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Soldaten; das kann ich nach nrehrtägiger Bekannt­schaft mit denselben versichern. Das Landvolk ist durch starke Requisitionen gedrückt, Unzusriedenbeit herrscht jedoch nur gegen Jellachich, der unrechtmäßig ins Land gekommen, nicht gegen den gemeinen Mann. Die aus Wien geflüchtete»Freunde der Ruhe und Ord­nung" werden in den Umgebungen Wiens nicht sehr freundlich ausgenommen, sie ziehen daher meist weiter hinauf gegen das Gebirge. Nur Baden ist ein nobles Asyl. - (Br. Z.)

Wien, 22. Okt. Nach immer hat sich hier der Stand der Dinge nicht wesentlich verändert; noch im­mer harren wir der Stunde friedlicher oder gewalt­samer Entscheidung entgegen. Wien ist ruhig; die Läden und Magazine sind geöffnet; die Sicherheit der Personen und des Eigenthums ist ungefährdet. Die zweckmäßig geleiteten Anstalten zur kräftigsten Verthei­digung dauern fort, haben aber auch an schon Sold der mobilen Corps und sonstigen Bedürfnissen 200,000 Gulden verschlungen und nehmen noch andere 200,000 Gulden in Anspruch. Die Lebensmittelzufuhr ist schon von mehreren Seiten unterbrochen, doch ist die Stadt ziemlich verproviantirt; nur Fleisch wird bald mangeln. Ganz Wien ist fest entschlossen, sich nicht auf Gnade zu unterwerfen, sondern bei den mäßigen Forderungen eines populären Ministeriums, der Entfernung unver­antwortlicher Rathgeber des Kaisers und des Abzugs von Jellachich und Rückkehr Auersperg's in die Ka­sernen zu verharren. Gestern erschien das Manifest des Kaisers, datirt Olmütz, 19. Okt., worin es etwas un­bestimmt heißt, man werde mit den militärischen Maß­regeln nurso weit" gehen, als nöthig sei, um die Ruhe und Ordnung herzustellen. Wie wert das ist, bleibt wohl den Befehlshabern unserer Belagerungs­armee zu ermessen anheimgestellt. Und doch ist der Ton dieser Proklamation ziemlich mild und ein ganz anderer, als der eines andern Manifestes vom 16. Okt., dessen leidenschaftliche Haltung der Herzensgute des Kaisers von fremden Einfluß aufgedrungen, und daher auch später zurückgenommen worden zu sein scheint. Allgemein wird erzählt, daß der Abg. Fischer aus dem Centrum , der sich als Deputationsmitglied grade in Olmütz befand, nach Durchlesung dieses Manifestes vom 16, geäußert habe, wenn man dasselbe publicire, so gehe er nach Haus (Salzburg) und rufe den Land­sturm auf, und der Abg. Lasser, ebenfalls ministeriell, meinte, das werde er zwar nicht thun, aber es werde sich von selbst machen.

Die Adressen, Proklamationen prangen als Plakate an den Straßenecken; darunter auch die Proclackation der Reichscommissâre Welcker nnd Mosle. Der Reichs tag ist noch immer beschlußfähig, d. h. über 191 Köpfe stark. Einzelne Abgehende werden wieder durch einzelne Ankömmlinge ersetzt. Es halten sich indessen auch wohl an 20 25 Deputirte in Wien auf, ohne den Reichstag zu besuchen. Fürst Lubomirski, Abge­ordneter aus Galizien, ist wahnsinnig geworden. Von den Czechen sind doch vier hier geblieben , aber einen, den Pfarrer Sidon ausgenommen, wie es scheint, nicht gerade in den besten Absichten. Man nennt ein Ministerium, wie es in Olmütz zusammengesetzt worden sein soll: Wessenberg, Kraus und Bach in den alten Stellen, Mayer, Inneres, Lasser, Cultus, Bruck, ^Han­del, Fel. Scharzenberg, Krieg. Sehr populär wäre dies Ministerium eben nicht. Es läuft das Gerücht, Radetzky habe 40,000 Mann verlangt, da kein Frieden

geschlossen sei. Die Ungarn, die sich schon wieder an- kimdigten, sind noch nicht da. Hammerstein soll über Dukla von Galizien nach Oherungarn mit galizischen Truppen einckbrochen seiu. Wir sind belagert und cr- i halten wenig bestimmte Nachrichten, desto mehr Mähr- chen und Sagen. (Fr O.-P.-A.-Z.)

Wien, 22 Oktober. Ich lasse diesen Brief ab- gehen, ungeachtet sei 4 Tagen alle Postverbindung mit Berlin und W-ft-Europa aufgehört hat. Die Stadt ist von allen Seiten umschlossen, wir befinden uns im strengsten Belagerungszustände und in welchem? Statt eines geordneten feindlichen Heeres haben wir drei Ar­meen von Banditen und Henkersknechten vor den Tho­ren, die nach nichts lechzen als nach Blut und Raub. Der Sohn Latom's soll unter ihnen sein, wir können im Fall der Niederlage daher auf die entsetzlichste Rache mit Bestimmtheit rechnen. Und wem haben wir diesen Zustand zn danken? den Verräth ern im Reichstage. Habe ich es nicht gleich im ersten Schreiben bemerkt, man hätte das Volk am 7. sollen gewähren lassen?

Die ReichStagsmitglieder fangen an, zu begreifen, was sie sind, und verheißen uns nun einen tragischen Untergang als Entschädigung. Ach habe den Teufel von dem Tode dieser Elenden, nachdem sie uns aller Frei­heitsaussicht beraubt.

Im Gemeinderath, dessen Protokolle, Adressen und Proklamationen die Wiener Zeitung bringt, ist Stifft besonders thätig. Die der Deputation mitgege- aebene Adresse an den Kaiser ist von ihm. Stifft be­herrscht den Gemeinderath und hat mit Entschiedenheit erklärt, daß man weder die Ungarn, noch den Land­sturm herbeirufe. Wem soll man noch trauen, auf wen bauen?

Der Ruchstagsausschuß besteht neben einer Menge Esel hauptsächlich aus erkauften Wichten, die mit Krauß und seinen 6 ministeriellen Trabanten ein geheimes Komplott bilden, das Volk betrügen und sich sehr gut mit Sr. apost. Majestät Raub- und Banditen-Geuera- len stehen. All unsere Leiter fürchten sich weit mehr vor der endlichen Rache des bewaffneten Volks, als vor den k. k. Henkern, und Schuselka sprach noch gestern in diesem Sinne Messenhauser, Bem und Jelowicki haben die Stadt zwar in guten Vcrtheidi- gungszustand gesetzt, der erste bombardier und schau­spielert indessen etwas zu sehr mit Plakaten uud Ge- neralsstaabsschnörkeln.

Wien, 23. Okt. Eine Erklärung des kommandi- renden Generals Fürsten Windischgrätz ist gestern Nachmittags erschienen. Durch ein Plakat wurde von ihm die Stadt Wien in Belagerungszustand er­klärt und das Stand recht publizirt. Das Plakat ward sogleich mit Entrüstung von den Mauern gerissen und sein Inhalt hat die Erbitterung und Wuth des Volkes unendlich und fürchterlich gesteigert. Ein Glück war es, daß auf dem Plakate der Druckort fehlte; eine gänzliche Verwüstung wäre der betreffenden Ofsizèn wahUrch nicht ausgeblieben.

In der Nachmittags abgehaltenen Sitzung des Reichstages wurde beschlossen:In Betracht, daß die Herstellung dec Ruhe and Ordnung, wo sie wirklich gefährdet sein sollten, nur den ordentlichen konftitutio- uellen Behörden zukommt, und nur auf ihre Requisi­tion das Militär einschreiten darf in Betracht, daß nach wiederholtem Aussprüche des Reichstages und des Gemeindcrathes die bcstehende Aufregung in Wien nur durch die drohenden Truppen-Massen unterhalten wird

in Betracht endlich, daß das kaiserliche Wort vom 19. d. M. die ungeschmälerte Aufrechthaltung aller er­rungenen Freiheiten, sowie ganz besonders die freie Berathung des Reichstages neuerdings Gewähr leistete; erklärt der Reichstag die vom Feldmarschall Fürste» Windisch-Grätz angedrohten Maßregeln des Belage­rungszustandes und Standrechtes für ganz ungesetz­lich. Von diesem Beschlusse wurden Windischgrätz und Wessenberg durch sogleich abgehende Eilboten ver­ständigt.

Heute Vormittag kam es bei der Nuß­dorfer Linie zu einem blutigen Gefechte. Militär verfolgte eine Truppe Ausreißer derselben, die von der Nationalgarde glücklich in Empfang genom­men wurden.

Windischgrätz nimmt von dem Beschlusse des Reichs­tages, wonach die Belagerung Wiens ungesetzlich ist, keine Notiz. Der blutige Kampf wird also wohl beginnen, wenn die Eilboten von Wesseuberg nicht günstigere Nachrichten bringen.

Eine Kundmachung des Ober-Kommandanten der Nationalgarde an die Bürger Wiens macht darauf auf­merksam, daß jetzt der Augenblick gekommen, der dop­pelte Wachsamkeit, doppelten Eifer erforderte. Jetzt (sagt Messenhauser) trete er in den Mittelpunkt seinen Antrages: die Stadt Wien sammt Umgehung setze er jetzt in Vertheidigungözustand. Die größten und umfassendsten Maßregeln werden genom­men werden. (Fr. I.)

Breslau, 24. Okt. Von den heute Nachmittag hier ankommenden Reisenden, welche Wien den 22. ver­lassen haben, wird erzählt, daß sämmtliche kaiser­liche Gebäude und selbst die Hofburg mit Pulver angefüllt seien, um beim ersten Schusse, der von den Truppen des Fürsten Windischgrätz in die Stadt falle, dieselben in die Luft zu sprengen. Auch die Studenten Wiens haben eine Deputation au den Kaiser gesandt. Dagegen ist eine solche von Seiten der ungarischen Regierung nicht abgegangen.

Nachrichten aus Ratibor vom 23. d. bestätigen, daß Fürst Windischgrätz vom Kaiser eine unumschränkte Vollmacht erhielt, kraft welcher er mit dem Wiener Reichstage und dem Wiener Volke zu unterhandeln hat; was er thue, sei ihm (dem Kaiser) recht. Er (der Kaiser) werde von jetzt an keine Deputationen mehr annehmen. DaS Proletariat soll entwaffnet und die akademische Legion der Nationalgarde einverleibt werden. Windisch-Grätz machte bei dem Kaiser den Versuch, ihn zu bewegen, die Legion ganz entwaffnen zu lassen. So behauptet wenigstens ein Gerücht. Die letzten Commis des Hauses Rothschild sind nun auch in Ratibor eingetroffen. Das große Bankhaus steht jetzt ganz verödet. Sämmliche Händlungsbücher und Schriftstücke dieses Hauses sind unter den Schutz des französischen Gesandten gestellt. Der Chef selbst ist schon seit dem 5. d. M. nicht mehr in Wien.

Zur Empfangnahme von Hülfsgeldern für die Abgebrannten in Caub ist die Redaction der Freien Zeitung gerne bereit.

Verantwortlicher Redacteur: I. Oppermann.

B e k a « n è m s ttz u » g è n.

Spielbankangelegenheit.

(1403) In der Frankfurter Reichsversammlung wird demnächst ein Gegenstand zur Sprache käm­men, der für Wiesbaden von großer Bedeutung ist, nämlich das fernere Fortbestehen der öffent­lichen Spielbanken in Deutschland, und da sogar hiesige Einwohner so viel Selbstvcrläugnung hatten, an gedachten Reichstag eine Petition um Aufhebung desselben einznreichen, so wollen wir diesen Gegenstand, so viel wie möglich, einer genauen Prüfung unterwerfen. Man sagt, das Hasardspiel sei ein Laster und muß deßhalb aus Gründen der Moral verboten werden; dies kann aber nicht allgemein geschehen, indem die großartigen Staatslotteriespiele wegen dem Standpunkte und der Menge der dabei Betheiligten nicht aufgehoben werden können. Wir können unserm Mv- ralitätSgefühle nur da Genüge leisten, wo die Gegner so mächtig sind. Es bestehen zwar Con- tracte, die heben wir aber, da wir hierin die Stärkeren sind, kraft unserer Machtvollkommenheit auf. Nun wollen wir aber dem Wiesbadener Publikum, das heiter und sorgenlos umhergeht, zeigen, welcher Zukunft es entgegengeht.

Wenn künftig kein öffentliches Spiel im Kursaal hier mehr stattsinden soll, so ist es doch einleuchtend, daß für andere Vergnügen daselbst gesorgt werden muß. Diese Unterhaltungen, sie mögen nun bestehen, aus was sie wollen, sind ohne viele Ausgabe» nicht zu veranstalten, woher sollen die Kosten gedeckt werdend woher sollen seryer d>e Hunderttausenve, die die Möblirung der Säle kosten würde, wo das Geld für die Unterhaltung der Promenade hergenommen werden?

Unsere Theatercasie erhält von dem Spielpächter einen jährlichen Zuschuß von 7000 fl., woher sollen die ersetzt werden. Unser Theater hat aber jetzt schon mit nicht unb^eutenten Schwie­rigkeiten zu kämvfen und würde dessen ferneres Fortbestehen durch den Verlust dieser Summe neuer­dings sehr in Frage gestellt sein.

Es wird nun auch den Befangensten ^klar geworden sein, daß Wiesbaden untr solchen Um­ständen in einigen Jahren schon zu einem Dorf herab gesunken sein wird, und zwar, wie man sagt, im Interesse der Moral. ^b aber die Moralität durch die Verarmung der Städte gewinnen kann, möchte doch noch eine große Hwage sein, wir glauben vielmehr, daß eben die meisten Laster und Verbrecher ihre Hauptquelle in der Armuth, und dem durch dieselbe erzeugten Elende finden. _______________________________________G.

(1301) Bei Heinrich Fischer in Wiesbaden ist angekommen:

Mlannes - Zierde

oder der Nutzen des Schnurr- und Backenbartes und die Schädlichkeit des Haarabschneidens 2c.

Nebst Angabe des Mittels, durch welches ein üppiges Wachsthum des Bartes und Haares selbst da, wo solches gänzlich .mangelt, erzielt wird. 4te Aufl. 18 fr.

(1322) In den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden ist stets vorräthig zu haben:

Turner - Lie-erbuch.

Auswahl aus dem Liederkranz für die Turngemeinden des Vaterlandes mit vier- stimmigen Sangweisen. Zweite unveränderte Auflage. Preis 24 fr.

Dei Parthien billiger. _________ _

(1379) Privatwohnnngen mit Küche find im Bad- und Gast­haus zur Rose zu vermiethen.

A lotter, des logis privés avec cnisine? â lHotel de la Rose, niaison de Rains.

To be let, private lodgings wilh Kitchin, at the Rose - Hotel, Rathing-house.

(iso?) Ziehung

der deutschen Vereins - Zehn - Gulden - Loose für Teras am 15. November a. c.

Haupttreffer fi. 5000, st. 1500, st. 600, fl. 300, st. 100 re.

Loose kursmäßig bei Herrmann Strauss, am Sonnenberger Thor.

(1399) 3300 fl. sind sogleich gegen gericht­liche Sicherheit hier oder in der nächsten Um­gebung anszuleihen.

(1401) Unterzeichnete empfiehlt sich in allen Arten Stopfen als: Spitzen, Till, Mull, Damast und Thibet, verspricht billige und pünktliche Bedienung.

Hannchen Goldschmidt, Goldgaffe Nro. 7.

(1377) Als Ausverkauf werden Seidenstoffe, diverse Summte nnd Plüsche für Hüte, Bänder, Stickereien, 93 hinten,, Federn u. s. W. unter dem' Einkaufspreis abgegeben.

Elise Zimmermann, Langgasse, Stadt Mainz.

(1.395) Es wird in ein sehr vortheilhast^ Geschäft einer Rheinstadt ein junger gebadete Mann als Theilhaber gesucht, welcher 2000 st­einzulegen hat. Frankirte Anfragen müssen bi zum 1. November 1848 Bei der Erpedition die­ses Blattes unter der Aufschrift E. E. E. em- gereicht werden.

Verlag von H. Fischer und E. Ritter. - Druck der C. Ritter'schcn Buchdruclerei.