Euch in die Lahnthäler versteckt, und aus Eurem für sicher gehaltenen Schlupfwinkel die Schwalbacher mit Koth bewerfet, dies nicht anerkennen: die Ursache davon ist aber die, daß Ihr eben nicht so denkt und fühlt, wie die Bürger.
Frankfurt, 23. Oktober. (Rundschreiben der Neichsministerien desJnnern und des Krieges an die Regierungen aller deutschen Ein- zelstaaten.) Da Zweifel darüber entstanden sind, in welcher Weise die Verpflegung der Reichstruppen im Reichsdienste bestritten werden solle, hat das Ge- sammtministerium den Beschluß gefaßt, daß die Verpflegung von Reichstruppen, die sich im unmittelbaren Reichsdienste befinden, von dem ganzen Reiche bestritten werden müsse.
So lange ein allgemeines Militärverpflegöreglement für ganz Deutschland nicht besteht, und insofern nicht besondere Verträge unter den einzelnen Staaten bereits abgeschlossen sind, hat daher die Verpflegung und der Transport für die Reichstruppen auf einem anderen Gebiete als ihrem unmittelbaren Heimathlande nach den Gesetzen und Gebräuchen des Landes zu geschehen, in welchem die Reichstruppen verwendet werden, und die Vergütung der tarifmäßigen Naturalverpflegung der Reichstruppen und der Transportkosten hat nach dem Maßstabe zu geschehen, welcher für die eigenen Truppen des bet: essenden Einzelstaates bei Märschen und Einquartirungen bestimmt ist.
Die Reichsministerien des Innern und des Krieges ersuchen demnach die Regierungen aller Einzelstaaten, in welchen Reichstruppen verwendet werden, dafür zu sorgen, daß die tarifmäßige Naturalverpflegung von der Bevölkerung vorschußweise gegen Empfangsbestätigungen von Seite der Truppencommandanten unweigerlich geleistet werde, und denselben die nachträgliche Vergütung dieser Verpflegung aus der Reichökasse nach den oben erwähnten Sätzen zuzusichern.
Zugleich werden alle deutschen Regierungen ersucht, Sorge zu tragen, daß von Seite ihrer Behörden einerseits mit der zur Verhütung von Unterschleifen erforderlichen Genauigkeit, andererseits aber auch mit thun- licher Beschleunigung vorgegangen werde, damit die Staatsbürger, welchen die Einquartierungen auferlegt werden muß, so schnell als möglich die ihnen gebührende Vergütung erlangen.
Der Reichsminister des Innern: Schmerling. Der Reichsminister des Krieges: Peucker.
Berlin, 23. Oktober. Aus alleu Maßregeln läßt fich schließen, daß die Kamarilla einen großen Schlag ausführen will. Die Truppen sind um Berlin zusammengezogen, können aber bei der schlechten Witterung nicht langer im Freien kantoniren. Will man sie nicht unbenutzt wieder auseinanderschicken, so muß man einen Zusammenstoß provociren. Man wird einen Hauptschlag ausführen wollen.
Heute hat man angefangen, die fliegenden Korps zu entwaffnen. Mit dem bewaffneten Studentenkorps hat man in der Art den Anfang gemacht, daß man dessen Waffendepot mit Beschlag belegte und den Befehl gegeben, die vorhandenen 500 Degen und 30 Büchsen ins Zeughaus abzuliefern. Man wagt sich noch nicht so weit, allen Studenten die Waffen abzuverlangen, und nahm fürs Erste nur die vorräthigen Waffen in Beschlag. Daß soviele im Depot vorhanden waren, kommt daher, daß es zufällig kurz nach den Ferien ist, und die Studenten ihre Waffen noch nicht wieder abgeholt hatten. Die andern Korps, hierdurch aufmerksam gemacht, werden alle vorräthigen Waffen schnell an den Mann zu bringen wissen.
Der König hat sich veranlaßt gefunden, das Benehmen der Bürgerwehr am 16. d. zu belobigen. Er hat folgende Kabinetsordre, vom Minister Eichmann kontrasignirt, an das Kommando der Bürgerwehr abgesendet: „Die Bürgerwehr meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin hat bei den beklagenswerthen Ereignissen deS gestrigen Tages sich würdig gezeigt ihres Berufes, meines Vertrauens und der Ehre, die Ich ihr erzeigte, als Ich ihr im März die Waffen in di? Hand ’ gab zur Vertheidigung des Thrones, unserer Gesetze und der gestörten Ordnung. Ich gebe Ihnen auf, der Bürgerwehr Meinen anerkennenden Dank dafür in Meinem Namen auszusprechen. Ich spreche ihn auS mit dem Gefühle einer erfüllten Hoffnung, eines gerechtfertigten Vertrauens, einer trostreichen Aussicht in die Zukunft.
H Sanssouci, den 17. Oktober 1848.
Ä Friedrich Wilhelm."
Als diese Kabinetsordre in den Klubs vorgelesen wurde, wurde sie mit dem größten Unwillen ausgenommen. So klug ist der Bourgeois auch, den Sinn solcher Worte deuten zu können und er ist entrüstet über eine solche Sprache, das ist nicht die Sprache vom 19. März, die klang ganz anders. (N. Nh. Z.)
Der Deutschen Zeitung wird aus B e r l i n geschrieben : Leo aus Halle ist in der letzten Zeit öfters beim Könige gewesen, man schreibt die Stimmung des Königs am 15. zum Theil seinem Einflüsse zu. Möchten doch, fügt der Correspondent hinzu, statt dessen, die kosmischen Einflüsse überwiegen (Aha, Alexander von Humboldt). Eine Nedactionsnote kann übrigens jene Mit- thellung nicht ohne folgenden Zusatz in die Welt gehen lassen: „Jeden Vaterlandsfreund muß es aufs Tiefste ^ner Fanatiker das Ohr des Königs ge- was ^ Zeitungen von Herrn Leo meldeten, war, daß auf seinen Betrieb der Preußen
verein in Halle die deutschen Farben abgelegt, und statt dessen eine neue Tricolore angenommen, nämlich schwarz, weiß und orange, letztere Farben wegen Verwandtschaft des Hauses Hohenzollern mit dem Hause Oranien."
Italien.
Sardinien. (Eindruck der Nachrichten aus Wien.) In Pariser Blättern heißt es: Wir haben heute die Turiner Nachrichten vom 12. Man kannte die Wiener Revolution, — alles war in der größten Aufregung. Der König ward gedrängt, den Waffenstillstand nicht zu erneuern, sondern die Feindseligkeiten zu beginnen, um so mehr als man wußte, daß in Mailand die größte Bestürzung herrschte, und die Bevölkerung sich zu einem neuen Ausstande vorbereitete.
(Heckscher's Audienz.) Die Gazeta Piemontese zeigt an, daß Herr Heckscher am 10. Oct. eine Audienz bei Karl Albert hatte, dem er ein Schreiben des Erzherzogs Johann überreichte, in welchem dieser dem König von Sardinien seinen Antritt der Reichsverweserschaft ankündigt. Herr Heckscher ist zum außerordentlichen Botschafter beim Turiner Hose ernannt.
Großbritannien.
London, 20. Octbr. Dubliner Briefe des Chro- nicle vom 19. melden, daß dort der Winter ungewöhnlich früh und streng eingetreten sei: Die zahlreichen Armen Dublins, o wie der südlichen und westlichen Grafschaften werden dadurch ins tiefste Elend gestürzt und auch die wohlhabenderen Klassen sinken, namentlich auf dem Lande, immer tiefer in die Noth, so daß selbst die sanguinischsten Leute sich für die nächsten Monate aus entsetzliche Zustande gefaßt machen. Besonders lauten aus Mayo schon jetzt die Schilderungen grauenerregend und herzzerreißend.
Dublin, 22. Oktbr. Nach einer Prozedur, welche die Spezialkommission zu Clonmel 6 Tage lang beschäs- ftgfe, ist gestern Abend übers Meagher das Schuldig ausgesprochen worden. Trotz der äußerst fähigen Vertheidigung des Angeklagten stand nicht wohl ein anderes Resu.tat zu erwarten. Die Jury hat den Ver- urthcilten der königlichen Gnade empfohlen, und man hegt keinen Zweifel, daß die Todesstrafe nicht werde vollzogen werden. Die Sympathie an Meagher's Schicksal ist allgemein, und erstreckt sich auf alle Klassen und Konfessionen. (N. Nh. Z )
Ararrkre ich.
Paris, 23. Okt. Im Moniteur finden wir eine Menge von Personaländerungen im Seewesen und außerdem abermals 43 neue Maires und Adjoints für eben so viele Departementsstädte.
— Im Kriegsministerium wird Tag und Nacht an der Organisation jener dreihundert Bataillone mobiler Bürgerwehr für den Umfang der ganzen Republik gearbeitet, wie ste die provisorische Regierung be- abfichtigte. Fast alle Bürger der ersten Kategorien haben bereits Vorladungen erhalten, sich in den Mairieämtern zu stellen und etwaige Reklamationen vorzubringen. Lamoriciere scheint entschlossen, diesen großartigen Plan einer allgemeinen Bürgerbewaffnung (wie ihn Napoleon kaum auszuführen vermochte) bis spätestens den 1. Jan. 1849 ins Leben zu rufen. Cavaig- nac unterstützt ihn darin aufs Wärmste und eS scheint wirklich, als sollte die gesammte Organisation bis zum Neujahr bereits vollendet sein. Diesem allgemeinen Landstürme sollen zunächst seine Generäle, Obersten und Offiziere aus den in Paris kasernirten sechs Veteranenkompagnien zugetheilt werden. Man sieht, unsere afrikanischen Generale wetteifern darin, uns unüberwindlich zu machen.
— Das Journal „La Republique" schreibt: Der Polizeipräfekt ergreift strenge Maßregeln gegen die Prostitution, die, wie er in öffentlichen Dokumeneten sagt, täglich in erschreckenden Proportionen wächst. Trostloses Zeichen des Elendes mehr als des Lasters! Ist das eine wohlorganisirte Gesellschaft, die so viele unglückliche Kreaturen sich der Schande in die Arme werfen sieht, um dem Hunger zu entrinnen? Das ist die Gesellschaft, die dem Hrn. Thiers so sehr gefällt! Es ist wahr, daß im Ersatz Herr Thiers persönlich die größte Hochachtung vor dem Institute der Familie hat. (N. Rh. Z.)
Ungarn.
Die, Allgem. Oesterr. Zeitung bringt folgende mit „Neuwirth" unterzeichnete Erklärung in Betreff der Ungarn. Es verbreitet sich hier allgemein das Gerücht, daß die Ungarn sich feig zurückgezogen haben, und der Herr ungarische Staats -Secretär Pulsky eine offizielle Note an den österreichischen Reichstag abgesandt habe, worin derselbe erklären soll, daß die muthigen Wiener, die sich so brav für die Interessen Ungarns geschlagen haben, sich nunmehr um Hülfe an den Neichsverwèser und nicht mehr an die Ungarn halten könnten. Ich bin ermächtigt, diese Note dahin zu erklären, daß'sie blos lediglich eine Privatmeinung des Herrn Pulsky und keinesfalls eine offizielle Note des ungarischen Reichstags war. Herr Pulsky ist bereits selbst ins Lager abgereist, wo sich Koffuth schon befindet, und ich hoffe, der Angriff der Ungarn wird nächster Tage er- folgen. Neuwirth.
Nachschrift.
Neueste Nachrichten aus Oestreich.
Wien. Das neueste Journal des österreichischen Lloyd enthält als „Neueste Nachrichten" Folgendes: Wien. 20. Okt., Abends 6 Uhr. So eben sammeln sich an allen Straßenecken zahlreiche Gruppen vor einer vom Oberkommandanten der Nationalgarde, Herrn Mes- senhauser, angeschlagenen Proklamation, worin die Feldherrn der ungarischen Armee melden, daß sie mit ihrer Armee Wien zu Hülfe eilen. Die Proklamation ist unterzeichnet [von Pazmandy, M oga, Csany und Percel. Der Eindruck ist natürlich wie ein elektrisch- belebender Schlag für unsere Bevölkerung besonders für die kampflustige Jugend. (B. Z.-H.)
— Der neuesten „Allg. Oesterr. Ztg." entnehmen wir Folgendes:
Wien, 20. Oktober. Ruhe und Ordnung auch heute aus den Straßen, nur die Gemüther sind bewegt durch eine Menge Nachrichten. — Das Gerücht von einem Schusse auf den Kaiser, wollen wir nicht glauben. Dem armen betrogenen Mann nach dem Leben trachten! Es ist zwar bekannt, daß die Partei, welche alle Zustände verwirrt, daß die Camarilla schon vor Jahren mit Schüssen den Kaiser erschreckt hat; wir könnten uns denken, daß jetzt eine ähnliche Schandthat den Feinden des Volkes nützlich erscheint, weil dadurch das Mißtrauen um so mehr die Seele des Mannes beherrschen müßte, von dem wir Vertrauen verlangen. Heute Abend ist ein Theil der Armee des Windischgrätz in Florisdorf eingerückt. Ein Stück der Brücke, welche unsere Volkswehr augenblicklich den Wellen übergab, trennt die Besatzung von Florisdorf von Wien, und einige Schanzen, welche sofort aufgeworfen worden sind, verbieten den Uebergang.
Prag, 20. Okt. (Antwort des Kaisers an die Prager Deputation.) Windischgrätz ist General der Kavallerie und Feldmarschall aller außeritalienischen Truppen geworden, wahrscheinlich für seine Prager Heldenthaten, welche er gegen die edlen Wiener wiederholen soll; nun so leicht, wie hier mit der czechischen Fraktion wird er mit einem sreiheitbegeister- ten Volke nicht fertig. Sein Sohn ist Major und Flügelakjudant. Unsere Deputation, welche an das Hoflager nach Ollmüß gesendet worden war, um den Kaiser zu einer versöhnlichen Gesinnung gegen Wien zu stimmen, erhielt von Sr. Majestät folgende, gar nicht friedlich lautende Antwort:
„Ich verkenne nicht die edle Absicht ihres Antrages, der Zustand der Hauptstadt ist aber ein solcher, daß ich mich veranlaßt fühle, mir vorzubehalten, zur Herstellung der Ruhe und Sicherheit in derselben alle mir zustehenden Mittel nach Umständen anzuwenden, wobei es mein sehnlichster Wunsch ist, daß hierzu der möglichst geringe Aufwand von Kräften und meine väterlichen Ermahnungen hinreichen mögen."
Breslau, 22. Oktb. Nachmittags 4 Uhr. Zwei Franzosen, die gestern um halb 8 Uhr Abends Florisdorf verlassen haben, erzählen, daß Wien nunmehr förmlich belagert sei. Die rings um dasselbe aufgehäuften Truppen lassen Niemanden weder ein noch aus und halten Briefe und Zeitungen zurück. — Des Kaisers Proklamationen, welche von der gesammten Bevölkerung Wiens wie von den Mördern Latours sprechen, werden überallhin verbreitet. Indeß steht die Kaiserstadt den Heeren furchtbar gerüstet gegenüber und ist auf 14 Tage mit Proviant versehen; nur der französische Gesandte soll fich noch daselbst befinden und ein Bombardement verhindern. (Brest. Z.)
In Brünn ist es brieflichen Mittheilungen zufolge, zu einem ernsten Conflikte zwischen Militär und A- beitern gekommen, und, ersteres besiegt, wird in den Kasernen von der Nationalgarde bewacht.
Jnzersdorf, 18. Okt. (Aus dem kroatischen Hauptquartier.) Die Stellung der Truppen des Bans und deren Bewegungen lassen errathen, daß derselbe sich mehr gegen die heranrückende ungarische Armee vorsieht, als an eine Offensive gegen die Hauptstadt denkt. Es herrscht jedoch auch unter dem Offi- zieecoeps eine vollkommene Unkenntniß dessen, was in den nächsten Stunden geschehen wird. Die Umgegend bei Baden und Wiener-Neustadt ist nur schwach von Truppen besetzt; die Bahnhöfe hat das Militär inne, aller Verkehr auf der Eisenbahn ist mit Ausnahme der Truppentransporte unterbrochen. — Die famosen Roth- mäntel, die Triarier des dänischen Heeres, haben sich gegen Osten der ungarischen Grenze zugewendet; im Bahnhöfe zu Wiener-Neustadt kann man jedoch noch andere Stützen der Gesammtmonarchie im dänischen Sinne auf faulem Stroh gelagert sehen. Die Rothmäntel bettelten, als ich sie das erste Mal sah, um Silbermünze, Cigarren u. s. w., für Banknoten. Von europäischer Civilisation haben sie bisher nichts Profi- tirt, als das Wort Aula. Dabei machten sie die Bewegung des HalsabschneidenS und deuteten auf ihr großes Messer im Gürtel. Daß Jellachich von k. k. Truppen sprechen kann, wenn er an diese, im Einzelnen lächerlichen, im ganzen skandalösem Horden denkt, ist einer der unbegreiflichen Züge seines romantischen Sinnes. Excesse und Plünderungen sind nirgends vor- grfallkn, die Croaten halten ziemlich Mannözucht. Zu fürchten wären sie auch nur als Räuber, nicht als