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âeiheit und Neeht!"

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Wiesbaden. Freitag, 28. Ectober

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W Das Reichsministerium und die Wühler.

Während das deutsche Reichsministerjum in den letzten Wochen mit einem Eifer, wie man ihn seit der französischen Juli-Revolution in Deutschland nicht er­lebt, allerorten die demokratische Bewegung. durch die überzeugende Macht der Bajomtte zu unterdrücken sucht, sicht es rubig zu, wie ein Mann, der durch sein bis­heriges politisches Wirken den Fluch eines jeden frei- Heitlicbenven Badensers, eines jeden freiheitliebenden Deutschen auf sich geladen, in Süddeutschland seit Wochen von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zieht und das Vo'k katholischen Glaubens aufzuwiegeln sucht. Dieser Mann ist der großherzogl. bad. Hofrath und Professor Buß von Freiburg. Dürfen wir auch annehmen, daß dieser Fanatiker mit seinen 27 Millionen Katholiken, die nach seiner Aussage jeden Augenblick bereit stehen, für ihre Meinung ihr Leben in die Schanze zu schlagen, nicht durchdringen wird, hätte er selbst tausendmal mehr Stricke, als weiland die Herren Pa­tres Jesuiten in Luzern, so dürfen wir doch vom Reichs- ministerrum verlangen, daß es diesen Sonderbestre- bungen, die nur unzählige Zersplittei ungen nach sich ziehen, ein schleuniges Ende mache. Wir wollen nicht annebmen, daß das Reichsministerium nur deßhalb Nachsicht gegen jene Wühler hat, weil sie die Monar­chie auf ihrer Fahne tragen, wir wollen nicht glauben, daß das Reichsministerium darum jene Wühler im Lande herumziehen läßt, weil sie die königl. preußische Devise auf der verrätherischen Stirne tragen:die Freiheit muß fortan in der Ordnung aufgehen." Aber der Schein spricht sehr dafür.

Als in einer der letzten Sitzungen der National­versammlung ein Mitglied der Linken, Schmidt, die Rednerbühne betrat, äußerte der frühere Bundestags­gesandte, nunmehrige Reichsminister Ritter von S ch Mer­lin g:das ist auch eine von den Canaillen, die hinaus­geschafft werden müssen." Wenn der Herr Reichs­minister auf diese Weise das Wohl der Nation zu för­dern glaubt, dann ist er auf dem unrechten Weg, und da er doch einmal hinausschaffen will, so möchten wir ihm rathen, lieber Leute, wie Herrn Buß, zum Lande hinauspeitschen zu lassen, fürwahr, es würde dem Wohl der Nation förderlicher sein.

Nach dem bisherigen Wirken des Reichsministeriums glauben wir indessen, daß Herr Buß keinerlei Be­schränkungen zu fürchten haben wird. Ihm ist es er­laubt, hernmzuziehen, und daS unwissende Volk gegen jeden freisinnigen Beschluß, der nach langem, heißem Kampfe in der Nat -Vers, durchgeht, aufzuwiegeln. Ihm und seiner Klike ist es erlaubt, in öffentlichen Volksversamm­lungen Fluchen von Schmähreden auszugießen gegen die diatioualyersammlung:in der Protestanten und sogar Juden sitzen." U>'d wagt es ein De­mokrat, auch nur einen gerechten Tadel gegen die Na- i onalversannnlung auszusprechen, so steht al sobald das

Der Soldat.

^(Aus demdeutschen Vauernbuch" von C. A. Schloenbach.)

In der ganzen 3. Compagnie, oder wol gar im gan­zen Bataillon dieser Compagnie, des Infanterie-Re­giments wurde der Friedrich Achter als der beste Sol­dat erkannt, sowvl im Dienst als in der Kaserne. Stets sah man ihn ernst, fest, abgeschlossen; stets war er be­müht, so anständig als möglich anszusehen und zu spre­chen und meist still für sich, ohne sich mit den Solda­ten genau einzulassen. Diese hätten dem -Friedrich das wol übel genommen, ivhnn sie nicht instinktmäßig her- ausgefühlt hätten, daß er etwas Besseres sei, wenigstens mehr wisse als sie. Er half aber auch allen Soldaten seiner Umgebung im Briefschreiben, las den ganz Un­wissenden die Briefe aus der Heimath vor und machte auch oft den Unteroffizieren und Feldwebeln insgeheim ihre Rechnungen und Berichte. Sein Lieutenant hatte ihn schon einigemal alsBursche" haben wollen und ihm gute Versprechungen gemacht; aber er batte das stets sehr ernst und fest mit den Worten zurückgewiesen: zu Befehlen Herr Lieutenant! ich danke;" Das hatte den Lieutenant ungemein geärgert: ein gemeiner Soldat, ein Schuster dem Lieutenant, dem Baron nicht die­nen zu wollen! das war ihm noch gar nicht passirt und der Beugel sollte dafür gehörig geduckt werden.

Wol war der Friedrich gemeiner Soldat und Schuster;

hohe Reichsministerium mit einigen hundert Bajonetten hinter ihm und wirft ihn in den Kerker. Nicht so mit Herrn Buß. Herr Buß ist Monarchist, und wahr­lich, wahrlich ich sage euch, «her geht ein deutscher Reichsminister durch ein Nadelöhr, als daß er einem Monarchisten auch nur ein Haar krümme.

Deutschlands Bürgerthum und Militär­stand.

HM Vom Taunus. Daß sich zwischen Bürger­thum und Militärstand, schon seit langer Zeit eine große Spaltung erhalten hat, ist allgemein bekannt. Die Folgen dieser Spaltung haben sich schon von jeher, jedoch besonders in den letzten 30 Jahren deutlich gezeigt und wiewohl der Soldat aus dem bürgerlichen Leben hervorgeht und schon nach wenig Jahren wieder ganz in dasselbe znrücktriit, ist diese Spaltung, dieser Haß zwischen beiden Parteien noch immer nicht ver­schwunden und wird auch so lange nicht schwinden, bis die Grundursache dieser Spaltung gänzlich wegge­räumt ist. . ,

Die Grundursache scheint uns zu sein: daß der Militärstand, als eine eigene Kaste im Staate erhalten wird, deren Aufgabe und Gesetze ganz anderer Art sind, als die des Bürgerthnms; kurz eine Kaste, welche mit dem Bürgerthum nichts gemein hat und ebew dadurch mit demselben durchaus in keiner Vecbin- dung stehen kann, soll und darf. Es theilt sich also ein jeder Staat in 2 Klassen, Bürger und Mili­tär. Wo dieses der Fall nicht ist, da dürfen wir es nur der bessern Einsicht des Militärs, aber durchaus nicht den bestehenden Gesetzen zuschreiben, denn letztere bestehen noch immer in derselben -braft, wie früher und es ist demnach auch für die jetzige Zeit nichts An­ders zu erwarten, denn das bereits erlebte: Ueberwa- chung eines jeden Fortschritts und somit des ächten Freibürgerthums.

In jener Zeit, wo ein Körner- seine Freiheitslieder in die deutschen Gauen schleuderte, wo das deutsche Volk muthig die Waffen ergriff, um vereint mit dem Militär, der Herrschsucht fremder Fürsten müde, mit einem Schlage seine Freiheit, seine Souveränität wieder zu erlangen; da war es, wo man in Nassau die Krone der ganzen militärischen Gesetzgebung, die Kriegs­artikel entwarf.

In den Jahren von 18071815, wo Deutschlands Bürger und Soldaten, die Leiden des Krieges müde, sich freundschaftlichst die Hand boten, wo Deutschlands Bürger größtentheils in den Waffen geübt, die ihnen auf Leipzigs blutgetränktem Schlachtfelds zugeschworene Freiheit in Besitz zu nehmen drohten; da galt es vor Allem, dem Militärstand eine Verfassung zu geben, welche das freundschaftliche Verhältniß beider Parteien untergrabe, den Militärstand wieder zur eigenen Klasse mache und derselben unumschränkte Gewalt zusichere.

aber er hätte ganz was anders sein können; sein Vater war Dorfschulmeister und was der wußte, das wußte er schon mit vierzehn Jahren, lernte nun für sich selbst immer weiter und später gab ihm der Pastor noch Un­terricht; man wollte ihn auch zum Schullehrer ausbil­den aber da kam die Verordnung: daß Jeder der als Schullehrer angestellt sein wolle, ein Schullehrer-Semi­nar besuchen müsse und nun war Friedrichs Hoffnung aus. Der Vater konnte ja kaum die Familie ernähren und kleiden und mußte sich dazu bei seinem Amt noch allerhand Ncbenverbien sichen machen: Schweine schneiden, Hühneraugen ausbrennen, Vogelkörbe verfertigen :c. (zwar das Alles stets mit der höchsten Würde); da war gar nicht daran zu denken, dem Sohne auch nur einen Gro­schen zu geben und Stipendien waren nicht da oder wur­den nach Protection vertheilt.

Der Friedrich mußte nun ein Handwerk lernen und zwar eins was am wenigsten kostete und am raschesten etwas verdienen ließ; da kam er zu einem Schuster des Dorfes. Aber von dem Baum des Erkenntnisses, d. h. von der forschenden Wissenschaft, schon gekostet: trieb es ihn immer weiter und weiter zu lernen und zu forschen; ein glühender, ihn wild verzehrender Ehrgeiz durch zuckte ihn und er mußte doch auf dem Dreibeinsiuhl sitzen und schustern! so litt er enseylich. Endlich kam er mit sich zum Abschluß und meinte:Es m g ß sein, nun will ichHieb meine Schuldigkeit thun / und das that er nun auch mit eiserner Entschlossenheit, ohne Murren, ohne

Und es war herrlich gelungen in der Abfassung eines Gesetzbuches bei den nassauischen Truppen nnfe>- dein Titel:Auszug aus dem Dienstreglement der kaiserl. königlichen Infanterie vom Jahr 1807." ih? An d r Spitze di-ses Auszugs sieht der Eid und die Kriegsartikel, dann folgt mit diesen bei­den vortrefflich zusammenhängend, ein vollkommenes Reglement des ganzen Militärspstems und: dieser Auszug besteht bis ^eute noch in der vollsten Kraft. Da ist den bestehenden Gesetzen nach, bei schwe­rer Strafe, unbedingter Gehorsam für pben Befehl sikboten, da ist keine freie Vereinigung eelaubt, da ist jede Meinungsfreiheit in Worten/ Schriften, Bildern strenge untersagt, da ist kein Petionsrecht an die Stände- kümmer und Nationalversammlung gestattet, da ist keine freie Wahl der Vorgesetzten, noch Berücksichtigung der L-ebe und des Vertraums in den Reihen der Soldaten, noch des Talentes, da ist jede Ausbildung außer der jenes Reglementsauszugs gemißbilligt oder gar verboten.

Wohl hatte man in Deutschland die Folgen dieser Kluft durch Erfahrung kennen gelernt; aber die Grund­ursache, den reißenden Strom, welcher diese Kluft durch­strömte und jede Ausfüllung weggeschwemmt, hatte man wahrscheinlich nicht entdeckt; dieses sehen wir in der Beerdigung des Militärs auf die Verfassung, mit ruhiger Beibehaltung der alten Militärgesetzgebung. Man beeidigte das Militär auf die Verfassung und zwar so: man ließ das Militär einen Eid ablegen, wo hreß, die neue V rfassung anzuerkennen und zu vertheidigen. Sonstige Erklärungen wegen des Ver- fassungserdes waren alle sehr unvollkommen und sich selbst widersprechend. Wo sindeu wir einen Gesetzent­wurf, der die Verpflichtung des Militärs nach dem Versaffungseide ausspricht? wo finden wir den Solda­ten, der die Pflichten, welche ihm der VerfassungSeid auferlegt, zu sagen vermag? Nirgends, denn Verfassungseid und jener Reglementsauszug können unmöglich zusammen harmoniren. Wie leicht ist es möglich zu machen, durch Erinnerung an den Verfas­sungskid bas Militär zu jeder That zu bewegen; wo jenes alte, so trefflich ausgearbeitete Militärgesetz noch in vollster Kraft besteht, während die Verfassungsbeeidi­gung nur wie ein düsterer Nebel vorbeigeschwebt ist, der Nichts als die Erinnerung einiger Minuten zu- rückgelaffen hat.

Nur noch eine kleine Zeit mögen die Ständekam­mern und die Nationalversammlung zögern und der kleine jetzt schon morsche Damm wird von dein großen reißenden Strome spurlos weggeschwemmt uud die Kluft, anstatt sie auSzu. bnen, muß nur noch größer und die Folgen schrecklicher werden.

Sollte sich diese so traurige Ahnung bestätigen, waS sehr leicht sein kann, so mag wohl unsers Ermessens Niemand als die Vertreter des Volkes, sowohl in Ständekammer wie Nationalversammlung die Schuld tragen: denn das Militär gehört doch ganz gew ß zu ggg^TT 1" "I IIMBIMMMIIM^^

Jemand zu zeigen wie unglücklich und elend er sich fühlte- aber dafür setzte sich bei ihm, tief im Innern, ein düste­rer Groll und eine bittere Starrheit fest. J^t nahte die Zeit heran, wo er als couscriptionsfähig zur Z ehung berufen wurde; er hätte recht gut das Examen als ein- jähriger Freiwilliger" machen können, aber er hatte ja fein Geld, sich als solcher' selbständig während des Jah­res zu erhalten, nicht einmal als zweijähriger Freiwilliger leben zu können: da mußte er als Gemeiner auf drei ^i)re fort und wurde nun der Soldat, den wir oben haben kennen lernen. Sein Ehrgeiz und Wissensdrang waren nod) immer fort mit dem düsteren Groll und der bitteren Starrheit gewachsen, aber wenn Beides ber- vorbrechen >vollte, sagte er auch wieder den alten Spruch: Es muß sein nun will ich auch meine Schuldig- " feit thun" und that er sie als Soldat wie er sie als Schuster gethan, mit eiserner Enschlossenheit;aber die­nen, als Bursche, als Bediente nein! nicht um 1000 Thaler Lohn!" dachte er und weil der Lieutenant das nicht begreifen konnte, war er darüber so zornig und da­rum sollte der Bengel ducken Der Lieutenant konnte überhaupt wenig begreifen, d. h. von dem, wozu Geist, Gefühl und höhere Wissenschaft nöthig sind; aber er konnte herrlich tanzen, sichfamös" den bewunderungs- würvigen Schnurrbart und die schöngebrannten Haare wichsen; hatte vermittelst eines ungeheuren Opernguckers einen scharfen Blick für die Wattnungen der Tänzenn- nen und die Garderobe der Sängerinnen; bei dem Ein-