Freie Zeitung.
„âeihekt und Recht!"
M 223
Wiesbaden. Sonntag, 28. October
1848»
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Die neuen Abgeordnetenwahlen.
Ein Wort an die Wähler auf dem Lande.
5 Von der Weil, 20. Okt. Es hat sich vieler unserer Landleute eine gewisse Hoffnungslosigkeit bemächtigt, indem sie wahrnehmcn, daß weder das Parlament, noch unsere Ständekammer ihren Erwartungen entspricht, und dabei doch nicht absehen können, wie diesem Uebelstande abzuhelfen sei. Vor einigen Tagen äußerte ein solcher Mann gegen den Schreiber d1e,es: „wenn" auch neu gewählt wird, so wirds doch wieder die alte Geschichte sein : der Eine jwill dies, der Andere das, sie können nicht einig werden!" Der gute Mann meinte, wir stünden noch am 1. Mai, wo allerdings Viele bei Abgabe ihrer Wahlzettel im Dunkeln umhertappten. Aber seitdem ist ja ein volles halbes Jahr verflossen, ein halbes Jahr, in welchem die Wurf- schaufel nicht ruhte und der Waizen von der Spreu sich gesondert hat. Die Wähler haben jetzt den ungeheuren Vortheil, daß sich Parteien gebildet, d. h., daß sich die Gleichgesinnten zusammengeschaart haben. Wollt Ihr also vorwärts, Ihr Wähler, so wählt für die beiden in unserer Kammer jetzt frei gewordenen Plätze solche, welche „Demokraten," oder auch „Republikaner" genannt werden, wiewohl bei der letzter» Be- nennung ^noch allerlei Irrthümer und Mißverständnisse obwalten. Diese, von der Gegenpartei auch die Wühler und Anarchisten genannt, sind in allen Hauptpunkten vollständig „einig;" was der Eine will, das will auch der Andere. Die Demokraten wollen alle die entschiedene Herrschaft des Volkswillens, den entschiedenen Fortschritt. Wollt Ihr dagegen Alles beim Alten lassen, denkt Ihr: „das Reue taugt nicht viel:" nun so wählt nur diejenigen, welche die „Reaktionäre," die „Konservativen," oder die „Heiopopeio - Männer" genannt werden; denn diese sind ebenfalls im Wesentlichen vollständig „einig;" sie wollen es in der Hauptsache bei dem bewenden lassen, was wir bis jetzt erkämpft haben. So seht Ihr Wähler, wie Ihr jetzt bei Euern Wahlen so leichtes Spiel habt. Denkt aber nicht, auf zwei neue Wahlen kommt nichts an! Nein zwei wahre VolkSmânner können oft viel wirken. Darum wählt gut.
Die Erneuerung der Nationalversammlung in Frankfurt.
(Aus einer Adresse der Biebricher Turngemeinde an diese Nationalversammlung.)
Die Wahl für die Nationalversammlung wurde keineswegs für ganz Deutschland auf der „breitesten Basis" vorgenommen, sondern war, den Beschlüssen des Vorparlaments zum Troß, in einigen Staaten, z. B. in Bayern/ durch einen Census beschränkt. An
Frage.
„Warum denn nur in allen Sachen Den »»zufriednen Tadler machen? Was spielst du, nimmer-müder Krittler, Nicht lieber freundlich den Vermittler?
Dein Sinn besteht mit rechtem Willen Die Welt durch schwarz-gefärbte Brillen, Und in Kritik, in Wunsch und Klage Verträumst Du Deine besten Tage.
Du wirst durch Predigen und Schimpfen Nur Mißmut in den Menschen impfen, Und dennoch macht dein wildes Lästern DaS träge Heute nicht zum Gestern.
Du kannst das Rad der Zeit nicht drehen, Es wird im alten Gleise gehen, Daâ Wort befreit die Erde »immer, Es macht nur schlimme Dinge schlimmer.
Genieß doch wie die And'ren thuen, Die weise dort im Schütten ruhen, Und statt die Macht keck zu bestreiten, Such' schlau an ihr emporzugleiten.
Was kümmern Dich die freien Pressen, Wenn Du zu trinken hast, zu essen?. Und was das allgemeine Beste, Wenn Du behaglich sitzt im Neste?
einer weiteren Ungleichartigkeit litt sie in Hinsicht auf den Wahlmodus, und zwar so, daß die indirekte Wahl bei Weitem die vorherrschende war, welche gleichfalls sehr viel dazu beigetragen, die reine Kundgebung des Volkswillens zu brechen. Schon aus diesem Mangel an Uebereinstimmung der Wahlart ließen sich unseres Erachtens gegründete Bedenken wenigstens gegen die formelle Compctenz der Nationalversammlung erheben, denn es ist doch ein wesentlicher Widerspruch mit der Bedeutung und Aufgabe einer Versammlung, welche auf Ein Ziel gerichtet und der einheitliche Ausdruck des Volkswillens sein soll, wenn sie ihre Zusammensetzung Wahlgrundlagen verdankt, die, wie die Wahl mit oder ohne Census, sogar prinzipiell entgegengesetzt sind. — Indessen fallen diese Rücksichten nicht so stark ins Gewicht, als die Mißstände, welche sich aus der innern Zusammensetzung der Nationalversammlung ergeben, und von denen wir die hauptsächlichsten auSeinanderzusktzen kein Bedenken tragen? — Die gegenwärtige Nationalversammlung ist hervorgegangen aus einer Revolution, durch welche der stetige Gang der Dinge in Deutschland aus seinem Geleise gehoben wurde. Aber diese Revolution kam nicht unmittelbar von Innen heraus, nicht aus einer selbstständigen Erregung des Volkes, sie war keine unwillkürliche Eruption, wie sie ganz sicher in wenigen Jahren erfolgt wäre, wenn sich die letzten Mittel des sogenannten gesetzlichen Fortschrittes erschöpft gehabt hätten. Der Anstoß zum Bruche erfolgte vielmehr von Außen, ohne daß die bewußte Scheidung der Prinzipien tief genug ins Volk gedrungen war. So wurde durch eine rasche Folge von Emeuten der lange Druck wohl abgeschüttelt; aber — was nun beginnen, wie die Revolution positiv machen? zur ebenso raschen Erledigung dieser Frage war offenbar Niemand vorbereitet. Und gerade in diesem Stadium des ersten Taumels, gleichsam noch in der Schlaftrunkenheit, mußte das Volk für diese schaffende, umgestaltende Aufgabe der Revolution ein Organ suchen, es mußte wählen für einen Neubau seines Staates, ohne mit dessen Grundlagen schon mit sich im Klaren zu sein. Wen sollte es nun wählen? Eben weil die Revolution, die cs gemacht hatte, nicht aus dem Schooße seiner eigenen Parteien und Kämpfe geboren war, so fehlte auch im Großen und Ganzen die Partei der Revolution, es fehlten die rechten Männer und Führer, die das Werk, wie sie es lange vorbereitet, so auch allein hätten vollenden können. So griff denn das Volk in seiner Noth (ganz abgesehen von den Beamten- und Ultramontanenwahlen mit ihrem gleich Anfangs contrerevolutio- närem Charakter) zu den Vertretern der alten Opposition, über die es, eben durch die Revolution, doch thatsächlich bereits hinausgegangen war, zu den Männern, welche vom Standpunkte ihrer „organischen Entwicklung" aus, die Revolution, an der sie freilich völlig unschuldig waren und die sie auch nie und nimmer gemacht haben würden, desavouiren, sie als eine
Sieh' zu, wie hoch'S die Klugen treiben, Willst Du am Boden ewig bleiben?
Du hast die Kraft, nun brauch' sie richtig Und mach' dein Pfund durch Wucher wichtig!"
Antwort.
— Und hätten so wie Du gedacht
Die Uns're Väter-find,
So wär's im Land noch immer Nacht Und^wir noch immer blind.
Wol ist es schwach und arm mein Wort, Weil ich nur Dichter bin, Doch trâgt's vielleicht ein Lüftchen fort, Wer weiß wie und wohin?
ES gleicht denn dunklen Samenkorn, Du kennst daö alte Bild:
Eins fällt in Busch und Stein und Dorn, Eins in ein Fruchtgefild.
Vielleicht blüht über Tag und Jahr, Wenn längst der Sä'mann todt, Auf steilen Felsen wunderbar Ein Blümlein weiß und roth.
Der Frühling kommt schon über Nacht Zieh'» erst die Schwalben um; Weil eine keinen Sommer macht, Drum sei sie noch nicht stumm.
„Geistesverpfuschung" verwünschen mußten, und somit auch für das neue Werk immer nur die alten Risse und Pläne, welche für die Ausbesserung des eben eingestürzten Baues bestimmt waren, mitbringen, und, statt in die neue Bahn des Volksstaats einzulenken, sich nur in die Labyrinthe ihrer Vertragstbeorien verlieren konnten. Der „frische Instinkt der That", der zur Vollendung einer Revolution gehört, konnte diesen Männern nicht mehr eigen sein, da sie in dem langjährigen Kampfe gegen das alte Regline, mit seinen kleinlichen Ränken und halben Conzessionen sich längst abgenützt und ermüdet hatten, da ihnen das Feilschen und Di- plomatisiren um die Freiheit, die Politik des Zauderns, Umgehens, Halbirens längst zur anderen Natur geworden war. — Unterdessen aber, während diese Männer, indem sie durch das Gewicht ihrer lang- erprobten Namen die ohnehin meist aus demselben Stoffe gebildete Majorität beherrschten, in solchem Sinne an das Werk der Umgestaltung gingen und den frischen Farben des jungen Tages die Bläffe ihrer stritten und Systeme anzuhaüchen bemüht waren, gedieh die Entwicklung des politischen Bewußtseins im Volke mit einer Schnelligkeit zur Reise, von der die Geschichte kein ähnliches Beispiel hat. Mit wahrhaft stürmischem Eifer beutete es die solange verschlossen gewesenen Bildungsmittel, Preßfreiheit, Vereins- unb Versammlungsrecht, aus, und holte so, bei der Höhe seiner übrigen Bildung, in wenigen Wochen das jahrelang Versäumte nach. So hat es von März bis zum September ganze Reihen von Entwicklungsstufen durchlaufen, und sich erst während dieser Zeit über das Wesen und die Prinzipien seiner Umwälzung ein klares Bewußtsein gebildet. So voll Willen und Muth, von nun an selbst und aus seinem eigenen Leben heraus Geschäfte zu machen, muß es mit Traner sehen, daß die, welche es damals zu Vertretern berufen hat, völlig außerhalb dieser seiner Entwicklung stehen geblieben sind, daß sie ganz so, wie in der schlechten Vergangenheit, den Triumph der Politik darin suchen, jedem Prinzip die Spitze abzubrecheu, und jeder That jeder Entscheidung beharrlich aus dem Wege zu gehen kurz,, daß sie unberührt von dem wiedergeborenen Bewußtsein ihres Volkes, eigentlich nur sich selbst und ihre festgeronnenen Ansichten vertreten. Dadurch aber ist dem Volke für seine Weiterbewegung bald der organische Mittelpunkt abhanden gekommen, und als in Folge dessen eine gewisse Zersetzung eintrat, die Ertreme sich ausschikden und einen Kampf eröffneten, da hat sich die Mehrheit der Nationalversammlung in entsprechendem Grade nicht der Seite des Volkes, sondern der seiner Gegner zugewandt. Auf diese Weise wuchs die Gleichgütligkeit auch beim Volke, immer spärlicher kamen die Beweise von Sympathie und Vertrauen, und nur Einmal erhob sich das ganze deutsche Volk in lautem Jabelruf, die Versammlung, die wieder die seine war, zu grüßen-und dieses Einmal war, als sie den Sisti- rungsbeschluß faßte, den sie acht Tage später wieder
Und wenn ich nicht, wie Ihr es wollt,
Euch lobe mit Geschrei, — Ci nun! ich finge nicht um Gold Und bin fein Papagei.
Ihr miethet euch des Zeug's genug Und für Euch find sie all', So laßt der Lerche ihren Flug, Ihr Lied der Nachtigall.
Nach Hohem steht mir nicht der Siu», Wie Ihr es meint, Ihr Herrn,
Nach Sternen streb' ich freilich hin, Doch nicht nach einem Stern.
Mit Euch genießen mag ich nicht,
Ihr weint ja nicht mir,
Und was das Herz entzwei mir bricht,
Ach! dazu lächelt ihr.
Daß ich die Welt nicht anders seh',
Als wie — durch Euch! — sie ward,
Glaubt mir, das Jhut Euch minder weh, Als mir und meiner Art,
Geh' du die Wege deiner Pflicht,
Weil ich die meinen geh' z
Ich had're mit dir wahrlich nicht,
Und damit, Mann, Ade!
(Ans den Liedern eines kosmopolitische» Nachtwächters.)