„âeiheit und NeehL!^
^N 226» Wiesbaden. Donnerstag, 2. November I8â8.
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Volkswirthschaft.
I. Artikel.
Forstliche B o d e n w i r t h s ch a f t.
(Schluß.)
Wir kommen nun nochmals auf das vorige Theina, unser Beispiel zurück, woraus wir außer der Unzulänglichkeit der bis jetzt bestehenden volkswirthschaftlichen Anordnungen auch noch den weiteren unangenehmen Fall des Kompetenz-Konfliktes und eine fabelhafte Anfichten-Harmonie und gleichzeitig Spaltung zwischen zwei Behörden warnehmen, die, ursprünglich ans einem und demselben Standpunkte stehend, einem und demselben Staate und einem und demselben Volke dienend, dennoch verschiedene Praktiken verfolgen.
Beide, Amtmann und Oberforstbeamte, sehen mit Evidenz ein, daß dem Manne geholfen werden müsse, und dennoch geschieht es nicht: es kann nämlich nicht geschehen, weil die Urbedingungen nicht zur Geltung gekommen sind, die die Anwendung des Prinzips ermöglichen, und weil der nothwendige erste intime Zusammenhang desselben bei den betreffenden Behörden ermangelt. Gehen wir weiter auf die Sache ein:
M Jedes sich geltend machende Bedürfniß im Ackerbau- und sonstigen unmittelbaren Produktionsbetrieb steht im genauesten ^Zusammenhänge mit den von oben herab in Anwendung stehenden staatswirthschaftlichen Maßregeln. Einem jeden solchen aus der Natur der Sache hervorgehenden (natürlich nicht blos individuellen) Bedürfniß muß der Staat als kultur- mittelbarbringendes Element seine Berechtigung zugestehen. In unserem obigen Beispiel wäre also der Urgrun d dieses Kultur- bedürfnisses , z. B. der Mangel des Düngers, auszu- sinden, und diesen finden wir nicht, wie man gewöhnlich prätendirt, und wie es die Pfarrer von den Kanzeln dem Volke Herdeclamiren in von Gott verhängten Mißjahren, auch finden wir diesen Urgrund nicht in persönlich schlecht geführtem Ackerbau u.s.w., sondern wir haben ihn in jenen schmählichen äußeren Verhältnissen, in jenen ungünstigen, auf das Innere des Landes verderblich einwirkenden Zollgesetzen, in einseitigen Begünstigungen ausländischer Industrie, in Hemmungen des freien Verkehrs, in Ueberladung von Abgaben, Gebühren und Lasten u. s. f. zu suchen.
Diese unsere Zusammenstellung landwirthschaftlicher Bedürfnisse mit jenem höheru Verhalten, der zur Aufrechterhaltung der Bodenindustrie und zu deren immer mehr auflebenden Emporkommen errichteter Behörden (zunächst der Aemter und Oberforstämter) sollte unS blos den Beweis liefern, daß das volkswirthschastliche Zusammenwirken derselben einmal und ferner auch der Brennpunkt fehle, worin alle ins Leben gerufenen, zur Anregung, Erhöhung und Leitung des betriebsamen land- und forstwirtschaftlichen Er Werbfleißes zusammen- laufen. Wollen wir nun dieser Ur-Industrie eine freie Gestaltung geben, so muß ihre wissenschaftliche und
-r- Wie steht's um Nassaus Industrie, und wie ist ihr aufzuhelfen?
(Fortsetzung.)
Er der Handwerker der selten borgen kann, borgt: er, der überzeugt ist, daß er gute Arbeit liefert, muß ruhig ungerechten Tadel hören, so wie von Denen, welche die Hälfte geschenkt begehren, Nvhunugsabzüge sich machen lassen. Läßt er DieS nicht geschehen, so nennt man ihn unverschämt; ein Pfuscher hört es, er benutzt dies und macht seinem Handwerksncide Lüft. Man sieht zwar sehr auf gute Arbeit, allein das Wort „wohlfeil" hat für den Nichtkenner mehr Werth. Diese Uebelstände würden wir nicht in dem Maße finden, wirkte eine tüchtige Gewerbeordnung, wie man sie in einigen Kantonen der Schweiz findet, dem unseligen Pfuscherwesen kräftig entgegen. Wir wollen aber auch nicht dem alten Hamburger Zunftzwang das Wort reden, wo noch jede Zunft eine Kaste ist, der nicht immer das Talent, sondern Geld, geerbtes Meisterrecht, langjährige Wanderschaft rc. das Hiutcrthürchcn öffnet. Vor allen Dingen aber müßte gesagt werden, daß nur diejenigen Handwerker auf Meisterschaft Ansprüche machen können, welche den ersten Kurs einer öffentlichen Gewcrbschulc mit guten Zeugnissen ab- solvirten oder doch wenigstens in der Meisterprüfung sich über die verlangten Schnlkenntnisse genügend auszuwei- ;eu vermögen. Diejenigen hingegen, welche auch den
wirthschaftliche fachgemäße Leitung von einem Punkte ausgehen und darf keinen besondern, von einander getrennten, überdieß in gleicher Linie stehenden und mit verschiedenen sonstigen Befugnissen ausgerüsteten Behörden, muß aber einer Mittel stelle untergeordnet werden, welche alle Verhältnisse, die näher oder entfernter oder am weitesten auf die Lokal-Industrie einwirken, vom staatswirthschaftlichen Standpunkt aus zu ermessen im Stande ist, die also sogleich den innersten Grund irgend welcher Aenderungen im Bodenbetrieb (gleichviel ob dieser vom Privaten ausgehe, oder unter der Leitung einer Forst- oder Gemeinde-Lokalbehörde stehe) herauszufinden weiß und demnach für die oberste (Re- gierungs-) Behörde insofern maaßgebend ist, als sie vom Standpunkte des Salus populi suprema lex Mittel und Wege angibt, die statthabenden Bedürfnisse z. B. durch Erleichterung des freien Verkehrs, durch Erniedrigung der Abgaben, Gebühren und Lasten, durch Abänderung der Getreivehandels - und manchmal sehr drückender Zollsysteme, durch Anlegung und Unterhaltung guter Straßen, Brücken u. drgl. ein und für allemal zu heben und die Wiederkehr solcher Mißstände zu erschweren.
Unsere anfängliche Behauptung, wie es nützlich sei, daß die zur Oberleitung') der gesummten Boden- und Gewerbsindustrie bestellten Behörden mit dem volkswirthschaftlichen Prinzip in eine mehr nähere Berührung gesetzt werden, wird auö der bisherigen Deduktion gerechtfertigt hervorgehen.
Wir wünschen also, daß Behörden, die bisher getrennt zuweilen schroff gegenüber standen, in ein Verwaltungssystem vereinigt werden, wir wollen also keine Aufhebung dieser Mittelstelleu, was sich auch staatswissenschaftlich nicht rechtfertigen ließe, sondern wir wünschen lediglich deren Zurückführung auf die Basts der BolköwirthschaftSlehre. Wir verlangen nicht, daß die Oberforstämter, als die Oberleiter der Wald- boden-Jndustiie, vom Erdboden verschwinden, sondern daß sie aus ihrer isolirten speziell-forstlichen Stellung heraustreten, in ihrer Reduktion auf den Boden der Nationalökonomie, mit dieser, Hand in Hand mit dem Prinzip des Staates, wie er sein soll, gehend, fernerhin für das Volkswohl, ein^woh'thätiges Ganze bilden.
Deutschland.
Q Dillenburg, 21 October. Gestern Abend hat der hiesige Gesangverein „Orpheus" dem derzeit hier anwesenden Rcichstagsdcputirten, Hrn. Hofgerichts-Pro- curator Schenk, ein Ständchen gebracht. Es geschah dies in gerechter Anerkennung der Verdienste, welche sich Hr. Schenk durch seine würdige Haltung in der hohen Reichsvcrsammlung erworben hat. Hat Hr. Schenk
*) Nicht mit der Regierung zu identifiziren. Änm. d. Eins.
zweiten Kurs mitgemacht , haben sich als Bauaufseher oder Werkführer befähigt, sobald sie nur die ArbeitSvor- theile erlernten, oder sie können zu den Fachstudien einer polytechnischen Schule übergehen. Für unsere nassauischen Techniker ist sehr schlecht gesorgt; denn die Gymnasien bereiten nicht auf die höhere Studien der Technik vor. Viel Zeit wird hier für das Erlernen der fremden Sprachen verwendet, die doch am Ende dem Ingenieur, dem Maschinisten, dem Architekten, dem Forstmann', dem Fabrikanten ganz nutzlose Dinge sind. Darstellende Geometrie, konstruktives Zeichnen, technische Mechanik re erfordern viel Zeit und große Anstrengung und können nicht in dem Plane der Gymnasien stehen, welcher auf die humanistischen Studien hinarbeitet. Um auf unsere Sache wieder zurückzukommen, wird bemerkt, daß nicht Nur das Meisterwerden seinen Weg dnrch eine unparteiische strenge Prüfung nehme, sondern auch der Zahl nach etwas mehr beschränkt werde. Man wird diese Vorschläge , die bisher so viel wie nicht beobachtet wurden im Interesse oeö Gedeihens der Kunst schwerlich unbillig finden.
Soll noch ein weiterer Haupthebel der Industrie unter« ergesetzt werden; so muß Nassau ein Auge auf den Handel wenden. Die Zölle müssen anshören, denn sie stören den allgemeinen deutschen Handel; deutsche Produckte, daher anch nassauische, müssen mehr über das Meer gc- jchafft werden, denn bisher schafften wir große Summen Geldes für Kaffee, Baumwolle, Häute w. über die See.
auch nicht wie andere Koryphäen des Parlaments durch mächtige Reden die Blicke Deutschlands und Europa's auf sich gezogen, oder auf andere Weise ercellirt, so hat er doch, auf dem Boden der Volkssouveränität stehend, mit den Männern der Linken gestimmt und gewirkt. Wie er in einer kurzen Ansprache an seine Verehrer selbst erklärte, geht es ihm mit dem großen Verfaffungswerke zu Frankfurt zu langsam voran, und es ist das gewiß aus der Seele aller ächten deutschen Manner gesprochen. Oder sollte sich wohl hier das Wort, „was lang währt, wird gut" bewähren! Möchte es so sein! Aber nein, wir täuschen unS nicht und sehen das rollende Rad der Zeit absichtlich gehemmt und aus den Blüthen und Blumen, die der ewig denkwürdige Frühling 1848 erspn'cßen ließ, sind uns bis heute nur spärliche Früchte zugewachsen. Schon decken die fallenden Blätter des Herbstes die Erde, und wie sie, liegen viele unserer süßen Frühlingshoffnungen, von keckem Uebermuthe in Staub getreten, zu unsern Füßen. Armes Deutschland, wann wirst du genesen! wirst du jemals wieder werden, was du früher warst — ein glückliches, geachtetes, starkes, mächtiges Deutschland! Heute bauen deine Söhne ein neues Haus, aber eS will nicht vorwäitS damit, denn sie bauen mit Worten, aber nicht mit Thaten. Das hat man schon mehrere Jahrhunderte gethan, und siehe: darum kamen Deutsch, lands Völker immer zu spät und hatten das Zusehen, wenn die Fremden kamen und lachend |bte Früchte einthaten. Das darf ferner nicht mehr geschehen. Eine Fülle von Kraft, eine weltbezwingende, wohnt ja in unserem Volke; erkenne sie Deutscher, und verzage nicht Laß dich nicht wieder in Schlaf lullen, Hale die Augen offen und bleibe wach! Du gähntest freilich schon, das hatte das lange Zuwarten gethan und die ellenlangen Parlamentspredigten; thue das nicht mehr, sei wach, sei männlich und sei stark! — Drum macht es kurz, ihr Männer zu Frankfurt und ihr Volksvertreter überall, bauet rasch und kühn, damit der stolze Dom, von dem wir Alle so schön in den Frühlingstagen geträumt, nicht zu einem armseligen Hause, das biè West- vorr Nord- stürme wegfegen, zusammenschrumpfe!
□ Katzenellenbogen, 29. Octbr. Die Beschlüsse der ersten in unserer Gegend am 22. Octbr. auf der Krambekger Haide gehaltenen Volksversammlung haben bei der ganzen umwohnenden Bevölkerung den lebhafte- sten Anklang gefunden. In der heutigen Sitzung des hiesigen demokratischen Vereines wurden dem Vorstände die Gesuche von 16 umliegende, Ortschaften zur Übersendung an unsere Stândekamner übergeben, welche im Anschluß an das Gesuch der Volksversammlung, die Kammer bitten, die Regierung ânzugehen : „eine der wichtigsten Versprechungen des 4. März endlich zu erfülle!:", und sofort
die Bürgerwchr im ganzen Lande zu organisiren; ein allgemeines Bürgcrwehrgefttz zu entwerfen, zur Berathung vorznlègen und in Kraft treten
Der Hausirhandel muß eine Beschränkung erfahren, denn die gesessenen Kaufleute geben ihre Steuer und können gegen Fremde Schutz ansprechen. Es müssen an ver. schiedenen Orten deS Hcrzogthums Gemerbhallen ange- legt werden, in die Handwerker Arbeitsstücke oder Muster und Modelle zum Verkäufe ausstellen. Das Handels- genie muß durch Unterricht so wie durch Neisemittel Begünstigungen erfahren, damit Nassau einst im Aus- lande einen Namen erhalte. Eben so wäre in Wicoba. den im Monate Juli eine allgemeine nassauische Gewerbe- ausstellung nebst einer großen Verlosung anzuordnen, mit der auch zugleich eine Preisvertyeilung verbunden sei. Preiße für ausgezeichnete Gewerbe-hegen stände wür« den gewiß noch weit mehr ermuntern und daS Genie ansporneu, als die Messer, Bücher und Spinnräder des laudwirthschafclichen Vereins. Es ist zu beklagen, daß auch unser nassauischer Gewerbstand stiefmütterlich bc- bedacht wurde. Jngleichen müßte der bestehende Gewerbs- verein neu organisirt und durch ein eignes technisches Blatt dem Dinglerschen Journale ähnlich, belehrt und unter- halten werden. Auch müßte derselbe eine wandernde Bibliothek besitzen, die nur technische Schriften und Zeich. nungen zählt.
(Fortsetzung folgt.)