Heil, hungre für die Einheit Deutschlands — schaffe nur zehn Millionen für vier Monate.
Zehn Millionen! Lumpige zehn Millionen!
Als du im März dich auflehntest gegen den Druck von Jahrzehnten, da hofftest du vor Allein Erleichterung deiner Lasten. Es war dir einerlei, ob Herr Blitters- dorf oder Herr Bassermann, Herr Metternich oder Herr Mathy, Herr Scheele oder Herr Schmerling Minister spiele — was kümmerten dich die Leutchen? Keinen Finger würdest du gerührt haben, deutsches Volk, ob dieser oder jener auf dem Sessel sitze; um Personen wegzuthun und andere an ihre Stelle zu bringen, würdest du keine Anstrengung gemacht haben. Du wolltest eine Aenderung der Regierung, eine Erleichterung. —
Zehn Millionen! Lumpige zehn Millionen!
Hat dir deine Nationalversammlung diese Erleichterung gewährt? Du glaubtest, sie würde dir das Heer von Schmarotzern wegnehmen, welche deine Fürsten an ihren Höfen ernähren — die Nationalversammlung hat durch ihre Majorität beschlossen, sie wolle sich mit der Ermäßigung der Civiilisten und Apanagen nicht beschäftigen. Du wolltest das stehende Heer vermindert, den Soldaten dem Bürger gleichgestellt, die unnöthigen Kosten für das Heerwesen verweigert sehen; du wolltest weniger Beamten und mehr Arbeiter an der Staatsmaschine — die Majorität hat beschlossen, das stehende Heer um ein Drittel zu vergrößern, damit es ja an Instrumenten für die Polizei deiner Centralgewalt nicht fehle. Statt die Schaar deiner Bureaukraten zu vermindern, hat man nur noch eine neue Zahl hinzu- geschaffen.
Zehn Millionen! Lumpige zehn Millionen!
Liebes deutsches Volk! Erkenne, wie viel Gutes man dir thut! Kehre zurück zu dem heiteren Lebensgenüsse, welchen die Reichskommissäre den Wienern angerathen haben, während der Feind vor den Thoren steht; erkenne, daß du dich mit Politik nicht beschäftigen sollst, schweige vielmehr geduldig und zahle mit Vergnügen! Trinke Champagner, wenn du reich genug bist, dir ihn zu kaufen, tanze mit deinen Mädchen, sei fröhlich und guter Dinge und laß deinen Staatsmännern deine Angelegenheiten zur Besorgung. Du wirst besser dabei fahren — du erhitzest dir den Kopf nicht und behältst kaltes Blut zur Besorgung deiner Handelsgeschäfte. Kehre um! Es ist hohe Zeit! Kehre um! Aber ehe du umkehrst und deiner Centralgewalt den Rücken wendest, zahle vorher, zahle!
Zehn Millionen! Lumpige zehn" Millionen!
, Es wird dich frenrn, sie gut angewendet zu sehen. Sie sind ja für deine Centralgewalt bestimmt, welche die höhere Polizei in Deutschland ausübt und die deutsche Einheit repräsentirt, für die du im März schwärmtest. Seither hast du dir das vielleicht abgewöhnt — man kann nicht immer schwärmen! Sei überzeugt, daß sie vortrefflich werden angewandt werden. Erhalten nicht die neuen Minister und Unterstaatssecretäre ihre Besoldung-davon? Erweisen sie dir nicht dafür die Ehre, dich hie und da aus strategischen Gründen mit Einquartirung zu beglücken, welches dich von anarchisch n Bestrebungen zurückhält und dich Bajonnet und Kolben fühlen läßt, sobald du dich der süßen Täuschung hingeben möchtest, der alte Polizeistaat sei aufgehoben? Erkenne die Wohlthaten, die man dir angedeihen läßt. Früher bearbeitete dich die Einzelpolizei mit Gefängniß, Geldstrafe und hie und da mit einigen Stockschlägen — die Centralpolizei, die größere Gesichtskreise hat, bringt ähnliche Wirkungen mit Säbeln, Bajonnetten und Ka tatschen hervor — es wirkt nur gründlicher, durchgreifender, rascher! O es gibt vortreffliche Staatsärzte auf dieser Welt, aber sie wollen bezahlt sein.
Zehn Millionen! Zehn lumpige Millionen!
Sei zufrieden, liebes deutsches Volk, daß es nicht mehr kostet. Zehn Millionen in vier Monaten, dreißig Millkvnen im Jahre — wie wirst du dereinst mit Be
dauern auf diese wohlfeile Zeit der provisorischen Cen- tralgewalt hinschauen, wenn du einmal in dem Glücke des definitiven Kaiserthums schwelgen wirst. Dein Reichsverweser thut dir den Dienst umsonst; — du hast ihm blos für die Wohnung gesorgt; deine Minister nehmen kaum so viel, als fie brauchen; deine Reichsge- sandtschaften sind noch nicht organisirt; deine Flotte ist noch zukünftig; dein stehendes Heer ist noch nicht völlig auf die gesetzliche Höhe gebracht. Aber wenn du einen Kaiser wirst haben mit romantischen Ideen im Kopse und mittelalterlichem Pompe, mit Herolden und Großwürdenträgern, mit Reichsräthen und Reichsba- rvnkn, mit Reichskanzlern und Reichssenatoren, mit Reichsgesandten und Rcichsgerichtsi âthen ; wenn du ein Parlament wirst haben mit Ober- und Unterhaus, eine Admiralität mit gichtischen Neichöadmirâlen und eine Reichsarmee mit peuüonirt?» Rcichsgenerälen; — v liebes Volk, wenn Du das Alles haben wirst, und noch mehr dazu, wenn du das Alles bezahlen sollst noch über deine 34 Einzelministerien und Einzelkammern und Einzelhöse und Einzeleivilistew; dann wirst du znrückHauen nach jener glücklichen Zeit, und du wirst dich selig preisen, daß du sie erlebt hast und wirst an deine Brust schlagen, deine Aufwallung bereuen und seufzen:
Zehn Millionen! Lumpige zehn Millionen!
(Reichst.-Ztg.)
Deutschland.
R Dillenburg. Das 4. Staatssteuersimplum ist bereits von der Kammer genehmigt und vielleicht noch nicht hinreichend, die Staatsbedürfnisse dieses Jahres zu decken, weil das Reichsministerium, wahrscheinlich durch ein Mißverständniß, die Forderung des Volkes in den Märztagen „allgemeine Volksbewaffnung" für eine nöthige Vermehrung der stehenden Heere gehalten hat. Die Einkommen- und Kapitalsteuer, für deren Einführung wir der Regierung wie der Kammer Dank wißen, wird indessen das übrige thun, und somit diejenigen Staatsangehörigen auch einmal anziehen, welche ihren Verhältnißen nach wohl am meisten hätten bezahlen können, aber leider bisher wenig oder gar nichts geleistet haben.
Daß bei dem gegenwärtigen Stillstand, in Handel und Gewerbe, mithin bei sehr geringen Einnahmeu die Steuerlast im Gegentheil noch größer als früher ist, macht freilich Manchen mißmuthig, und das Verlangen, daß unsere Kammer endlich die zu hohen Besoldungen und Pensionen der Staatsbeamten, sowie die Unzahl der Letzteren auf ein richtigeres Verhältniß bringe, wird vom Volke allenthalben ausgesprochen. Wir können nicht umhin hierbei eines besonderen Mißstandes in Bezug auf die Besoldungsverhältnisse der Geistlichen zu erwähnen. Das denselben zugewiesene Einkommen besteht nämlich meistens in Fruchtlieferungen und Güter- pâchten, welche äußerst billig angeschlagen sind, und wodurch in theuren Jahren das Einkommen dieser Herren mehr als verdoppelt wird. Abgesehen davon, daß es immer ein unangenehmes Verhältniß für einen würdigen Geistlichen sein muß, wenn ihm die Annen das ihnen selbst so nöthige Lieferkorn seufzend überbringen müssen, oder wenn er sich durch Lieferung einer schlechten Qualität absichtlich betrogen sieht; so kann auch im anderen Fall der Geistliche gewiß nicht die seinem Stande so nöthige Achtung und Liebe des Volkes gewinnen, der sich mit den Lieferanten überwirft, wenn sie ihm gerade nicht das Beste bringen, oder wenn er aus Habsucht mit seinem gelieferten Fruchtvorrath, einem Wucherer gleich zum Verkaufe die höchsten Preiße abwartet, was leider im vorigen Jahre vorgekommen ist und große Unzufriedenheit und Mißachtung gegen einige dieser Herrn erregt hat.
Was die Kirchen- oder sogenannten Pfarrgüter betrifft, welche bisher in äußerst geringem Anschlag dem Pfarrer als Besoldung übergeben, und von demselben
verpachtet worden sind, so sollten diese, bis auf wenige zum Bedarf einer gewöhnlichen Haushaltung nöthigen Grundstücke, zum besten der Kirchenkasse verpachtet und dem Geistlichen überhaupt nur eine seinein Amte entsprechende Besoldung in baarem Geld gegeben werden mit Aufhebung aller Gebühren für Taufscheine 2C'
Bei einer solchen der Billigkeit entsprechenden Ein- richtigung würde namentlich das hiesige Kirchspiel die außer den Staats- und Gemeindesteuern noch zu leistende Kirchensteuer sparen. Das unserer Kirchenge- meinichaft zustehende Pfarrgut ist nämlich einem unserer Geistlichen zu 500 fl. jährlichem Ertrag veranschlagt da aber solches in der Wirklichkeik über 1000 fl. jähr' lich einbringt; so müßte der Kirchenkasse nach Recht und Billigkeit dieser Mehrbetrag von nahe 500 fl zu Gut kommen und die Kirchensteuer entbehrlich machen' ohne daß dem geistlichen Herrn, dessen jährliches Einkommen immer noch circa 2000 fl. betragen würde da. durch Nahrungösorgen erwachsen dürften. Wir hoffen daß die zur Reorganisation der kirchlichen Angelegenheiten erwählten Laien dieses berücksichtigen werden, sowie wir den Geistlichen zutrauen, daß sie im Sinne der Religion, die sie zu lehren berufen sind auch handeln, und ihre Stellung nicht dazu mißbrauchen werden auf Kosten ihrer größtenteils gedrückten christlichen Mitbrüder mehr als was recht und billig ist nehmen.
H Langenschwalbach. In der Nassauischen und Nassauischen Allgemeinen Zeitung sind in Bezug auf das von hier aus an den Neichstagsabge- ordneten Herrn Schepp erlassene Mißtrauensvotum' zu verschiedenen Malen Kämpfer für ihn in die Schranken getreten, die unter falscher Devise ihre stumpfen Lanzen einlegten. Die vermummten Herren glaubten freilich, sie könnten, wenn sie unter dem erborgten Na, men von Wahlmännern aus den Lahnthälern gegen genanntes Mißtrauensvotum aufträten, dem Volke Sand in die Augem streuen, und vergaffen wahrscheinlich, daß man deu Strauß dennoch sieht, wenn er schon seinen r Kopf versteckt. — Der Instinkt des Volkes läßt sich durch solche reaktionäre Kunststückchen nicht mehr irre leiten und es erkennt die Wölfe schon am Geheul.
Wozu die erborgte Maske, ihr Ritter aus den Lahn- thälern? Man weiß nur allzugut, daß Ihr weder Bürger seid, noch sein wollt, und eben deshalb jede freie Aeußerung des Volkswillens anheult. Warum tretet Ihr, als Freunde des Herrn Schepp, nicht mit ehr-, iichen Waffen und offen in den Kampf für seine Sache, wenn Ihr sie für so gut haltet, und warum kämpft Ihr unter Namen und Titel, die Euch nicht zustehen? Wir kennen Euch doch, wenn Ihr schon im eingebildeten Siegesbewußtsein stolz einherschreitet und Euch überredet, daß Eure Pfeile, weil Ihr sie in Gift getaucht, auch wirklich tobten müßten. Wisset, Ihr tapfern Recken aus den Lahnth'âlern, daß das Vvlkj in sein Rechtsbewußtsein gehüllt, einen unverletzbaren Harnisch trägt, gegen den alle Eure giftigen Hiebe nichts ausrichten können. — Vergebens sucht Ihr die Schwal- bacher Bürger zu verdächtigen, indem Ihr sie auswärts als Helfershelfer der rothen Republik hinstellt: es genügt dem Volke, auf das Ihr durch die giftigen Früchte Eurer Sonntagsmuße zu wirken gedenkt, zu wissen, daß Ihr Euch nicht zum Volke zählt und über ihm zu stehen glaubt, um alle Eure Bemühungen für das zu halten, was sie wirklich sind.
Was haben denn die hiesigen Wahlmänner gethan, daß Ihr mit solcher Berserkerwuth über sie hecfallet? Sie haben dem Herrn Regierungsrath Schepp durch ein Sendschreiben zu erkennen gegeben, daß sie, als sie durch ihre Bemühungen seine Wahl durchsetzten, sich in ihm geirrt, und haben ihn daher aufgefordert, von den Rechten, die er durch einen Irrthum seiner Wähler erlangt, keinen Gebrauch zu machen. Verdient diese Offenheit, mit der sie ihren dermaligen Irrthum eingestehen, etwa Tadel? —
Freilich könnt Ihr, die Ihr die Offenheit scheut,
jetzt war es auf einmal wie ein Gewitterschlag über ihn hereiugebrochen und er murmelte: „Nun auch noch geschlagen — dann bin ich fertig für's Leben."
Als er zur Kaserne zurückkam biß er die Lippen noch feiler zusammen, sein Gesicht war noch bleicher und seine Augen glühten noch düsterer als sonst.
Am dritten ^age nach diesem Vorfall exercierte der Lieutenant seine Compagnie; nach einigen Uebungen wurde: „Halt! Front: commandirt und der Lieutenant ging dicht vor der Fronte mit ausgestrecktem, blankem Degen vorbei, damit sie eine schnurgerade Linie bilde. Als er in die Nähe Friedrichs kam, gab er dem Degen eine ganz kleine Wendung, so daß dessen Spitze die Nase Friedrichs ein wenig ritzte, dann ging er weiter. Dem Friedrich tröpfelte nun das Blut aus der Nase auf das weiße Bandelier; er durfte sich indessen in der Fronte nicht rühren und als der Lieutenant zurückkam und das Blut sah, donnerte er den Friedrich an: „Schweinhund! wie kannst Du Dich unterstehn, solche Schweinerei am Bandelier zu haben?" zu Befehlen Herr Lieutenant! — das ist soeben geschehn ; der Herr Lieutenant haben soeben zufällig min dem Degen meine Nase geritzt." „Das ist eine infame Lüge!" „zu Befehlen Herr Lieutenant! aber der Herr Lieutenant haben das wohl nicht bemerkt." „Kerl! Du unterstehst Dich mich Lügen zu strafen!" brüllte jetzt der Lieutenant, sprang auf Friedrich zu und schlug mit der umgekehrten Hand zweimal in's Gesicht. Lie Todesblâsse, die nun auf einmal das Ge
sicht des Friedrich bedeckte, schimmerte so geisterhaft durch das Blut, (was nach den Schlägen aus Mund und Nase sprang) und die Äugen brannten so unheimlich und wild, daß der Lieutenant sich erschrocken abwendete. Er cvm- mandirte:„Rührt Euch!" und nun durfte jeder Soldat mit geschultertem Gewehr anstreten und seinem Lieutenant irgend Nöthiges vortragen. Der Friedrich machte von dieser Erlaubniß Gebrauch: mit geschultertem Gewehr trat er in Paradeschritt vor den etwas zurückweichenden Lieutenant hin, stieß ihn dann — in raschem Exerzier-Griff — mit dem Bajonett durch und durch und ging festen Schrittes in seine Reihe zurück.
Dieses schreckliche Ercigniß wurde nun sehr still und rasch vom Kriegsgericht betrieben, d. h. Friedrich zum Tode verurtheilt. Der König aber verwandelte dieses Urtheil in lebenslängliche Kettenstrafe; — die Zeitungen bürsten über das Ganze nicht berichten; nur ein offizielles Blatt brachte Folgendes: „Ein gemeiner, dem Spiel und Trunk ergebener Soldat, hat einen ausgezeichneten Offizier, weil derselbe ihm einen Verweis gab, gemeuchel- mordet; ein Beiwiel der schrecklichen Roheit und Gemein- lâr noch immer in den untern Volksschichten
Ein offenes Bekenntniß.
Hr. Leo sagt in der Hengstenbcrg'schen Kirchenzeitung, (V. Heft d. I. S. 377): „Es handelt sich gegenwärtig für den wahren Christen darum, nun gerade, wo Schande und Schmach vor der Welt auf allen Seiten daran geknüpft wird, sich als Mucker zu bethätigen! „Bekanntlich hat sich der Professor Leo unter An- derm dadurch „als Mucker bethätigt", daß er einen seiner College::, weil derselbe die Revolution in Schutz nahm, einen „Schurken" nannte, worauf er vor den erbitterten Studenten in Halle die Flucht ergreifen mußte!
Ein Mann, welcher sich besonders dadurch auszcich- nete, daß er in den ersten Tagen der wiedererwachten Reaktion derselben als thätiger Arbeiter diente, sagte einst in Gegenwart von Damen mit großer Wichtigkeit: „Ich bin sicher, daß, wenn die Guillotine wieder ihre Arbeck beginnt, die Jakobiner mit mir die erste Probe machen. — „Ja, bemerkte darauf eine der anwesenden Damen ganz naiv, ich habe immer gehört, daß man zum Probiren immer Schafsköpse nehme." (A. d. Dem. Kal.)