aufgehoben hat. Es erfolgte die Genehmigung des verhängnißvollen Waffenstillstands. Dem Volke war die Frage, um die es sich hierbei handelte, längst zur Lebensfrage seiner Einheit geworden; hier, sagte es sich, sind unsere Vertreter endlich zur Entscheidung gedrängt, sie müssen wählen, ob Volk oder Diplomatie, ob nationale Einheit oder dynastische Sonderung. Die Vertreter entschieden sich gegen das Volk.
Seit diesem Beschlusse ist, wir verhehlen es nicht, das Vertrauen des Volkes zu seinen Vertretern, so weit wir wenigstens blicken können, nicht mehr vorhanden; längst wankend geworden, ist es jetzt in seinen Grundvesten zerstört. Die Kluft hat sich in erschreckender Welle weiter gerissen, das Volk glaubt sich von denen, die es zu den organischen Vertretern seines Willens berufen hat, verlassen. Die allenthalben herrschende Mhrung ist schon hier und da zum wilden Ausbruch gekommen; Brüder kämpfen gegen Brüder, die Kerker sind mit Gefangenen angefüllt. Wenn es so fortgkht, möchte es dahin kommen, daß die hohe Versammlung, und ihre Schöpfung, die Centralgewalt, keinen ihrer Beschlüsse anders wird ausführen können, als durch die Gewalt der „Reichstruppen". Hat die die neue „Freiheit" keine anderen und besseren Garantien, als diese „Reichstruppen", und wird die neue, „Einheit" in sonst Nichts zur Wahrheit werden, als in deren präciser und durchgreifender Dislvcirung und Verwendung zur Dampfung von wirklichen »der möglichen Volksaufständen? Wahrlich, hätten wir diese Art von Einheit schon vor den Aufständen des März gehabt, dann freilich hätte Deutschland jetzt noch „Ruhe", absr^auch keine Nationalversammlung.
Dieser unselige Zustand, in welchem wir uns befinden, darf nicht länger dauern. Dee Strom der Bewegung im Volke, welcher immer stärker anschwillt, und bald hier bald dort den Damm durchbricht, muß einen geebneten, gesetzmäßigen Ausgang finden. Die Nationalversammlung muß sich durch die Aufnahme ftischer Kräfte verjünge», sie muß das gestörte Verhältniß zwischen Wählern und Vertretern wieder Herstellen, und dadurch sich mit dem Volke, und das Volk mit sich aussöhne». Das jetzt besser unterrichtete Volk muß die Wahlen des damals übel unterrichteten rcvikiren. Mag eine solche Maßregel auch neu sein, sie ist lange nicht so außerordentlich, als die Verhältnisse, .in die wir uns verwickelt habe». Daß das Volk übrigens in diesen Aüsweg zu einer friedlichen Lösung emzulenkeu beginnt, beweisen die vielen Zurückberufungen; allein da kein Gesetz für diesen Fall bestimmt ist, so sind diese Rückberufungsgesuche bis jetzt fruchtlos gewesen.
Die einzige durchführbare Verwirklichung unseres Vorschlags, der, wie wir hören, von allen Seiten her erhoben wird, ist in dem Antrag des Abgeordneten Rühl enthalten.
NatLonalversammlmrg zu Frankfurt. 103. Sitzung.
Nach'Verlesung des Protokolls vom Dienstag theilt der Prasivent ein Schreiben des Comite zu New-Jork, welches sich im Monat Mai d. I. gebildet, um eine Sammlung jür die im Freiheitskampfe Verwundeten und für die Waisen und Wittwen der Gebliebenen zu veranstalten und die gesammelte Summe von mehr als 9000 fl. damals eingesandt hatte, mit. Inzwischen sollten die, für welche das Geld gesammelt worden, bereits anderwärts genügsame Unterstützung gesunden haben, und man hatte versucht, dieses Geld zur deutschen Flotte zu verwenden. Indeß hatte man vorher bei dem Comite noch angefragt, dieses aber entschieden sich geweigert, seine Zustimmung zu dieser Verwendung zu geben. Präsident schlägt daher vor, das Geld in zwei gleichen Theilen an die Gemeindebehörden zu Wien unv Berlin zur Verwendung für den ursprünglichen Zweck zu übersenden, was nach einigen Bemerkungen genehmigt wird. — Weiter theilt Präsident ein Schreiben des Polizeigerichts au das Reichsministerium der Justiz mit, worin letzteres ersucht wird, die Genehmigung der Nationalversammlung zu Eröffnung der Untersuchung gegen die Abgeordneten Jürgens, Löw und Bernhardy wegen der in den Flugblättern aus der Nationalversammlung wider den Abgeordneten Minkus enthaltenen Ver'äumduugen, zu vermitteln. Zwar erhärt Jürgens, daß ihn die Sache allein angehe, weil die beiden andern von der Redaktion zurückactreten waren; daß er aus iein Privilegium verzichte und die sofortige. Genehmigung verlange (was einige Centralmänner bis zu einem schwachen Beifallsklastchm rübrt) - allein Präsident weist ihn zurecht, daß es sich nicht um ein Privilegium eines einzelnen Abgeordneten, sondern um ein Privilegium der Versammlung handle und daher die Sache zur Berichterstattung und dann zur Berathung kommen müsse. Sie wird an den Ausschuß verwiese», welcher sich schon anderweit mit Untersuchungen gegen Abgeordnete beschäftigt hat.
Man geht zur Tagesordnung, der Fortsetzung der Berathung über „das Reich" über.
Uh land: Wir sind hierher gesandt, um die deutsche Einheit zu vermitteln, nicht aber um große ©ebiete von Deutschland abzulösen, die seit Jahrhunderten Reichs- land und mit Deutschland vereint sind. — Man hat »on mehreren Seiten versucht, die Entscheidung der Frage hinauszuschieben, ich beantrage das Gegentheil: Die Nationalversammlung möge die §§. 2 und 3 von
I der zweiten Berathung ausnehmen und sogleich zum de- I sinitiveu Beschluß erheben. Der Redner widerlegt noch ' einige für die Verschiebung angeführte Gründe und schließt mit den Worten: eben weil unser Versassungs- werk gâhrt , müssen wir die Form bereit halten, in welche das Metall fließen soll, damit eine schlanke, hochwüchsige und unver stümmelte Germania aus der Grube hervorgehe. (Lebhafter Beifall.)
Weber aus Meran versichert, mit Uhland einverstanden zu sein, obgleich er gerade das Gegentheil wolle. Der Entwurf werde Oesterreich vernichten, dann werde man auch mit Preußen fertig werden, und tabula rasa haben, aus dieser aber werde entweder Republik oder Mllüärdcsp.otismus hcrvorgchcu rc.
Stremaier: Er habe es nie für möglich gehalten, daß hier die Gründer der Einheit Deutschlands darüber berathen konnten, ob Deutschland zerrissen werden soll. Er erklärt sich mit großer Wärme für das deutsche Element in Oesterreich , ja er geht so weit, zu rufen, wenn Slavia ihm die Freiheit biete und Germania in Ketten liege, würde er die Ketten der letzteren der slavischen Freiheit vorziehen; und deducirt dann die Nothwendigkeit der Personalunion und die Verbindung mit den nichtdeutschm Theilen Oesterreichs durch staatliche Vertilge in einem langen Vortrage. Die Sache jetzt in der Schwebe lassen, hieße das deutsche Element in Oesterreich aufgeben. Man müsse rasch entscheiden, die Ereignisse leiten, sich aber nicht von ihnen leiten lassen.
Graf Deym will einen völkerrechtlichen Bund mit dem vereinigten ungeheuren Oesterreich.
Wichmann greift die österreichische Politik heftig an, da Deutschland das Mittel, die österreichischen Dynastie-Jntercssen der Zweck sei, welche die Schweiz, Lothringen und den Elsaß von Deutschland aus selbstsüchtiger Absicht habe losreißen lassen. Er entscheidet sich nach einem Ausfall auf Wiesner für die Personalunion; schwärmt ebenfalls für eine große National- politik den slavischen Völkern gegenüber, und spricht gar noch von dem Fall, daß sich die Versammlung für ein konstitutionelles Kaiserthum entscheide.
Berger: Er wolle gegen die §§. sprechen, zwar weder im Sinne Webers noch Deyms, der als Slave gesprochen; er sei gegen die §§., weil darin die beschlossene Ausnahme Oesterreichs in Deutschlaud in Frage gestellt werde, und es sich nur um die Frage handle, ob die Ocsterreicher wieder aus Deutschland hinauszuweise», nicht aber um die, ob sie wieder auf- zunehmen seien. Entweder gehöre Oesterreich ip den deutschen Bundesstaat, oder es gehöre nicht einmal in den Staatenbund, ein drittes gebe cs nicht. Ein großer mitteleuropäischer Staatenbund mit dem Knotenpunkt Wien sei möglich und wahrscheinlich, dann werde deutsche Bildung an die Mündung der Donau getragen werden, und in den Straßen Wiens werde das Gras nicht wachsen, wenn es die Hauptstadt dieses Staäteu- bundcs sei. (Anhaltender Beifall.)
Vogt: Es ist bisher immer nur von Oesterreich die Rede gewesen. Die §§. 2 und 3 betreffen aber eben so gut Preußen, und er müsse sich wundern, daß man weder Posen, noch die Verhältnisse von Limburg oder die von Schleswig, welche alle von diesen Paragraphen betroffen würden, berühre. Man spricht so viel von Staatsmännern; Staatsmänner sollten doch auch auf diese Verhältnisse aufmerksam sein — ich beanspruche schar den Namen eines Staatsmanns nicht für mich, will aber die Staatsmänner, die nach mir reden werden, daran erinnern, daß sie unsern staatsmännischen Ruf nicht gefährden.
Man findet hier zwei Gesichtspunkte vertreten. Eine Partei will nur das dynastische Interesse, dieGesammt- monarchie die nichts ist, als die gewaltsame Unterdrük- kung der Nationalitäten, durch das System, daß eine Nation die andere im Zaume halten muß. Dieses System ist am eifrigsten durch den Unterstaatssekretär v. Würth und Hrn. Weber vertreten worden. Es ist wunderbar, daß unser Ministerium seine Meinung über die wichtige po'itische Frage nicht, wie dies in andern Ländern geschieht, abgegeben hat, daß man nur Uuter- staattsekretäre hat sprechen lassen. Er wünscht zu wissen, ob die Meinung des Hrn. V. Würth auch wirklich die Meinung des Ministeriums sei? Es scheine dies nicht der Fall zu sein, denn Minister Mohl habe eben das Gegentheil in einer Unterhaltung geäußert, und er freue sich darüber, obschon daraus hervorgehe, daß das Ministerium in politischen Fragen nicht so einig sei, wie in polizeilichen. (Beifall.) Diese Partei schwärme von einem Mittelreich, das nicht nur den deutschen Bund und Italien, sondern auch die Donaufürstenthümer und Gott weiß was Alles in sich begreifen solle, dieß sei aber ein Traum, da hier noch ein anderes dynastisches Interesse ins Spiel komme, das wohl die Oberhand behalten werde. Die dynastische Ansicht ist nur der Ausdruck eines Systems der Herrschaft ohne Gewalt, das noch nicht durch die Prinzipien der Humanität geläutert sei? — Man spricht so viel vom Bestehenden? Wir sitzen aber doch nicht hier, um bem Bestehenden das Siegel aufzudrücken, dafür sind wir doch zu gut. (Beifall.) Die nicht ministerielle, aber och unterstaatssekretärliche Weisheit fragt, was für ’n Zâcste mir hätten, die österreichische Monarchie zu zerstören. Davon ist keine Rede, die Monarchie ch dre Personalunion nicht aufgehoben, aber wohl soll die absolute Monarchie durch die gesetzgebenden Versammlungen der einzelnen Staaten etzt vernichtet werden. — Dieselbe unterstaatsjekretärliche Mei
nung will, daß wir die österreichische Regierung fragen unter welchen Bedingungen sie sich mit uns vereinigen wolle, und wenn dies auch nur die Meinung eines Unterstaatssekrctärs ist, so muß ich miet; doch über eine solche llukenntniß der Gesetze bei einem Beamten der Centralgewalt wnndcrn, der nicht einmal weiß, daß das Gesetz, dem er seine Entstehung verdankt, alle Einmischung der Einzelregierungen in dies Verfassungswerk verbietet. — (Lauter Beifall.) (D. R.-Z.) (Schluß folgt.)
DeutfzHksnD.
W Wiesbaden, 25. Octbr. (Wintergarten.) Ich habe mich mit mehreren Fremden über die Verglasung der Colonnade» unterhalten und muß ihnen unverhohlen mittheilen, daß sie ohne Ausnahme meiner Ihnen früher geäußerten Meinung sind. Ein Hauptübelstand der kleinen Colonnade» am Cm saal ist: daß sie zu niedrig sind, die Pflanzen durch die Ausdünstung die Luft zu schwer machen und daher nur wenige Fremde den Aufenthalt daselbst angenehm finden werden, indem solche, wenn sie ansgehen, um sich durch einen Spaziergang zu erhöhten, sich da bewegen wollen, wo sie sich auch wirklich bewegen können.
„ Die große Colonnade hat fast so zu sagen Alles für sich: den direkten Eingang von dem Spaziergange aus, den ganzen Tag die Sonne, was besonders zu berücksichtigen ist, denn der Sonnenschein lockt bei einem Wintertage einen Jeden aus dem Hause, und der Spaziergänger fände ebensowohl vor der Colonnade einen angenehmen Spaziergang, wie im Innern. Auch die Musik würde durch die bei warmer Sonne geöffneten Fenster einem Jeven vernehmbar sein. Das Großartige, welches die alte Colonnade darbietet, ist nicht zu leugnen, sie ist hoch und weit, so daß sich ein Jeder frei darin bewegen kann; der eine Pavillon könnte als Lesekabinet dienen und der andere für Erfrischungen (eine Art Conditorladcn, mit Backwerk, Piqueure ?c.), wo sich der Engländer, welcher gewöhnlich erst um 5 bis 6 Uhr zu Mittag speist, zu jeder beliebigen Stunde erquicken kann.
,Die Gründe, welche man für die kleine Colonnade anführt, daß man nahe bei den Conversationssälen sei, sind deßwegen nicht zulässig, weil diese Säle bei Tage nicht besucht werden und Abends werden weder der Wintergarten, das Lesekabinet noch die Unterhaltungssäle bepicht werden, indem die Engländer selten (wenn nicht Theater oder Conzert) ihren Abend anderswo als im Familienkreise zubringen. Diese Familienzirkel werden sich von selbst bilden, wenn die Fremden bei Tage einen angenehmen Aufenthalt haben, wo sie sich nach und nach kennen lernen und sich berathen, bei wem sie den Abend beim Thee zubringen wollen. Wer^n auf solche Weise die Engländer untereinander bekamst, so lassen sich auch Reunion oder Abendnuterhaltungen veranstalten und der Winter-Aufenthalt für Fremde in Wiesbaden wäre was sie wünschen: ein Ort des Vergnügens und der Oekonomie zugleich. Was nun den Kostenpunkt betrifft, so würde, nach dem Überschläge, das Geschenk des Herrn Chabert ansreichen, um die große Colonnade mit GlaSfenstern versehen zu können, wo nicht, so glaube ich, daß ohngeachtet der jgeschäftsloscn Zeit, ein Jeder, dem das Wohl Wiesbadens am Herzen liegt, gerne einen Beitrag geben wird, um einmal zu sehen, daß in der Stadt auch etwas ganz gemacht würde und nicht nur halb, und daß man nicht wieder das Jahr darauf zurückkommen muß und sagen: „hätten wir dieses im vorigen Jahre so gemacht, dann hätten wir dieses oder jenes gespart." Es wäre rath- sam, auch einige Fremde um ihre Meinung zu fragen.
KK Kirberg, 25. Okt. Mit großem Erstaunen lese ich in der „Nass. Allg.," wie die zwei Verfasser dec Aitikel d.d. Wiesbaden, den 21. Okt. und d.d. Von der Lahn, den 21. Okt. die so manchem Korrespondenten der „Nass. Allg." eigene Kunst der Verdrehung besitzen und eine Probe davon ablegen, daß sie würdige Kämpen ihrer verehrten Gönnerin sind. Dem Herrn Verf. des Art. d.d. Wiesbaden, den 21. Okt. diene zur Erwiederung, daß der Verfasser des von Kirberg den 11. Oktober batisten Artikels, keinen Grund hatte zu glauben, daß die Kirberger begeisterten Jünglinge Thätlichkeiten zu verüben gesonnen seien Wahrlich es ist übrigens keine Kunst, etwas in einem Artikel zu finden und dieses für die reine Wahrheit zu halten, weil man sich selbst am leichtesten glaubt. Hier ein Pröbchen. Der Herr Verfasser d. d. Wiesbaden w. legt den Satz des von Kirberg aus batisten Art.: „Es müsse den Kirberger Jünglingen zur Ehre angercchnet werden, daß sie ihre Gesinnung nicht burty Thätlichkeiten kund gegeben," in seiner Verdrehungskunst so aus: „Heißt das nicht eben so viel als: Es wäre gar nicht zu verwundern gewesen, wenn dic>e begeisterte Jugend zu Thätlichkeiten gegen den ihr mißliebigen Abgeordneten geschritten wäre; liegt also w einem solchen Lobe nicht unzweideutig eine indirekte Aufforderung, künftig zu Thätlichkeiten zu schreiten? Ich frage jeden vernünftigen, redlich denkenden Meu- schkn, ob er jene Stelle des Kirberger Artikel auch sö versteht. Keiner wird jenem Wiesbadener Artikelschrel- ber beipflichten.
Der Verfasser des Art. „Von der Lahn, 'den 21. Okt." des obigen Verfassers würdiger Kumpan, quall- sizirt sich auch vortrefflich zu einem Korrespondenten der „Nass. Allg.," welches daraus zur Genüge her-