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lich mit Fahnen verzierten großen Saale des englischen Hofes traten heute zwischen 9 und 10 Uhr nahe an 200 Abgeordnete von demokratischen Vereinen aus den verschiedenen Theilen Deutschlands zusammen. An aus­wärtigen Celebritäten nahmen wir unter den Anwesenden wahr: Bayrhoffer aus Marburg, Georg Fein aus Bremen, Erbe aus Altenburg, F". Beust aus Köln, Peterie aus Schweidnitz, Asch und Hoyoll aus Breslau, Minkwitz aus Dresden, Bamberger aus Mainz, Krack­rügge und Berlebsch aus Erfurt, A. Ruge und Oel­kers aus Leipzig, Rempel aus Bielefeld, Wislicenus aus Halle u. a. m. Der Congreß wird durch einige, angemessene einleitende Worte von Kriege als eröffnet erklärt und es wird, auf den Antrag des Centralaut- schusscs, Georg Fein durch Acclamation zum Präsiden­ten ernannt; zu Vizepräsidenten werden ernannt: Dr. Asch und Professor Bayrhoffer; zu Sekretären: Hilde­brand aus Gießen, Th. Held aus Osterfeld (Sachsen), Lüders aus Stettin, Kierbach aus Leipzig. Als Anrede wird auf Fein's Antrag das WortBürger" gewählt. Alsdann traten die verschiedenen Kreisausschüsse zusam­men, um aus ihrer Mitte eine Commission zur Prüfung der Wahlvollmachteu zu ernennen. Hierauf wird die Liste der bisher Gemeldeten verlesen und es entspinnt sich durch A. Grün's Anlaß eine Diskussion über die Frage, ob die Mitglieder des märkischen Kreisauoschusses als solche ein Recht zum Sitze in dem Congreß ha­ben. Auf Hcramer's Antrag wird jedoch die Beschluß­nahme hierüber bis nach der Berichterstattung über die Wahlvollmachten verschoben. Die Versammlung ver­tagt sich nach 11 Uhr, um heute um 3 Uhr zur An­hörung des Berichtes ihrer Prüfungs-Commission wie­der zusammenzutreten. (B. Z.-H)

Berlin, 26. Okt. Wir haben (meldet heute die Spencrische Zeitung) Nachrichten aus Wien bis zum 24., Abends 8 Uhr, wo der Eisenbahnzug von dort abging, erhalten. Sie stammen auS den Mittheilungen der von dort kommenden Reisenden. Am Montag (23.) Morgens um 8 Uhr vernahm man in Florisdorf Plötz- - lich Kanonendonner von der entgegengesetzten Se-te der Stadt, aber wegen der großen Entfernung nur schwach. Ueber seine Veranlassung geb es nur Vermuthungen. Man konnte glauben, daß die Ungarn den ârnus Jellallich im Rücken angegriffen haben, oder auch, daß die Wiener einen Ausfall gemacht hätten. Der General Fürst Windischgrätz hatte bereits am 23. seine Artillerie an der großen Eisenbahnbrücke bei Florisdorf auffahren lassen. Ihr gegenüber stand die der Wiener. In Folge der obenerwähnten Kanonode begann diese nun auch an der Brücke von Florisdorf, und zwar in Intervallen bis 4 Uhr Nachmittags, wo die Kanonade um Wien herum eröffnet zu sein schien, denn der Donner der Kanonen dauerte unablässig. Gegen fünf Uhr gingen die Wiener, welche gut gefeuert hatten (ein Schuß streckte z. B. drei Kanoniere aus einmal nieder), von der ersten Brücke bei Florisdorf ab und steckten bei dem Uebergang über die zweite diese, eine sehr große Holz brücke, in Bränd, so daß das Feuer den Him­mel röthete. Auch noch auf andern Punkten saih man Feuer­säulen. Man erzählte, daß die Wiener 2 Schiffbrücken, welche der Fürst Windischgrätz über die Donau geschla­gen hatte, genommen und behaupt t hätten, feiner, daß die Bürger und Studenten einen Ausfall gegen I lla- chich gemacht hätten, aber mit großem Verlust zurückge- trieben worden waren. Um 8 Uhr hatten die Solda­ten bei Florisdorf ein paar verwundere Bürger zu Ge­fangenen gewacht und 200 Gewehre nebst 3 Kanonen erbeutet. Geschossen wurde mit Zwölfpfündern. Die Nachrichten über die Ungarn sind widersprechend. Nach einigen Angaben sind sie wirklich zu Schiffe angelangt Und haben den Kampf begonnen, nach andern sind sie abermals zurückgegangen. In Preßburg selbst wußte man nichts Zuverlässiges, die Stadt aber war voller Truppen. Alle auswärtigen Diplomatèii haben Wien verlassen. Das Hauptquartier des Fürsten Windisch- gräß war am 24. October Nachmittags in Schönbrunn. In dem Dorfe Hiezing, in welchem das Schloß liegt, befanden sich auch sämmtliche Diplomaten. Bei der Abfahrt der Reisenden aus Florisdorf dauerte das Bombardement fort; entschieden aber war noch nichts, auch eine Uebersicht der Resultate nicht zu ge­winnen.

Wien, 22. Oktober, Vormittags. Die Stimmung ist eine kriegerische und zugleich gegen den Hof höchst erbitterte; tn allen Manifesten von Olmütz wird der NameFerdinand" vom Volke abgerissen, und was bis jetzt fast unerhört war, überall hört man die Aus­drücke maßloser Erbitterung gegen die einzelnen Per­sonen des Hofes, ja sogar gegen den Kaiser selbst. Jeder Einzelne wirft die schwere Verantwortung für alles Unglück, welches Wien heimsucht, auf den Kaiser und seine" Rathgeber, jeder fühlt es, daß das Manifest vom 16. den Sturz der Dynastie unvermeidlich herbei- führen muß. So eben sind wieder zwei Compag- Ulken von der Armee Windischgrätz zum Volke überge­gangen; sie werden mit Kanonenschüssen verfolgt und ein Mann soll geblieben sein.

Robert Blum hielt am 23ten Nachmittags halb 4 Uhr in der Aula vor einer zahlreichen Versamm­lung eine lange Rede, in der er die Heldensöhne Wiens zur Ausdauer bis auf den letzten Blutstropfen ermahnte. Er, der Redner und die anderen Abgesandten der Linken von Frankfurt, würden mit den Heldensöhnen Wiens stehen und fallen! ,./

Die Augöb. Aüg. Zeitung schreibt über die neuesten Ereignisse in Wien:

Wien, 23. Okt.Mit der Belagerung Wiens, mit seinem etwaigen Bombardement und Falle scheint mir der Dynastie die Art an die Wurzel gelegt. Schon gestern Abend hörten wir durch Tyroler Schützen, daß bei dem ersten feindseligen Angriff auf Wien, Salzburg und Botzen gesonnen seien, sich zu Baiern zu schlagen.

Wien, 24. Okt., Nachmittags 2 Uhr. Die Nuß­dorfer Wasserleitung wurde von den Truppen zerstört. In mehreren Vorstädten herrscht bereits Wassermangel. Heute sprach man von Zerstörung des Franzmonuments auf dem Burgplatz; doch sind bis jetzt nur äußere Ornamente davon abgerissen worden. Bis Freitag ist Waffenstillstand, gibst Windischgrätz ist nach Olmütz berufen. Eben bringt man einen Gefangenen von den Vorposten, der ein bekannter General sein soll. (A. Z.)

Diedeutsche Reform" theilt folgendes Schreiben von Windischgrätz mit:

Der Kaiser hat den Reichstag bis zum 15. November vertagt, und ihn dann nach Kremzier (einem zwischen Olmütz und Brünn gelegen n Schlosse) be­rufen.

Mit dem Reichstage zu unterhandeln, übersteigt meine Vollmacht, da ich denselben blos als eine consti- tuireude Versammlung kenne. Minister Kraus ist nicht frei, sondern als Gefangener zu betrachten. Die tin- zige legale Behörde, die ich in Wien kenne, ist der Ge­meinderath, welcher mir untergeo duet ist. Im Ucb- rigen gebe ich der Stadt 24 Stunden Bedenkzeit.

Windischgrätz."

Ratibor, 25. Okt. Das Bombardement Wiens bestätigt sich. Windischgräß wurde angegriffen. Bom­ben wurden in die «stabt geworfen, welche letztere an verschiedenen Seiten brennt. Die Legion (16,000 M.1 hat auf Jlüachich einen Angriff gemacht. Dieses erzählt mir so eben ein aus dem Lager Windischgrätz's mit dem Nordzuge kommender Beamter. Die Ungarn sol­len jedoch im Anmarsche sein. Das Heer Windisch­grätz's wird auf 70 bis 80,000 Mann angegeben. Mehrere Brücken sind in Brand gesteckt. Das Bom­bardement begann gestern Morgen um halb 9 Uhr, und in diesem Augenblicke soll es noch anhalten. Sicher 60.000 Mann Ungarn stehn 2 Me len von Wien.

(Berl. Voss. Z )

Breslau, 25. Okt. Nachmittags 4 Uhr. Der Wiener Postzug ist zwar so eben eingetroffen, hat aber weder Zeitungen noch Briefe mitgebracht. Ein einziger Reisender, ein Engländer, welcher der deutschen Sprache nicht mächtig war, langte mit demselben an. Da bis jetzt anderweitige zuverlässige Nachrichten mangeln, so müssen wir uns darauf beschränken, die Aussagen dieses Reisenden mitzutheilen. Derselbe machte ge­stern Nachmittags 3% Uhr einen Versuch, in die Stadt zu gelangen, um dort einige wichtige Geschäfte abzuwickeln. Allein vergeblich. Um diese Zeit schon habe er einzelne Schüsse vernommen, bald aber habe sich ein regelmäßig rollendes Gewehrfeuer entwickelt, mit anhaltendem Donner der Kanonen untermischt. Die Entfernung des Beobachtungspunktes war Ursache, daß er nicht unterscheiden konnte, ob ein Zusammen­stoß der Ungarn, deren Annäherung auf Donauschiffen er früher wahrgenommen hatte, mit den kaiserlichen Truppen stattfinde, oder ob Windischgrätz, treu seiner ausgesprochenen Drohung, Wien bombardire. Der Reisende glaubte sich für das Letztere entscheldcn müssen, da er vor seiner Abfahrt Abends um 8 Uhr deutlich bemerkte, daß Wien an zwèi Orten in Flam­men stehe. Auf seiner Weiterreise hörte er die Gerüchte sich wiederholen, daß die Deutschen in Böh­men sich für die Wiener erhoben hätten und ein Theil des kaiserlichen Militärs vor Wien abgefallen und zum Volke übergegangen sei.

Breslau, 25. Okt. Abends 6 Uhr. Außer dem pben angeführten Engländer ist doch noch ein zweiter Reisender aus Wien angekommen. Letzterer besucht so eben das Redaktions-Büreau, und theilt Folgendes mit, was wir wohl als sicher verbürgen können, da der Erzähler unS bekannt ist. Der Referent kam vorigen Sonnabend (wir folgen treu seinem Berichte) in Flo­risdorf an, konnte jedoch nicht in die Stadt Wien ge­langen. Schon Tages vorher war die dortige große Eisenbahnbrücke von den Wienern demolirt und nur einzelne Bohlen über die Lucken gelegt worden, damit die fortwährend ein- und ausgehenden Parlamentäre über die Donau gelangen konnten. An den Aus­gängen der Brücke stand aus der einen Seite Wiener Artillerie, auf der anderer Seite die Artillerie des Windischgrätz aufgefahren. Am Montage hörte different Kanonendonner von der entgegengesetzten (Süd-) Seite der Stadt her, den man aber der großen Entfernung wegen nur schwach vernehmen konnte. Einige vermutheten, daß die Ungarn einen Angriff versuchten, Andere meinten, daß die Wiener einen Ausfall gegen die Kroaten (bekanntlich steht Jel- lachich dort) machten. Genug, in Folge dieses Ge­fechtes ließ Windischgrätz sofort bei Nußdorf eine Schiff­brücke schlagen und setzte mit einem großen Theile seiner Truppen dort über die Donau. Indem Win­dischgrätz diese Stellung im Westen der Stadt ein- nahm, vollendete er nicht nur die Cernirung von Wien, sondern war auch mit Jettachich in engster" Verbindung und im Stande, den Kroaten sofort beizustehen, wenn

sie von den Ungarn angegriffen werden sollten. Den Wienern wurde nun, wie man sich in dem Lager bei Florisdorf erzählte, von Windischgrätz eine perem- torische Frist bis Dienstag früh gestellt, bis wohin sie entweder die Waffen niederlegen sollten, oder er sofort das Bombardement beginnen würde. Was die Wiener geantwortet, konnte man natürlich in Florisdorf nicht erfahren, da Windischgrätz sich bei Nußdorf befand; allein jedenfalls muß es eine abweisende Antwort ge­wesen sein, denn gestern (Dienstag) um 9 Uhr begann, wie angedroht war, das Bombardement. Dasselbe fand nicht zugleich von allen Seiten statt, denn man hörte zu Florisdorf den Kanonendonner nur schwach, und zwar von der Westseite der Stadt her. Doch fielen auch einige Schüsse aus den Geschützen, die an der oben bezeichneten Brücke bei Florisdorf standen. So wurden um 11 Uhr, in der nächsten Nähe des Referenten, bi ei Artilleristen durch einen Schuß von der Stadt her zu Boden gestreckt und bald darauf durch einen zweiten Schuß von eben daher zwei Bäuine darniedergeschmettert. Nachmittag um 4 Uhr ward jedoch das Bombardement allgemein uud der Donner des Geschützes dröhnte fast ununterbrochen fort. Bis jetzt hatten die Wiener immer noch das Ufer jenseits der ersten Eisenbahnbrücke bei Florisdorf besetzt gehal­ten, aber von 5 Uhr ab zogen sie sich zurück und steckten, um die Verfolgung zu hindern, die zweite große Eisenbahnbrücke (bekanntlich ist dieses Meisiir- werk ganz von Holz) so wie die andere Fahrbrücke in Brand. Einige Zeit vorher war auch im Westen der Stadt ein Feuer aufgegangen, wie man schon bei Tage an dem vielen Rauch bemerken konnte; zur Zeit aber, als Berichterstatter absuhr, war jener Brand, so wie der der Brücken so stark, daß er den ganzen näch- lichen Himmel über der Stadt mit einer glühenden Nöthe übergoß. (Bresl. Z.)

Olmütz, 23. Oktober. Einem Gerüchte zu Folge hat die Studenten-Legion Wiens einen Ausfall inS kroatische Lager gemacht, ist aber umzingelt worden und ließ mehr als die Hälfte ihrer Zahl todt am Platze zurück.

Galizien hat seinen eigenen Landtag ernannt. 1000 Hannaken zogen in Olmütz ein mit schwarz­gelben Fahnen und weiß-rothen Leibbinden, um Sr. Majestät zu huldigen. Nachmittags trafen eben so viel Weiber und Kinder ein. Der königl. preußische Generallieutenant Thiele, der baierische Gencrallieü- tenannt Zollern, dann der kaiserl. russische Botschaf­ter Medem sind in Olmütz eingetroffen. In jeder Provinz des Kaiserstaates soll eine eigene Landesver­waltung geschaffen werden, daher nur drei Ministerien, Krieg, Finanzen und Auswärtiges für den Kaiserstaat verbleiben, wodurch das Jsoliren der Nation gehoben werden dürfte. (Bresl. Z.)

Schweiz.

Bern, 19. Okt. Nach Privatbriefen derBerner Zeitung" habe das Volk und Militär Karl Albert ge­zwungen, sich zu erklären, ob er Krieg oder Friede haben wolle. Der König habe die baldige Eröffnung der Feindseligkeiten in Aussicht gestellt.

Belgien.

Brügge, 28. Okt. In unserer guten Stadt war­fen die Arbeiter die Fenster ein, um der Wohlthaten der Gefängnißkost thcilhast zu werden. Die Bourgois- Journale verwandelten diese Symptome unserer sozia­len Krankheit gern in muthwillige politische Erneuten. Was bedeuten ihre breiten Bettelsuppen gegen die Thatsachen der 12,000 Paupers allein in der guten Stadt Brügge!

Italien.

Genua, 15. Oktober. Der Aerdrang um Wieder­eröffnung der Feindseligkeiten wird immer heftiger und Karl Albert wird am Ende, wie im Frühjahr, wieder losschlagen müssen, wenn er seine Krone sich erhalten will. Im Neapolitanischen, wo die letzten Spuren von Unruhen im Kalabresischen verschwunden sind, beginnt Handel und Verkehr wieder aufzuleben.

(Schw. M.)

F r a n k r e ich.

Paris, 26, Oktober. Die Börse war heute in vollem Steigen. Es hieß, aus Wien sei eine ansehn­lich höhere Notirung der österreichischen Metalliqnes eingetroffen, und der Frieden sei unterzeichnet zwischen Oesterreich und Italien in Folge der englisch-französi­schen Vermittlung.

Aus Turin wird berichtet, daß sich die Deprr- tirtenkammer am 21. mit großer Majorität zu Gun­sten der Verlängerung deS Waffenstillstandes mit Oester­reich ausgesprochen hat.

Neueste Nachrichten.

Wien, 25. Okt., I3; Uhr Nachmittags. So eben wird der Minister Kraus zu Windischgrätz ins Lager berufen. Man knüpft hieran die Hoffnung, daß letz­terer versöhnlich gestimmt sei. Diese Nachricht hat an­genehme Sensation erregt. (A. )

Die neuesten Wiener Blätter vom 25. sprechen alle die natürliche Entrüstung aus, welche diè maß­losen Forderungen des Fürsten Windischgrätz hervor-