein anderes Mittel mußte, alw gesucht werden, um diese lästige Zeit zu verbringen, es war bald gefunden: ein kurzes Schläfchen, dacht' ich,

Landen. Wie gedacht, so gethan; bald war die Wohnung erreicht, der Schlafrock und die Patoffeln

benen Weise ausznheben, vielmehr den Partikularismus geradezu befördert. Diese Reichsversammlung habe zwar die Selbstständigkeit der kleinen Staaten manichfach als nicht mehr bestehend vorausgesetzt: dagegen nicht gewagt, Preußen und Oestreich gegenüber, die Hoheits- rechte des deutschen Volkes geltend zu machen.

Ihr erinnert uns an den Waffenstillstand von Malmö und den Empfang der Reichèkommissäre durch Windischgiäß.

Ja wir wissen, waS die Nationalversammlung gethan hat und was sie nicht gethan hat; wir machen kein Hehl daraus, daß wir für die deutsch? Einheit von jener Versammlung, die die Einheit mit Hintan­setzung der Freiheit, also Unmögliches, möchte, nichts hoffen. Jedenfalls muß es aber jedem Deutschen klar sein oder werden, daß wir nie und nimmer ein deutsches Vaterland erobern können, wenn nicht i» der oben angedeuteten Weise alle Staaten Deutschlands mediatisirt werden.

Auch die Nationalversammlung und die Central- gewalt zu Frankfurt haben zwar oft diesen Satz aus­gesprochen, aber nicht ausgeführt.

Was bedeutet es nun, wenn man sagt, Nassau soll mediatisirt werden? Heißt das etwa, Nassau hat die Befehle der Reichsgewalt nicht geachtet, und soll zur Nachachtung gezwungen werden? Nassau hat bis jetzt unsers Wissens diese Befehle in Allein rcspcktirt. Oder Nassau soll sogar unmittelbares Reichsland werden? Weiche verworrene Begriffe! Eutweder müssen alle gegenwärtig bestehenden Staaten Deutschlands unmittelbares Reichsland werden, oder keiner. Jede dritte Combi­nation ist eine Zwittergestaltung und führt uns in die Labyrinthe des Mittelalters z u r ü cf.

Wenn man etwa von Oestreich und Preußen sagte, sie sollten in dem obigen Sinne mediatisirt werden, so ließe sich dabei, in Anbetracht des famosen Waffenstill­stands und des nicht minder famosen Empfangs, der NcichSkommiffärc durch Windischgratz, doch noch etwas Neelleö" denken.

Was will man aber eigentlich damit sagen,Nassau oder Hessen, oder Anhalt, Lippe u. s. w. sollen media­tisirt werden"? denn einen Sinn legen diese Leute doch unter, nur nicht den oben angedeutetcn.

Auf diese Frage lassen sich folgende zwei Antworten geben, und wir wollen versuchen, sie unsern Lesern klar auseinanderzusetzen.

Einmal kann man, indem man von Mediatisirung spricht, an Arrondirung denken: d. h. an eine natuigemäße Abtheilung der deutschen Staaten, nach den ursprünglich vorhandenen großen Stammfamilien Deutschlands.

Deutschlands Bewohner haben bekanntlich, alle d> rch- gängig, die Voraussetzungen einer jeden Nation: gleiche Sitte, gleiche Sprache, gleiche Literatur, gleiche Rechts­

ungezogen, uud bald auch loderte die helle Flamme im gemüthlichen Kamine, denn zu einem gemächlichen Mittags­schläfchen gehört wie mir wohl jeder Freund eines sol­chen gestehen wird, ein traulich erwärmtes Kämmerlein.

Doch wie sollte ich nun den Schlafgott, einen mir zur Mittagszeit ganz fremden Gesellen herbeilocken ? Eine Wiege und eine Amme, die mir ein einschläferndes Lied­chen vorgetrillert, wäre hier ganz am Platze gewesen, doch wo sie finden, jetzt, wo sie schon alle von den bcschlaf- haubten Männern der Häuslichkeit, Gemüthlichkeit und Ordnung angekauft und in Sold genommen! Auch ein Weibchen mit küßlichem Munde und zarten Händchen, welches meine Wangen gestreichelt und mit süßen Küßen mich in den Schlaf gelullt hätte, war mir ferne. O, dieses Mittel ist probat und wie süß! Fragt nur, die ihr diesen Göttcrgenuß nicht kennt, einen mit Küssen über­zuckerten jungen Ehemann! Was nun beginnen, um jenen unerbitterlicheu Burschen herbei zu zaubern? Halt, da fällt mir ein, ich bin im Besitze der stenographischen Berichte der Nationalversammlung, die werden mir den sehnlichst erwünschten Gast bringen, er wird erscheinen wenn ich nur einige Seiten der Grundrechte des deutschen Volkes mit seinen unzähligen Amendements fovafäUia durchgeleseu habe werde. 1 3

Schnell sind sie herbei geholt, auf den Tisch gelegt und ich auf das Sopha.

Doch bevor ich jenen famosen Schlaftrunk, nämlich die langweiligen Grundrechte des langweiligen deutschen

anschauung (denn gleiches Recht d. h. deutsches können wir leider nicht sagen).

Neben diesem allen Deutschen Gemeinsamen, lassen sich aber auch die Besonderheiten der einzelnen Stämme Deutschlands unterscheiden, und diese Besonderheiten sind es gerade, welche das geistige Leben bisher zu einem so frischen, bewegten, von den Ausländern be­wunderten, gemacht haben. Diese Stämme, in einen großen Staat innigst verschmolzen, so zwar, daß die einzelnen mitunter zarten Schattirungen des deutsche« Volkscharakters nicht verwischt werden, müssen auch zweifelsohne einst ein politisches Leben entfalte», welches das Ausland anstaunen wird.

Die Hauptstämme der Deutschen sind: die der rhei­nischen Franken, der Franken in Mitteldeutschland, der Hessen, Sachsen, Thüringer, Baiern, Preußen, Pom­mern, Schlesier, Oesterreicher.

Wenn man nun darauf hinarbeitet, die Staaten in kleinere Gruppen zu konsiitniren, so haben wir da­gegen nichts einzuwenden. Wir verlangen nur, daß diese Gruppirungen nicht mehr nach Willkür, wie früher, wo die Diplomatie die Völker, gleich Schaafheerden, theilte und verkaufte, sondern nach den vorhandenen natürlichen Grundlagen, den Stammverschie- denheiten, vorteilommen werden.

Wir haben schon ausgesprochen, daß wir ein einiges Deutichland bei den vielen kleinern Staaten für un­möglich halten aber auch ebenso sehr halten wir es für undenkbar bei den großen Staaten, und letzteres scheint unsere Frankfurter Versammlung ganz zu übersehen.

Ordnet die deutschen Staaten nach den obenge­nannten Stämmen! Gut, wir kleinen Staaten werden dann förmlich aufhöreu (nicht blos mediatisirt sein) dann aber müßt ihr, ebemo wie ihr die kleinen getrenn­ten Glieder wieder vereinigt, auch die großen Kolosse, welche in das Herz Deutschlands eingekeilt^ sind, zerschlagen. Ihr müßt nicht langer die Sachsen an die Pommern binden, sondern mit den übrigen Sachsen einigen; ihr müßt die Rhein­länder nicht mit den Brandenburgern vereinigen, son­dern sich mit den übrigen rheinischen Franken verbin­den lassen.

Wenn ihr die kleinen Staaten bloß ausheben wollt, und etwa den großen zuwerft, und nicht nach natür­lichen Grundlagen die großen Familien abtheilet, so müssen wir kleinen Staaten gegen solches Beginnen Pro­test ein legen, denn ihr vernichtet dann die kleinen Staa. ten nicht im Interesse Deut schlands, sondern in dem Interesse der Königsfamilien der Welfen, Hohenzollern, Wittelsbacher unr Habsburger.

Die andere Amwott, welche man möglicherweise auf die Frage, was man damit sagen will, die kleineren Staaten sollen mediatisirt werden", geben kann, sann nicht ahterg lauten als: man denkt dabei

Volkes vornehme, habe ich leider noch eine für mich heilige Pflicht zu crfülleu. Alles was die Nationalversammlung m Frankfurt für gut befindet und beschließt, müssen wir armen unwissenden Ünterthaneuscelcn ohn alles Nach­denken als richtig anerkcmicu. Nun steht gar Manches in dicken stenographifcheu Berichten, was mir nicht in den Kopf will, was mir ganz und gar nicht behagt, so «\ B. die Nichtigkeitserklärung der Wahl in Thicnge», Vermehrung der stehenden Heere, die Genehmigung des Wachenstillstauds von Malmö, der Beschluß, daß fünf Bkeilen im Umkreis von Frankfurt keine Volksvcrsamm- klingen unter freiem Himmel gehalten werden sollen und jo noch manches Andere. Um mich nun an diese für mich unangenehmen Ausflüsse der NatiouÄlvrrsammlu«g zu gewöhnen, habe ich beschlossen und mir zur dringend­sten Pflicht gemacht, diese Stellen stets, wenn ich die stenographischen Berichte in die Hand nehme, aufmerk­sam zu durchlesen.

Auch diese bitteren Pillen sind wieder einmal glücklich verschluckt, ihr mir widriger Geschlnack bat dieses MM mehr als je mein Gesicht in bösartige Grimassen ver­zogen.

(Fortsetzung folgt.)