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Wir haben noch kein allgemein gültiges Bürger- wehrgescß. Dieses könnte längst entworfen, berathen und ausgegebcu sein.

Vor allem aber: wir haben noch keine Waffen.

Was sollen wir einem Angriffe von Innen oder Außen entgegensetzen? Etwa das Papier, worauf das Versprechen der allgemeinen Volksbewaffnung steht?

Mit Einführung der Bürgerwehr sollte das stehende Heer vermindert werden, man hat es noch vermehrt. Wir sehen recht gut ein, daß eine plötzliche Abschaffung des stehenden Heeres, namentlich in der Jetztzeit nicht möglich ist; aber wie nach und nach die Volkswehr ins Leben tritt, kann die Verminderung des stehenden Heeres stattsinden. Eine Armee werden wir immer nothwendig haben, gegründet auf die Wehrpflichtigkeit eines jeden Bürgers. Das Heer soll die Schule für die Volkswehr sein. In sechs Monaten kann jeder Soldat bei der Armee ausgebildet werden und dann zu der Bürgerwehr übertreten, welche in jedem einzelnen Amte einen Bürgerwehr-Stamm unterhält. In dieser Einrichtung sehen wir die Erfüllung des am 4. März gegebenen Versprechens der allgemeinen Volksbewaff­nung. In diesem Geist? wurde sie gegeben, in diestm Geiste wurde sie von dem Volke ausgenommen.

Für die verzögerte Ausgabe der Gewehre liegen nur zwei mögliche Entschuldigungsgründe vor:

entweder fehlt es an Geld, oder

die Waffenfabriken können nicht Gewehre ge­nug liefern."

Ist kein baares Geld vorhanden, so hat der Staat Kredit und diesen jetzt nm so mehr, als die Domänen wieder Staatseigenthum geworden sind.

Waffen können wir genug bekommen, ohne uns selbst an das Ausland, ein englische oder belgische Fab­riken wenden zu müssen/ Täglich bieten sich die Ge­wehrfabriken des Nieder -Rheines, Sachsens und des Erzgebirges in den Zeitungen zur Lieferung von Ge­wehren an. Das Volk ist aber noch unbewaffnet!

Wir wollen die nahe liegenden Gründe dieses Waf­fenmangels nicht näher erörtern und begnügen uns hiermit, unsere Eingangsbitte Hoher Kammer vorzule- gen, welches sicherlich hinreichend sein wird, demselben baldige Folgegebung zu gewähren, in welcher Zuversicht ergebenst zeichnen.

(Folgen die Unterschriften.)

Stuttgart. Im Arretircn, Beschlagnehmen, Ver­kümmern der Preß-, Rede- und Versammlungsfreiheit tbut's nun unser Ministerium Römer dem Ministe­rium Bekk in Baden ziemlich gleich und die Arresta- tionen werden mit niegesehenem Pomp vorgenommen, wie z. B. am Küfer Werner, wo zur Haussuchung eine Kompagnie Bürgersolraten mit einer--Ka­none beordert wurde! Wie sehr auch von unse­rer Kammer aus ein Armeebefehl nach Art des bekann­ten preußischen am Platze wäre, möge der Umstand beweisen, daß der Artitterielieutenant Hauff, Sohn des bekannten Dichters, aus dem Militärdienst durch ein sogenanntesEhrengericht" (?) entlassen wurde, weil er denket einer Heilbronner Volksversammlung beigewohnt hatte! Es ist fast unglaublich, aber doch wahr! (Volksfr.)

Berlin, 20. Okt. Wie wir gestern schon im Voraus mittheilten, hat die Rechte zum Schutze ihrer persönlichen Sicherheit durch den Abg. v. Meusebach folgendenbesonders dringenden Antrag" vor der Ta- desordnung stellen lassen. Der Antrag lautet:In Erwägung der vor den Ausgängen des Schauspielhauses in neuerer Zeit wiederholt vorgekommenen, die Würde der Versammlung verletzenden Ercess-, ist das Mini­sterium zu ersuchen, Sorge zu tragen, daß die öffent­liche Ordnung auf dem freien Platze vor dem Schau- spielhause während der Dauer und bis nach dem Schluffe der Sitzungen der Versammlungen mit gebührender Strenge (haarscharf geschliffenen Schwertern) gehand­habt werde."

Die Abgeordneten Waldeck und Esser haben solgeuden Antrag zum 24. d. M. eingebracht: 1) Kein Erlaß kann als ein Gesetz gelten und als solches durch die Gesetzsammlung bekannt gemacht werden, welcher nicht von der konstituirenden Versammlung in Berlin beschlossen, angenommen, oder genehmigt worden ist. 2) Diejenigen Erlasse der Frankfurter Centralgewalt oder verfassunggebenden Versammlung, welche innere Angelegenheiten der einzelnen Länder, namentlich Poli­zeiwesen und Strafgesetzgebung zum Gegenstände haben, können für Preußen erst durch die Genehmigung der preußischen Volksvertreter gesetzliche Geltung erlangen.

(N. Nh. Ztg.)

Stralsund, 17. Okt., Nachmittags 4 Uhr. So eben ist von Greifswald eine Estafette hier angekom­men, mit der Nachricht, daß Greifswald in vollem Auf­stande ist. Schon früher waren hier Konflikte wegen der städtischen Mißverhältnisse ausgebrochen, doch wur­den sie durch den besonneneren Theil der Einwohner ge­schlichtet. Jetzt aber wegen eines Urtheilsspruchs gegen einen, bei einem frühern Konflikte betheiligten Schlosser- gesellen, der zu 1% Jahr Zuchthausstrafe verurtheilt, für den jedoch der Volksverein um Begnadigung pe- tittonirt, eines Theils; andern Theils durch eine vom Volksverein an den Bürgermeister abgeschickte Deputa­tion, welche von Letzterem mit Geringschätzung und Ar­roganz behandelt worden sein soll, ist das Volk erbittert und will zur Gewalt greifen. Studenten und Volk gehen mit einander und letzteres hat sich mit Knitteln und eiscritz!n Instrumenten bewaffnet. Die Behörden requi-

rirten nun, da die greifswalder Bürgerwehr die Un­ruhen nicht beilegen kann, von dem Militärkommando in Stralsund 100 Mann von dem hier garnisonirenden Infanterie-Bataillon. Diese gehen mit Ertrapost sofort nach Greifswaid ab. Die in Greifsmalv stehenden Jäger sollen erklärt haben, daß sie nicht aufs Volk schießen werden.

Italien.

Von der italienischen Grenze. Nach demCou­riere mercantile" hat die sizilianische Regierung den Verkauf der Nationaldomänen verordnet und die Aus­gabe von 25 Millionen Franken Papiergeld beschlossen. Nach derPiemontcsischen Zeitung" hatten die Feindseligkeiten aus Sizilien noch nicht wieder begonnen. Die Sizilianer sollen in gut befestigten Städten und Lagern den Angriff entschlossen erwarten. Karl Albert hat die Dienste der in Paris gebildeten italie­nisch-französischen Legion ansgeschlagen. Der Föde­ral - Congreß hat in Turin unter dem Vo> sitze Giobertl's seine erste Sitzung gehalten. Zu Präsiden­ten wurden erwählt Romeo, Gioberti und Mamiani, ferner zu Vize-Präsidenten Perez von Palermo und Luzian Bonaparte. Nachdem Gioberti durch eine warme Rede die Sitzung eröffnet, sprach Mamiani: Wir müssen forthin alle unsere Hoffnungen auf das Loos der Waffen fietlen.. Krieg muß unsere Di­plomatie sein, Krieg ist unser einziges Rct- tungsmittel!" Und: Krieg! Krieg! ertönte es von begeisterten Lippen tausendfach durch den ganzen Saal. Briefe aus Triest an die'Allgemeine Zeitung" melden einen durch die Wiener Ereignisse dort herbeige- führten Krawall der italienischen Partei, die ihren Wunsch eines Anschlusses an Italien durch entsprechende Rufe kund gibt. (Br. Z.)

Frankreich.

Paris, 20. Okt. Die Preßplackereien haben be­gonnen, und nach Aufhebung des Pariser Belagerungs­zustandes werden sie recht en gros floriren; ich glaube er wird bloß zu diesem Behufe aufgehoben. Barrest's La Republique" ward vorgestern nach louisphilippisti- scher Sitte im Büreau des Journals und der Post konfiszirt; dies Blatt hat sich nach langem Schwanken zwischen rother und blauer Republik zu ersterer ge­schlagen, und ärgert die Herrscherklasse durch tägliches Denunziren ihrer Gemeinheiten; z. B. erzchlt es, im Versailler Park seien die Gemüsegärtner, lauter arme Familienväter und Taglöhner, seit Februar noch mit keinem Heller ausbezahlt, vermuthlich um ihnen Sym­pathie zur Republik einzuflößen;ihre Petitionen beim Maire, Inspektor und Cavaignac blieben fruchtlos, und derhochherzige Polenfreund" Vavin, ein Dufaure'- sches Kammermitglied, schickt als Intendant der Civil- liste alles Geld M den Schatz, und da er 25 Franken Taglohn qua Deputirter Schluckt, hält er es für über­flüssig , den Gartenburschen ihre 25 Sous zu geben." Barrest berichtet eine Menge Reaktionöknisse, z. B. auf den Dörfern wird NachtS die Freiheitspappel halb durchgesägt, und bei Gelegenheit einer Prozession am nächsten Tage, wobei man das Kirchenlied:Komm heiliger Heinrich," singt, fällt der Baum um, was als ein Zeichen göttlichen Zornes gegen die Republik von der frommen Gemeinde angestaunt wird. Abends tanzt man und singt das endlose Liedchen von:Monsieur Credit," d. h. Heinrich V., der den Nationalkredit aus eigner Tasche Herstellen und die Bauecnschulen bezahlen wird. In den Departementen der Pyrenäen, der Gi­ronde und im Centrum werden die Bauernfrauen im Beichtstühle systematisch in Pflicht genommen, ihre Männer zum Votiren für Heinrich V. zu bewegen. Jedenfalls hat er unendlich mehr Aussicht als Lamar­tine und Ledrü Rollin.

Paris, 21. October. Kriegsminister Lamoricivre erlitt gestern Abend einen sehr empfindlichen Schlag. 503 von 762 Stimmen der Nationalversammlung ha­ben seinen Antrag auf Verschiebung der Debatte über Abschaffung oder Aenderung des Militär-Ersatzwesens (Artikel 107 der neuen Verfassung) verworfen. Da dieses Votum eine gänzliche Niederlage des Lamoricisre' schen Neformplanes voraussetzen läßt, und leicht mit dem Rückzüge des Junihelden endigen dürfte, so mag hier ein Wort zur Erläuterung dieser neuen Kabknets- frage wohl am Platze sein. Lamoricisre's neues Re- krutirungs-Gesetz will zwar nicht ganz das preu­ßische System einführen (indem es die Ersatzbefugniß für Reiche beibehält), aber es will den Silber- Ertrag dieses Menschenhandels in die Hände des Staates leiten, und einen Fonds daraus bilden, aus welchem Prämien für alle diejenigen Soldaten gezahlt würden, die nach Ablauf ihrer Dienstzeit neuen Dienst nahmen. Aber die Majorität, die bei diesem Handel stark interessirt ist, wird schwerlich darin willigen, daß sich der Staat an die Spitze dieses infamen Industrie­zweiges stelle. Herr Lamoriciere dürfte somit durch-

Thiers tritt als der erbitterste Gegner aller An­träge auf Abschaffung des Militärloskanfsrechts in der Nationalversammlung auf. Dieser Eifer hat seine klingenden Gründe. Dosne, Schwiegervater von Thiers kaufte im Jahre 1836 bei Gelegenheit der spanischen JuterventionSfrage 16,000 Elsässer in der Hoffnung, sie für hohe Preise bei der vermutheten Mobilmachung los zu werden. Thiers war damals Minister.

(N. Nh. Ztg.)

GroßbretaLILLLen.

London, 21. Oktober. Die Ereignisse in Wien fahren fort, die Ausmerksamkeit der City sehr in An­spruch zu nehmen. Das Geschäft an der Börse bleibt beschränkt und Handlungshäuser aller Branchen sind determinirt ihre Operationen einstweilen höchst vorsich­tig und nur bis zu einer gewissen Ausdehnung zu be­treiben. Die Furcht vor einer nachhaltigen Einwirkung der Wiener Vorfälle aus ganz Deutschland hat auch das Geschäft der Manufaktur-Distrikte in etwas gelähmt und die Nachrichten aus Manchester, Lecds, Halifar u. s. w. lauten weniger erfreulich. Die Beschränkungen, welche die Banken im diskontiern der Wechsel eintretett lassen, dürften die unangenehme Stimmung der Han- delswelt noch vergrößern. (N. Rh. Z.)

Pol e n

Warschau, 8. Okt. Unser ganzes Land ist jetzt mehr als jemals ein großes und gewaltiges Gefängniß, in dem man weder die Freiheit hat, zu lesen, noch zu spre­chen, noch Etwvs zu lernen. Der Mann kann seine Frau, die Eltern nicht ihre Kinder schen, sobald sie durch den Schlagbaum der Grenze getrennt, ja sie kön­nen auch nichts von einander erfahren, wenn sie sich nicht durch die freie Luft die unterdrückten Seufzer zu­schicken. Unser ganzes gegenwärtiges Lebeu besteht im Hören, und zwar in dem schmcr.ryollen Hören des Kettengeklirres von Tausenden der Märtyrer, in dem herzzerreißenden Hören so vielen Jammers von ihren unglücklichen Familien; ihr eigenes Stöhnen zu ver­nehmen, ist Niemand gestattet.

Ungarn.

Pesth, 16. Okt. Die Generale Roth, Phillipewich und Dietsch sind bereits in geheimem Verhör gewesen. In der hiesigen Artillerie-Kaserne hat man gestern in einem unterirdischen Gange 6 Batterien und eine große Menge von Gewehren und Munition im Werthe von 2 Millionen Gulden aufgesunden. Auch in den Kasematten von Komorn werden immer neue Vorräthe entdeckt.

80 gefangene Granzer, die man früher auf den Eid, nie mehr gegen Ungarn zu fechten, freigelassen, haben sich trotzdem von Neuem dem Feinde «»geschloffen. Die Regierung hat daher die Freilassung der mehr als 12000 Mann zählenden gefangenen Kroaten bis zur Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung in Croatien und Slavonien sistirt. Ein eben angenommener Courier aus Kaschau meldet, daß ein österreichischer General, Sicmonowitz, mit 4000 Mann aus Gallizien in das Abujoarer Counnitat eingefallen ist. In Kroa­tien soll eine Contrerevolution gegen die Camarilla aus- gebrochen sein. (Br. Z.)

Neueste Nachrichten aus Oestreich.

Wien, 18. Octbr. Morgens. Die Deputation der Frankfurter Linken hat sich ebenfalls bewaffnet. Sie war gestern Mittag in der ReichStagsfitzung und ging Abends in das Sitzungs-Loka! des Studenten-ComiteS. Robert Blum war Wortführer. Er berichtete über den Zweck ihrer Anwesenheit und pries den Muth und die Entschlossenheit der akademischen Legion. Wiens Sache sei Deutschlands Sach!'; es müsse Wien daher siegen, sonst würde sich das ganze Volk erheben. Ueber- all sei dieselbe Begeisterung für die gerechte Sache. Die Deputaten ließen sich hierauf als Legionäre cin- schrelben. (Brsl. Z.)

Wien, 20. Oktober. Die hohe Reichsversammlung hat in der Abendsitzung vom 19. d. M. folgenden Be­schluß gefaßt: Die abwesenden Abgeordneten werden aufgefordert, binnen zehn Tagen, vom Tage der Kund­machung gegenwärtigen Beschlusses zu rechnen, ange­fangen, desto gewisser zu erscheinen oder ihre Abwesen­heit zu rechtfertigen, widrigenfalls für selbe neue Wah­len ausgeschrieben werden würden. Dieser Beschluß wird über Ersuchen des hohen Reichstages mit dem Beifügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der Einschaltungstag desselben in der Zeitung als der Kund­machungstag anzuseheu ist.

In M a i land herrscht große Ausregung. Im Scalathcater sott ein Streit zwischen Volk und Militär ausgebrochen sein. Der Waffenstillstand endet am 23. d. M. und an diesem Tage erwartet man einen An­griff der Plemontkjen.

Die gestrige Kanonade bei der St. Marrer Linie entspann sich dadurch, daß von unserer Seite früh Morgens auf dem Ravelin des Linienwall-'s, welches den >st. Marrer Friedhof beherrscht, eine Haubitze auf­geführt wurde. Wie der Feind unsere Leute auf dem Linienwalle Schanzen aufmerfen sah, fing er an tu ka- uoniren. Von den Unseren zum Schweigen gebracht, wurde dann die Position der Haubitze vollendet.

Welcker und Mosler sollen als Reichskommiffäre gestern Nachmittags hier eingetroffen sein.

Wien, 20. Okt. Ruhe und Ordn ung auch heut auf den Straßen, nur die Gemüther sind bewegt durch eine Menge Nachrichten.

In den Spalten unseres Blattes finden die Leser diejenigen Berichte, welche wir von Vrüon, von Ve­rona, von Cilly als zuverlässig geben können. Von Gerüchten melden wir einen Aufstand in Italien, einen Schuß auf den Kaiser, wodurch Erzherzog Franz Carl verwundet feie.