Einzelbild herunterladen
 

Freit Zeitung.

âeiheLL und NeehL!"

t^M_JMMM^,MM,B«MM«l)^^»^m.Mo«MMM»Mi^»^MM^»g!»«MM»^^owWlM»^WM|^éh»^l»^|iMWi^i^mwiM»B

228. Wiesbaden. Samstag, 4. November I8L8.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., auswärts durch die Post bezogen mit vcrhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

WN Das Gesetz über das Reich und die Reichsgewalt.

I. Artikel.

' Der lang verwiesene Entwurf der Verfassnngs-Com- misston des deutschen coustitusienden Reichstags über dasReich" und dieReichsgewalt" liegt uns nun (durch die Tagespresse nämlich, ein Eremplar des Alisschußberichtes konnten wir noch nicht zu Handen bekommen) mit Ausschluß einiger Paragraphen bis zu 8. 35 vor, und bereits haben die Verhandlungen über dessen ersten Theil ihren Anfang genommen *) Mit Recht erwarten wir, daß bei den Verhandlungen dar­über mit der größten Besonnenheit und Umsicht ver­fahren und von den Männern, denen die Zukunst Deutschlands in die Hände gegeben ist, alles aufqe- boten werde, uns ein Gesetz zu schaffen, durch welches die edlen Errungenschaften derMärztage" unter fräs» tigen Schutz gestellt werden; also daß unser Vaterland für alle Zukunft nicht nur ein einiges und kräf­tiges, sondern auch ein freies und glückliches werde. Auf diesem Gesetze beruhen alle unsere Erwar­tungen, alle unsere Befürchtungen; möchten die letztern gänzlich zn Schanden werden! Hoffend und bangend ist darum jetzt jedes deutsche Herz auf Frankfurt ge­richtet und wieder ist die etwas herabgestimmt gewesene Theilnahme des deutschen Volkes an den dortigen Debatten mächtig entzündet." Möge auch die Tages- presse, der große Parlamentssaal, darin jedem deut­schen Manne zu sprechen vergönnt ist, und worin das ganze Volk taget, sich der wichtigen Tagesfrage bemächtigen und des Volkes Ansichten, Hoffnungen und Wünsche zu Tage fördern helfen! Es sei uns gestattet, in diesem Volksblatte dazu die Initiative zu ergreifen, indem wir versuchen, den vorliegendenEntwurf" einer Kritik zu unterwerfen.

S 1) Vom deutschen Reiche.

"'"Was ist des Deutschen Vaterland?" auf diese Frage des Dichters gibt uns der Entwurf in 3 Arti­keln, welche in 6 Paragraphen zerfallen, die ganze, wie uns dünkt, nur etwas zu kurze und unvollständige Ant­wort; wir hätten erwartet, daß dieser erste Abschnitt doch mit etwas mehr Gründlichkeit und Vollständigkeit ausgeführt worden wäre.

Artikel I. handelt in einem einzigen Paragraphen vom Umfang (den Grenzen) des Reichs, und lautet:

8.1. Das deutsche Reich besteht aus dem Ge­biete des bisherigen deutschen Bundes. (Das ist des Deutschen Vaterland! ) Die Verhältnisse des Herzogthums Schleswig und die Grenzbestim­mung im Großöerzogthum Posen bleiben der defi- nitiven Anordnung vorbehalten."

) Al» wir diesen Artikel beendigt hatten, kam uns di« Knude von dem unerwarteten schnellen Beschluß über §. 1.

Anm. d. Eins.

i- Wie steht's um Nassaus Industrie, und wie ist ihr anfzuhelfen?

(Schluß.)

Die Anzahl der Zöglinge kann nur dann 36 übersteigen, wenn die Werkzeuge, Apparate, so wie die Werkmeister in der Werkstätte vermehrt werden. Wenn die Zöglinge ihren Beruf nickt nur praktisch zu betrecken verstehen, sondern auch zugleich die nöthigen theoretischen Kenntnisse sich erworben haben, weiMss'sle sich ihrer Heimath zu, wo sie Uhrenmacherwerkstättèn anlegen. Diejenigen, welche unbemittelt sind, können aus einem Fond für Empor- bringmig der Gewerbe zur Anschaffung des nöthigsten Werkzeugs einen Vorschuß bis dreihundert Gulden er­halten.

Andere Anlagen, wie die für Farben, für Kali- und Natronsalze, so wie die für Verbesserung der Thonwaaren sind chemische Gewerbe. Wir überlassen das Urtheil und die Vorschläge in Betreff derselben am besten unserm rühmüchst bekannten Chemiker, Professor Fresenius. Was die (Spinnerei und Weberei in Baumwolle, Schafwolle und Flachs betrifft, so sind deren Anlagen, mit denen wir im großen Maßstabe zu beginnen haben , viel zu kostspielig, als daß man sich gerade jetzt, wo fast in allen Oewcrbanftalten ein Stocken cingctrcten ist, die nöthigen Vorarbeiten treffen sollte. Wenn aber bessere Zeiten über Deutschland kommen, die der Verfasser noch

Von dem bisherigen deutschen Bundes war aber nicht blos das deutsche Land Schleswig ausgeschlossen, sondern auch die deutsche Provinz Ost- und West- preußen ; über diese ist in dem Paragraphen auch nicht das mindeste gesagt. Es fragt sich demnach: Soll diese deutsche Provinz auch fernerhin vom großen deut­schen Reiche ausgeschlossen bleiben und nur durchPer­sonalunion" mit dem Königreich Preußen in Verbin­dung stehen? Das können wir nicht wohl denken, weil der deutsche Preußenkönig erklärt hat: Die Provinz Preußen solle in den deutschen Bund eintreten, und der Bundestag und das Vorparlament die Auf­nahme mit Dankbarkeit angenommen haben; diese Pro­vinz auch bereits kräftigzum Heil Deutschlands" im Reichstage vertreten ist. Wir vermuthen daher, unter bisherigen deutschen Bundes" sei der Umfang zu ver­stehen, welchen er in diesem Augenblicke faktisch hat. Aber in dieser Annahme werden wir wieder zweifelhaft, denndie Verhältnisse Schleswigs bleiben der befini- tiv'n Anoidnung Vorbehalten; dasselbe wird also vor­derhand nicht zumGebiete des bisherigen deutschen Bundes" gerechnet. Zum Gebiete des ehemaligen deut­schen Bundes gehörte es freilich nicht, ebensowenig aber auch jene Provinz Preußen; zum Gebiete des jetzigen deutschen SPunbeS aber gehörte es mit eben demselben, ja noch größern Rechte, als dieses. Denn mit seinem frei ausgesprochenen Willen, mit Zustimmung und ausdrück­licher Erklärung des seligen deutschen Bundestags, des Vorparlaments, des Fünfziger-Ausschusses, der provisori­schen Reichsgewalt (wie hätte sie sonst deutsche Truppen zur Sicherung dieses Landes verwenden können?) und der constituirenden Reichsverfammlung (da sie seine Abgeordneten zugelassen hat), ist es vor Gott und aller Welt in den Reichsverband ein,getreten. Und nun wird dennoch in Frage gestellt, ob es zum deutschen Reiche gehöre, und es einem recht- und schutzlosen provisorl- schen Zustande hingewiesen. Hinsichtlich Posens ist man weniger skrupulös gewesen, ein Theil desselben gehört nun schon vorderhand ungeachtet des Protestes eines großen Theils seiner Bevölkerung zum deutschen Reiche; nur dieGrenzbestimmung in demselben (also wie es getheilt werden soll, d. i. die vierte Theilung!) bleibt der definitiven Anordnung vorbehalten." Nach welchen Reichsgrundsätzen dieß geschehen, vermögen wir nicht herauszusinden; nur so viel ist uns erklärlich: dort steht man gegenuh^r derLegitimität eines nicht- deutschen Fürsten," hier nur dem Rechte eines kleinen Volkes, das man nicht zu fürchten hat, darum nicht zu berücksichtigen braucht.

An die Zukunft Deutschlands, an eine große glor­reiche Zukunft des Vaterlands, scheint man nicht ge­dacht zu haben, sonst würde man dem Paragraphen etwa einen Zusatz gegeben haben, der seinen Grenzen eine Erweiterung offen gelassen hätte.

Unserer Ansicht nach hätte, gemäß der Forderung des deutschen Bewußtseins und der Würde des deutschen

zu erleben hofft, so wird er nicht zu den Letzten gehören, Pie darüber öffentliche Mittheilungen machen, so wie Ent­würfe mit Kostenanschlägen vorlegen und. bei dem Ge­schäfte sich selbst zu beteiligen wünschen. Jnglcicken ver­hält es sich mit einer Maschinenfabrik. Ein solches Etablissement würde in Wiesbaden eben so gut bestehen sönnen, als das zu Karlsruhe, Mannheim, Zürich, Mühl­hausen, Eßlingen und andern Orten, wo sie sich von 4 bis zu 7% rentiern. Eine solche Fabrik müßte sich auch auf den Bau der Lokomotive, der Mühlen und der Druck­werke einlassen, indem Nassau nicht nur vorzügliches Material dafür besitzt, sondern diese Maschinen jetzt schon in schöner Zahl auS dem Ausland bezieht, in nächster Zilkunft aber dieselben noch weit zahlreicher bedarf. Kurz, für Nassau, wo fast Nichts für die Industrie geschehen ist, find eine Menge GewerbSgnellen zu öffnen. Von dem großartigsten Etablissement, der Maschinenfabrik, bis zu unbedeutend scheinenden Fabrikation der so­genannten nürnberger Waare ist ein sehr crgibigeS Feld dem vaterländischen Gewerbfleiße dargeboten. Nassau hat in den Zeiten deS Friedens sich durch die auSwärtS blühende Industrie einschläfern lassen. ES ist noch nicht lange her, daß ihm glänzende Staats­mittel zu Gebote standen, die es zum Theil für den Ankauf von Gütern in TexaS -ver­wendet haben soll. WaS hätte damit nicht ein schöüeS TexaS in Nassau, welches nur einige Hundcrttauscnde für den Anfang be-

Vaterlands, dem §. 1 resp. 1r. Artikel folgende Fassung gegeben werden sollen:

I. §.Das deutsche Reich besteht aus dem Gebiete des bisherigen deutschen Bundes, mit Einschluß der Pro­vinz Preußen und des HerzogthumS Schlewig. De Verhältnisse Schleswigs zur Krone Däne­mark s bleiben einer definitiven Uebereinkunft mit letzterer vorbehalten."

§.Das Großherzogthum Posen steht so lange unter dem Schutze des deutschen Reiches, bis die Frage der polnischen Rationalität erledigt sein wird; seine innern Verhältnisse werden proviso­risch, mit Rücksicht auf die polnische Bevölkerung, geordnet."

Wir glauben, dieser Zusatz bedarf keiner besondern Rechtfertigung.

8.An Deutschland angrenzende Staaten mit gan­zer oder überwiegender Bevölkerung deutschen Stammes können in den Reichsverband ausge­nommen, darauf bezügliche Verhandlungen von der Reichsgewalt angeknüpst und, unter Vorbe­halt der Zustimmung des Reichstags, Verträge darüber von derselben abgeschlossen werden."

Hierbei schweift unser Blick dahinwo der Sand der Dünen^weht" undwo am Belt die Möwe zieht;" wir denken an die stammver­wandten Länder Dänemark und Niederlande; soweit Hinausschauen wir im Geiste die Marken Deutsch­lands in der vielleicht allernächsten Zukunft. Denn daß Dänemark zu dem Gedanken kommen könne, sich dem deutschen Reiche, wenn es einmalgroß und frei" dasteht, anzuschließen, sich in dessen Verband aufneh­men zu lassen, halten wir durchaus nicht für unmöglich, nicht einmal für unwahrscheinlich; daß aber Deutsch­land, würde ihm dazu die Bruderhand dargeboten, sie nicht grollend ob des jetzigen Zwistes nein ge­denkend einstigen treuen Bündnisses zurückweisen dürfe, liegt außer allem Zweifel. Ein Anschluß Däne­marks an Deutschland liegt im beiderseitigen, wohlver­standenen Interesse. Als werthvolle Mitgabe erhielte Deutschland, was ihm ganz fehlt, einem großen Staate aber nicht mehr fehlen darf: Colonien, wenn auch klein, aber der Ausdehnung fähig: eine besonders für den Schutz der Ostseeküsten und des dortigen Seehandels werthvolle Flotte, Befreiung der Schifffahrt von dem drückenden Suadzoll; das Alles aber bliebe Dänemark und seiner Schifffahrt zu gute! Eine für einen so klei­nen Staat allzndrückende Heeresmacht würde unnöthig, die unerschwinglichen Kosten einer verhältnißmäßig zu großen Marine fielen weg, nud da natürlich Deutsch­land Colo ten und Flotte nur gegen Vergütung im vollen Werth verlangen könnte,"so würde ihm durch Uebernahme eines entsprechenden Theils für Staats­schuld die Möglichkeit inneren kräftigeren EmporblühenS gegeben.

Was von Dän marks Anschluß an Deutschland ge­sagt worden ist, gilt auch von dem der Niederlande,

durfte, geschaffen werden können! Nun aber ' wo nur geringe Summen, und gewiß auch unter Kampf, für daS Emporkommen der nassauischen Industrie zu ver­wenden sind, wollen wir Großes schaffen. AuS Staats­mitteln können wir Weniges aufbicten, daher müssen wir zur Zeit andere Wege einstigen. Zur Zeit genügten kleine Summen zu geringen Anfängen, jetzt aber siyen wir an der Nationalbank, wo die Industriellen nur große Summen seyen. Andere Staaten verstanden besser die Zeichen der Zeit; denn sie haben nach Bedürfniß klein oder groß angefangen, als die deutsche Industrie sich zu regen begann. In dieser Beziehung verdient das badische Oberland (SeekreiS, Oberrhcinkrcis), welches eben so viel Einwohner zählt als das Herzogthum Nassau, Er­wähnung. Besonders verdienen folgende Fabrikstädtc ge­nannt zu werden: Müllheim (Baumwolle), Schönau (Baumwolle, GlaS, Bürsten), Todtenan (Baumwolle, Glas, Bürsten), St. Blasien (Baumwolle, Gewehre), Schopfheim (Baumwolle, Draht, Stahl) Steinen (Baum­wolle, Maschinen); Oberweiler (Guß, Eisen), Kandern (Seide, Guß, Eisen), Gackcnau (Glas), Webe (Baum­wolle), Krotzingen (Zucker), Offenburg (Zucker, Glas), Waghäusel (Zucker), Freiburg (Zucker, Seidefarben, Ej- chorie), Lahr (Cichoric), Biel (Baumwolle), Scckingcn (Baumwolle, Glas), Rappenau (Salz), Lörrach (Wolle), Staufen (Wolle), Emmendingen (Flachs und Hanf), Liel (Draht), Hügelhenu (Strümpfe), Guitqen (Band, Gur­ten), Laufen (Spiegel). Auch ist die andere Hälfte von