Subvenkkons - Gehalt sofort ganz Wegfällen. — Auf diese Weise wäre nach allen Seiten Liecht und Billigkeit gewählt, und allen befürchteten Uebelständen ab- geholfen. — _ , ,
Es läßt sich übrigens anuebnien, daß, wer einmal zum obersten Kirchenbeamten erwählt werden, auch in den meisten Fällen, wieder erwählt werd!» wird. Nur muß die Möglichkeit gegeben sein, i)-', wenn er nicht taugt, ersetzen zu können. -
Soviel über diesen Punkt. Nun kommen wir noch au eine Hauptsache, an das Veto, das famose Veto, das die Gemüther schon so oft aufgeregt hat.
Nach dein Anträge des Prof. Spieß soll dem Vorsitzenden ein Veto zugestanden werden und zwar in so ans edebuter Weise, daß er alle Beschlüsse der General -Synode, die ihm nicht Zusagen, suspeudücn kann bis zum Zusammentritte der nächsten General- Synode. — Das wäre beinahe ein unbedingtes Veto, denn in vielen Fällen wird er die Ausführung aller Beschlüsse, nachdem er sie 3 Jahre hinausgeschoben, ganz hintertreiben oder doch unwirksam machen können. Und nicht etwa, daß dem Landes-Kirchenvor- stanke in seiner Gesammtheit das Veto zust Heu solle, nein, das Veto soll in di ' Hand eines Einzelne n, d's Vo sitzenden, gelegt und aus diese Weise ein leibhaftiger Papst geschaffen werden.—Gott bewahre uns vor solcher freien Kirchen-Verfassung. Wir wollen hoffen, daß die General-Synode einen solchen die Freiheit vernichtenden Beschluß nicht adoptirt. Sonst kamen wir aus dem Regen in die Traufe.
Das zweihunderijährige Jubiläum der Elsässer.
Straßburg, 23. Okt. Das Elsaß feiert die zwei- hundertjahrige Vereinigung mit Frankreich. Wer die Pracht und' den Jubel mit arsicht, mag um so mehr von dem Wahne geheilt werden, daß das Elsaß einer Wiedervereinigung mit dem deutschen Mutterlande nabt abhold sei, als die ganze Feier in Waffen vor sich geht u::b durch die Theilnahme der Linie« truppen, die Stockfranzosen sind, einer militärischen Demonstration gar nicht unähnlich ist.
Ganz seltsame Gedanken rief der Transparent bei dem Brillantfeuerwerk in mir hervor: ü la France pour toujours! Diese Worte waren nicht weniger der Glanzpunkt der Demonstration, als des Feuerwerks; sie drückten den totalen Grun^ton des Festes aus und in Betracht, daß diese Aufschrift von deutschen Franzosen stammt, einen wesentlichen Theil des deutschen Charakters. Der Franzose ist und bleibt Franzose in Westindien, in Algier :c. wie in seiner Heimath, der Engländer bleibt Engländer in China wie in seiner Hei- mach, die Engländer in Nordamerika blieben englisch, d. h. sie erhielten Sprache und Sitten, die Hiiigthü- m r aus dem Mutterland, in teuer Verehrung und Pflege, und sagten sich in ihrem Unabhängigkeitskriege einzig los von der Tyrannei der englischen Dynastie, erklärten sich für freie Engländer in dem freien Ame- nka. — Aber der Deutsche? — Er wird in Batavia holländisch, in Italien welsch, auf der Krimm russisch, im freien Westen amerikanisch-englisch und M Elsaß französisch. 200 Jahre ist das von den deutschen Fürsten verpfändete und zuletzt ganz ab- g?tietene oder verkaufte teutsche Elsaß unter Fra k- reich, und der Gaskogner prahlt weniger mit seinem • Franzoser,thum als der Elsasser und kein Napolev.ide ; schnupft so geläufig und rücksichtslos aus Deutschland, ; wie der Elsaßer. A la France pour toujours! Auf i ewig französisch! ruft er über den Rhein und weiß : nicht, daß er sich also das gleiche moralische ^lrmurhs- zeugniß ausstillt, welches das thatiose Volk da drüben in dem f igen Geschrei rach Verbesserung seiner , Zustände sich ausstellt. Ein- unverbesserliches Volk ist keiner Verbesserung seiner Zustande werth, sondern einer
immer drückender werdenden Tyrannei. Aber ist der dkutschfranzösische Elsâßer besser als der Deutsche? Ich glaube nicht. Denn wäre er fähig gewesen, sich freie Institutionen zu erringen, so hätte er dieselben nicht von Frank eich eingetauscht gegen Hingabe der Heilig- thümer eines Volkes, als da sind Sprache, Sitten rc. Der Elsäßer hätte sich im andern Falle diese Freiheiten selbst errungen, wie der Amerikaner, und mit der neuen Freiheit die alten Sitten der Heimath und des Vaterlandes gcr.tt t. — Wäre das deutsche Volk schon jemals im strengsten Sinne eine freie, große, selbstständige Nation gewesen, so konnte man glauben, sie sei im Versinken begriffen. Weil sie aber aus dieser Stufe des Ruhmes noch nicht stand, so berechtigen, trotz allen Miserabliitäteu der deutschen Gegenwart und Vergangenheit, die herrlichen Mittel d s Wissens und der Kraft, die in Deutschland schlummern, zu der tröstlichen Annahme: daß auch diesem Volke noch eine Geschichte blühen mag, wie j der selbstständigen Nation, die auf ihre Vorzeit stolz fern darf. ' (VolkSfr.)
Nationalversammlung zu Frankfurt.
103. Sitzung.
(Schluß.)
Vogt fährt fort: Ein anderes dynastisches Bestreben, das der Herren Biedermann und Waitz, geht dahin, Oesterreich von unS auszuscheiden, um dann eine andere Dynastie an die Spitze Deutschlands zu stellen. Aber deshalb soll man einen ganzen deutschen Volks- stamm von Uns losreißen? Freilich gehört eine gewisse Aufopferung dazu, von einem ganzen Staate wegzugehen, ii n sich a >. uns auzuschiießen. (Bravo! Sehr gut!) So sei auch das E.faß deutsch in Sitten und Gebräuchen- in allem, was dem Bürger angehört, aber politisch wird er sich an Deutschland nicht anschleßen, weil er bei einem fremden Lande die Freiheit fand, die ihm in Deutschland versagt wurde, das ist der tiefe G-und der poDiHm Gesinnung im Elsaß. (Bravo! sehr gut.) Ich und meine Freunde werden für §. 2 und 3 stimmen, weil wir darin die Anbahnung der Freiheit der Nationalität sehen; wir erkennen die Berechtigung jeder Nalionalitat an, sich vom G sammt-Ocss rreich lvs- zureißen, Ha'wu auch die der Kroaten anerkannt, so lange es sich nur um deren Freiheit handelte, seitdem aber Jellachich, anstatt seine Croaten zu befreien, sich zum Werkzeug der Camarcha für die Unterdrückung Ungarns hergab, wurden wir ihre Feinde. (Beifall, von der Rechten Zischen.) Wir sind uns cousquent geblieben aus unserem Prinzip Hei aus, ohne Nebenrück- ficht-n. Wir jauchzen j-.ber Nationalität zu, die sich befreien will, sobald sie aber eine andere unterdrücken will, treten wir ihr in Gemäß) eir unsires Prinzips entgegen. — Reden, wie die Webers, habe man schon im März in Oesterreich gehört. Damals seien die Kapuziner im Lande herumgezogen und hätten den absoluten Kaiser g-predigt, jetzt ziehen sie gerinn und predigen den corsUut o ellen Kaiser. Die Tyroler, die die Coustitu- tiou, die sie aber an vc-damm: hatten, mit beiden Händen annahmen, werden auch das Ergebniß der neuen Bewegung, das jetzt dort verdammt wird, mit Freuden annèhmen. (Bei Erwähnung der Trennung von Kirche und Schule erschallt aus der Gegend, wo Lassaulr fitzt, mehrfache Unt rbrechung, man ruft nach Ruhe, Vicepräsident leistet b. m Folge, es bleibt ruhig.) Meine Herren, lösen Sie das Band, das um die verschiedenen Nationalitäten die Gewalt gelegt hat und Sie werden sehen, daß büfe selbst finden werden, was ihnen gut ist, und das Bündniß mit Deutschland selbst verlangen werden, das sie j tzt, wenn man sie dazu zwingen wollte, von sich stoßen würden. (Beifall.) Noch ist es Zeit, den Bestrebungen des Panslavismus eine Glänze zu setzen durch Anerkennung der einzelnen slavischen Nationalitäten. Schmieden Sie sie jetzt in ihre Mona chie zusammen, so weiden sie. sich einst als Ganzes dem Pausa
vismus in die Arme werfen. So werden Sie die deutschen Interessen am besten wahren! (Anhaltender Beifall.)
Ma reck gibt in längerem Vortrag eine Darstellung der Verhältnisse der einzelnen slavischen Stämme, ihrer Bestrebungen, ihrer Wünsche und ihrer politischen Beziehungen. Sie seien mit allen Nationen, die den österreichischen Gesammtstaat bilden, einverstanden, daß dieser aufhören müsse; sie sämmtlich rüsteten sich, einen eigenen selbstständigen Staat zu bilden und wolle Deutschland das nicht ebenfalls thun, so verdiene es nichts anderes als den Druck des Despotismus.
Groß aus Prag spricht ebenfalls gegen ein blos völkerrechtliches Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich, gegen die Abtrennung der österreichischen deutschen Länder von Deutschland und für die §§. 2 und 3.
Man ruft nach Schluß. Präsident von Gagern betritt die Tribüne. Man ruft stärker nach Schluß. Endlich läßt Vicepräsioent abstimmen; der Schluß wird abgelehnt.
v, Gagern stellt den Antrag: Oesterreich bleibt, in Berücksichtigung seiner staatsrechtlichen Verbindung, mit seinen nichtdeutschen Ländern und Provinzen mit dem übrigen Deutschland in einem beständigen und unauflösbaren Bunde. Die organischen Vestimmungeu für dieses BundeSverhältniß, welche die veränderten Umstände nöthig machen, werden Inhalt einer besonderen Bundesakte; — und vertheidigt denselben noch wcitläuftig. Sein Hauptgrund ist, daß durch die vorge- sch'agene Zerreißung Deutschlands die deutsche Einheit am besten befördert werde. — Die weitere Debatte wird — nachdem 27 Redner gestochen, immer noch einmal vertagt.
104. Sitzung.
In der heutigen Sitzung wurde, nachdem noch eine Reihe Redner, darunter namentlich Wurm mit einer hinreißenden Rede für den Majoritätsantrag über die Paragraphen 2, 3 und 4 des Verfassungscntwurfs gehört worden waren, die Debatte darüber für geschlossen erklärt und nach langer und verworrener Berathung über die Feststellung zur Abstimmung geschritten. §. 2: „Kein Theil des deutschen Reichs darf mif nichtdeutschen Ländern zu einem deutschen Staate vereinigt sein," wird, nachdem mehrere Amendements, darunter auch das gestern erwähnte des Hrn. von Gagern, von ihren Urhebern zurückgezogen waren, bei namentlicher Abstimmung mit 340 gegen 76 Stimmen angenommen, der Minoritätsantrag lautend: „Insofern die eigenthümlichen Verhältnisse Oesterreichs die Ausführung dieses Paragraphen hinsichtlich desselben nicht zulassen, soll die an- gestrebte Macht und Einheit Deutschlands im größtmöglichen Maße durch den innigsten A sschluß Oesterreichs an Deutsckland im Wege des völkerrechtlichen Bündnisses zwischen der Reichsgewalt und der österreichischen Regierung erzielt werden" mit 375 gegen 38 Stimmen abgelehnt. Der Zusatzantrag Kaisers aus Wien: „Die Verhältnisse Oesterreichs bleiben de- sim irer Anordnung vorbehalten" wird ebenfalls mit 318 gegen 103 Stimmen abgelehnt. Ueber §. 3 wird durch Stimmzettel abgestimmt und derselbe mit 316 gegen 90 Stimmen angenommen.
Deutschland.
Mannheim, 28. Oktober. Wie die „Mannh. Abdztg." (und mit ihr übeieinstimmend die „Freib.Z.") aus Thiengen meldet, ist bei der vorgestern dort statt- gehabteu Wahl zur Nationalversammlung daselbst Dr. Friedrich Hecker abermals und zwar mit größerer Stimmenmehrheit als früher gewählt worden.
Berlin, 26/Oktober. Demokratischer Con- greß. Zu dem einfachen, aber geschmackvoll uament-
so haben wir ein vorzügliches Material für die Kunst- gießerei. Werden in der nächsten Zukunft die Mahl- unv OelmÜhten eine Verbesserung erfahren, wie man sic in vimerika, England, Frankreich, der Schweiz, in Baden und vielen andern Staaten steht, so müssen die dazu geeigneten Gntzchaaren nach gewohnter Weise von dem Yluslande bezogen werden. Kurz, wir arbeiten uns von Jahr Zu Jahr mehr in fremde Uniform, wir besetzen unsere Tische immer mehr mit den Genüssen fremden Himmels, wir zieren unsere Gemächer mit der More anderer Nationen und führen endlich die kostbaren Ma- schinen Englands, Frankreichs rc. in unsere Thäler. Dadurch gehen Millionen von Gulden über Nassau'ü Grenze und die Hunderttansende, die unser Ländchen für seine weltberühmten Weine, Gesundwässer, Schafwolle, Flachs, Weizen erhält, vermögen lange nicht auf der Wage der Nationalökonomie das Gleichgewicht zu halten. Wenn wir recht sehen, so geben wir den Ram ins 'Ausland, um uns eine theure Butter schlagen zu lassen, die wir selbst bereiten könnten. Unserm Vakerlandc hat es ergangen wie Spanien und der Türkei, welche Staaten, da deren Boden Früchte ohne besonderen Anbau im Ueberflussc erzeugt, fast auf alle Gewerbe und Knnstproduckte verzichten, welche der Neuzeit angehören. Man erinnere sich "ur an die Projekte für Gasbeleuchtung, für Eisenbahnen rc. in Konstantinopel. Wo aber der Boden seine Bewohner nicht mehr alle ernähre!', kann, da sehen wir andere Scileu aufssamen. Daher hat sich der Gcwcrb-
ficiß im Elsaß, der Schweiz, dem Schwarzwald, dem Wuxpcrtha-l eine breite Bahn gebrochen. Aus diesen Gegenden erhalten wir unsere Sensen, Sicheln, Pflugscharen, Messer, Gabeln, Feilen, Uhren, Lokomotiven, Nadeln, wollene Tücher, Kattune, Muslinc, Luruswaareu rc., für welche Nassau ein guter Kunde ist. Man könnte leicht einwenden: Wir Nassauer können leben und sollen andere arme Leute, die durch ihren Boden und Himmel stiefmütterlich behandelt sind, von ihrer Häudearbeit leben lassen. Da unser Vaterland einen Westerwald, e i n e n T a li u u s r ü ck e n, w i e ii b e r h a u p t v i e l e a r m e Leute hat so ist jedoch die großartige Vernachlässigung der Industrie ein kaum zu verantwortender Vorwurf. Nicht Jeder kann in Nassau auf eignem Acker sein Brod ziehen, ein Fünftel oder mehr dcr Einwohnerzahl ist dürftig oder arm und diesen kann nur ein blühender Gewerbstand die frischmelkende Kuh sein. Viele, denen cs vor ihrem künftigen Schicksal graute, suchten über dem Meere ein besseres Loos. Andere aber wollen im Lande bleiben und sich redlich ernähren, wenn ; man ihnen nur Arbeit gibt. Diesen Leuten konnte durch H-abrikanlagcn, wie in Karlsruhe, Etlingen, Müllheim, j Esliugen, Mühlhausen, Zürich, Hanau, Pforzheim rc. ein guteö Stuck Brod gesichert werden. Die Spinnerei zu Etlingen hat 1200 Menschen beschäftigt, die keßlersche Maschinenfabrik zu Karlsruhe zäht 1000 Arbeiter und ■ die Hhrenmacherci auf dem Schwarzwalde hat gcgniwär- ; tig noch über 10,000 Gehülfen. Außer den obenge
nannten drei Fabriken hat Baden noch acht andere die sehr bedeutend sind und zu denen vorzüglich die beiden Zuckersiedereien zu Ikeuheusel und Freiburg gezählt werden. Neben diesen elf großen Fabriken finden wir in diesem Lande noch mehr als vierzig kleinere von denen die kleinste nicht weniger als 100 und die größte gegen 500 Arbeiter hat. Die gut besetzten Werkstätten der Handwerker, die ebenfalls eine ungeheure Masse von Menschen beschäftigen, sind auch Beweise für Badens blühende Industrie. Nassau, das nicht viel fruchtbarer ist als Baden und im Verhältniß zur Fläche stärker bevölkert ist, Nassau, dem einst ungeheure Staatsmittel, mächtige Naturkräfte so wie eine für den Handel,günstige Lage zur Hebung der Industrie zu Gebote standen; dieses Nassau blieb von großartigen Unternehmungen ganz befreit, seine industrielle Seite wurde vergessen, verkannt und es mußte mitten in seiner schönen Natnr verkümmern.
In keinem Staate wurde weniger für die Gewerbe gethan, als in unserm Vaterlande.
Eine Maschinenfabrik, wie die keßlersche zu Karlsruhe, würde in Wiesbaden, eine Spinnerei, wie die z" Etlingen oder Müllheim würde auf dem hohen Wcs- terwalde und eine Tuchfabrik im Lahnthal nicht nur die Aktionäre zufrieden stellen, sondern wns weit mehr ist, den Hungernden Brod, den Mäßigen Beschäftigung, der laxen Moral den Tod bringen.
(Fortfttziuig folgt.)