her Seelenzahl, welche die llrwahlen, sowohl für Er- stere wie Vetere vollzogen hat. Nun denn, warum gelten die Beschlüsse nicht auch ihm und nur blos dein Bürgerthum; warum bleibt jenes alte Gesetz in Kraft und' verweigert dem Militär die Besitznahme der Errungenschaften einer neuen Zeit?
Wo ein Staat besteht, dessen Gesetzgebung nicht für alle Unterthanen gilt; wo nicht alle Bürger sind, da mag wohl das Schicksal Spartas mit der Gesetzgebung eines Lykurgs das getreueste Bild der Zukunft eines solchen Staates abgeben.
Nationalversammlung zu Frankfurt.
(Nach der Reichstags-Zeitung.)
102» Sitzung.
Nach Verlesung des Protokolls, das ohne Reklamation genehmigt wird, kündigt Bl èm er für den Ausschuß für Gesetzgebung den Bericht über den Antrag Wescn- doncks an, die wegen Theilnahme an den Ereignissen vom 48. v. M. Angeklagten vor ein rheinisches Gericht zu stellen rc. rc. Es braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden, daß auch für diesen Antrag die Tagesordnung vorgkschlagcn wird.
v. Soiron verkündet, daß ein weiteres Kapitel der Verfassung — „das Reichsgericht" — sich unter der Presse befindet. Darauf interpellirt S c l l m e r den Reichsminister des Innern, ob noch nichts geschehen, um den Beschluß vom 27. Juli, die Einverleibung eines Theils von Posen in den deutschen Bund betreffend, in Ausführung zu bringen.
Jahn verliest folgende Anfrage: Glaubhaften Zeitungsnachrichten zufolge sind einige aus der Paulskirche verschwundene Abgeordnete nach Wien gereist, da nun bei der Stimmung des Landvolkes zu besorgen sei, daß sie Gefahr ausgesetzt werden könnten, so frage er: „was für Sicherheitsmaßregeln hat das Ministerium für diese ergriffen? sind sie im Auftrage der Versammlung, mit Urlaub und mit einem Reichspaß versehen, abgereist?" (In das Gelächter, das diese Fragen hie und da erwecken, mischen sich ernste Aeußerungen des entschiedenen Unwillens über derartige ungeeignete Spässe.)
v. Schmerling antwortet auf die Frage S e l l- mers, daß nach Posen ein Reichskommissär in der Person des Generals Schäfer ernannt worden sei, daß es aber noch daran „behänge", daß in Berlin noch „einige Materialien" vorbereitet würden.
Darauf geht man zur Tagesordnung. Fortsetzung der 88. 2, 3 und 4 „des Reichs".
Betdtel spricht lange von der Geschichte Oesterreichs, der pragmatischen Sanktion und geht dann die einzelnen österreichischen Länder und Provinzen durch, um deren große Anhänglichkeit an das österreichische Kaiserhaus zu beweisen. Ferner erklärt er,. cs sei nicht nöthig, Oesterreich zu zerreißen, also solle man cs zusammen- lassen, es werde auch in seiner bisherigen Gestalt seiner Verbindlichkeit gegen Deutschland nachkommmen, nament- kich dem Zollverein beitreten. Er bittet, Rücksichten auf die Millionen Slaven in Oesterreich zu nehmen, welche Deutsche seien (Gelächter), daraus werde für Deutschland selbst Heil erwachsen.
Wagner erklärt sich entschieden für den Entwurf des Ausschusses zu §. 2 und verlangt für die deutschen Provinzen Oesterreichs festen Anschluß an Deutschland. Eine Trennung der einzelnen Provinzen in der im §. vorgesch'agenen Weise werde für diese selbst keinen Nachtheil herbeiführen. Nur solle man kein Vorbehalt machen) nicht die definitiven Bestimmungen auffchieben, sondern entschieden'auftreten und die Entscheidung aussprechen, ehe es zu spät sei.
Auf die Wiener Ereignisse übergehend, erklärt er, die dortige Bewegung sei eine rein deutsche und zollt namentlich der Studentenschaft Wiens ein wohlverdientes Lob. Er sei kein Freund von Revolutionen, Halte
sie aber für nothwendige Uebel, und fordert deßhalb | auf, die letztvergangene Revolution vollständig auszu- beuten und einer neuen Revolution vorzubeugen und nicht blutige und höchst gefährliche Ereignisse hervorzurufen. Wien braucht uns und wir Wien. Sprechen Sie es aus, daß Sic die österreichischen deutschen Länder um keinen Preis aufgeben wollen, rechnen Sie aber auch auf uns und unsere Armee. (Lauter Beifall.)
J. Kaiser aus Wien hält die Trennung der österreichischen Länder für eine große Calamitât, und die Personalunion für ein ungeeignetes Band, die verschiedenen Nationalitäten zusammenzuhalten, die dann in eben so viel selbstständige Staaten zerfallen würden. Er will zwar nicht gegen die §§. 2 und 3 stimmen, verlangt aber dagegen Annahme des von ihm beantragten Zusatzes, Ausnahmen von einzelnen Bestimmungen der Reichsperfassung, welche Oesterreich wegen seiner besondern Lage gestattet werden sollen, bleiben künftigen Beschlüßen vorbehalten.
M ü h l fe l d vertheidigt das Minoritätsgutachten, wie er sagt, nicht im Interesse Oesterreichs, sondern im Interesse Deutschlands, indem letzteres der Beweggrund gewesen, aus dem es hervorgegangen sei.
Nach ihm spricht in gewohnter Weise v. Vincke, der in der Zertrümmerung der österreichischen Monarchie eine Zertrümmerung Deutschlands erblickt. Mit den Grundsätzen der vorgeschlagenen Paragraphen erklärt er sich zwar einverstanden, verlangt aber Ausnahmen davon für Oesterreich. Eine bloße Personalunion sei nicht vermögend, die verschiedenen Nationalitäten zusam- menzuhalten; dies habe wohl der starre Wille des Absolutismus vermocht, im constitutionellen Staate sei es nicht möglich. Er will eine Verbindung Deutschlands mit der ganzen psterrcichischen Monarchie in ihrem vollen Umfange, gesteht aber zu, daß diese jetzt noch nicht ausführbar sei, sondern erst vorbereitet werden könne. Dann geht er einzelne nichtdeutsche Provinzen Oesterreichs durch, wobei, er auch auf das venetianische Land kommt, das Deutschland aus strategischen Gründen nicht aufgeben könne, da es die Flanken gegen Frankreich decke. (???) Er will einen Bundesstaat ohne das deutsche Oesterreich und einen Staatenbund mit dem gesummten Oesterreich, will aber nichts apodictisch dekretirt, sondern alles nur auf zarte Weise ungebahnt haben, und erklärt sich daher schließlich für das Kuiser'sche Amendement.
Schneider aus Wien erklärt sich gegen das Fortbestestehen der pragmatischen Sanction und für die Per- foualunion. Wenn Deutschland mit Oesterreich nur in einen Staatenbund tritt, dann ist eine großartige deutsche Politik mit einem Reichstag in Frankfurt und einem in Wien unmöglich.
Nachdem er einzelne Uebersichten über die Zoll- und Monopolsteuer-Einkünfte Oesterreichs gegeben, vertheidigt er die österreichische Regierung, die er übrigens keineswegs in Schutz nehmen wolle gegen einzelne Angriffe, die er als ungerecht erklärt und spricht die Hoffnung aus, daß aus dem Siege der Demokraten in Oesterreich ein Sieg der Demokratie in ganz Deutschland würde, und daraus ein großes einiges Deutschland entstehen werde.
Clemens stimmt gegen 8 2 und 3, weil er Oesterreich nicht von Deutschland getrennt sehen will, und überzeugt ist, daß die Annahme derselben zu einer Trennung Deutschlands von Oesterreich führen müsse. Um aus den verschiedenen Dilemmen, welche diese Verhältnisse mit sich bringen, hcrauszukommen, schlägt er vor: die definitive Abstimmung über die vorliegenden 88. auszusetzen, und sie für spätere Zeiten vorzubehalten. (Ein bequemes Mittel für Unentschlossenheit und Unfähigkeit.) <
Biedermann hält zwar den Bundesstaat mit Oesterreich jetzt nicht für möglich, ist aber dagegen, einen Staatenbund zu proklamiren. Deßhalb ist er für den Entwurf der Majorität, um cs alsdann Oesterreich zu überlassen, selbst zu erklären, es könne nicht in diesen Bund eintreten, und selbst die Bedingungen jener Ver
bindung mit Oesterreich vorzuschlagen. — Warten wir nicht, zögern wir nicht, stellen wir Oesterreich eine entschiedene Frage, wie das Verhältniß zwischen ihm und Deutschland werden solle.
Reichensperger hält einen langen mit einer Unzahl von Gemeinplätzen »erzielten Vortrag, der häufig durch ein spöttisches Bravo unterbrochen wird, um seine Ansicht zu motiviren, daß diese Sache nicht auf die Spitze getrieben, sondern nach Möglichkeit vermittelt werden solle. Deshalb ist er für §. 2, beantragt aber Streichung des 8- 3. — Man ruft stark nach Vertagung. Vicepräsident verkündigt den Eingang eines Antrags auf Schluß ter Debatte. Dieser wird abgelehnt, die Vertagung angenommen, und die Sitzung nach einigen Bekanntmachungen geschossen.
Deutschland.
(*) Von der Weil, im Oktbr. So ists denn geschehen ! Die Volksversammlungen unter freiem Himmel sind im Umkreise von fünf Meilen um Frankfurt herum verboten, bei Strafe von 6 Monaten Gefängniß verboten! Ich griff bei der Trauerbotschaft sogleich nach meiner Karte und dem Zirkel, setzte den einen Zirkelfuß nach Frankfurt, (Gott verzeih' mirs, ich habe in meinem Zorne die gute Stadt durch und durch gestochen!) und dann beschrieb ich mit dem andern Fuße den verhängnisvollen Zauberkreis. In der That ist das mit dem Interdikt belegte Gebiet von ansehnlichem Umfange. Mehr als ein Drittel unseres Herzogthums fällt unter den Bannfluch. Wenn alle „konstituirenden" Versammlungen unserer verschiedenen Vaterländer solch ein Noli nie tangere, solch einen Herenzirkel um sich zögen, so bliebe nicht viel „freie Rede" in dem „freien und einigen Deutschland" übrig! Am schlimmsten fommt dabei das Volk auf dem Laude weg, wo es überall an den erforderlichen Lokalen zur Aufnahme einer größern Versammlung fehlt. — Wie doch die Vögel da oben zu beneiden sind, die ganz ungestört ihre „Volksversammlungen unter freiem H"mnel" halten! „Der Hauch der Grüfte reicht nicht hinauf in die freien Lüfte!" — „Wär' ich ein Vögelein" oder auch — ein Maulwurf! Doch dieser unterirdische „Wühler" wird vielleicht auch bald in den Bann gethan, da bekanntlich schon der alte Hegel den alles Ueberlebte unterhöhlenden Geist mit demselben verglichen hat. Doch was liegt daran! Der unsichtbare und unfaßbare Wühler wird sein Geschäft schon vollenden! Vor der Hand übrigens bringt das Verbot nicht viel Schaden, da sich im Winter die Volks- versammlungen unter freiern Himmel von selbst verbieten. Da dasselbe indessen für die ganze Dauer der Nationalversammlung giltig ist und dieselbe, wenn sie auf die bisherige Weise fortkonstituirt, noch Jahr und Tag versammelt bleiben kann, so haben wir unter daS Interdikt gestellten Nassauer noch einen besondern Grund,, unö für die Regenerirung der Nationalversammlung zu intcressiren.
Von der Stammburg Nassau, 19. Okt. (Noch mischt der Pfaff die Karten.) Es ist den Jesuiten und der jesu-tenfreundlichen Partei der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. gelungen, die Volksschule und damit natürlich auch die Volksbildung, durch die ausgesprochene Bestimmung des Lehrerwahlrechts für die Gemeinden, für alle Zukunft zu vernichten. Denn gemäß dieser Bestimmung haben die Gemeinden die Freiheit, die Wahl eines Lehrers für ihre Jugend ganz nach Belieben auszuüben. Sie können z. B. einen Lehrer auf 1 Jahr oder auf 2, 3, 4 Jahre rc- oder sogar auf eine unbestimmte Zeit wählen resp, dingen und ihn, wann es ihr ein fäßt, wieder entlassen. Die Gemeinden, in welchen gegenwärtig noch Lehrer angestellt sind, können dieselben nach jener famosen Bestimmung, sobald diese als Reichsgrundgesetz definitiv angenommen ist, ohne Weiteres fortschicken und sich andere dingen, wie sie es auch mit
exerziren seiner Soldaten erfand er, „auf Ehre!", eine ganz neue, unsterbliche- Art Hunde zu dressipen; spielte „brillant" Domino und konnte von Servietten, Aepfeln und Weißbrödchen allerhand Figuren machen. Er hatte (laut Rechuung) ein seidenes Schnupftuch, das er im- mer lehr geschickt-nachlässig zu handhaben wußte; eine kleine goldene Uhrkette ohne Uhr, die aus dem mittelsten Knopfloch seiner stark wattirten Uniform heraussiel und einen unendlich breiten Wappenring, den er am Zeigefinger der rechten Hand trug. Mit einer ungeheuern Meinung von sich selbst und der bedeutenden Wichtigkeit seiner Stellung: sah er auf jeden „Civil", wenn er nicht wenigstens Regierungs-Rath und adlich war, verächtlich hinab ; versäumte aber durchaus nicht, die- Bälle bei den reichen Kaufleuten und Banquiers zu besuchen, „um das Volk nicht grade vor den Kopf zu stoßen", wie er sagte-
So war der Lieutenant wie wenigstens zwei Drittel seiner Kameraden waren und das ist bei einem so absoluten Militärstaat wie der worin meine Geschichte spielt und bei der geringen w a h r h a ft w i s se n s ch a ft l i ch e n Bildung womit, namentlich bei der Infanterie, die jungen Leute Lieutenant werden können, ganz natürlich; wird auch so lange dauern, bis das Militair keine andere Stellung zum Staate hat und Einrichtungen getroffen sind wonach 1) Niemand zum Lieutenant ernannt wird, der nicht wenigstens die Reise zur Universität besitzt. 2) in ^ricdenszeiten zwei dem Lieutenant folgende höhere
Militair-Stellen nur durch höhere Examina errungen werden können.
Unser Lieutenant hatte sich also vorgenommen den Friedrich zu ducken und dazu hat ein Lieutenant immer Gelegenheit. Es heißt zwar, daß der Offizier keinen Soldaten ungerecht ausschimpfen, unter keiner Bedingung ihm körperlich weh thun dürfe; aber wenr er das will, so thut er es doch und Niemand darf das sehn und es wagt wol selten ein Soldat seinen Offizier anzuzeigen; man hatte ja Beispiele, daß solche Anzeigen stets bitter gebüßt wurden, wenn der Angezeigte auch anscheinend zur Rechenschaft gezogen oder bestraft wurde (obgleich dies bei 10 Anzeigen höchstens nur einmal geschieht). Doch auch ohne besondere körperliche Mißhandlungen kann dem Soldaten sein Leben ^ur Hölle gemacht werden; da sind hunderterlei Kleinigkeiten die er zu beachten hat und nur ein Schatten von Versehen derselben kann ihm Wachdienst, Nachexerzieren, Stnben- und Kasernen-Arrest rc. zuziehen; oder man packt ihn beim Ohrläppchen, das sieht ganz unschuldig aus, und kneift dann tüchtig hinein; man setzt ihm den Czacko zurecht und drückt denselben recht scharf ein; man zerrt ihn am Baudalier und schlägt dabei mit der Kante pes Sabels ihn in die Seiten; man. reißt ihm das Gewehr aus der Hand, zeigt: „So, Himmel-Hund!" und läßt es ihm beim Zurückgeben auf die Füße fallen. Alle dieje Klinstgrine und noch weit mehr wendete nun der Lieutenant nach und nach bei dem Friedrich an und der
Stuben-Uuteroffizicr half ihm jetzt treulich, weil er merkte, daß das den Lieutenant freue. Da war denn das Elend noch entsetzlicher; aber Friedrich murrte nicht. Alles was er sagte und sagen durste war nur: „zu Befehlen Herr Lieutenant!" aber sein Herz krampfte sich immer furchtbarer zusammen und oft hörten ihn Nachts schlaflose Soldaten plötzlich laut aufschreien wenn sie ihn schlafen glaubten; seine Antwort war dann: „ich hab einen bösen Traum gehabt." — Zuletzt hörte das auch der Unter-Offizier und meinte: „Ochse — Du brauchst nicht zu träumen;" „zu Befehlen Herr Unter-Offizier!" antwortete Friedrich und nun hörte man keinen Schrei mehr von ihm. *-
Der Fasching kam und brachte wieder den alten, großen Jubel in die alte, große Stadt; da war wol Niemand darin der sich nicht freute, außer Friedrich- Er wollte von allem nichts sehen, denn er fühlte sich krank am Herzen und zuckte oft zusammen, daß er meinte es treffe ihn ein Schlagfluß.
(Fortsetzung folgt.)