MGtmân garnisonirenden Reservekompagnien Befehl zum Aufbruch, wie man sagt nach Turin, erhalten. 200,000 Waffenröcke, die das sardinische Gouvernement zu Lyon bestellt hatte, sind nach Turin abgegangen; 20,000 Zelte sollen folgen.
In der österreichischen Armee werden die Reibungen zwischen Ungarn und Kroaten mit jedem Tage ernsthafter. — Nach einer Korrespondenz aus Mailand vom 21. ist Radeßkrs Heer 90,000 Mann stark, wo- vvn % krank und % demoralisirt. Ein dreister Coup und die ganze Wirthschaft würde nach allen vier Winden auseinanderflieben.
Großbritannien.
London, 28. Okt. Die Handelsnachrichten der letzten indischen Post sind besser als seit langer Zeit. In Bombay namentlich hatte die Frage nach Mann- fakturwaaren zugenvmmen. Die Berichte über die Ju- digoerndte aus Calcutta lauten ebenfalls günstig. Wir brauchen nicht zu versichern, daß diese Neuigkeiten einen erfreulichen Eindruck auf die City gemacht haben.
Ar arrkreiH.
Paris, 27. Oktober. Wien über! Wien hat ka- pitulirt! Windischgrätz ist in Wien eingezogen..... So jubeln heute Univers, Patrie und ihr sauberer Anhang. Mit der Wiener Revolution habe es ein Ende u. s. w. Wir wollen hoffen, daß die nächste Post dieses Natterngezücht Lügen straft.
Die Negierung blieb bis heute Mittag ohne-Depeschen.
Der Eintritt der Russen in österreichisch Gallizien wird demnächst zu Interpellationen in der Nationalversammlung Veranlassung geben.
— Der „Courrier" ruft dem Minister des Auswärtigen zu: „ .... Was muß Europa von uns denken und bis zu welcher Tiefe müßte unser Einfluß auf die Völkerschicksale sinken, wenn Rußland sich in Oesterreich und Ungarn mischt, während wir uns jeder Intervention in die österreichischen Angelegenheiten in Italiens enthielten. Wir sind überzeugt, Rußland hatte sicher nicht diesen kühnen Schritt gewagt, wenn unsere Gesandten ihm erklärt hätten, daß eine derartige Einmischung in die ungarisch-österreichischen Händel die sofortige Besetzung der Lombardei durch unsere Alpen- armèe zur Folge habe. Rußland ist schlau. Es berechnet den Zauber eines plötzlichen Ueberfalles und ist längst wieder über seine Gränzen, wenn die Diplomatie ihr Geschütz gegen es richtet. Wir wünschen, Hr. Bastide möge nicht als Opfer einer ähnlchcn List fallen, deren nächste Folge die Einnahme Wiens (durch Windischgrätz und der Sturz der dortigen Demokratie wäre." (R. Rh. Z.)
— Heute deliberirt der Pariser Stadtrath über eine Frage, die wohl noch in keinem Staate der sogenannten civilisirten Welt aufgeworfen wurde, nämlich über die Anlage einer Arbeiterbörse — eines kolossalen Palastes, in welchem die Arbeiter, statt müßig auf den Quais zu lagern, Schutz gegen Wind und Wetter und auch wohl Belehrungen finden dürften. Auch würden dort die Arbeitsgeber ihre Taglöhner holen rc.
— Folgendes sind die authentischen Worte, mittels welcher Louis Bonaparte sich auf der Bühne der Nationalversammlung als Kandidat für die Präsidentschaft der Republik spreizte: „ . . . . Wessen klagt man mich an, vom Volksgefühl eine Kandidatur anzunehmen, die ich nicht suchte. (Unterbrechung.) Wohlan ja, ich nehme diese Kandidatur an, die mich ehrt; ich nehme sie an, weil drei aufeinanderfolgende Wahlen und die Einstimmigkeit, mit Welcher die Nationalversammlung das Verbannungsdekret gegen meine Familie aufhob, mich zu dem Glauben berechtigten, daß Frankreich den Namen, den ich trage, als dazu geeignet betrachtet, zur Befestigung der in ihren Grundfesten erschütterten Gesellschaft zu dienen. . " (Stürmische Unterbrechung).
( Paris, 28. October. Die Nationaleersammlung setzte in ihrer heutigen Sitzung die Berathung des Dc- cretsentwurfes über die näheren Bestimmungen in Betreff der Wahl des Präsidenten fort.
Der Verfassungsausschuß hielt diesen Vormittag eine Sitzung, um zur artckelweisen Revision des Verfassungs- entwurfs zu schreiten. Es heißt, eö solle nun ein Amen- dement vorgeschlagen werden, nach welchem sämmtliche Mitglieder der Familien, die über Frankreich geherrscht haben, für nicht wählar zur Präsidentschaft erklärt werden sollen. Am nächsten Dienstag wird der revidirte Verfassungsentwurf zur Lesung vorgelegt und dann erst nach einer zweiten Lesung durch den „Moniteur" publi- zirt werden.
Neueste Nachrichten.
Lundenburg, 26. Okt. Nachts 11 Uhr. Aus dem Munde einiger Eisenbahnbedicnstcter, welche den heutigen Tag über in Florisorf Augen- und Ohren- zeugen waren, erfahre ich folgende Hauptsachen. Die tapferen Wiener sind und waren noch überall Sieger. Sie unterhielten ein wahrhaft mörderisches Feuer, welches selbst den kaiserl. Offizieren das Geständniß erpreßte: „Wenn das so fortgeht, so haben wir nicht Leute genug!" Von dem 5. Jägerbataillon, welches durch den Prater der Stadt sich näherte, blieben circa
150 bis 160 Mann übrig, die andern sind alle gefallen. Das Merkwürdigste ist, daß gestern Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr Windischgrätz das Feuer kiustellen mußK — wegen gänzlichen Mangels an Munition, und von den Wienern einen Waffenstillstand verlangte, worauf jedoch diese antworteten, sie brauchen keinen Waffenstillstand, sondern werden kämpfen, bis sich die Sache entschieden hat.
Windischgrätz dachte, bei der Nußdosser Linie ohne Mühe und großen Widerstand einzudringen, stieß aber hier auf einen harten Stein, denn diese soll die meisten Schanzen und stärksten Barrikaden haben. Der Wie. ner Nordbahnhof einzig und allein ist von dem Militär besetzt, und dies ist auch Alles, was sie seit 3 Tagen erreicht haben. Nun fehlt es ihnen gänzlich an Munition, und Augenzeugen sagen aus, daß die Patronen des schweren Geschützes und Alles herhalten muß, um den Mangel zu ersetzen. Uebrigeus hört man, daß morgen den 27. October ein Separattrain von Olmütz mit Munition abgehen soll. Auch sind heute zwei Briefe an das Verpflegungsmagazin in Brünn abg-, gaugen, wahrscheinlich um Brod, auch fehlt es an G ld und Fleisch. Das.Feuer hat Abends neuerdings begonnen, und man erwartet eine schreckliche Nacht. Win- dischräß soll fortwährend Brandraketen werfen lassen, woran wohl der Mangel an sonstiger Munition Schuld sein mag. Feuer sieht man an verschiedenen Orten, 'des Tages unbedeutend, so wie aber die Nacht einbricht, überzieht sich der Himmel mit einem blutroten Schleier.
Abgebrannt sind die große Dampfmühle an der Donau, die sogenannte Schweizerfabrik am Nordbahn- Hofe, das Jägerhaus gegenüber. Die braven Wiener werden nicht unterliegen, denn sie kämpfen löwenmüthig, und sind auf Alles gefaßt. Die Burg, die National- bank, das Zeughaus und die Universität, ja selbst der Stephansdom soll unterminirt sein, um im Falle der Noth sich und das Militär unter dem Schutte zu begraben. — Jellachich hat sich zurückgezogen. — Die kaiserl. Pioniere wollten bei Florisdorf eiue kleine Schanze aufwerfen. Ais sie drei Schuh hoch war, fingen die Wiener darauf zu feuern an, so zwar daß binnen wenigen Minuten Alles in Fetzen herumflog. Die Pionierofsiziere gestehen offen, daß die Wiener sich sehr fest gesesetzt haben, was sie nie glaubten.
Nachmittags. VierjVorstâdte (Straßen?) Wiens, nämlich Lichteuthal, Landstraße, Jä- gerzeil und Erdberg brennen; den gestrigen ganzen Tag wüthete das Kanonenfeuer von beiden Seite»; die Truppen sind tm Besitze des Bahnhofes der Nordbahn, aber noch von keiner Vorstadt. In der Jägerzeil steht eine mächtige Barrikade mit acht Kanonen und mit eben soviel Bürgercompagnien bedient. Unaufhörlich wüthet das Feuer gegen den Feind, doch fängt man an, mit dem Pulver sparsam umzugehen. Lebensmittel sind noch auf 8 Tage vorhanden; die Wasserleitung ist zwar in den Händen des Feindes, aber von ihm noch nicht zerstört. Die Todten werden in dem Glacis begraben, da die Kirchhöfe von Feinden beseßtsind. In einer Straße hat zwischen den dreifarbigen Bändernu. den Schwarzgelben ein Kampf stattgefunden, in welchem letztere überwunden wurden,! nachdem von ihnen die Straßen in Brand gesteckt worden. Dieses Beispiel steht indessen vereinzelt da, sonst herrscht überall die größte Eintracht. Ein Hauptmann der Nationalgarde ist gehängt worden, weil er einen Ausfall, den man gegen Nußdorf machen wollte, verrathen hatte. An Geld fehlt es nicht. 70,000 und dann 9000 fl., die für das Militär bestimmt waren, siad der Garde in die Hände gefallen. Jellachich und Auersperg siehe» südlich und Windischgrätz nördlich. Die polnische Le- gion hat im Prater bedeutende Verluste (60 bis 70 Todte) erlitten. (Fr. I.)
— Am 25. gegen 10 Uhr Vormittags begann die Kanonade aufs Neue, und zwar in einer sehr bedeutenden Ausdehnung, welche man dem Gehöre nach von der St. Marrer bis zur Nußdorfer Linie vernahm. Einige glaubten auch Kanonendonner in der Gegend von Kaiser-Ebersdorf gehört zu haben. Des Nachmittags stieg das Feuern zu einer schaudervollen Heftigkeit; der Booen erzitterte und einzelne Schüsse waren kaum mehr zu unterscheiden. Gegen Abend stiegen in Florisdorf Leute auf die Dächer, und hörten in der Richtung gegen die Stadt ein furchtbares Geschrei, wie bei einer heftigen Bestürmung. Gegen den Bahnhof hin entstand ein großes Feuer, doch war es nicht möglich, den Ort des Unglücks näher zu bezeichnen. Um ungefähr halb sieben Uhr Abends verstummte der Kanonendonner.
Was im Verlaufe dieser 8 Stunden geschah, wo überall gefeuert oder gemetzelt wurde, w?r Sieger oder Besiegter war, wie viele Leben ausgebaucht wu de» — wer konnte es diese Nacht, als der Eisenbahntrain abfuhr, schon wissen! Schwerlich dürfte Jemand in so schauerlichem Kugelregen schon damals nähere Details gesammelt haben!
Die Eisenbahn ist bei Florisdorf ganz ungestört, und es finden in Lundenburg keine militärischen Durchsuchungen mehr statt.
Am 25. sollte von Brünn nach Florisdorf ärarisches Putver auf der Eisenbahn befördert werden. Dieses mollto die Nationalgaide nicht zuläffen. Während der Debatten hierüber erfolgte jedoch die Abstellung durch den Telegraphen.^ _ (C. Bl. a. B.)
Ollmütz, 25. Okt. Das Einrücken in die Vorstädte ist dem Fürsten Windischgrätz nicht so leicht ge
wesen, als es die voraneilenden Nachrichten kundthaten. Wir erhielten gestern hier um 4 Uhr Nachmittag eine telegraphische Nachricht, daß Windischgrätz am Tabor heftig mit Kanonenfeuer begrüßt wurde, das er noch heftiger erwiderte. Die Stadtkanonen wurden zum Schweigen gebracht und die Truppen marschirten im Sturmschritt ein. Auch hat Windischgrätz von seinen Truppen einige Bataillone an Jellachich abgegeben. Der Reichstag soll sich nicht mehr versammeln und die heftigsten Führer' der ultradeutschen Partei, ein Tau- senan, Mahler u. dgl. haben sich nach Pesth begeben. Hier bei uns in Ollmütz wollen Viele schon daö kais. Manifest gelesen haben — das den Wiener Reichstag nicht auf unbestimmt vertagt, sondern ihn nach Kremsier in Mähren auf den 15. November einberuft. Heute oder morgen soll es an unsern Straßenecken angeschlagen werden. Dreihundert Quartiere seien schon in Kremsier ermittelt und, die drei Wochen bis zum 15, Nov. sollen nur dazu verwendet werden, im erzbischöflichen Palais den großen Saal zum Empfange der Deputaten herzurichten. Anfänglich soll man Brünn als Reichsstadt bestimmt haben, als aber Brünner Garden nach Wien zogen, hielt man Brünn nicht für neutral genug.
Wien. (Reichstagssitzung vom 25. Oct.) Von Wessenberg ist eine Depesche angelangt mit einem kaiserlichen, mit der Namensunterfertigung" des Kaisers versehenen, von Wessenberg contrasignirten Erlasse da- tirt: Ollmütz, 22. Octbr. 1848, worin im Hinblick auf den Umstand, daß die versammelten Volksvertreter unter den bevorstehenden militärischen Maßregeln nicht dürften ruhig tagen können, der Reichstag bis zum 15. November vertagt und nach Kremsir berufen wird.
Nachdem der Berichterstatter im Namen des permanenten Ausschusses die Bedeutung und die ConstitutiemS- widrigkeit einer solchen Vertagung und Versetzung des Reichstags^ auSeinandergesetzt, nachdem 'er darauf hin- gewiesen hatte, daß die Realisirung einer solchen von übelwollenden Rathen dem Kaiser vorgeschlagenen Maßregel nicht nur Wien, sondern die ganze Monarchie zu Grunde richten, das politische, sociale und geistige Leben der Völker stören müßte: trug er den Antrag des permanenten Ausschusses vor, der dahin geht, eine Adresse an den Kaiser zu richten, in welcher derselbe eines Besseren belehrt und zur Zurücknahme des bezeichneten Erlasses veranlaßt werden soll.
Der von Umlauft verfaßte Entwurf dieser Adresse diente der Berathung des permanenten Ausschusses zur Grmidlage und wurde dem Hause in der vom Ausschüsse beantragten Form durch den Abgeordneten Umlauft unter wiederholten Beifallsbezeigungen verlesen.
Nachdem noch andere Redner über diesen Gegenstand gesprochen hatten, wird der Antrag des Ausschusses zur Abstimmung gebracht, und die Adresse in der vorgeschlagenen Fassung mit wenigen Abänderungen in Abwesenheit von 192 Mitgliedern angenommen.
Zum Schlüsse der Sitzung werden die Abgeordneten Pillersdorf, Potocky, Fischer und Prato mit der Ueber- bringung der Adresse beauftragt.
Wien. In der Nacht vom 26. zum 27, hörte man von mehreren Seiten den Donner des groben Geschützes, auch am Morgen des 27. hier und da vereinzeltes Feuern; am Mittag berrschte aber vollkommene Stille, und es hieß, daß sich wieder eine Deputation bei dem Fürsten befinde.
Der Nordbahuhof und der Prater bis nahe an dis Leopoldstadt waren beim Abgang der letzten Reisenden vom Bonus besetzt; man wollte 50 bis 60 Gefangene aus der Stadt haben ln's Hauptquartier abführen sehen.
Nach allen Nachrichten schlugen die Städtischen sich mit Tapferkeit; man wollte au ihrem guten Schießen besonders die Polen erkennen. Dagegen soll die Erbitterung der Truppen durch die fortwährend auf sie gemachten Angriffe, welche sie noch nicht erwiedern durften, aufs höchste gestiegen sein.
Es wurde erzählt, daß sechs Dampfböte mit Ungarn die Donau herabgekommen, aber wieder umgekehrt seien, als das erste davon heftig beschossen worden.
Aus,-der Stadt kamen fortwährend Deputationen an den Fürsten Windischgrätz; in Folge einer derselben, an deren Spitze der Abgeordnete Pillersdorf gestanden haben soll, hatte der Fürst Windischgrätz eine Proklamation an die Bewohner Wiens erlassen.
G r k l ä r n « g.
Langenschwalbach, 26. Okt. Die Num. 217 der „freien Zeitung" enthält eine Correspondenz aus Schwalbach, in welcher einer, durch mich hervorgerufenen Aufregung eigner Art erwähnt, in welcher, mit einem boshaften Geitenhiebe auf „meine Praxis", meiner besonderen Thätigkeit beim Wahlkampfe im April, sowie meines außerordentlichen Talents im Stiminensammeln gedacht, in welcher ferner behauptet wird, ich habe mir die Mühe gegeben, gegen den H. Reallehrer Peiser zu agireu, ohne daß jedoch meine Bemühungen von einem sonderlichen Erfolge gekrönt gewesen feien, in welcher endlich behauptet wird, es sei durch diese meine Intriguen die Schwalbacher Bevölkerung (sic) so ausge- bracht worden, daß nur die Bemühungen mehrerer einflußreichen Männer mich vor einer mir zugedachten Volködemonsteation bewahrt hätten.