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vorgeht, daß er jenen Artikel von Kirberg den 11. Okt. als'einen wühlerischen bezeichnet, worin der Kirberger Jugend zu verbrecherischen Handlungen hingedeutet wird. Ha! Wie scharfsinnig und fein! Beide Herren Verfasser kann man mit Fug und Recht als Professo­ren der Auslegungs- und Verdrehungskunst empfehlen oder als (Übersetzer freisinniger Artikel derFreien Zeitung." Herr Redakteur, wollen Sie keine Geschäfte mit diesen Herren machen?

Neber das vermeintliche Attentat am Eilwagen werde ich später, wenn mir die Materialien zur Ver­fügung stehen, berichten/) falls nicht eine geübtere Fe­der die Sache wahrheitsgetreu darstellen sollte.

Aus dem deutschen Reiche. Fortwährend langen Unteroffiziere und Soldaten des in und bei Sigmarin­gen stehenden Leibregimentsrgeschlossen in München an, um wegen Widersetzung, Insubordination u. s. w. pro- zessirt zu werden.

Die Reichstruppen von Sigmaringen haben sich jetzt nämlich wieder in einbayerisches" Leibregiment verwandelt.

Die Reichsgewalt hat nach Lübeck Reichstruppen beordert, die chor ihrem Marsche nach LübeckOlden­burger" undMecklenburger" hießen. Unter ihrem Schutze sind viele Verhaftungen vorgenommen worden.

In Obering elh eim sind um 11 Uhr des 23. Oktober preußische Reichstruppen einquartirt worden.

In Hannover haben die Truppen am 18. Oktober die schwarz-roth-goldene Kokarde angelegt.

Den Meiningen' schen und K o b u r g' schen Lan­den ist für den 30. Oktober das Eintreffen von 5000 bis 6000 hannover'schen Reichstruppen mitschwarz- roth-goldner Kokarde" angesagt.

In Altenburg stellte Abgeordneter Delitzsch den Antrag: die Landschaft möge beschließen, daß das Ministerium das Rcichsministerium um Zurückziehung der dahier concentrirten Reichstruppen angehe. Das Ministerium erklärte natürlich, seine Stellung zur Reichsgewalt erlaube ihm keinen solchen Protest.

(N. Rh. Ztg.)

Mainz, 26. Okt. In der gestrigen Sitzung des demokratischen Vereins wurde eine von der Volksver­sammlung zu Niederolm am letzten Sonntage beschlos­sene Adresse an den Justizminister Kilian auf sofor­tige Aufhebung des hessischen Strafgesetz­buches und Wiedereinführung des Code pénal bis zur Vollendung einer allgemeinen deutschen Gesetzge­bung einstimmig angenommen. Wir vernehmen, daß nicht allein sämmtliche demokratischen Vereine von Rhein­hessen, 'sondern überhaupt die einzelnen Gemeinden die Wiedereinführung des französischen Strafgesetzbuches be­antragen werden, so daß also sämmtliche Bürger von Rheinhessen über diese wichtige Frage einig sind.

(Mainz. Ztg.)

Darmstadt, 25. Okt. Aus Rheinhessen sind, wie man uns meldet, zu dem Demokratencongrcß in Ber­lin, abgereist als Abgeordnete die HH. Bamberger, v. Löhr, Hitzfeld und angeblich auch Zitz. (D.Z.)

Hanau, 26. Okt. Der Stadtrath macht heute be­kannt, daß er in Folge der an zwei Abenden stattge­fundenen betrübenden Vorkommnisse die kurfürstliche Regierung um schleunige Verlegung der Garnison er­sucht, daß die Regierung bereits den Antrag hierauf gestellt, und da der Stadtcommandant ohne Befehl den Ausmarsch nicht verfügen könne, ein Regierungscom- missär sich alsbald zum Reichsministerium begeben habe, um den Befehl zu erwirken. Einstweilen sei die Con­signation der Garnison von 5 Uhr an befohlen. Der Stadtrath fordert die Bürgerschaft dringend auf, Rei­bungen oder Exzesse nicht aufkommen zu lassen (F.J.)

Halle, 22. Oktbr. (Magdeb. Z.) Vom hiesigen Kreisausschuß der Demokraten ist Wislicenus als Deputirter für den allgemeinen Demokratencongrcß in Berlin gewählt worden.

, Berlin, 24. Okt. DieNeue Preußische Zeitung" Ritterjn vom Landwchrkrcuzmit Gott für König und Vaterland," die wir dem Publikum derN. NH. Ztg." als Verdauungspulver empfehlen, bringt folgende Neuigkeiten: 1)Vielleicht schickt Jellachich eine namhafte Anzahl aus Wien" nämlich Mitglie­der auf den Demokratenkongreß; 2) von den 84 Ver­einbarer» der Nheinprovinz sitzen 47 auf der rechten Seite, 7 schwanken, 7 gehören zur Linken, 23 zur äußersten Linken; 3) der selbst nach derKölnischen Zeitung" schwachsinnige Ferdinand von Oesterreich, der kaiserliche Idiot, lautet in der Sprache derN. Preuß. Z." also:

Der Kaiser von Oesterreich sitzt auf seinem Thron, und dieser Thron, er steht fe­ster wie ein Fels in den Wogen der Empörung. Wie ein wahrer Herrscher, der stets zugleich ein wahrer Va­ter, redet der Kaiser seine Völker an, und dem Worte folgt die That aus dem Fuße nach, ja sic eilt ihm voran." (N. Nh. Z.)

Berlin, 24. Okt. Heute ist folgendes interessante Plakat angeschlagen:Proklamation des Maschi- nenbau-Arbeiter-Vereins. Die Reaction will Bür­gerkrieg; sie trägt Bedenken, die Demokratie mit offener ') Wir ersuchen Sie recht dringend, dieß doch ja bald zu thun, -tilg. Ztg. gegen die Freie Ztg. 5Westoßenm Berdachtignngen von jedem Gerechtigkeit Lie­benden nach Verdienst gewürdigt werden können. D. R.

Gewalt von Außen zu bekämpfen, darum will sie die­selbe mit Hinterlist im Innern zerfleischen. Und dieser- halb erklären Wir Maschinenbau-Arbeiter als eherne Stützen des demokratischen Fort­schritts offen und fest entschlossen:Bei dem Aus­bruch eines neuen Kampfes zwischen Bürgerwehr und Arbeiter stellen wir uns sämmlich un bewaffn et als Schutz- und Trußwehr der brüderlichen Einigkeit zwi­schen diese kämpfenden Parteien, und nur über diese Leichen führt der Weg zum Bruderkampf. Wagt^aber die Reaktion einen offenen Kampf gegen die gute Sache der Freiheit, dann Bürger und Arbeiter! stehen wir bewaffnet mit Euch in Einer Reihe!"

Die Ministerkrisis ist noch ziemlich unklar. Hr. Pfuel hat seine Demission eingereicht, weil er den Prinzen" nicht contentiren soll, und für die unkonsti­tutionellen Launen einer allerhöchsten Person nicht ver­antwortlich sein will. In Zusammenhang damit mag stehen, daß Se. Majestät das berathene Jagdgesetz nicht sanktioniren will!! wie das Gerücht sagt. Ge­neral Brandt soll das Portefeuille des Krieges an­genommen haben. Gutunterrichtete Leute wollen indeß wissen, daß die ganze Geschichte eine Finte sei und Hr. Pfuel vollkommen im Einverständnisse mit den aller­höchsten Herrschaften handle.

Berlin, 24. Okt. Die gestrige und heutige Ab­stimmung unserer Vereinbarerversammlung, bilden das allgemeine Tagesgespräch. Der sonderbare Umstand, daß gestern die Linke mit einer Stimme und heute die Rechte' mit einer Stimme den Sieg davontrug, ist schon ein Thema, woran sich eine allge­meine Betrachtung knüpfen läßt. Was soll daraus werden, spricht man, wenn die verschiedenen Artikel der Verfassungsurkunde, der eine im Sinne der Rechten, der andere im Sinne der Linken durchgeht, kann das eine Verfassung aus einem Guß werden? Wird nicht vielmehr geradezu ein Artikel dem andern widersprechen? So oft die Partei Unruh , das Centrum oder linke Centrum, wie es sich-selbst gern nennt, mit der Linken stimmt, ist dieser eine Majorität von 70 80 Stim­men gewiß. Wenn diese Partei mit der Rechten stimmt, so wird jedesmal diese Theilung in zwei gleiche Hälf­ten vorkommen. (N. Nh. Ztg.)

Berlin. Gestern, den 23., stand der Literat Hopf vor Gerichts unter Anschuldigung derMajestätsbelei­diguna", deren er sich durch ein Gedicht auf den König schuldig gemacht haben sollte. Auch der Drucker des Gedichts war angeklagt worden. Beide wurden übri- aens vom Gerichtshöfe von der Anklage f r e i ge­sprochen. (B. Z.-H.)

Magdeburg. (Ein Steckbrief.) Die Magde­burger Festung's- Commandantur schickt dem Festungs- Stubengefangenen Gustav Adolph Schlöffel einen Steck­brief nach. Der Verfolgte ist nämlich am 24. Abends von der dortigen Citadelle entwichen. Er spricht deutsch, französisch, englisch u. s. w., besondere Kennzeichen: Finnen im Gesichte. (Die im Signalement angegebene Bekleidung des Verfolgten ist übrigens eine ganz an- dere, als die, in welcher wir in Berlin Schlöffel am 22. gesehen.) (B. Z.-H.)

Schleswig, 22. .Okt. Heute früh nahm die pro- viforische Regierung Abschied von dem bei ihr ange­stellten Personale. Um 12 Uhr wurde die neue Re­gierung in möglichster Stille von den Kommissarien Stedtmann und von Needtz auf dein Schlosse Gottorf installirt.

Ae a n k r eich.

Paris, 24. Okt. DerNational" veröffentlicht Briefe aus Konstantinopel vom 6. Okt., in welchen das verrätherische Treiben Rußlands in den Donau- fürstenthümern ziemlich klar an den Tag gelegt wird. Diese Korrespondenzeü rühren offenbar aus offizieller Quelle her.

Auf Befehl des Kriegsministers wurden gestern abermals 45 Kanonen verschiedenen Kalibers aus Vin­cennes nach dem Fort Montvalerien geschafft. Dieses Fort allein besitzt jetzt über 100 Feuerschlünde, welche die Bonapartisten, Legitimisten und Kommunisten zum Schweigen zu bringen bestimmt scheinen.

Unter dem Vorsitz des Erpairs Alton -Sbee, der weder Christ noch Katholik," fand gestern Mit­tags vor der Barriere du Roule das zweite demokra­tisch-socialistische Bankett in den Sälen des Restaura­teurs Dourlans statt. Eingeschrieben waren 2500 Gäste zu 2 Fr., von denen etwa ein Dritttheil der Unterstützung der Junifamilien zugewandt wurde. Die Ausstattung des großen Tanzsaales war sehr bezeich­nend. Um die Säulen schlangen sich Kränze und pas­sende Inschriften. Die Namen der Gefangenen in Vin­cennes und der Erilirten in London (vorzüglich Barbes, Louis Blanc u. s. w.) prangten in kolossalen Lettern zwischen diesen Kränzen. Der gefürchtete Proudhon, der pathetische Pierre Leroux, der bedächtige Cabet und die geharnischten Klubisten Bernard und Madier Mont- jan hielten Reden, an denen die königl. Journale wie­der volle acht Tage lang kauen werden. (DieDe­büts" und Comp. bringen bereits Bruchstücke.)

Das bemerkenswertheste Ereigniß bei diesem Ban­kett ist jedoch die Aussöhnung des sogenannten Chefs der absoluten Demokraten der Bergpartei mit den So­zialisten. Man entsinnt sich, daß sich der Berg seit dem Bankett der Barriere Poiffoniere in zwei Hälften ä 30 und 40 Köpfe gespalten, von denen die Letztere

unter Ledru Rollin rind Bac dem Sozialismus, Proud- Hon's, Cabet's, Lerour's u. s. W. nicht ganz wohl wollten. Bac, Buvignier, Martin Bernard, James de Montry ?cv die Wichtigkeit dieser Volksbankette einsehend, begaben sich daher gestern an die Barriere du Roule und wurden mit stürmischem Beifall em­pfangen. Bac ist bekanntlich Präsident der Rue Tait- bout, wo die Bergpartei ihre Sitzungen hält. Somit hätte denn der Jubel der königlich gesinnten Presse über die vermeintliche Spaltung drö Berges ein sehr frühzeitiges Ende erreicht.

In der Rue Amelot 64 und anderen Vierteln befinden sich bereits Werkstätten, die auf das Prinzip der freien Assoziation der Arbeiter ,unter einander er­richtet sind und ihre Waaren auffallend wohlfeil bieten.

Galizien.

Lemberg, 17. Oktober. (Energisches Auf­treten des Studenten-Comite's.) Da in Folge der Wiener Ereignisse die Feinde der Freiheit alle er- erdenklichen Anstrengungen machen, um cs in unserm Lande zum Blutvergießen zu bringen, und sich zur Er­reichung ihres Ziels auch der niedrigsten Mittel bedie­ne», die Unwissenheit des Bauern aber solchen Verlei­tungen leicht unterliegen kann: so schickte das studen­tische Central-Eomite eine Deputation an den Vizeprä­sidenten der Landesregierung, welche denselben unter Vorstellung der drohenden Gefahr aufforderte, sofort die nöthigen Schritte zur Vermeidung des Unglücks zu thun und die Kreis-Beamten zur pünktlichen Aus­führung derselben anzuhalten, da sonst sowohl er, als alle höheren Beamten in Lemberg mit ihren Köpfen für jedes Blutvergießen in unserer Provinz verantwort­lich sein würden.

Nachschrift.

Neueste Nachrichten aus Oestreich.

Am 18., 19. und 20. Oktober sind nachstehende, auf die Wiener Ereignisse bezüglichen Aktenstücke er­schienen:

I. Eine Proklamation des Reichstags an die Völ­ker Oesterreichs vom 20. Oktober. Der Reichstag er­klärt darin, wie er bisher gegen Reaktion und Anar­chie gekämpft habe und fortkämpfen werde und fordert die Völker Oesterreichs auf, zu Wiendieser Wiege und Burg der österreichischen Freiheit" fest zu halten.

Zum Schlüsse heißt es:Helfet u's den Kaiser beschwören, daßerdurch Einsetzung eines neuen volksthüm- lichen Ministeriums, durch Zurückziehung der Truppen aus Niederösterreich, durch Beeidigung des Militärs auf die freien Volksrechte, der Stadt Wien und dem Reiche den Frieden gebe."

II. Eine Adresse des Wiener Gemeinderaths an den Kaiser vom 18. Oktober. Er versichert darin den Kaiser, daß in Wien nicht Anarchie herrsche, und will ihn von der Nothwendigkeit der Bewaffnung Wiens überzeugen.

Am Schluffe richtet er folgende Bitten an den Kaiser:

1) er möge die Entfernung des Ban von Croatien befehlen und

2) die Vertheilung der Truppen in einer der bis­herigen Gepflogenheit entsprechenden Weise vor­nehmen lassen.

3) Er möge eine allgemfine Amnestie ertheilen.

4) Baldigst ein volsthümliches Ministerium bilden.

III. Ein Adresse des Wiener Gemeinderaths an den Erzherzog Johann vom 19. Oktober.

Hierin fordert der Gemeinderath den Erzherzog anst er möge durch seinen gewichtigen Einfluß die Bitten, welche die Bürger Wienö's ihrem Kaiser vorzutragen sich gedrungen fanden, unterstützen.

IV. Eine Adresse der Wiener Nationalgarde vom

20. Oktober an den Kaiser. Sie bittet darin:

1) Der General Auersperg beziehe mit seinem Mi­litär die Garnison Wien.

2) Das Militär werde auf das Patent vom 15. März und 14. Mai beeidet.

3) Der Kaiser' bestimme sich aus dein gejammten Nationalgardeninstitute 6 Männer zum Adjutan- tendienste in der Hofburg.

4) Die Herrn Generäle Jellachich und Windisch- Grätz mögen sich aus der Umgebung Wien's entfernen.

5) Die Volkswehr werde auf Grund eines vom Reichstag zu erlassenden Gesetzes organisirt.

6) Es werde alsbald ein volkstümliches Ministerium gebildet. *

7) Der Kaiser möge nach Wien zurückkehren.

V. Eine Erklärung der ungarischen Armee vom 17. Oktober, worin die Ungarn die Wiener ihrer Hilfe fest versichern und zum Vertrauen auf die ungarische Hülfe auffordern.

Wien, 22. Oktober. Die Basteien der Stadt und die meisten Barrikaden in derselben sind von Verthei- digungskrästen entblößt. Dio wurden alle an die äußeren Lienien gezogen. Am Glacis weiden harm­los Ochsen und Schafe. Am Untversitätsplatz wird unter den Klängen fröhlicher Musik für das vierte Corps der mobilen Garden mit bestem Erfolge gewor­ben. Die Läden der Stadt sind geöffnet, und wäre